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Einführung Psychologie II (Fach) / Sozialpsychologie Verständnisfragen (Lektion)
Sozialpsychologie Verständnisfragen
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- 15.1Was erforschen Sozialpsychologen? Wie erklären wir das Verhalten anderer und unser eigenes? Sozialpsychologenkonzentrieren sich darauf, wie Menschen über andere denken, wie sie einander beeinflussen und wie sie in Beziehung zueinander stehen. Sie studieren soziale Einflüsse, die erklären können, wieso dieselbe Person in verschiedenen Situationen unterschiedlich handelt. Wenn wir das Verhalten anderer erklären, kann es sein, dass wir den fundamentalen Attributionsfehler begehen: Wir unterschätzen den Einfluss der Situation und überschätzen die Effekte der Persönlichkeit des Betreffenden. Unser eigenes Verhalten erklären wir viel häufiger durch den Einfluss der Situation.
- 15.2Beeinflussen unsere Gedanken unser Handeln oder beeinflussen unsere Handlungen, was wir denken? Einstellungen sind Gefühle aufgrund von Überzeugungen, die uns dafür prädisponieren, in bestimmter Weise zu reagieren. Die periphere Route der Überzeugung bewirkt mit zufälligen Hinweisen (so wie prominente Unterstützung), schnelle, aber auch unbedachte Einstellungsänderungen. Die zentrale Route der Überzeugung stellt Beweise und Argumente zur Verfügung, um gut durchdachte Reaktionen hervorzurufen. Wenn andere Einflüsse gering sind, werden Einstellungen, die stabil und spezifisch sind und uns leicht in den Sinn kommen, unser Verhalten beeinflussen. Verhalten kann auch Einstellungen ändern, so wie bei der Foot-in-the-Door-Technik (bei der man einer großen Forderung zustimmt, nachdem man einer kleineren zugestimmt hat) oder bei Rollenverhalten (man spielt eine soziale Rolle, indem man sich entsprechend bestimmer Richtlinien verhält). Wenn unsere Einstellungen und unser Verhalten nicht übereinstimmen, werden wir laut der Theorie der kognitiven Dissonanz unsere Einstellungen, um Spannungen zu reduzieren, so ändern, dass sie zu unserem Verhalten passen.
- 15.3Was ist automatische Mimikry? Wie können Experimente zur Konformität die Macht von sozialem Einfluss demonstrieren? Automatische Mimikry (der Chamäleon-Effekt) besteht in unserer Neigung, die Ausdrucksweise, Haltung oder Stimmlage von Menschen aus unserer Umgebung unbewusst nachzuahmen, und stellt eine Form von Konformität dar. Solomon Asch und andere Forscher fanden heraus, dass wir unser Verhalten oder unsere Gedanken am ehesten dem Gruppenstandard anpassen, wenn (a) wir uns inkompetent oder unsicher fühlen, (b) die Gruppe aus mindestens drei Personen besteht, (c) alle anderen einer Meinung sind, (d) wir den Status und die Attraktivität der Gruppe bewundern, (e) wir uns vorher nicht auf eine Reaktion festgelegt haben, (f) wir wissen, dass wir beobachtet werden, und (g) wir aus einer Kultur stammen, die die Einhaltung der Gruppennorm in starkem Maße fördert. Wir stimmen möglicherweise entweder zu, um gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen (normativer gesellschaftlicher Einfluss) oder weil wir offen sind für die Informationen, die wir von anderen erhalten (informationaler gesellschaftlicher Einfluss).
- 15.4Was lehrten uns die Experimente von Milgram zum Gehorsam über die Macht von sozialen Einflüssen? Stanley Milgrams Experimente – in denen Menschen sogar Befehlen gehorchten, wenn sie dachten, sie würden einem anderen schaden – zeigten, dass starke soziale Einflüsse Menschen dazu bringen können, falschen Aussagen zuzustimmen oder vor der Grausamkeit zu kapitulieren. Die Teilnehmer am Experiment gehorchten mit der größten Wahrscheinlichkeit, (a) wenn sich die Person, die die Befehle gab, direkt nebenan befand und als eine legitime Autoritätsperson wahrgenommen wurde; (b) wenn die Person, die die Befehle gab, durch eine prestigeträchtige Institution unterstützt wurde; (c) wenn das Opfer depersonalisiert wurde und sich in einer bestimmten Entfernung befand; und (d) wenn keine andere Person als Modell für Ungehorsam zur Verfügung stand.
- 15.5Wie wird unser Verhalten durch die Anwesenheit anderer beeinflusst? Bei sozialer Erleichterung steigert die bloße Anwesenheit anderer unsere Erregung und lässt gewöhnlich die Leistung bei leichten oder gut erlernten Aufgaben ansteigen, aber bei schwierigen auch abnehmen. Bei der Teilnahme an einem Gruppenprojekt kann man sich weniger verantwortlich für den Erfolg fühlen, was zu sozialem Faulenzen führt: Man betätigt sich auf Kosten anderer als Trittbrettfahrer. Wenn die Anwesenheit anderer uns gleichzeitig erregt und uns ein Gefühl von Anonymität gibt, kommt es zu Deindividuation: Man ist sich seiner selbst weniger bewusst und zeigt weniger Selbstbeherrschung.
- 15.6Was ist Gruppenpolarisierung, was Gruppendenken? Wie viel Macht haben wir als Individuen? In Gruppen kommt es durch Diskussionen unter gleichgesinnten Gruppenmitgliedern oft zu einer Gruppenpolarisierung, einer Bekräftigung der in der Gruppe vorherrschenden Meinungen. Das Internet als Kommunikationsmedium verstärkt diesen Effekt – mit positiven und negativen Effekten. Gruppendenkentritt bei der Entscheidungsfindung innerhalb einer Gruppe auf, in der ein großes Harmoniebedürfnis herrscht, sodass die realistische Bewertung von Alternativen vernachlässigt wird. Die Macht des Individuums und die der Situation interagieren. Eine kleine Minderheit, die konsistent ihre Meinung kundtut, kann die Mehrheit überzeugen.
- 15.7Was sind Vorurteile? Welche sozialen und emotionalen Wurzeln haben sie? Vorurteile sind ungerechtfertigte und in der Regel negative Einstellungen gegenüber einer Gruppe und ihren Mitgliedern. Vorurteile bestehen aus drei Komponenten: Überzeugungen (meistens Stereotype), Emotionen und Handlungsbereitschaften (Diskriminierung). Offenes Zeigen von Vorurteilen hat in den USA abgenommen, doch implizite Vorurteile, also automatische, unbedachte Einstellungen, herrschen weiterhin vor. Die sozialen Wurzeln von Vorurteilen sind unter anderem Ungleichheit und das Vorhandensein unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppierungen. Gruppen mit hohem Status rechtfertigen ihre privilegierte Position oft mit dem Phänomen der gerechten Welt. Wir trennen in »wir« (Eigengruppe) und »sie« (Fremdgruppe) und tendieren dazu, unsere eigene Gruppe zu bevorzugen (Eigengruppen-Verzerrung). Vorurteile können auch dazu dienen, unser emotionales Gleichgewicht zu beschützen, wenn wir beispielsweise unseren Ärger auf einen Sündenbock richten können, dem wir die Schuld an problematischen Ereignissen geben.
- 15.8Was sind die kognitiven Wurzeln von Vorurteilen? Die kognitiven Wurzeln von Vorurteilen erwachsen aus der Art, wie wir von Natur aus Informationen verarbeiten: Wir kategorisieren, erinnern uns vor allem an beeindruckende Fälle und glauben an eine gerechte Welt und daran, dass wir selbst bzw. unsere Kultur Dinge auf die einzig richtige Art lösen.
- 15.9Inwiefern unterscheidet sich die psychologische Definition von Aggression von der Verwendung des Begriffs im Alltag? Welche biologischen Faktoren bringen uns dazu, anderen wehzutun? In der Psychologie gilt als Aggression jedes physische oder verbale Verhalten, mit dem die Absicht verfolgt wird zu verletzen oder zu zerstören. Die Biologie beeinflusst unsere Hemmschwelle für aggressives Verhalten auf drei Ebenen: genetisch (geerbte Eigenschaften), neuronal (Aktivität in Kernbereichen des Gehirns) und biochemisch (beispielsweise Alkohol oder überschüssiges Testosteron im Blutkreislauf). Aggression ist ein komplexes Verhalten, bedingt durch die Interaktion von Biologie und Erfahrung.
- 15.10Welche psychologischen und soziokulturellen Faktoren können aggressives Verhalten auslösen? Frustration (Frustrations-Aggressions-Prinzip), die vorherige Verstärkung von aggressivem Verhalten und die Beobachtung eines aggressiven Vorbildes können zur Entstehung von Aggression beitragen. Durch die Darstellung von Gewalt in den Medien lernen Kinder, sozialen Skriptenzu folgen. Das Betrachten sexueller Gewalt führt zu stärkerer Aggression gegenüber Frauen. Der Gebrauch von Gewaltvideospielen zieht erhöhte aggressive Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen nach sich.
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- 15.11Wieso freunden wir uns mit bestimmten Personen an oder verlieben uns in sie, aber nicht in andere? Nähe (geografische Nähe) erhöht die Zuneigung – zum Teil aufgrund des Mere-Exposure-Effekts: Die Darbietung neuer Reize trägt dazu bei, dass man sie mag. Physische Attraktivität erhöht die Chance, Kontakte zu knüpfen, und wir werden positiver wahrgenommen. Vor allem bei der Entwicklung von Beziehungen wird Zuneigung durch gemeinsame Einstellungen und Interessen gefördert. Außerdem mögen wir die Menschen, die uns mögen.
- 15.12Wie verändert sich romantische Liebe im Laufe der Zeit? Zu Beginn intimer Liebesbeziehungen steht leidenschaftliche Liebe– ein Zustand intensiver Erregung. Mit der Zeit entwickelt sich die tiefe Zuneigung der kameradschaftlichen Liebe, vor allem wenn dies durch eine gleichberechtigteBeziehung und tiefgehende Selbstoffenbarunggefördert wird.
- 15.13Wann ist es am wahrscheinlichsten bzw. am unwahrscheinlichsten, dass Menschen helfen? Altruismusist das selbstlose Interesse am Wohlergehen anderer. Es ist am wahrscheinlichsten, dass wir helfen, wenn (a) wir einen Vorfall bemerken, (b) ihn als Notfall interpretieren und (c) Verantwortung übernehmen zu helfen. Andere Faktoren, wie unsere Stimmung und unsere Ähnlichkeit zum Opfer, beeinflussen ebenfalls unsere Hilfsbereitschaft. Am unwahrscheinlichsten helfen wir, wenn andere Zuschauer anwesend sind (der Zuschauereffekt).
- 15.14Wie erklären die Theorie des sozialen Austauschs und soziale Normen Hilfeverhalten? Nach der Theorie des sozialen Austauschshelfen wir anderen aus Eigeninteresse; dieser Ansicht nach ist das Ziel von sozialem Verhalten, den persönlichen Nutzen zu maximieren und Kosten zu reduzieren. Andere sind der Meinung, dass wir sozialisiert sind zu helfen: Wir lernen Richtlinien dafür, welches Verhalten in sozialen Situationen erwartet wird (z. B. Reziprozitätsnormund Norm der sozialen Verantwortung).
- 15.15Wie können soziale Fallen und spiegelbildliche Wahrnehmung soziale Konflikte anheizen? Ein Konfliktist eine wahrgenommene Unvereinbarkeit von Handlungen, Zielen oder Ideen. Soziale Fallen sind Situationen, in denen die am Konflikt beteiligten Personen ihre eigenen Interessen verfolgen und so das kollektive Wohlbefinden mindern. Individuen und Kulturen bilden in Konflikten oft spiegelbildliche Wahrnehmungen: Jede Partei nimmt den Gegner als nicht vertrauenswürdig wahr und unterstellt ihm böse Absichten, während sie sich selbst als moralisch einwandfreies, friedfertiges Opfer sieht.
- 15.16Wie können wir Vorurteile, Aggression und Konflikte in friedensfördernde Einstellungen umwandeln? Frieden kann entstehen, wenn Individuen oder Gruppen zusammenarbeiten, um übergeordnete (geteilte) Ziele zu erreichen. Forschungsergebnisse zeigen vier Prozesse, die Frieden fördern können: Kontakt, Zusammenarbeit, Kommunikation und Versöhnung.