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Biochemie für Pharmazeuten (Fach) / Harnstoffdiagnostik (Lektion)
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- Glomerulopathien (GP) · Erkrankung der Malpighi-Körperchen (Nierenkörperchen) · Unterscheidung in primär (nur Glomerulum ist erkrankt) und sekundär (Glomerulumschädigung ist ein Teil einer systemischen Erkrankung) · Ätiologie: entzündlich (GN) oder nicht entzündlich
- Glomerulonephritis (GN) · bakterielle Infektionen des Blutes (systemisch) als Ursache · Antigene (exogene Primär- oder Sekundärinfektionen; meist Streptokokken oder endogene Autoantigene), Antikörper oder Immunkomplexreaktionen à Noxen an der Basalmembran und Podozyten · Kapillarobstruktion mit Verlust der Ladungs- und Molekülgrößenspezifität · es kommt zur Glomerulosklerose à Niereninsuffizienz · Leitsymptome: Makrohämaturie, RR ↑, Ödeme (Volhard’sches Trias) · Labor: Erythrozyturie / Zylindrurie, starke Proteinurie, u. U. Bakteriurie
- Nephrotisches Syndrom · besondere Verlaufsform der Glomerulonephritis · Symptomkomplex aus Hypo- und Dysproteinämie, extremer Proteinurie (> 3,5 g/Tag), Hyperlipoproteinämie, Lipidurie und massiver Ödembildung · Verlust des glomerulären Molekularsiebeffektes, teilweise der Ladungsspezifität
- Diabetische Nephropathie · diabetesspezifische Glomerulosklerose · durch irreversible Glykierung von Strukturproteinen des Glomerulums und deren Vernetzung zu AGEs · erhöhte Glucosekonzentration in den glomerulären Zellen à Bildung von Wachstumsfaktoren TGFβ ↑ · Bildung von Kollagen ↑ à Sklerotisierung · renale Hyperfiltration und dadurch strukturelle Schädigung des Glomerulus durch erhöhten glomerulären Plasmafluss und intraglomerulären Druck · Labor: Albuminurie, gesteigertes Harnvolumen
- Tubulointerstitielle Nephropathien · Läsionen des Interstitiums an den Tubuli und Sammelrohren · Unterscheidung in akut oder chronisch · entzündlich: akute Nephritis oder Pyelonephritis · toxisch: Phenacetin-Niere, Schwermetall- oder Lithiumintoxikationen · auch durch primäre Stoffwechseldefekte (Oxalat-, Uratnephropathie, renale Glucosurie)
- Pyelonephritis · Entzündung des Nierenbeckens (Nierenkelche, Nierenmark) · oft verursacht durch bakterielle Infektionen (Enterobakterien, Pseudomonas, Enterokokken, Staphylokokken) oder Harnabflussbehinderungen · meist aufsteigend von Harnleiter, Harnblase und Harnröhre · Leitsymptome: Dysurie, Fieber, Klopfempfindlichkeit der Nierenlager, RR unauffällig · Labor: Erythrozyturie, geringe Proteinurie, Leukozyten-Zylinder, > 106 Keime/ml Harn
- akute oder chronische Niereninsuffizienz · eingeschränkte Fähigkeit der Nieren zur Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen (bei bestehender Oligurie, Anurie oder Polyurie) · massive Entgleisung des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Base-Haushalts möglich à akutes Nierenversagen · Ursachen: Kreislaufschock (50%), verschiedene Nierenerkrankungen, Harnstauung, Vergiftungen, hypertensive oder diabetische Nephropathie, schwere Traumen oder bakterielle Infektionen
- akute oder chronische Niereninsuffizienz --> Leitsymptome · Oligurie - Ödeme, RR ↑ und Arrhythmien (durch Hyperkaliämie) - Perikarditis (durch Urämieintoxikation) - Übelkeit und Erbrechen - metabolische Azidose Polyurie -> Exsikkose · Labor: GFR ↓, verminderte Harnkonzentration/-dichte in Abhängigkeit vom Harnvolumen, Serumkreatinin und Serumharnstoff ↑
- Proteinbestimmung 1. Teststreifen-Farbreaktion · Prinzip des „Proteinfehlers“ von pH-Indikatoren · Tetrabromphenolblau (Indikator) als Protonendonator für Aminogruppe der Proteine à Säure Base-Reaktion mit Salzbildung · gleichzeitig Adsorption des Indikators an Proteinmoleküle · hypsochrome Verschiebung von Amax des Indikators nach blau · direkte Korrelation mit Proteinkonzentration · empfindlich für Albumin · Globuline und Gewebsproteine erst ab Konzentrationen > 60mg/dl · falsch negative Ergebnisse z.B. durch alkalischen Urin (pH > 8) · saure Proteine und Mikroproteine wie Bence-Jones-Protein reagieren nicht · bei unsicherem Ergebnis -> empfindlichere, aber weniger spezifische Sulfosalicylsäurefällung
- Sulfosalicylsäurefällung alle über den Urin ausscheidbaren Proteinfraktionen sind nachweisbar · Zugabe von Sulfosalicylsäure à Säuredenaturierung des Proteins (primär) à denaturierte, positiv geladene Proteinketten · auch Proteinfällung (sekundär) · Überwindung der elektrostatischen Abstoßung zwischen den pos. geladenen Proteinen à große, unlösliche Proteinaggregate · Differenzierung der Proteine mittels Elektrophorese oder Quantifizierung der Leitproteine (alpha1-Mikroglobulin, alpha2-Makroglobulin)
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- Prärenale Proteinurie („Überlaufproteinurie“) Leitproteine Größe variabel, hauptsächlich niedermolekulare Proteine kleine Proteine: (monoklonale Leichtketten von Immunglobulinen = Para-proteine) (1) Bence-Jones-Paraproteine mittelgroße Proteine: Hämoglobin (2) Myoglobin (3)
- (monoklonale Leichtketten von Immunglobulinen = Para-proteine) (1) Bence-Jones-Paraprotein mittelgroße Proteine: Hämoglobin (2) Myoglobin (3) (1) multiples Myelom (Plasmozytom) (2) Hämolysen, durch lysierende Bakterien, nach Verbrennungen oder Unterkühlung, Verletzungen, Infusionszwischenfälle (3) massives Muskeltrauma = Rhabdomyolyse
- Prärenale Proteinurie („Überlaufproteinurie“) Was passiert? Ursache? Überschreiten der Nierenschwelle infolge systemisch erhöhter, pathologischer Konzentrationen einzelner Plasmaproteine durch: - pathophysiologische Neubildung (Para- proteinämie) - verstärktes Auftreten (Dysproteinämie) zusätzlich Überschreitung der tubulären Rückresorptionskapazität („Überlaufen“ der Proteine in den Endharn)
- Glomeruläre Proteinurie selektiv Was passiert? Ursache? glomeruläre Permeabilität ↑ für anionische Proteine mittlerer Größe Überschreitung der tubulären Reabsorptionskapazität z.B. akute o. chronische Glomerulonephritis (primär), Früphstadium diabetischer Nephropathie (sekundär)
- Glomeruläre Proteinurie selektiv Welche Größe? 50 - 70 kD Transferrin, Albumin
- Glomeruläre Proteinurie selektiv WAs passiert? Ursache? glomeruläre Permeabilität ↑ für anionische Proteine mittlerer Größe Überschreitung der tubulären Reabsorptionskapazität z.B. akute o. chronische Glomerulonephritis (primär), Früphstadium diabetischer Nephropathie (sekundär)
- Glomeruläre Proteinurie unselektiv Was passiert=? URsache? glomeruläre Permeabilität ↑ (durch Basalmembranschäden) für hochmolekulare Plasmaproteine Überschreitung der tubulären Reabsorptionskapazität z.B. entzündl.-degenerative GN mit nephrotischem Syndrom (primär), fkt. Störungen der Nierenhämodynamik z.B. Stauungsniere (primär), arterielle Hypertonie
- Glomeruläre Filtration unselktiv 50 - >150 kD IgG, Albumin
- Tubuläre Proteinurie Was passiert? Ursache? pathologisch verminderte tubuläre Reabsorption (v.a. niedermolekulare Plasmaproteine à höhermolekulare Proteine werdenbereits im Glomerulus zurückgehalten) z.B. akutes Nierenversagen, Analgetika-Nephropathie, tubulotox. Nephropathie (Cd, Hg, Pb, Li, Cis-Pt), Fanconi-Syndrom
- Tubuläre Proteinurie Welche Größe?Moleküle? 10 - 70 kD α1-Mikroglobulin, β2-Mikroglobulin, Retinol-bindendes Protein, Cystatin C
- Kombinierte Proteinurie (unselektiv-glomerulär plus tubulär) glomeruläre Permeabilität ↑ für kleine und hochmolekulare Proteine sek. Schädigung oder Überlauf tubulärer Reabsorption z.B. „Polynephritis“, interstitielle Nephritis, diabetische Glomerulesklerose
- Postrenale Proteinurie und renal parenchymatöse Proteinurie Welche Größe? Größe variabel α2-Makroglobulin -> Gewebsproteine des Urogenitaltraktes
- . Nephrolithiasis · Konkrementbildung im Hohlsystem der Nieren oder der ableitenden Harnwege
- Sulfosalicylsäurefällung · alle über den Urin ausscheidbaren Proteinfraktionen sind nachweisbar · Zugabe von Sulfosalicylsäure à Säuredenaturierung des Proteins (primär) à denaturierte, positiv geladene Proteinketten · auch Proteinfällung (sekundär) · Überwindung der elektrostatischen Abstoßung zwischen den pos. geladenen Proteinen à große, unlösliche Proteinaggregate · Differenzierung der Proteine mittels Elektrophorese oder Quantifizierung der Leitproteine (alpha1-Mikroglobulin, alpha2-Makroglobulin)
- Erythrozyten, Hämoglobin und Myoglobin · im gesunden Urin praktisch kein Blut (< 5 Erythrozyten /µl) · Hämaturie (Erythrozyturie) à pathologische Ausscheidung von Erythrozyten · generell renalen oder postrenalen Ursprungs -> insbesondere bei Glomerulonephritiden, Urolithiasis und Harnwegsinfekten · nur bei massiven Schädigungen der Glomeruli à keine Filtration von Erythrozyten · Mikrohämaturien: geringe Anzahl an Erythrozyten nur unter dem Mikroskop erkannbar; verursacht z.B. durch vaskuläre Erkrankungen, körperliche Belastung oder Fieber · Makrohämaturien: mit bloßem Auge erkennbar, durch hohe Erythrozytenanzahl im Urin · Leitsymptom vieler urologischer Erkrankungen (z.B. Harnwegsinfekte, Glomerulonephritis Nieren- oder Tumore der Blase, des Harnleiters oder der Prostata, Nierenzysten, hämorrhagische Diathese durch Antikoagulantienüberdosierung) · auch im Urin menstruierender Frauen nachzuweisen
- Hämoglobinurie · pathologische Ausscheidung von freiem Hämoglobin prärenalen Ursprungs · wenn nur freies Hämoglobin im Urin à dann zusätzliche prärenale Proteinurie · meist nach intraversaler Hämolyse von Erythrozyten à Überschreiten der Haptoglobin-Bindungskapazität für Hämoglobin (1,2 g/l) · oft mit der Ausscheidung anderer tubulärer Proteine kombiniert
- • Myoglobinurien · Ausscheidung von Myoglobin transient --> durch körperlicher Anstrengung oder „Höhenreaktion pathologisch durch massives Muskeltrauma oder Rhabdomyolyse (Auflösung quergestreifter Muskelfasern)
- Hämaturie Nieren-/Blasentumore Nierentuberkulose, Nierenzysten Hämorrhagische Diathese (Antikoagulantienüberdosierung) Glomerulonephritis, Urolithiasis, Harnwegsinfekten
- Mikrohämaturie Vaskuläre Erkrankungen, massive körperliche Belastung, Fieber
- Hämoglobinurie/ Myoglobinurie Vergiftungen, systemische (nicht urologische!) Infektionen mit hämolysierenden Bakterien, Erythrozytopathien, Unfälle mit massiven Blutungen und/oder Muskelgewebsverletzungen, Kältehämoglobinurie, Rhabdomyolyse
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- Bestimmung mittels Pseudoperoxidasemethode · Testfeld mit gepunkteter Verfärbung à Hämaturie (durch meist intakte Erythrozyten) · Testfeld hat homogene Färbung à Hämoglobinurie oder Myoglobinurie · Bestimmung des Erythrozytenhämoglobins bzw. von freiem Hämoglobin/Myoglobin über Pseudoperoxidaseaktivität des Häms · reduktive Zersetzung von Cumolhydroperoxid durch Pseudoperoxidaktivität Oxidation von Tetramethylbenzidin (als Chromogen) blaugrünes, chinoides, radikalisches
- Bakteriurien · Bakterien reduzieren mit der Nahrung aufgenommenes Nitrat (wird physiologisch über den Urin ausgeschieden) zu Nitrit (enthalten Nitritreduktasen) · z.B. Escherichia coli, Salmonellen, Enterobacter, Staphylokokken, Pseudomonas · Escherichia coli häufigster Erreger einer bakteriellen Harnweginfektion (HWI) · im physiologischen Urin kein Nitrit nachweisbar
- Griess’sche Probe (Bestimmung mittels Azofarbstoffbildung) · Multistix®-Teststreifen · Nitrit reagiert mit p-Arsanilsäure (im Sauren) à Diazoniumsalz · Diazoniumsalz kuppelt mit 3-Hydroxy-1,2,3,4-Tetrahydro[H]benzochinolin à Azofarbstoff à rosa Verfärbung falsch negative Ergebnisse à z.B. Nitratmangel in der Nahrung, kurze Blaseninkubation des Urins (< 3h), Infektionen mit Bakterien ohne Nitritreduktase · alternative Bestimmungsmethoden: Streifentest auf Leukozytenesterasen, mikroskopischer Leukozytennachweis, mikrobiologische Urinkultur
- Leukozyturien (> 70 LEU/µl) · physiologischer Urin ist frei von Leukozyten (< 10 LEU/µl) · entzündlich (bakterielle) Reaktionen (z.B. Zystitis, Urethritis, Pyelonephritis) à Migration granulozytischer Leukozyten in den Urin · auch durch nicht-bakterielle Erkrankungen (z.B. Tuberkulose, Glomerulonephritis) verursacht
- Leukozytenesterase-Nachweis (Bestimmung mittels Azofarbstoffbildung) · Multistix®-Teststreifen Leukozyten lysieren à Freisetzung von Leukozytenesterase · Leukozytenesterase hydrolysiert Pyrrolaminosäureester à Freisetzung von 3-Hydroxy-5-Phenylpyrrol Pyrrol reagiert mit Diazoniumsalz à Azofarbstoff à Verfärbung des Teststreifens
- organoleptische untersuchung organoleptische Beurteilung 1. Geruch · Infektionen der Harnwege à übelriechend, evtl. nach NH3 · Ketonurie à Acetongeruch, fruchtig-aromatisch · Leberkoma à Mercaptane bzw. Dimethylsulfid · Alkoholabusus à Alkoholgeruch · Geruch teilweise auch durch bestimmte Lebensmittel (z.B. Spargel, Knoblauch) verändert
- Farbe · bei normaler Flüssigkeitszufuhr stroh- bis bernsteingelb gefärbt durch Urochrome und Uroerythrin (gelbgefärbte stickstoffhaltige Verbindungen aus Protein- bzw. Bilirubinabbau) · farbloser Urin à ungenügende Konzentrierung aufgrund von Nierenfunktionsstörungen oder Diabetes mellitus (Polyurie) · braunrote bis rote Färbung à pathogene Ausscheidung von Gallenfarbstoffen, Porphyrinen, Makrohämaturien, Erythrozyten · Verfärbungen auch durch Arzneimittel (z.B. Metronidazol, Chinin) oder Nahrungsmittel (z.B. Rhabarber, Rote Beete) möglich
- relative Dichte und Osmolarität · Beurteilung der Konzentrierungsfähigkeit der Niere à Verdünnungs- und Konzentrierungsgrad · Osmolarität à Anzahl osmotisch aktiver Teilchen pro kg, die von der Niere ausgeschieden wurden · relative Dichte ↑, je mehr Teilchen im Urin gelöst sind · relative Dichte à ermöglicht Patienten mit z.B. Harnblasensteinen eine Überwachung der Flüssigkeitsaufnahme · enger Zusammenhang zwischen Urinvolumen bzw. -osmolarität und Elektrolytzufuhr · Osmolarität > Referenzbereich à Oligurie (Urinvolumen < 0,4l/Tag) durch absoluten (Schwitzen, Erbrechen, Durchfall) oder relativen Volumenmangel (Ödeme) oder urologische Erkrankungen wie Obstruktion der ableitenden Harnwege (z.B. durch Uroloithiasis, Tumore, Benigner Prostatahyperplasie), schwere Formen der Glomerulonephritis & akutem Nierenversagen · Osmolarität < Referenzbereich à Polyurie (Urinvolumen > 2,5l/Tag) durch z.B. chron. Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus (osmotische Diurese durch Glucose), Harnstoff (hohe Proteinzufuhr, Verbrennungen), Mannitol (als Osmodiuretikum), Wasserdiurese (Diabetes insipidus, prim. Polydipsie)
- Bestimmung der Osmolarität · 150 µl Analysenurin in Probenröhrchen pipettieren · Probe mit automatischen Kyro-Osmometer vermessen
- Teststreifen-Farbreaktion (Multistix®-Test) · pKA-Änderung eines Gemisches aus Bromthymolblau und Poly-(Methylvinylether/Maleinsäureanhydrid) in Abhängigkeit der Urinionenkonzentration · Kationen des Urins verdrängen H+ des Polyelektrolyten à reagieren mit Indikator à Farbänderung · bei einem pH-Wert > 6,5 soll das visuell ermittelte Ergebnis um 0,05 erhöht werden
- 2. Schwingungswandler-Densimeter (DMA 38) · Messung bei 20 °C an einem Densimeter mit Schwingungswandler · Kalibrierung mit Flüssigkeiten (z.B. Wasser) bekannter Dichte à Kalibriergerade · Injektionsspritze mit 2 ml Urin vorsichtig in Spritzenansatz stecken · Spritzenkolben drücken à blasenfreies und vollständiges Befüllen des U-Rohrs des Messgerätes (bis Flüssigkeit aus dem Rohr austritt) · Densimeter versetzt U-Rohr mit Anregungsschwingung mit gegebener Resonanzfrequenz à Messung der dichteabhängigen Schwingungsdauer · daraus, mithilfe der Kalibriergeraden, Dichte bestimmen
- pH-Wert · Ausscheidung von Hydroniumionen à frei (1%), in Form von NH4+ (50-70%) oder an SO42-, PO43- oder org. Protonenakzeptoren gebunden (30-50%) · physiologisch à pH 5 bis 7,5 (gemessen als freie Hydroniumionenkonzentration) · unterliegt starken Schwankungen à relativ stark beeinflusst durch Nahrungszusammensetzung · fleischhaltige Kost à pH 4,5 bis 6 · vegetarische Kost à pH 7,5 bis 8 · pH < 4,5 = saure Urineà Dehydratation, ketoazidotische Stoffwechsellagen, distal-renal-tubuläre Azidose (tubuläre Ausscheidung von Hydroniumionen gestört) · pH > 8 = alkalischer Urin à Infektionen der ableitenden Harnwege (durch harnstoffspaltende Bakterien), proximal-renal-tubuläre Azidose (tubuläre Reabsorption von Hydrogencarbonat gestört) -> führt zur metabolischen Azidose des Blutes · wichtig für die Interpretation des Albuminnachweises und für das Auftreten von Konkrementen Messung mittels Multistix®-Teststreifen (enthält Methylrot-Bromthymolblau-Mischindikator
- Glucosurie · physiologischer Urin praktisch glucosefrei · Glucose des Primärfiltrates à nahezu vollständige Reabsorption in den proximalen Tubuli · bei Überschreitung der Nierenschwelle (Blutglucosekonzentration > 10 mmol/l) à Reabsorption unvollständig à Glucose-Ausscheidung mit dem Urin
- alimentäre Glucosurie · durch Nahrungsaufnahme bedingt · z.B. durch stark kohlenhydratreiche Kost, exzessiver Süßigkeitenverzehr
- diabetische Glucosurie · chronische Glucoseausscheidung bei Diabetes mellitus
- renale Glucosurie · Störung der tubulären Funktion · Nierenschwelle deutlich herabgesetzt z.B. beim Fanconi-Syndrom (Glucose-Aminosäuren-Diabetes) à verminderte Rückresorption von Glucose und Aminosäuren im proximalen Tubulus
- transiente Glucosurie · vorrübergehende Glucoseausscheidung über den Urin · z.B. in der Schwangerschaft, bei Infektionskrankheiten oder schwerer körperlicher Belastung
- Ketonurie · physiologischer Urin praktisch frei von Ketonkörpern (negativ bis < 15 mg/dl) · Auftreten von Ketonkörpern (Acetessigsäure, β-Hydroxybuttersäure, Aceton) im Urin und Blut à metabolische Azidose möglich · durch gesteigerte Lipolyse (Mangel an Glucose oder Glykogen) · Aceton überwiegend über die Lunge abgeatmet · Acetessigsäure und β-Hydroxybuttersäure ausschließlich über die Nieren ausgeschieden · z.B. bei anhaltendem Hunger, kohlenhydratarmer Ernährung, nach körperlicher Anstrengung · pathologische Ursachen: Diabetes mellitus, Hyperemesis, Lebertumore