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Einführung Psychologie II (Fach) / Psychotherapie Verständnisfragen (Lektion)
Psychotherapie Verständnisfragen
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- 17.1Wie unterscheiden sich Psychotherapie, die biomedikamentöse Therapie und ein eklektischer Ansatz? Psychotherapie ist eine Behandlung, die psychologische Techniken beinhaltet. Sie besteht aus Interaktionen zwischen einem ausgebildeten Therapeuten und jemandem, der psychologische Schwierigkeiten überwinden oder persönliches Wachstum erreichen will. Die bedeutendsten Psychotherapien stammen ab von der psychodynamischen, der humanistischen, der verhaltensbezogenen und der kognitiven Perspektive der Psychologie. Die biomedikamentöse Therapie behandelt psychische Störungen mit Medikamenten oder Verfahren, die direkt auf das Nervensystem des Patienten einwirken.Ein eklektischer Ansatz kombiniert Techniken verschiedener Therapieformen.
- 17.2Welches sind die Ziele und Techniken der Psychoanalyse und wie wurden sie in der psychodynamischen Therapie angepasst? Durch die Psychoanalyse versuchte Sigmund Freud den Patienten Selbsteinsicht und die Verbesserung ihrer Störungen zu bieten, indem er mit Angst verbundene Gefühle und Gedanken in die bewusste Wahrnehmung brachte. Die Techniken schlossen die Nutzung der freien Assoziation ein, außerdem die Deutung von Widerständen und die Übertragung. Die heutige psychodynamische Therapie wurde von der traditionellen Psychoanalyse beeinflusst, aber sie ist kürzer, weniger teuer und sie konzentriert sich mehr darauf, dem Klienten zu helfen, aktuelle Symptome zu vermindern. Therapeuten helfen den Klienten, ihre vergangenen und aktuellen Beziehungsthemen zu verstehen. Die interpersonale Therapie ist eine Kurzzeittherapie mit 12–16 Sitzungen und eine Variante der psychodynamischen Therapie, die sich bei der Behandlung der Depression als wirkungsvoll erwies
- 17.3Was sind die grundlegenden Themen der humanistischen Therapie? Welches sind die speziellen Ziele und Techniken der klientenzentrierten Therapie nach Carl Rogers? Sowohl die psychoanalytische als auch die humanistische Therapie sind Einsichttherapien– sie versuchen das Funktionieren der Patienten zu verbessern, indem sie das Bewusstsein der Patienten für Motive und Abwehrverhalten verbessern. Die humanistische Therapie hat das Ziel, den Patienten dabei zu helfen in ihrer Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz zu wachsen; es geht also um das Unterstützen von persönlichem Wachstum anstatt darum, eine Krankheit zu heilen; darum, den Klienten zu helfen, Verantwortung für ihr eigenes Wachstum zu übernehmen; sich auf bewusste Gedanken zu konzentrieren anstatt auf unbewusste Beweggründe; und die Gegenwart und die Zukunft als wichtiger zu sehen als die Vergangenheit. Bei Carl Rogers klientenzentrierterTherapie sind die wichtigsten Beiträge der Therapeuten, durch aktives Zuhören als psychologischer Spiegel zu wirken und eine wachstumsunterstützende Umgebung bedingungsloser positiver Wertschätzung zu bieten, die sich durch Echtheit, Akzeptanz und Empathie auszeichnet.
- 17.4Wie unterscheidet sich die Grundannahme der Verhaltenstherapie von denen der psychodynamischen und humanistischen Therapien? Welche Techniken werden bei den Expositionstherapien und der Aversionskonditionierung genutzt? Verhaltenstherapiensind keine Einsichttherapien. Ihr Ziel ist es, Lernprinzipien anzuwenden, um problematische Verhaltensweisen zu ändern. Techniken, die die klassische Konditionierung nutzen, einschließlich Expositionstherapien(wie die systematische Desensibilisierungoder die Expositionstherapie in virtuellen Realitäten) und die Aversionskonditionierunghaben das Ziel, Verhalten durch Gegenkonditionierungzu verändern – neue Reaktionen auf alte Reize hervorzurufen, die ungewollte Verhaltensweisen auslösen.
- 17.5Was ist die Grundannahme der Verhaltensmodifikation, und was sind die Auffassungen der Befürworter und der Kritiker dieses Ansatzes? Therapien, die auf den Prinzipien der operanten Konditionierung basieren, nutzen Verhaltensmodifikationstechniken, um ungewünschte Verhaltensweisen zu verändern, indem erwünschtes Verhalten positiv verstärkt und unerwünschtes Verhalten ignoriert oder bestraft wird. Kritiker behaupten (1) dass Techniken wie die, die in Tokensystemengenutzt werden, Verhaltensänderungen hervorrufen können, die wieder verschwinden, wenn es keine Belohnung mehr dafür gibt und, dass es (2) autoritär und unethisch ist, zu entscheiden, welche Verhaltensweisen sich ändern sollten. Befürworter argumentieren, dass eine Behandlung mit positiven Belohnungen menschlicher ist, als Menschen zu bestrafen oder sie in einer Institution unterzubringen, weil sie unerwünschtes Verhalten zeigen.
- 17.6Welches sind die Ziele und Techniken der kognitiven Therapie und der kognitiven Verhaltenstherapie? Die kognitiven Therapien, wie die kognitive Therapie bei Depressionen von Aaron Beck, nehmen an, dass unser Denken unsere Gefühle beeinflusst und dass es die Rolle des Therapeuten ist, das selbstzerstörerische Denken des Patienten zu ändern, indem er ihn darin schult, sich selbst positiver zu sehen. Die rationalemotive Verhaltenstherapie ist eine konfrontative kognitive Therapie, die energisch unlogische Annahmen in Frage stellt. Die gut durch Forschung belegte und angewandte kognitive Verhaltenstherapie verbindet die kognitive Therapie und die Verhaltenstherapie, indem den Klienten dabei geholfen wird, in ihrem Alltag regelmäßig auf ihre neuen Arten zu denken und zu sprechen.
- 17.7Welches sind die Ziele und die Vorteile der Gruppentherapie und der Familientherapie? Eine Gruppentherapiesitzungkann mehr Menschen helfen und pro Person weniger kosten als eine individuelle Therapie. Klienten können davon profitieren, in einer Gruppensituation ihre Gefühle zu erforschen und soziale Fähigkeiten zu entwickeln, von anderen zu lernen, die ähnliche Probleme haben, und Feedback zu neuen Verhaltensweisen zu bekommen. Eine Familientherapie sieht eine Familie als interaktives System und hat das Ziel, den Mitgliedern dabei zu helfen, die Rollen zu entdecken, die sie einnehmen, und zu lernen, offener und direkter zu kommunizieren.
- 17.8Funktioniert Psychotherapie? Wer entscheidet das? Die positiven Aussagen von Klienten und Therapeuten können nicht beweisen, dass Therapie tatsächlich wirkungsvoll ist, und der Placeboeffekt und die Regression zur Mitte (die Tendenz extremer oder ungewöhnlicher Werte, auf ihren Durchschnittswert zurückzufallen) machen es schwer zu entscheiden, ob eine Verbesserung aufgrund einer Behandlung eintrat. Indem sie Metaanalysen nutzen, um statistisch hunderte von randomisierten Psychotherapie-Wirkungsstudien zu kombinieren, fanden Forscher heraus, dass sich der Zustand derjenigen, die keine Behandlung bekommen, oft verbessert, aber dass der Zustand derer, die sich einer Psychotherapie unterziehen, sich mit größerer Wahrscheinlichkeit schneller verbessert und dass sie mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einen Rückfall erleiden.
- 17.9Sind manche Psychotherapien bei bestimmten Störungen wirksamer als andere? Keine Art von Psychotherapie ist allen anderen generell überlegen. Eine Therapie ist für diejenigen am wirkungsvollsten, die klar abgegrenzte, spezifische Probleme haben. Manche Therapien – wie die Verhaltenskonditionierung um Phobien und Zwänge zu behandeln – sind besser für spezifische Störungen geeignet. Die psychodynamische Therapie ist wirkungsvoll bei Depressionen und Ängsten und kognitive Therapien und kognitive Verhaltenstherapien für den Umgang mit Ängsten, PTSD und Depressionen. Die evidenzbasierte Praxisvereint die besten verfügbaren Forschungsbefunde mit der Expertise der Kliniker und den Eigenschaften der Patienten, ihren Vorlieben und ihrer aktuellen Lebenslage.
- 17.10Wie schneiden alternative Therapien unter dem prüfenden Blick der Wissenschaft ab? Kontrollierte Studien konnten die Ansprüche der EMDR (»eye movement desensitization and reprocessing«) nicht unterstützen. Die Lichttherapie scheint die Symptome der affektivenStörung mit saisonalem Muster (»seasonal affective disorder«; SAD) zu verbessern, indem eine Gehirnregion angeregt wird, die Erregung und Hormone beeinflusst.
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- 17.11Welche drei Merkmale haben alle Formen der Psychotherapie gemein? Alle Psychotherapien bieten neue Hoffnung für entmutigte Menschen, eine neue Perspektive und (wenn der Therapeut effektiv ist) eine empathische, vertrauensvolle und fürsorgliche Beziehung. Das emotionale Band aus Vertrauen und Verständnis zwischen Therapeut und Klient – das therapeutische Bündnis– ist ein wichtiges Element einer wirksamen Therapie.
- 17.12Wie beeinflussen Kultur, Geschlecht und Wertvorstellungen die Beziehung zwischen Therapeut und Klient? Therapeuten unterscheiden sich in ihren Wertvorstellungen, die ihre Ziele in der Therapie und ihre Ansichten von Fortschritt beeinflussen. Diese Unterschiede können Probleme hervorrufen, wenn Therapeuten und Klienten sich in ihren kulturellen, geschlechtsspezifischen oder religiösen Ansichten unterscheiden.
- 17.13Auf was sollte eine Person achten, die einen Therapeuten auswählen will? Eine Person, die sich in Therapie begeben will, kann den Therapeuten zu seinem Behandlungsansatz, seinen Wertvorstellungen, Berechtigungsnachweisen und Gebühren fragen. Besonders berücksichtigt werden sollte, ob der Therapiesuchende sich wohl fühlt und ob er sich in der Lage fühlt, eine Bindung zu dem Therapeuten aufzubauen.
- 17.14Was sind medikamentöse Therapien? Wie helfen Doppelblindstudien Forschern dabei, die Wirksamkeit eines Medikaments zu beurteilen? Die Psychopharmakologie, die Untersuchung der Effekte von Medikamenten auf seelische Vorgänge und das Verhalten, hat geholfen, die medikamentöse Therapie zur meist genutzten biomedizinischen Therapie zu machen. Neuroleptika werden bei der Behandlung von Schizophrenie eingesetzt und blockieren die Dopaminaktivität. Nebenwirkungen können das dystone Syndrom (das mit unwillkürlichen Bewegungen der Gesichtsmuskeln, der Zunge und der Gliedmaßen einhergeht) oder ein erhöhtes Risiko für Adipositas und Diabetes einschließen. Anxiolytika verringern die Aktivität des Zentralnervensystems und werden genutzt, um Angststörungen zu behandeln. Diese Medikamente können physisch oder psychisch abhängig machen. Antidepressiva verbessern die Verfügbarkeit von Noradrenalin und Serotonin und werden bei Depressionen angewendet, mit moderaten Effekten gegenüber denen von Placebos. Die Antidepressiva, die man auch als selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer kennt, werden heute auch genutzt, um andere Störungen, einschließlich Schlaganfällen und Angststörungen, zu behandeln. Lithium und Depakote sind stimmungsstabilisierende Medikamente, die Personen mit einer bipolaren Störung verschrieben werden. Studien können das Doppelblindverfahren nutzen, um Placeboeffekte und Verzerrungen durch Forscher zu verhindern.
- 17.15Wie werden die Stimulation des Gehirns und die Psychochirurgie bei der Behandlung bestimmter Störungen genutzt? Die Elektrokrampftherapie(EKT), bei der ein kurzer Stromstoß durch das Gehirn des narkotisierten Patienten geschickt wird, ist eine wirksame Behandlung, die als letzte Möglichkeit bei schwer depressiven Menschen gesehen wird, die nicht auf eine andere Therapie angesprochen haben. Neue, alternative Therapien für Depressionen sind die wiederholte transkranielle Magnetstimulation und, in vorläufigen klinischen Studien, die tiefe Gehirnstimulation, die eine mit negativen Emotionen zusammenhängende überaktive Gehirnregion beruhigt. Die Psychochirurgieentfernt oder zerstört Gehirngewebe in der Hoffnung, dadurch Verhaltensänderungen zu bewirken. Radikale Psychochirurgiemethoden wie die Lobotomie waren einst weit verbreitet, aber Neurochirurgen führen kaum noch Operationen am Gehirn durch, um Verhalten oder die Stimmung zu verändern. Gehirn-chirurgie ist nur eine letzte Zuflucht, weil ihre Effekte irreversibel sind.
- 17.16Wie können Menschen eine Erleichterung von ihren Depressionen erfahren, indem sie mit einem gesunden Lebensstil auf sich selbst achten, und inwiefern spiegelt das unsere biopsychosozialen Systeme wider? Depressive Menschen, die sich einem Programm unterziehen, das Aerobictraining, genügend Schlaf, Lichtaufnahme, soziale Bindungen, die Verminderung negativer Gedanken und eine bessere Ernährung beinhaltet, erleben dadurch oft Erleichterung. In unserem integrierten biopsychosozialen System beeinflusst Stress die Chemie unseres Körpers und unsere Gesundheit; chemische Ungleichgewichte können Depressionen hervorrufen und soziale Unterstützung und andere Änderungen des Lebensstils können zur Verbesserung von Symptomen führen.
- 17.17Was ist der Grundgedanke von Präventionsprogrammen für psychische Gesundheit? Präventive psychische Gesundheitsfürsorge basiert auf der Idee, dass viele psychische Störungen verhindert werden könnten, wenn unterdrückende, selbstwertzerstörende Umgebungen zu wohlwollenden, pflegenden Umwelten werden, die Wachstum, Selbstbewusstsein und Resilienz fördern