12
Anästhesie (Fach) / Anästhesie in der Urologie (Lektion)
Anzeige
- Besonderheiten Nephrektomie Nierenlagerung: seitliche Taschenmesserlagerung Atelektasenbildung in abhängigen Lungenabschnitten -> erhöhter Rechts-Links-Shunt, evt. PEEP, aber CAVE venöser Rückfluss V. Cava-Kompression -> vermindertes HMV und RR Operative Komplikationen: Blutung infolge Gefäßverletzung Pleuraverletzung -> Pneu V. Cava-Tumor-Zapfen mit Embolie
- Besonderheiten TUR-Blase Steinschnittlagerung: erhöhter venöser Rückstrom und bei Rücklagerung ggf plötzlicher Abfall des venösen Rückstroms -> kardiale Dekompensation Behinderung der Zwerchfellatmung durch zusätzliche Kopftieflagerung Operative Komplikationen: Blasenperforation mit Unterbauchperitonitis eher keine Einschwemmung von Spüllösung in das Gefäßsystem wie bei TUR-Prostata Narkoseführung: Spinalanästhesie bis Th 10 ggf zusätzliche Blockade des N. obturatorius
- Besonderheiten TUR-Prostata Operative Komplikationen bei transurethraler Elektroresektion OP-Feld muss laufend mit einer nicht Strom leitenden (daher elektrolytfreien) Spülflüssigkeit klargespült werden, meist sorbithaltige Spüllösungen mit Osmolarität von 178 mosmol/l, da bei Spülung mit destilliertem Wasser bei Einschwemmung stark hypotone Hyperhydratation mit Hämolyse droht -> bei Einschwemmung über eröffnete Venen TUR-Syndrom Perforation Prostatakapsel -> Unterbaucperitonitis Sepsis durch intraop Einschwemmung Blutung Fibrinolyse durch Einschwemmung von Urokinase -> Tranexamsäure Transurethraler Holmium-Laser-Enukleation (HoLEP): Holmium-Laser: starke Absorption bei geringer Eindringtiefe -> Gewebeverdampfung
- TUR-Syndrom Einschwemmen von größeren Mengen Spüllösung in den Kreislauf über eröffnete Venen -> Verdünnungshyponatriämie und hypotone Hyperhydratation mit Ödemneigung -> Hirnödem mit Krampfanfall abhängig von OP-Dauer (pro Minute ca 10-30 ml) und hydrostatischem Druck der Spüllösung (nicht > 70 cm über Patientenniveau und regelmäßig Spüllösung aus Blase ablassen) Abschätzung eingeschwemmter Spülflüssigkeitsmenge = ( (Napräop/Naist) x EZV) - EZV, EZV = 0,2 l/kg x kgKG, da EZV 20% vom KGx Symptome: Na < 120-125 mmol/l Verwirrtheit und Unruhe Na < 110-115 mmol/l HRST (Bradykardie, Extrasystolie, Kammertachykardie, Kammerflimmern), Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle Therapie: kausal: Chirurg informieren, Spüllösung niedriger hängen, eröffnete Gefäße koagulieren Hypervolämie: Schleifendiuretikum (Furosemid 20 - 40 mg) -> Wasser-, Kalium- und Natriumausscheidung,osmotische Diurese (Mannitol 15%) -> selektive Wasserausscheidung Hyponatriämie: erst ab Na <125 mmol/l, 2 ml/lgKG 5,85%ige NaCl-Lösung -> hebt Serumnatrium um 10 mmol/l, Gefahr zentraler pontiner Myelolyse eher nach schnellem Ausgleich chronischer Hyponatriämien Metabolische Azidose: ggf NaBic 8,4% Hypokaliämie: 40 mmol KCl -> hebt Serumkalium um 1 mmol/l
- Besonderheiten ESWL extrakorporale Stoßwellenlithotripsie: elektromagnetisch erzeugte Stoßwellen werden über die Haut in den Körper gebracht sonographische oder radiologische Ortung notwendig CAVE HRST, ggf QRS-Synchronisation meist in Analgosedierung möglich
- Besonderheiten perkutane Nephrolitholapaxie Verfahren zur endoskopischen Entfernung von großen Nierenbeckensteinen oder hohen Harnleitersteinen im Bereich der hinteren Axillarlinie perkutane Nephrostomie -> Pneu, Blutung... Bauch- oder Nierenlagerung -> Allgemeinanästhesie notwendig
- Besonderheiten Ureterorenoskopie Harnleiter- und Nierenbeckenspiegelung Dilatation, DJ-Einlage, Laserzertrümmerung von Steinen...
- Besonderheiten Zystektomie, Ileumneoblase, Ileum-Conduit beim Mann: Ileumneoblase mit anatomischen Anschluß an Urethra möglich bei der Frau: immer Resektion der Urethra, -> Ileum-Conduit mit perkutaner Ausleitung OP-Risiken: Beckenvenenthrombosen mit LAE Eventerationssyndrom (durch Prostaglandin I2 Freisetzung) mit Flush und RR-Abfall durch periphere Vasodilatation, Therapie: Vasokonstriktor und ggf Volumen lange OP-Dauer (6-8h) mit hohem Blutungsrisiko, großer Wundfläche, hohen Volumenumsätzen, starke Auskühlung Anästhesie: PDK + ITN, Arterie, ZVK
- Besonderheiten radikale Prostatektomie Operativ: meist retropubisch nervenerhaltend, ggf Lymphadenektomie (3-6 h Dauer) ggf Kopf-Tief-Lagerung mit Gefahr Luftembolie Beckenvenethrombose mit LAE möglich Narkose: PDK, ITN, ZVK, Arterie
- Besonderheiten bei Querschnittgelähmten CAVE autonome Hyperreflexie durch Manipulation im gelähmten Bereich: kutane oder viszerale Stimulation erregt über afferente Fasern auf Rückenmarkebene sympathische Fasern (C8 -L2) da hemmendeBahnen aus dem ZNS durchtrennt sind kommt es zu ausgeprägten Sympathikus-vermittelteten Vasokonstriktion mit teils enormen Blutdruckanstieg, kompensatorische Gefäßweitstellung und Bradykardie durch Stimulation des Sinus caroticus (Parasympathikus) ist nur in den Abschnitten oberhalb der Lähmung möglich bei Querschnitt oberhalb Th4 -Th6 Dekompensation Querschnitt unterhalb Th10 selten Narkose: v.a. SPA: Erfolgskontrolle sensibel nicht möglich, aber zuvor spastische Muskulatur wird schlaff Allgemeinanästhesie möglich, aber Hypotonie und erhöhte Aspirationsgefahr aufgrund Darmträgheit -> RSI (KEIN SUCCINYLCHOLIN!!!), CAVE suffiziente Atmung bei hohem Querschnitt postop
- Anzeige
- Explantation, Hirntod "Hirntod" laut Bundesärztekammer: endgültiger, nicht behebbarer Ausfall der Gesamtfunktion von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm Herz-Kreislauffunktion wird noch künstlich erhalten klinische Zeichen: Koma, Ausfall der Hirnstammreflexe und der Spontanatmung 3-stufige Hirntoddiagnostik: Prüfung spezifischer Vorraussetzungen: 2 unabhängige Untersucher mit Erfahrung, akute schwere primäre oder sekundäre Hirnschädigung, Ausschluß Medi-Wirkung, Hypothermie, Intoxikation... Feststellung der klinischen Symptome: Bewusstlosigkeit (kein Reflex auf Schmerzreiz im Trigeminusgebiet, Hypotension, kein Ansprechen auf Atropin, Diabetes insipidus), Hirnstammareflexie (kein Würge-, oder Hustenreflex, kein Kornealreflex, mittelweit lichtstarre Pupillen, Ausfall okulozephaler, okulovestibulärer und okulokardialer Reflexe) ->Spinale Reflexe können weiterhin auslösbar sein!!!, Atemstillstand (Apnoetest: keine SPA bei paCO2 > 60mmHg Irreversibilitätsnachweis: Beobachtungszeitraum nach primärer Hirnschädigung 12 h, nach sekundärer Hirnschädigung 72 h Apparatetechnische Methoden: bei supratentoriellem Schaden fakultativ bei infratentoriellem Schaden und Kindern unter 2 Jahren zwingend Nullinien-EEG über 30 min mindestens 8 Kanäle oder erloschene evozierte Potentiale (FAEP) oder zerebraler Zirkulationsstillstand (im Dopplersono oder Perfusionsszinti) Transplantationsgesetz: Krankenhäuser sind verpflichtet potentiellen Organspender an die DSO (deutsche Stiftung Organtransplantation) zu melden betreuender Arzt ist verpflichtet Angehörige auf die Möglichkeit einer Organspende hinzuweisen lt Empfehlung der WB-BÄK (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesärztekammer) Frage der Angehörigen erst nach definitiver Feststellung des Hirntods
- Organprotektive Intensivtherapie, Spenderkonditionierung durch Ausfall des Gehirns kommt es zu: Vasodilatation mit Hypotonie Bradykardie Poikilothermie: Abhängigkeit der Körpertemperatur von der Umgebungstemperatur Diabetes insipidus mit massiver Diurese (Minirin-Gabe), häufig Osmotherapie im Vorfeld Organprotektive Intensivtherapie Beatmung Kreislauftherapie Wärmekonservierende Maßnahmen Low-dose-Heparinisierung Sress-Ulkus-Prophylaxe enterale Ernährung