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Psychologie (Fach) / TEST (Lektion)
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- Einführung Psychologie als Wissenschaft beschäftigt sich mit dem menschlichen Erleben und Verhalten Die Klinische Psychologie ist dabei ein Anwend-ungsfach der Psychologie Die Klinische Psychologie ist oftmals das Motiv für ein Psychologie-Studium 83,8% der Studienanfänger (Berlin) wollen in diesem Bereich tätig sein 56,6 % realisieren diesen Plan
- Definition -Klinische Psychologie befasst sich mit Entstehungs- und Aufrechterhaltungsbedingungen psychischer Störungen -mit psychischen Aspekten körperlicher Erkrankungen Gegenstand der Klinischen Psychologie sind: Klassifikation Diagnostik Verbreitung von Krankheiten (Prävalenz) Prävention Behandlung
- Angrenzende Wissensbereiche Klinische Psychologie greift für das Verständnis psychischer Störungen auf Grundlagenfächer der Psychologie zurück Integration des Wissens über•Emotion•Kognition•Motivation•(Neuro-)biologische Zusammenhänge•Gesellschaftlich-soziale Kontexte
- Empirie und Praxis Zusammenspiel von Forschung und Anwendung Die optimale Behandlung psychischer Störungen soll durch wissenschaftliche Forschung abgesichert werden •Forschung: Rückgriff auf psych. Grundlagenfächer•Anwendung: es bedarf Kliniker, die aus Erfahrung und Expertenwissen Therapie und Theorieweiterentwickeln Somit ist Klinische Psychologie eine Kombination aus1.Hermeneutisch-verstehender Perspektive (Einzelfall; Praxis)2.Empirischem Vorgehen, welches Hypothesen testet (Generalisierung; Wissenschaft)
- Teilfächer Subdisziplinen der Klinischen Psychologie Grundlagenbereiche•Psychopathologie (Störungslehre) Anwendungsbereiche•Diagnostik•Psychotherapie•Beratung•Prävention•Rehabilitation
- Angrenzende Disziplinen Fächer Medizinische Psychologie•Beschäftigung mit psychischen Auswirkungen körperlicher Erkrankungen Verhaltensmedizin•Ein interdisziplinäres Fach•Hervorgegangen aus Psychosomatik•Versucht, Medizin und Psychologie zu verbinden
- Unterschiedliche Berufsgruppen PsychiaterIn•Erfordert Medizinstudium und Facharztausbildung•Monopol in Verabreichung von Medikamenten PsychotherapeutIn•Studium oder vergleichbare Ausbildung•Systematisches Einsetzen von Wissen aus Klinischer Psychologie und Psychiatrie Klinischer PsychologIn•Postgraduale Ausbildung nach Psychologie-Studium•Praktische Fähigkeiten: Diagnostik und Begutachtung PsychotherapeutIn•Studium oder vergleichbare Ausbildung•Systematisches Einsetzen von Wissen aus Klinischer Psychologie und Psychiatrie Klinischer PsychologIn•Postgraduale Ausbildung nach Psychologie-Studium•Praktische Fähigkeiten: Diagnostik und Begutachtung Klinischer PsychologIn•Postgraduale Ausbildung nach Psychologie-Studium•Praktische Fähigkeiten: Diagnostik und Begutachtung
- Entstehung Lightner Witmer (1867 – 1956) Arbeitete ein Jahr bei Wilhelm Wundt im ersten psychologischen Labor in Leipzig Psychologie solle der Weiterentwicklung der Menschheit dienen Nach Rückkehr in die USA•1896 gründete erste „Psychological Clinic“ an der University von Pennsylvania•1907 erste Fachzeitschrift für Klinische Psychologie „The Psychological Clinic“
- Entstehung Lightner Witmer (1867 – 1956) Arbeitete ein Jahr bei Wilhelm Wundt im ersten psychologischen Labor in Leipzig Psychologie solle der Weiterentwicklung der Menschheit dienen Nach Rückkehr in die USA•1896 gründete erste „Psychological Clinic“ an der University von Pennsylvania•1907 erste Fachzeitschrift für Klinische Psychologie „The Psychological Clinic“
- Entstehung Lightner Witmer (1867 – 1956) Führte Begriff „Klinische Psychologie“ ein Begründet den Begriff „Klinisch“ (1907):•Er borgte denselben aus der Medizin, da dieser den Charakter der Methode am besten beschreibe
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- Entstehung Beschäftigung des Menschen mit psychischen Störungen reicht weit zurück Dämonologisches Störungsmodell Fremdes Wesen ergreift Besitz vom Menschen Exorzismus als Behandlungsmethode Hippokrates Säftelehre Körperliche Verursachung psychischer Störungen Psychische Störung ist nicht mehr der Zorn der Götter
- Entstehung Analog zu Hippokrates: Emil Kraeplin (1883) Rein physiologische Verursachung der Störungen Psychogenetisches Störungsmodell Jean-Martin Charcot & Pierre Janet•Verorten Ursachen in der menschlichen Psyche Josef Breuer & Sigmund Freud•Erste stringente psychologische Theorie von psychischen Störungen•Psychologische Behandlung durch „Redekur“
- Zentrale Fragen der Klinischen Psychologie 1.Ist das Verhalten/Erleben einer anderen Person normal oder abweichend (pathologisch)?2.Wenn pathologisch, welcher spezifische Teil des Verhaltens/Erlebens ist davon betroffen?3.Wie kann das pathologische Verhalten/Erleben erklärt werden?4.Wie könnte das pathologische Verhalten/Erleben therapeutische behandelt werden?
- Kernkonzepte 1.Berücksichtigung des Kontexts2.Kontinuum zwischen normalem und abweichendem Verhalten3.Kultureller und historischer Relativismus4.Einsetzen von Kurzformeln als Diagnosen5.Multikausalität und Multifinalität6.Verbindung zwischen Körper und Geist
- Das allgemeine Krankheitsmodell Das medizinische Modell definiert „Krankheit“:1.Entsteht durch spezifische Verursachung (Ätiologie)2.Hat vorhersehbaren Ablauf (Prognose)3.Ist durch spezifische Phänomene und Manifestationen beschreibbar (Symptome)4.Lässt sich mit voraussehbaren Ergebnissen behandeln (Therapie)Unmittelbare Wirkung der Ursachen auf die Krankheit Pathologische Veränderungen als „Defekt“
- Psychologisches Krankheitsmodell Das medizinische Modell wird in der Klinischen Psychologie nicht mehr verwendet Psychologisches Modell Psychische Störungen als abweichendes Erleben/ Verhalten Kein „Defekt“ sondern eine Störungsdisposition Multidimensional (Bio-Psycho-Soziales Modell)•Biologische Ursachen•Psychische Ursachen•Soziale Ursachen
- Bio-Psycho-Soziales Modell Versuch, unterschiedliche Erklärungsebenen und Ursachen zu integrieren 3 Ebenen Biologische Ursachen•zB. genetische Dispositionen, Neurotransmitter, Läsionen, Infektionen Soziale Ursachen•zB. interpersonelle Faktoren, Kultur, Ethnie Psychische Ursachen•zB. Erleben, Verhalten, Bewältigung, Informations-verarbeitung
- Kritik am Bio-Psycho-Sozialen Modell Vorteile Trägt zum allgemeinen Verständnis psychischer Erkrankungen bei Kritik Genaue Mechanismen des Ineinandergreifens der Ebenen wird nicht geklärt Erlaubt keine störungsspezifischen Aussagen Entwicklungs- und Lebensspannenperspektive wird nicht mitgedacht
- Vulnerabilitäts-Diathese-Stress-Modell Baut auf Bio-Psycho-Sozialem-Modell auf Dynamik wird berücksichtigt und Entwicklung bedacht Klärung der Begrifflichkeiten Vulnerabilität = Verletzbarkeit Diathese = Empfänglichkeit Vulnerabilitäts-Diathese-Stress-Modell Vergleichbare biologische, psychologische und soziale Stressoren wirken sich aufgrund der unterschiedlichen Empfänglichkeit/Verletzbarkeit eines Individuums unterschiedlich aus
- Vulnerabilitäts-Diathese-Stress-Modell Effekt von Stress auf Verletzbarkeit/Empfäng-lichkeit Nur wenn eine ausreichende Stressintensität auf eine Vulnerabilität/Diathese trifft, wird ein Schwellenwert erreicht, ab dem eine psychische Störung auftreten kann Dynamik und Entwicklung Lebensphasen haben unterschiedliche Schwellenwerte Dispositionen können durch Schutzfaktoren ausgeglichen werden (zB. förderliche Umwelt)
- ICD-10 und DSM-V 2 Klassifikationssysteme psychischer Störungen1.International Classification of Diseases (ICD-10)•Herausgegeben von der WHO2.Diagnostic and Statistical Manual of Mental Diseases (DSM-V)•Herausgegeben von der APAEntsprechen aktuellem wissenschaftlichen Stand
- Allgemeines psychologisches Modell (I) 24 2 Klassifikationssysteme psychischer Störungen1.International Classification of Diseases (ICD-10)•Herausgegeben von der WHO2.Diagnostic and Statistical Manual of Mental Diseases (DSM-V)•Herausgegeben von der APAEntsprechen aktuellem wissenschaftlichen StandICD-10 und DSM-VAufnahmeprüfung, Psychologie, Mitterwallner Aus Vorangegangenem lässt sich das allgemeine psychologische Modell ableiten Konsensuelle Kategorien: Für die Beschreibung einer psychischen Störung existieren ICD-10 und DSM-V Ätiologie: bezeichnet bio-psycho-soziale Ursachen Psychogenese: individuell psychische Verarbeitung von äußeren und inneren Bedingungen Störungsdisposition: die individuelle Verarbeitung kann in einer Verletzbarkeit/Empfänglichkeit münden•Erst die Störungsdisposition kann die Person anfällig für eine psychische Störung machen
- Allgemeines psychologisches Modell (II) Aus Vorangegangenem lässt sich das allgemeine psychologische Modell ableiten Störung und Störungsfolgen: aus der Störungs-disposition kann es durch biologische, psychische und soziale Stressoren zu einer Störung und deren Folgen kommen Rückkoppelungsprozesse: Ausgehend von der Ätiologie bis zu den Störungsfolgen kann es zu vielfältige Rück-koppelungen geben•zB. mit der Umwelt
- Allgemeines psychologisches Modell (III) Ätiologie Biologische, psychologische, soziologische UrsachenPsycho-genesePsychische Verarbeitung der UrsachenStörungs-disposition Pathologische Veränderungen in der Person/ im SystemStörung Beschwerden, Symptome, SyndromeStörungs-folgen Krankenrolle, Verhaltens-einschränkungen, etc.
- Diagnostik Störung des Sozialverhaltens (SSV) Grundrechte anderer oder altersangemessene soziale Regeln werden verletzt DSM-V definiert, dass 3 der folgenden Verhaltens-weisen in den letzten 12 Monaten aufgetreten sein müssen (Auswahl, Buch S. 14)•Bedroht andere oft•Initiiert häufig Schlägereien•Hat eine schwer gesundheitsgefährdende Waffe eingesetzt•Hat körperliche Grausamkeiten an anderen verübt
- Subformen 2 Unterformen der SSV1.Beginn in der Kindheit•Eines der Symptome vor dem 10. Lebensjahr aufgetreten2.Beginn in der Adoleszenz•Keines der Symptome vor dem 10. Lebensjahr auf-getreten
- Prävalenz Prävalenz Ist die Häufigkeit einer psychischen Störung in der Bevölkerung SSV Bei 5% bis 10% aller Kinder Geschlechtsunterschiede•Prävalenzrate bei Jungen höher•Jungen zeigen sich stärker offen körperlich aggressiv•Mädchen zerstören eher Eigentum und stehlen weniger•Hinsichtlich aggressiven Verhaltens mehr Ähnlichkeiten
- Prognose Prognose bei SSV 60% bis 90% der Personen mit Antisozialen-Persönlich-keitsstörung (ASPS) hatten zuvor SSV SSV in Kindheit und Jugend kann zu Angststörungen, Depression, Drogenabusus und bipolare Erkrankungen führen•Somit erhebliche gesundheitliche Risikofaktoren Relevante Untergruppe: Kinder und Jugendliche mit ausgeprägter Gefühllosigkeit/GefühlskälteBesonders schlechte PrognoseReagieren schlechter auf therapeutische Interventionen
- Komorbidität Komorbidität Psychische Störungen treten oftmals nicht isoliert auf Mehrere psychische Erkrankungen können gleichzeitig bei einer Person vorhanden sein Komorbidität bei SSV Oppositionelles Trotzverhalten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) Drogenmissbrauch 17% der SVV-PatientInnen erfüllen Kriterien für Post-traumatische Belastungsstörung (PTBS
- Ätiologie (I) Ursachen der SSV Genetische Entstehungsursachen Umweltbezogene Entstehungsursachen Risikofaktoren (wirken stärker, wenn sie gehäuft auftreten) Dysfunktionale Eltern-Kind-Interaktion Kritische Lebensereignisse•Trennung und Scheidung der Eltern•Verlust eines Elternteils•Physischer und sexueller Missbrauch
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- Ätiologie (II) Schutzfaktoren (können die Wirkung von Risikofaktoren abfangen) Intelligenz Soziale Unterstützung
- Rahmentheorien Um die Ätiologie und Psychogenese von SSV zu verstehen, werden zwei Rahmentheorien heran-gezogen1.Bindung2.Mentalisierung
- Bindung (I) Bindung Definition•Ein grundlegendes Verhaltenssystem, dass bei Stress, Trennung und Gefahr aktiviert wird und das Überleben sichern soll Bindungssysteme bei Säuglingen und Kindern•Führt zu spezifischem Bindungsverhalten (zB. Weinen)•Löst fürsorgliches Verhalten bei Eltern aus Kinder verinnerlichen diese Bindungssysteme•Haben generalisierte Erwartungen, wie auf ihr Bindungsverhalten reagiert wird
- Bindung (II) Unterschiedliche Bindungstypen (Bowlby, 2002) Sichere Bindung•Fürsorgepersonen gehen zuverlässig und feinfühlig auf Bedürfnisse des Kindes ein•Kind entwickelt folglich positive ErwartungshaltungBeziehungen sind hilfreichPersonen sind liebenswert Unsicher-vermeidende Bindung•Kind macht zurückweisende Erfahrungen•Es entwickelt verminderten Verhaltensausdruck von Bindungswünschen
- Bindung (III) Unterschiedliche Bindungstypen (Bowlby, 2002) Unsicher-ambivalente Bindung•Fürsorgepersonen sind unzuverlässig erreichbar•Kind entwickelt wechselhaftes Bindungsverhalten Desorganisierte Bindung•Fürsorgepersonen verhalten sich missbräuchlich gegenüber dem Kind•Stress überwältigt die Emotionsregulation des Kindes•Es entwickelt Desorientierung und Hilflosigkeit
- Bindung (IV) Warum ist Bindung für die SSV wichtig? Jugendliche müssen in der Adoleszenz die Bindung zu den Eltern und Gleichaltrigen neu definieren•Spannungsfeld Verbundenheit vs. Autonomie Die inneren Arbeitsmodelle von Bindung werden dadurch bedeutsam
- Bindung (V) Bindung und SSV Besonders unsicher-vermeidende Kinder (Risikogruppe) neigen zu aggressiven Verhaltensweisen Jugendliche mit SSV weisen überzufällig oft eine desorganisierte Bindung auf•Ein desorganisierte Bindungsrepräsentation kann somit einen Entwicklungspfad der SSV darstellen
- Mentalisierung Mentalisierung Definition•Andere und sich selbst als intentionale, fühlende und denkende Wesen wahrnehmen Inhibierung (Hemmung) der Mentalisierung•Versuch des Kindes, sich an missbräuchliche Bindungs-kontexte anzupassen•Für das Kind ist es zunächst hilfreich, nicht über die men-tale Befindlichkeit der Eltern nachdenken zu müssen
- Zusammenfassung: Rahmentheorien Aus den Rahmentheorien resultieren somit 2 Entwicklungspfade der SSV, welche gemeinsam auftreten können1.Desorganisierte Bindungsrepräsentationen2.Inhibierung der Mentalisierung