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Entwicklungspsychologie (Fach) / Anlage-Umwelt-Debatte (Lektion)

Einführung in die Anlage-Umwelt-Debatte, Beispiel der Debatte bei der Entwicklung kognitiver Fähigkeiten

Diese Lektion wurde von jfischer16 erstellt.

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  • Wodurch werden Merkmale vererbt? Jeder Mensch hat 23 Chromosomenpaare, die im Zellkern jeder Körperzelle enthalten sind und auf denen bestimmte Abschnitte (Gene) die Produktion von bestimmten Proteinen steuern. Diese Abschnitte können leicht unterschiedlich aufgebaut sein, wodurch verschiedene Merkmalsausprägungen entstehen, und eines dieser Chromosomen in jedem Paar kommt vom Vater und das andere von der Mutter, wodurch in jedem Menschen zwei Gene miteinander konkurrieren. 
  • Welche historischen Positionen gab es in der Anlage-Umwelt-Debatte und wie wurden sie begründet? 1. Endogenismus: Entwicklung hängt von biologischen Anlagen ab, Francis Galton: familiäre Häufung von herausragenden Leistungen prominenter Männer → sogar von einem seiner Fallbeispiele John Stewart Mill kritisiert mit der Begründung, die Fallbeispiele seien priviligiert aufgewachsen und deshalb von ihrer Umelt geprägt gewesen 2. Exogenismus (Entwicklung durch Umwelt, der Behaviorismus ist eine radikale Form des Exogenismus, John B. Watson)
  • Was ist die Umwelt des Individuum, das es prägt? Alles außer den Genen, z.B. Ernährung. medizinische Versorgung, soziale Beziehungen, Bildung, Wohnverhältnisse, Peer-Beziehungen
  • Welche Faktoren beeinflussen Entwicklung nach zeitgemäßem Verständnis? genetische Anlage, Umwelt und das Individuum selbst der relative Einfluss jeder dieser Faktoren varriert je nach Merkmal und ist nicht immer eindeutig voneinander trennbar, da die Faktoren miteinander in komplexer Weise interagieren 
  • Auf welche Arten beeinflussen sich Genotyp, Phänotyp und Umwelt? Genotyp → Phänotyp Umwelt → Phänotyp Phänotyp → Umwelt Umwelt → Genotyp
  • Wie beeinflusst der Genotyp den Phänotypen? Jede Körperzelle enthält alle geerbten Gene, aber nicht alle Gene werden exprimiert.  Dafür sind sowohl Genaktivierung als auch Gendominanz verantwortlich. 
  • Warum gibt es Genaktivierung? In einer Körperzelle sind zu einem Zeitpunkt immer nur bestimmte Gene aktiv, obwohl in jedem Zellkern die gesamte DNS vorhanden ist.  Welche Gene aktiv sind, hängt von der Art der Zelle ab, da die Gene die Bildung von Proteinen steuern, die den Körper steuern.
  • Wie lassen sich Gene an- und abschalten? Regulatorgene (Abschnitte auf der DNS) steuern die Aktivierung von Genen, aber auch externe Faktoren wie visuelle Reize (wichtig für Entwicklung des visuellen Cortex in den ersten Lebensmonaten) und Medikamente (z.B. Contergan).
  • Lässt sich ein bestimmtes Merkmal auf ein bestimmtes Gen zurückführen? Nein, da Gene nicht isoliert, sondern in bestimmten Ketten agieren.  Dasselbe Gen kann also an der Entwicklung unterschiedlicher Merkmale beteiligt sein und die Merkmale sind eher in diesen Aktionsketten gespeichert.
  • Wie funktioniert Gendominanz und inwiefern hat sie Relevanz für unseren Phänotyp? ca. 1/3 der menschlichen Gene hat mehrere Allele (Zustandsformen) vom Vater und von der Mutter vererbte Gene können also in unterschiedlichen Allelen kommen, die miteinander konkurrieren Relevanz: viele genetische Störungen werden dadurch exprimiert beeinflusst den Phänotyp nur wenig, hauptsächlich äußere Erscheinung - viele Eigenschaften werden polygenetisch (Genketten) und nicht durch einzelne Gene vererbt
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  • Wie beeinflusst die Umwelt den Phänotypen? - nach Dobzhansky (1955) bestimmt der Genotyp eine Reaktionsnorm (= Bereich, in dem sich ein Merkmal in allen möglichen Umwelten ausprägen kann) → die tatsächliche Umwelt bestimmt dann den tatsächlichen Phänotype Beispiel: eineiige Zwilling, die getrennt aufwachsen
  • Auf welche Arten beeinflusst der Phänotyp eines Menschen seine Umwelt? 1. evokativ: Verhalten des Individuums ruft Reaktionen der Umwelt hervor Beispiel: impulsive Kinder werden anders als zurückhaltende behandelt 2. aktiv: Individuen gestalten ihre Umwelt aktiv mit, entsprechend ihrer situativen Möglichkeiten und ihrer genetisch prädisponierten Präferenzen Beispiel: nach DeLoache et al. gibt es schon im Alter von 18 Monaten Präferenzen in der Auswahl von Aktivitäten und Objekten
  • Wie beeinflusst die Umwelt den Genotypen? Die Struktur der DNS ist festgelegt, aber Umwelteinflüsse können durch epigenetische Mechanismen (wie z.B. Methylierung) die Aktivität von Genen verändern. Das ist sogar vererbbar! Beispiel: Es gibt Hinweise, dass häusliche Gewalt während der Schwangerschaft mit einer erhöhten physiologischen Stressreaktion von Kindern in Verbindung gebracht werden kann.
  • Was ist Epigenetik? Forscht daran, wie Gene aktiviert und deaktiviert werden.
  • Was ist Verhaltensgenetik? untersucht den Einfluss von Genen und auch Umwelt auf Verhalten (dabei werden v.a. individuelle Unterschiede berücksichtigt)
  • Wie kann man verhaltensgenetische Untersuchungen an Menschen vornehmen? nur unter quasi-experimentellen Bedingungen, da man aus ethischen Gründen keinen der beiden Faktoren "Umwelt" und "Gen" konstant halten kann
  • An welchen Grundprämissen kann man sich orientieren, wenn man den Einfluss von Umwelt und Genetik auf ein bestimmtes Merkmal untersucht? 1. Umso mehr Einfluss Gene haben, desto ähnlicher in Bezug auf das untersuchte Merkmal sollten sich verwandte Individuen sein (selbst wenn getrennt aufgewachsen). "Genetische Verwandtschaft" Beispiel: Geschwister, v.a. eineiige Zwillinge, die zur Adoption freigegeben wurden 2. Umso mehr Einfluss die Umwelt hat, desto ähnlicher in Bezug auf das untersuchte Merkmal sollten sich nicht verwandte Individuen sein, die eine Umwelt geteilt haben. "Umweltverwandtschaft" Beispiel: Adoptivgeschwister
  • Was ist das Zwillingsparadigma und welche Bedeutung hat es in der Verhaltensgenetik? Eineiige und zweieiige Zwillinge werden verglichen, um den Einfluss von Genen zu untersuchen. Das funktioniert, weil: äquivalente Umwelt (angenommen) 100% genetische Übereinstimmung eineiige Zwillinge vs. 50% genetische Übereinstimmung zweieiige Zwillingen
  • Welche Probleme und Einschränkungen hat das Zwillingsparadigma? Frage nach der... 1. Äquivalenz der Umweltverwandtschaft- Pränatal sind Umweltunterschiede für eineiige Zwillinge größer (z.B. Geburtsgewicht, da Plazenta oft ungleich geteilt wird)- Postnatal Umweltunterschiede für ein- im Vergleich zu zweieiigen Zwillingen sowohl kleiner (Ähnlichkeit im Erscheinungsbild, dadurch Ähnlichkeit in Behandlung durch andere) als auch potentiell größer (Nischen-Suchung zur Abgrenzung)2. Repräsentativität für die allgemeine Bevölkerung- Machen kleinen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung aus- Durchschnittlich ungünstigere frühe Entwicklungsbedingungen als Einlinge (pränatale Konkurrenz, häufige Frühgeburt)
  • Was ist das Adoptionsparadigma und wie hilft es bei der Untersuchung von genetischen und Umwelteinflüssen? Schafft folgende Bedingungen: - genetische Verwandtschaft ohne Umweltverwandtschaft (biologische Eltern und zur Adoption freigegebene Kinder, getrennt adoptierte Geschwister) - Umweltverwandtschaft ohne genetische Verwandtschaft (Adoptiveltern und Adoptivkinder, Adoptivgeschwister) → Vergleich von Merkmalsähmlichkeiten, Rückführung der Unterschiede auf genetische bzw. Umwelteinflüsse
  • Was sind die Probleme und Einschränkungen beim Adoptionsparadigma? 1. Repräsentativität für Allgemeinbevölkerung Geringer Anteil an Gesamtbevölkerung Häufig ungünstige frühe Entwicklungsumwelten von zur Adoption freigegebenen Kindern (prä- und postnatal vor Adoption) 2. Zuweisung von Adoptivkindern zu Familien erfolgt i.d.R. nicht zufällig Auswahl der Adoptivfamilie anhand der (angenommenen) „Passung“ → Überschätzung des Umwelteinflusses 3. Offene Adoption (Annahme, dass dies psychologisch günstig für Betroffene ist) Bei Kontakt zwischen biologischer & Adoptivfamilie keine klare Trennung zwischen genetischen und Umwelteinflüssen möglich
  • Was ist Heribilität? Heritabilität (Erblichkeit) = statistische Schätzung, welcher Anteil der gemessenen Varianz eines Merkmals bei Individuen einer bestimmten Population den genetischen Unterschieden dieser Individuen zuzurechnen ist