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Psychologie (Fach) / Kogni-Ironie (Lektion)

Kognitionspsychologie Leuthold 2016/17 Tübingen

Diese Lektion wurde von kiara erstellt.

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  • Ironie. Definition Vorstellung, vorgetäuschete Unwissenheit "rhetorische Figur de Alltagskommunikation, bei der das Gesagte nicht mit dem Gemeinten übereinstimmt" --> Erschliessen des Gemeinten auf der Grundlage des Gesagten + Perspektivenübernahme
  • Kognitive Theorien zur Erklärung der Ironie Standard Pragmatic View (Grice, Searle):  sprechaktteoretisches Standardmodell Direct Access Vies (Gibbs) Graded Salience Hypothesis (Giora)
  • Standard Pragmatic View (Grice, Searle) Beim Begreifen einer ironische Aussage bildet der Leser oder Zuhörer zunächst die wörtliche, kontextunabhängige Interpretation. Wenn es dem Leser oder Zuhörer offensichtich erscheit, dass die wörtliche Interpretation nicht zum Kontext passt, wird die ironische Bedeutung nachträglich erstellt und die wörtliche Interpretation wird unterdrückt. Dieses Modell nimmt Verarbeitungskosten für die Interpretation ironischer Sprache im Vergleich zu wörtlicher Sprache an, und zwar aufgrund der zusätzlichen Phase, in der die Nicht-Passung zum Kontext erkannt wird und die Aussage daraufhin als ironische reanalysiert wird. Vorhersagen: Lesezeiten: Ironische target Wörter sollten zusätzliche Verarbeitungskosten hervorrufen --> längere Lesezeiten, egal ob vertraute oder unvertraute Ironie EKP Komponenten: N400 Negativierung in der frühen Lesezeit und P600 Positivierung in der späten Lesezeit für vertraute und unvertraute Ironie
  • Entwerfen sie zwei deutshe Beispielmateriale zum Verleich der Effekte wörtlich versus ironischerSprache Ironie: Die Tochter hat ihr Taschengeld am ersten Tag schon ausgegebe. Mama sagt "sie sparsam bist du" Wörtlich: Die Tochter hat ihr Taschengeld am ersten Tag schon ausgegebe. Mama sagt "sie verschwenderichtbist du"
  • Welche Rolle spielen Emotionen beim Verstehen von Ironie? Beschreiben Sie relevanten theoretischen Positionen Es bestehen drei Ansätze 1. Straightforward irony-as-negation account: Ironie kehrt die Valenz des literarischen Target schlicht weg um. Deshalb grade die umgekehrte Reaktion als bei der wörtlicher Aussage 2. Tinge Hypothese: Ironie reduziert die Stärke eines emotionalen Statements. Kritik wird weniger negativ, Lob weniger positiv bei ironischen Sätzen. Warum? Laut Tinge-Hypothese: Ironische Bedeutung ist "tinged" mit der literarischen Bedeutung. Bspw. "na das ist ja toll" als ironische Kritik ist "tinged" mit der literarischen Bedeutung von perfect und wird deshalb weniger negtiv gesehen. Gleiches für ironisches Lob "na das ist ja furchtbar". Deshalb wird erwartet, dass der Affekt-Bewegungs-Kompatibilitäts-Effekt kleiner ist für ironische Materialie als für literarische 3. Ironie verstärkt Emotionen: Vspw. ironische Kritik (oder Sarkasmus) stärkt negative Emotionen des Rezipienten, da Sarkasmus etwas darüber aussagt, welche Einstellung der Sprecher über den Rezipienten hat. Unklar, was dieser Ansatz für ironisches Lob vorhersagt.
  • Direct Access View Kontextuelle und lexikalische Informationen interagieren sehr früh Wenn Kontaxt ironische Interpretation nahelegt, dann direkte Aktivierung Keine zusätzlichen Verarbeitungskosten ---- Geht davon aus, dass kontextuelle Information und lexikalische Prozesse sehr früh interagieren: wenn der Kontext eine ironishce Interpretation unterstützt, dann wird die Aussage direkt als Ironie interpretiert, ohne dass die wörtliche Interfretation zuerst erfasst wird. Dieses Modell sagt also keine höheren Verarbeitungskosten für die Interpretation ironischer Aussagen im Vergleich zu wörtliche Aussagen vorher. Zusätzlich wird nur die ironische Interpretation beibehalten, denn es ist die einzige gemachte Interpretation. Verarbeitung: --> direkte Aktivierung der ironischen Bedeutung  --> keine höheren Verarbeitungskosten Vorhersagen: Lesezeiten: vertraug + unvertraut: keine Unterchiese in der Lesezeit zwischen ironischen und nicht ironischen Metarialen (Vorausgesetzt, dess der Kontext die intendierte Bedeutung unterstützt) EKP Komponenten: vertraut + unvertraut: Keine N400 Negativierung und keine P600 Positivierung
  • Gradient Salience Hypothesis (Giora) Salienz = Verfügbarkeit der Bedeutung von Wörtern oder Stellungen (ohne Kontext), d.h. Kontext kann Aktivierung einer salienten Bedeutung nicht unterdrücken, auch wenn die saliente Interpretation falsch ist. Saliente Bedeutungen und salienzbasierte Interpretationen werden zuerst aktiviert Vertraute Ironie: sowohl wörtliche, als auch ironische Bedeutung sind salient --> keine zusätzlichen Verarbeitungskosten Unvertraute Ironie: neue Bedeutungen und Interpretationen sind nicht enkodiert, ein zusätzlicher inferentieller Prozess ist notwendig --> zusätzliche Verarbeitungskosten Vorhersagen: Lesezeiten vertraut: Bedeutung/Interpretation ist salient, deshalb keine längeren Lesezeiten für vertraute Ironie vs. wörtliche Aussagen unvertraut: Bedeutung/Interpretation nicht salient --> Feststellung des Mismatch mit Kontext und Reanalyse der wörtliche Bedeutung benötigt Zeit --> längere Lesezeiten für unvertraute Ironie vs. wörtlich EKP Komponeneten vertraut: keine N400 Negativierung, keine P600 Positivierung unvertraut: Frühe Lesezeit - N400 Negativierung, späte Lesezeit P600 Positivierung
  • Filik, Leuthold, Wallington & Page (2014); Experiment 1 Tiel der Studie untersuchung der Gültigkeit der Hypothesen zu Verarbeitung der Ironie: Standard Pragmatic View Direct Access View Graded Salience Hypothesis Experiment 1: Eye-Tracking Hypothesen: Standard Pragmatic : HE des Kontextes: längere Lesezeiten bei ironisch vs. wörtlich Direct Access : kein HE des Kontexts: gleiche Lesezeiten bei ironisch vs. wörtlich (wenn Kontext übereinstimmt mit der intendierten Bedeutung) Graded Salience: Interaktion Kontext: Vertrautheit: vertraute --> gleiche Lesezeiten bei ironisch vs. wörtlich; bei unvertraut --> längere Lesezeiten bei ironisch vs. wörtlich Methode: Eye-Tracking. 2 x 2 Design (Kontext: ironisch vs. nicht-ironisch x Vertrautheit). Jedes Item bestand aus 3 Sätzen: Kontext; kritischer Satz; Füllersatz. Kritischer Satz in 3 Regionen aufgeteilt : prä-, kritisch und post-kritisch. First-pass-reading time, regression-time und total reading time werden erfasst. Ergebnisse: Grade Salience Hypothesis wurde bestätigt. Interaktion zwischen Kontext und Vertrautheit in der kritischen (first pass + total) und post-kritischen (alle Messungen) Regionen Schlussfolgerung: Graden Salience Hypothese wurde bestätigt. Vertraute Ironie unterschedet sich in der Verarbeitung nicht von wörtlichen Aussagen. Bei unvertrauter Ironie wurden die Effekte erst in der kritischen Region gefunden, d.h. Leser merkt den Mismatch sofort. Die Schwierigkeite wirken in der späteren Verarbeitung nach.
  • Was ist "first-pass reading time"? Summe alle Fixationen auf eine Region bis diese entweder nach links oder rechts verlassen wird. Ein Maß für die frühe Textverarbeitung
  • Was ist "regression path reading time"? Summe allef Fixationen auf eine Region von der ersten Fixation bis die Region nach rechts verlassen ist. Dabei wird die Dauer der Fixationen dazugezählt, die für die Reinspektion (wegen Schwierigkeit) nötig ist.
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  • EKP Komponente N400 und P600 N400: Frühe (onset 200ms, peak 400ms) negative Abweichung der EEG-Kurve in Reaktion auf semantische Verarbeitungsschwierigkeiten. In der Studie: Probleme der  Integration des Wortes in den Kontext. P600: Späte (nach 600ms onset) positive Abweichung der EEG-Kurve in Reaktion auf syntaktische Verarbeitungsschwierigkeiten. In der Studie: Konflikt zwichen der wörtlichen und figurativen Interprätation.
  • Filik, Leuthold, Wallington & Page (2014); Experiment 2 Tiel der Studie untersuchung der Gültigkeit der Hypothesen zu Verarbeitung der Ironie: Standard Pragmatic ViewDirect Access ViewGraded Salience Hypothesis Experiment 2: EEG mit EKP Komponenten N400 und P600 Hypothesen: Standard Pragmatic : HE des Kontextes: größere Amplituden für N400 und P600 Direct Access : kein HE des Kontextes: gleiche Amplituden für N400 und P600 Graded Salience: Interaktion Kontext: Vertrautheit: vertraute --> gleiche Amplituden für N400 und P600; bei unvertraut --> größere Amplituden für N400 und P600 Methode: EEG. Sätze hören. 2 x 2 Design (Kontext: ironisch vs. nicht-ironisch x Vertrautheit). Jedes Item bestand aus 2 Sätzen: Kontext; kritischer Satz.  Ergebnisse: Grade Salience Hypothesis wurde bestätigt. N400: Interaktion zwischen Kontext und Vertrautheit ; P600: HE des Kontextes --> Konflikt zwischen wörtlicher und figurativen Interpretation Schlussfolgerung: Grade Salience Hypothese wurde bestätigt. Anfängliche Verarbeitung hängt lediglich von der Salienz ab (begrenzte Rolle des Kontextes)
  • Filik, Leuthold, Wallington & Page (2014); Generell Tiel der Studie untersuchung der Gültigkeit der Hypothesen zu Verarbeitung der Ironie: Standard Pragmatic ViewDirect Access ViewGraded Salience Hypothesis In zwei Experimente mit Eye-Tracking und EEG. Die Ergebnisse unterstüzen vor allen die Letzte Hypothese Kritisch: "Salienz" des Kontextes wird in der Vorstudie von anderen Probanden bestimmt.
  • Filik, Hunter, & Leuthold (2014); Generell 1. Experiment Überprüfung des Kongrueneffekt zwischen der Valenz des Stimulus und der Bewegung - wurde bestätigt. 2. Experiment Items mit dem ironischen Kontext versehen umd die 3 Hypothesen der emotionalen Wirkung zu überprüfen: irony as negation tinge hypothesis emotionale Verstärkung Ergebnis:   Signifikante 3-fache Iteraktion Kontext x Valenz x Bewegungsrichtung --> Bei den wörtlichen Items sind kongruenzeffekte verschwunden??? --> Beim ironischen Lob, schnelleres Heranziehen --> Bei ironischer Kritik, schnelleres Drücken --> Ironie verstärkt die Emotion und dreht die Valenz des Wortes und, keine Unterstützung der tinge-Hypothese. Kritisch: unklar wieso der Effekt bei wörtlichen Aussagen verschwunden ist 3. Experiment: reaktion auf Farbei eines valenten Worten ausserhalb des Kontextes  Ergebnis: keine Interaktion, Kongrueneffekt verschwunden Generelle Schlussfolgerung: Emotionale Simulation bei Sprachverstehen relevant und zwar nicht auf Wort-, sondern auf Diskursebene. Ironie dreht die Valenz um und verstärkt die emotionale Reaktion
  • Filik, Hunter, & Leuthold (2014); Experiment 2 Fragestellung: Kann der Valenz-Bewegung Kongruenzeffekt durch den Kontext (ironie) verändert werden? Untersuchung der 3 Hypothesen. Hypothesen:  irony-as-negation: Umgekehrter Kongruenzeffekt: Interaktion Valenz x Bewegung umgedreht bei ironischen Items tinge-hypothesis: Kongruenzeffekt abgeschwächt bei ironischen vs. wörtlichen Ironie als emotionale Verstärkung: Kongrueneffekt verstärkt bei ironischen vs. wörtlichen Methode: Konstruktion von Items analog dem Exp. 1. Item bestehen aus 2 Sätzen, im ersten Satz - Kontext, im zweiten der Stimulus an der letzten Stelle. Ergebnisse:  signifikante Interaktion Kontext x Valenz x Bewegungsrichtung --> umgekehrter verstärkter Effekt bei ironischen Items --> bei wörtlichen Items kein signifikanter Kongruenzeffent (aber numerisch geht schon in die Richtung, wenn man die Grafik anschaut) Generell: Tinge Hypothese wurde nicht bestätig, beide anderen scheinen zu stimmen. Emotionale Simulation eines Zielwortes kann durch Kontext beeinflusst werden 
  • Filik et al. (2017); Generell Fragestellung: verstärkt (enhence-hypothesis) oder abschwächt (tinge-hypothesis) Ironie kritische Äusserung? Untersuchung im Eye-Tracking. 1. Experiment:  Items: 3 Sätze: Kontext; Kritiksatz; Kritischer Satz: Intention der Protagonisten / Reaktion des Opfers. Hypothese: verstärkte Emotion: einfachere Integration --> kürzere Lesezeiten bei ironischen vs. wörtlichen Kritik. (HE der Kritikart) tinge-hypothesis: schwierigere Integration --> längere Lesezeiten bei ironischen vs. wörtlichen Kritik (HE der Kritikart umgedreht) Design: 2 x 2 Kontext vs. Rolle. Wichtige erhobenen Maße:   first pass: Summe aller Fixationen bis die Region verlassen wird. Maß für frühe Textverarbeitung regression path: Summe aller Fixationen bis die Region nach rechts verlassen wird. Maß für frühe Textverarbeitung Definierten Regionen: Pre-, post-, und Kritisch. Ergebnis:  kritisch: HE der Kritikart, kürzere Lesezeiten bei ironie --> leichtere Integration post-kritisch: Interaktion Rolle x Kritikart. In der Opferrolle längere Lesezeiten bei ironischen vs. wörtlichen. In der Protagonishten-Rolle kein Unterschied --> In der Frühen Phase können Leser die gekränte Reaktion bei ironie noch besser nachvollziehen, als bei wörtlicher Kritik, am Ende des Satzes haben sie aber Schwierigkeiten diese Reaktion zu verarbeiten Erwarten Leser, dass "Opfer" amüsiert sein soll? Experiment 2 Hypothese: Wenn das so ist, kürzere Lesezeiten in der post-kritische Region bei ironischen vs. wörtlichen Items (HE der Kritikart) Alles wie gehabt, nur "gekränkt" durch "amüsiert" bei den Items erstzt. Ergebnis:  kritisch: -  post-kritisch: HE der Rolle: kürzere Lesezeiten bei Protagonisten-Rolle, also Leser haben die amüsierte Reaktion besser aus Protagonisten-Perspektive integriert. HE der Kritikart: kürzere Lesezeiten bei ironischer Kritik. Also scheint die Frage mit ja zu beantwortet zu sein. Generell: 2-Stufiger Prozess der Verarbeitung der ironischen Kritik, erstmal vertärkte gekrängte Reaktion, danach abgeschwächte amüsierte. Tinge-Hypothese scheint zu stimmen. In der Opferrolle fällt es schwerer die amüsierte Reaktion zu integrieren
  • Mögliche Schwachstellen/Limitationen wegen des methodeischen Vorgehens und Interpretation der Hauptbefunde in einer der Studien Filik, Leuthold, Wallington & Page: Studentische Stichprobe Mittlerer Alter 20 Jahre, Frauenlastig Bekanntheit der Ironie wurde im Pre-test erhoben durch andere Probanden Mir persönlich nicht klar, wieso man Stimuli neu entwerfen musste Filik, Hunter & Leuthold: 2. Experiment: Frauenlastige studentische Stichprobe Da Kongruenzeffekt beim wörtlichen Material verschwunden ist, ist fraglich in wie weit die anderen Ergebnisse interpretierbar sind. Ironie wurde nicht in bekannte und unbekannte unterteilt, wobei es die vorherige Studie Zeigt, dass daraus Verarbeitungsgeschwindigkeit beeinflusst werden kann. Bei ironischen Lob schnelleres Heranziehen, als wegdrücken, aber nicht im Vergleich zur wörtlichen Aussage, kann man dann noch sagen, dass die Valenz Verstärkt ist? Nur bei ironischer Kritik ist man deutlich langsamer als bei wörtlicher Kritik heisst es, dass man stärker reagiert, oder dass man den Satz nicht versteht, da evtl. Verarbeitungskosten höher sind. Man hat ja den Art der Ironie nicht untersucht Gut, dass pre-test gemacht wurde Filik, Brightman, Gathercole, Leuthold: Frauenlastige studentische Stichprobe kein pre-test