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Forschungsmethodik (Fach) / Lektion 02 (Einige verbreitete Perspektiven in der Wissenschaftstheorie) (Lektion)
Methodik
Diese Lektion wurde von Dennis1602 erstellt.
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- Allgemeines - Unüberschaubare Zahl an Verfahren - Wissenschaftliche Positionen dürfen nicht als gottgegebene Wahrheiten angesehen werden, sondern als Blickwinkel unter vielen möglichen Perspektiven
- Kritischer Rationalismus - bis Beginn 20. Jahrhunderts -> Annahme, dass Wissenschaft unumstößlich sei, Gesetze durch wissenschaftliche Forschung entdeckt, hatten Endgültigkeitscharakter, Weiterentwicklung = Ausbreitung der Forschungsfront, nicht aber in die Tiefe - Anfang 20. Jahrhundert -> starke Verunsicherung des traditionellen Wissenschaftsverständnisses durch etwa Einsteins Relativitätstheorie und Freuds Psychoanalyse - Wirtschaftstheoretiker Popper entwarf daraufhin bis heute weiterverbreitete Denkschule des kritischen Rationalismus (Falsifikationismus ist nur ein Aspekt dieser Position) -- Ausweg aus erkenntnistheoretischen Dilemma (offengeleg. Unbeweisbarkeit induktiver Erkenntnis) -- Verwerfung der Idee einer ontologischen Wahrheitsgenerierung durch Induktionsschluss - Poppers Idee: -- Wissenschaftliche Ideen lassen sich vielleicht nicht 100% absichern (verifizieren), aber widerlegen (falsifizieren) -- Zentrales Kriterium: Widerlegbarkeit -- Wissenschaftliche Aussage muss falsifizierbar, also durch empirische Beobachtung angreifbar sein - Sprachkonvention: nicht mehr -> wissenschaftliche Aussage ist „wahr“, sondern: -- Misslungener Versuch einer Falsifikation -> wissenschaftliche Aussage „erhärtet“ -- Gelungener Versuch einer Falsifikation -> wissenschaftliche Aussage „verworfen“ -- Falsifikation = Nachweis der Ungültigkeit der Aussage, lat. „als falsch erkennen“ - Ergebnisse des induktiven Schließens nicht Ontologie (wirkliche Wahrheit), sondern propositionales Wissen - Wissenschaft ist Dienstleistung, die Erklärungen anbietet - Wissen, dass vorgeschlagen wird und dann per Falsifikation verworfen oder beständig gesichert wird - Jede Theorie/Hypothese muss sich wiederholt dem Versuch der Falsifikation durch Beobachtungen (Beobachtungssätze/Basissätze) unterwerfen (muss sich immer wieder an Wirklichkeit messen lassen) - Bei Existenz eines Basissatzes der im Widerspruch zur wissenschaftlichen Aussage steht, gilt diese als verworfen - Probleme: -- Definitionsproblem (Definitionen sind nicht falsifizierbar, Ist der Satz eine wissen. Aussage (fals.) oder eine Definition (nicht fals.)? oft nicht klar) -- Basissatzproblem (Basissatz kann falsch sein, man benötigt also ontologisch wahre Basissätze, aber das Qualifizieren von Sätzen als ontologisch wahr ist laut Popper unzulässig) -- Probabilistische Aussagen (in Wirtschaftswissenschaften fast ausschließlich probabilistische Aussagen, Aussagen denen eine Wahrscheinlichkeit anhängt) -- Beispiel Phillips-Kurve (Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit, zunächst nur eine Beschreibung, probabilistische Aussage, kein Naturgesetz -- in Wissenschaft werden probabilistische Aussagen durchaus verworfen durch statistische Testtheorie -- jedes Wahrscheinlichkeitsmodell erlaubt es, empirischen Beobachtungen eine bestimmte Wahrscheinlichkeit zuzuschreiben (bei sehr niedriger Wahrscheinlichkeit -> Wahrscheinlichkeitsmodell falsifiziert), Vorgehen nennt man statistischer Hypothesentest
- Konstruktivismus - keine natürliche Wahrnehmung - wir sind keine passiv wahrnehmenden Wesen, die von Dingen einen Eindruck gewinnen - Wahrnehmung wird aktiv erarbeitet, wir nutzen Wahrnehmungswerkzeuge aktiv und diese liefern Spielregeln für unsere Wahrnehmung - Betonung auf Leistung des Beobachtenden im Erkenntnisprozess - In Verhaltenswissenschaften geht es nicht primär um das Erklären von Kausalzusammenhängen (Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge), sondern darum, den interpretativen Sinn von Zusammenhängen zu verstehen (Sinnverstehen) - Subjektive Sichtweisen von Akteuren über vergangene Ereignisse, Zukunftspläne, Ängste, usw. werfen die Frage nach dem Sinnverstehen auf - Wir sind beim wechselseitigen Zusammenspiel von Wahrnehmung und Deutung nicht souveräne Sinndeutende, sondern Spielball von gesellschaftlichen Wahrnehmungs- und Denkmustern - Primäre Aufgabe der Wissenschaft: Aufdeckung von unbewussten Wahrnehmungs- und Denkmechanismen, in denen Gesellschaft gefangen ist - Sekundäre Aufgabe der Wissenschaft: Feststellung von Gesetzmäßigkeiten - Zweck-Mittel-Relationen, Denkgeschichte, Sprachanalyse, politische Ansätze sind oftmals Ansatzpunkt für konstruktivistische Untersuchungen - Konstruktivistische Ansätze werden gewinnbringend im Personalmanagement und Innovationsforschung eingesetzt - Nicht Gleichsetzung der Sinnenddaten, die wir über ein Ding sammeln mit dem Ding selbst = starke Kritik an Poppers Position - Grundlage Popper: Basissätze - Basissätze bei Konstruktivismus strittig (Wahrnehmungsregeln und Wahrnehmungskonventionen) - Gibt daher keine objektiv wahren Falsifikationsbegründungen - Radikale Konstruktivisten: objektive Struktur der Welt stellt eine irrelevante Größe dar - Es geht nicht richtiges Wissen zu finden, sondern brauchbares Wissen, egal ob wahr oder nicht - Begrifflichkeiten unterliegen keinem Wahrheitskriterium, sondern einem Nützlichkeitskriterium - Problem: Lässt sich Wissenschaft noch als methodisch geregeltes Erkenntnissystem definieren?
- Methodischer Anarchismus - Paul Feyerabend: Kritiker des kritischen Rationalismus -> definiert ihn als orthodoxen Dogmatismus, als „Law and Order Rationalismus“ - Erkenntnisgewinn: nicht in schematisches/wiss.theoretisch/methodolog. Korsett pressbar - Historisch: bahnbrechende Erkenntnisvorgänge wurden meist irrational, in anarchischer Weise, unter vollständiger Missachtung der damals geltenden meth. Regeln - Es können also keine allgemeinen, überzeitlichen Regeln aufgestellt werden, die Gegenwart und Zukunft des wiss. Erkenntnisprozesses adäquat zu fixieren vermögen - Nach Feyerabend ist Popper auf dem Weg in den Dogmatismus - Feyerabend ford. anarchische Wissenschaft, da es keine universellen einfachen Regeln/Methoden gibt - Seinen Methodenanarchismus drückt er in der Formel aus -> anything goes (Wissenschaft ist das, was die Gemeinschaft der Wissenschaftler selbstbestimmt tut, keine vollst. Beliebigkeit) - die Methoden sollen erlaubt sein, die in diesem Bereich üblich/akzeptiert sind - wissenschaftl. Disziplinen sollen den akzeptierten Methodenkanon ihres Faches also autonom regeln - Selbstbestimmung, nicht wissenschaftstheoretische Vorgabe
- Zusammenfassung - Ausgehend vom Falsifikationismus: -- Krit. Rationalismus (Popper): nur propositionales Wissen, Wissen kann nie endgültig verifiziert werden, aber endgültig falsifiziert -- Konstruktivismus: Wechselwirkung erlernter Wahrnehmungsmuster – Wissensinhalte, Zweifel an prinzipieller Sicherung von Falsifikationen -- Method. Anarchismus (Feyerabend): Wissenschaftstheorie ist kein sinnvolles Unterfangen -> eher: in der Praxis akzeptiertes Vorgehen
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