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Bilanzanalyse (Fach) / Lektion 01 (Grundlagen der Bilanzanalyse) (Lektion)

Bilanzanalyse

Diese Lektion wurde von Dennis1602 erstellt.

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  • Definition Bilanzanalyse - systematisches Verfahren zur  Ausschöpfung und Verarbeitung des Informationspotenzials von Bilanz, GuB, Anhang und Lagebericht - Ziel: -- Einsichten und Erkenntnisse über die wirtschaftliche Lage und Zukunftsaussichten einer Gesellschaft zu gewinnen -- Prognose der Unternehmensentwicklung -- Information über Ertragslage (Wie wurde Geld verdient?) -- Information über Vermögens- und Finanzlage (Wie sicher sind die Verdienstquellen?) - Ziele der BA stehen im Einklang mit den Unternehmenszielen (langfr. Existenz sichern, Finanzkraft sichern, usw.)
  • Externe Bilanzanalytiker - haben grundsätzlich nur über den Abschluss Zugang zu Inormationsmaterial - Kreditgeber - Aktionäre - Ratingagenturen - Lieferanten - Kunden - Konkurrenzunternehmen
  • Interne Bilanzanalytiker - haben zusätzlich Information aus Kostenrechnung für die Analyse - Unternehmensleitung - Kontrollorgane (AR, Beirat, Abschlussprüfer) - Beteiligungscontroller - Großaktionäre
  • Analysematerial gemäß HGB (bezogen auf eine kapitalmarktorientierte AG) - Bilanz - GuV - Anhang - Lagebericht - Erklärung zur Unternehmensführung - Kapitalflussrechnung (aufzustellen, wenn keine Verpflichtung zur Aufstellung eines Konzernabschlusses besteht) - Eigenkapitalspiegel (aufzustellen, wenn keine Verpflichtung zur Aufstellung eines Konzernabschlusses besteht) - Segmentberichterstattung (Wahlrecht)
  • Analysematerial gemäß IFRS (bezogen auf eine kapitalmarktorientierte AG) - Bilanz - Gesamtergebnisrechnung - Anhang - Lagebericht (für deutsche Unternehmen Pflicht, in IFRS nicht verlangt) - Kapitalflussrechnung - Eigenkapitalveränderungsrechnung - Segmentberichterstattung
  • Ermittlung der Rahmenbedingung und formale Analyse - nach Materialsammlung Übernlick über Unternehmen verschaffen - man verwendet schnell zu generierende Daten aus den Materialien - Kurzübersicht (kurzer knapper Überblick, verschiedene Kennzahlen, GJ und vorherige Jahre, Aussagen) - Rahmenbedingungen -- Eigentums- und Kapitalverhältnisse (wichtig, da BP davon abhängig ist) -- Beziehungen zu verbundenen Unternehmen -- Unternehmenslage (bedingt Konkurrenz- und Branchenanalyse, Beurteilung Geschäftentwicklung) - Formale Analyse -- bezieht sich auf Einhaltung der Rechnungslegungsvorschriften, bei Kapitalgesellschaften im Bezug auf den Jahresabschluss vorgenommen
  • Bilanzpolitik - bilanzpolitische Instrumente bzw. Maßnahmen können Aussagegehalt von Kennzahlen verfälschen - BP = bewusste und zweckorientierte Beeinflussung der veröffentlichten Abschlussdaten - Ziel: Beeinflussung der Jahresabschlusses und Adressatenverhalten - Nutzung Rechnungslegungsspielräume, Wahlrechte, Bilanzierungsmöglichkeiten
  • Bilanzpolitische Ziele - Beeinflussung des Gewinnausweises (handelsrechliche Ergebnisausschüttung, Substanzerhaltung (Rücklagen), Steuerzahlung - Beeinflussung der Bilanzanalyse-Adressaten (Kreditgeber, Finanzanalysten, Presse)
  • Verfolgung der bilanzpolitischen Ziele durch - Finanzpolitik -- Kapitalerhaltung, Ausschüttungen, Boni, Minimierung der Steuerbelastung, Sicherung der Kreditwürdigkeit - Publizitätspolitik -- Beeinflussung der externen Adressaten durch gezielte Informationen
  • Maßnahmen zur Durchsetzung der Ziele der Bilanzpolitik - in positiven Jahren -- Senkung des auszuweisenden Ausschüttungspotentials -- Zukunftsvorsorge -- Substanzerhaltung/-mehrung - in negativen Jahren -- Verbesserung des Bilanzbildes -- Darstellung eines angemessenen EK -- Vergrößerung des Ausschüttungspotentials zur Befriedigung der Erwartungen -- Verschleierung von Fehlentwicklungen
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  • Formelle Bilanzpolitik - Ausweiswahlrechte - Erläuterungswahlrechte - Gliederungswahlrechte
  • Materielle Bilanzpolitik - Materielle Wahlrechte -- Anzatzwahlrecht (vom Gesetzgeber eingeräum z.B. Aktivierungswahlrecht für ein Disagio gemäß §250 HGB) -- Bewertungswahlrecht (Beeinflussung der Höhe des Wertansatzes z.B. Wahlrecht zum Ansatz von FK Zinsen gemäß §255 HGB) -- Wahlrechte bei der Aufstellung eines Konzernabschlusses (Konsolidierungswahlrechte gemäß §296 HGB) - Ermessensspielräume -- bestimmte Sachverhalte sind nicht abschließend im Gesetz geregelt - Bilanzpolitisch motivierte Sachverhaltsgestaltungen -- zielgerichtete Beeinflussung der rechtlichen und wirtschaftlichen Handlungen, dass sie zur gewünschten Darstellung im Abschluss führen z.B. Windowdressing, Sale and lease back  -- Windowdressing = optische/kurzfristige Gestaltung des Bilanzbildes vor dem Bilanzstichtag durch z.B. Verkauf von AV und UV, Auflösung stiller Reserven, zeitliche Verlagerung von Geschäftvorfällen -- Bilanzfrisur vor der Veröffentlichung zwecks Demonstrierung größerer Liquidität, beliebt bei Kreditinstituten (Darstellung einer verbesserten Liquiditätssituation), Versicherungen, Investmentfonds (darstellung einer verbesserten Portfolio Zusammenstellung)
  • Vorgehensweise zur Identifikation der Bilanzpolitik - Identifikation mittels Anhang oder Checklisten - ermöglicht Tendenzen zu erkennen - ebenfalls Vorjahre heranziehen - Konservative, reservebildende Bilanzpolitik -- Verzicht auf Disagio-Aktivierung -- Verzicht auf Aktivierung von Entwicklungsaufwendungen -- Wahl kurzer Nutzungsdauern -- degressive Afa -- Außerplanmäßige Afa von Finanzanlagevermögen bei vorübergehender Wertminderung -- GWG Abschreibung -- keine Sale and lease back Geschäfte -- Vorziehen von Investitionen -- Bildung von Rücklagen - Progressive, ergebnisverbessernde Bilanzpolitik -- Disagio-Aktivierung -- Aktivierung von Entwicklungsaufwendungen -- Wahl langer Nutzungsdauern -- lineare Afa -- Verzicht auf Außerplanmäßige Afa von Finanzanlagevermögen bei vorübergehender Wertminderung -- Verzicht auf GWG Abschreibung -- Sale and lease back Geschäfte -- Verschiebung von Investitionen -- Auflösung von Rücklagen
  • Bilanzanalyse als Kennzahlenrechnung - Kennzahlen = Instrument zur Auswertung der Daten, machen Sachverhalte sichtbar, jedoch zweckmäßige Kennzahlen auswählen - absolute Zahlen, Relativzahlen, bestandsorientierte Kennzahlen, stromgrößenorientierte Kennzahlen - ggf. Einsatz von Kennzahlensystem (geringerer Informationsverlust, besseres Verständnis auf Gesamtheit der Vorgänge (z.B. DuPont Kennzahlensystem)
  • Prozess der Bilanzanalyse 1. Festlegung des Analyseziels 2. Sammlung und Sichtung relevanter Materialien 3. Verschaffung eines allg. Überblicks über das betrachtete Unternehmen und seiner Branche sowie Durchführung der formalen Bilanzanalyse 4. Versuch der Identifikation der Bilanzpolitik 5. Aufbereitung der Materialien 6. Vornahme von Partialanalysen mit Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (Auswahl Kennzahlen, Berechnung, Interpretation, Vergleich, Ursachenforschung, Prognose der künftigen Entwicklung 7. Zusammenfassung der ergebnisse der Partialanalysen zu einem Gesamtbild mit ggf. Berichtertsattung
  • Partialanalysen (Teilanalysen) - Berechnung der Kennzahlen - Zeitvergleich - Betriebsvergleich - Soll-Ist-Vergleich
  • Grenzen der Bilanzanalyse - unvollständige Informationsquellen, fehlende Informationen - Abschlüsse sind vergangenheitsorientiert - Abschluss und Lagebericht sind erst nach Bilanzstichtag erhältlich und daher zum Analysezeitpunkt schon veraltet(oft 3 Monate später)
  • Neue Ansätze der Bilanzanalyse - mittels neueren Ansätzen sollen Schwachstellen und aufgeblähte Kennzahlenproduktion reduziert werden z.B.: -- Multivariate Diskiminanzanalyse zur Insolvenzprognose -- Künstliche neuronale Netze zur Krisendiagnose -- Qualitative Bilanzanalyse zur Auswertung qualitativer Daten