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Journalismusforschung (Fach) / 3. Sitzung (Lektion)

Öffentlichkeit, (rechtliche) Rahmenbedingungen des Journalismus

Diese Lektion wurde von nantjemarie erstellt.

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  • Welche fünf Instanzen gibt es im Modell öffentlicher Kommunikation nach Gerhards/Neidhardt (1991)? Wie funktioniert dieses Modell? in diesem Modell befinden sich die Instanzen der Gesellschaftlichen Akteure, der Medien als institutionellem Kontext, der Journalisten als Rollenträger, der Medienprodukte als Handlungsergebnisse, und des Publikums, in Beziehung miteinander  Gesellschaftliche Akteure (z.B. Politiker) wirken auf die Medien ein, die wiederum die Akteure beeinflussen. Das Publikum enthält mediale Umwandlungen der Produkte der GA; und wirkt seinerseits auf mediale Instanzen ein, indem es z.B. bestimmte Themen fordert/bevorzugt
  • Was ist öffentliche Kommunikation? "bezeichnet Kommunikationsprozesse und -strukturen, die öffentlich stattfinden und häufig (aber nicht zwingend) durch Massenmedien vermittelt sind." Die einzige Bedinung ist Öffentlichkeit. 
  • Was ist Massenkommunikation? Massenkommunikation ist ein Teil öffentlicher Kommunikation, das Publikum ist nicht direkt anwesend (dispers), und technische Verbreitungsmittel sind Voraussetzung
  • Was ist eigentlich Öffentlichkeit? vieldeutig, kann politisch (Angelegenheiten des Staats) ausgelegt werden oder sich auf Meinungen der Mehrheit der Bürger beziehen (öffentliche Meinung), kann mit massenmedialer Öffentlichkeit gleichgesetzt werden usw.  "Öffentlichkeit bildet ein intermediäres System, dessen politische Funktion in der Aufnahme (Input) und Verarbeitung (Throughput) bestimmter Themen und Meinungen sowie in der Vermittlung der aus dieser Verarbeitung entstehenden öffentlichen Meinungen (Output) einerseits an die Bürger, andererseits an das politische System besteht." (Gerhards/Neidhardt, 1990)
  • Wie lässt sich das traditionelle Modell des Intermediären Systems öffentlicher Kommunikation (nach Jarren/Donges 2006) beschreiben? Es charakterisiert die zwischen der politisch interessierten Bevölkerung und dem eigentlichen Regierungssystem zwischengeschalteten Organisationsformen: Bürgerinitiativen/Neue Soziale Bewegungen, Vereine/Verbände, Partein, Massenmedien, welche zwischen BürgerInnen und Politik vermitteln und politische Inhalte/Entscheidungen zwischen gesellschaftlicher und politischer Ebene transformieren
  • Wie lässt sich das mediatisierte Modell des Intermediären Systems öffentlicher Kommunikation nach Jarren/Donges (2006) beschreiben? Dieses Modell weicht insofern vom traditionellen Modell ab, ls dass es die Massenmedien als eigenständige Ebene darstellt, die zwischen den intermediären Strukturen und BürgerInnen vermittelt; hierbei kommt den Massenmedien eine wichtigere Bedeutung zu als beim traditionellen Modell Es ist Phänomen der modernen "Mediengesellschaft"
  • Was sind Merkmale der modernen Mediengesellschaft? In dieser Gesellschaft ist das Angebot herkömmlicher Massenmedien sehr viel größer und ausdifferenzierter. In ihr werden die Informationen durch Medien immer schneller und genauer, und die Medien durchdringen immer schneller alle gesellschaftlichen Bereiche
  • Was ist "Medialisierung"? Medien durchdringen alle gesellschaftlichen Bereiche und werden zur Voraussetzung für die Informations- und Kommunikationspraxis für politische und gesellschaftliche Akteure. Ohne sie wäre keine stabile Kommnikation zwischen Akteuren und BürgerInnen mehr möglich
  • Was drückt der Begriff der "Öffentlichkeit im demokratischen Prozess" (nach Gerhards/Neidhardt) aus? Die Öffentlichkeit ist Vermittler zwischen BürgerInnen und politischen/gesellschaftlichen Akteuren in zwei Richtungen:  Top Down: Informationen aus dem politischen System werden an die Bürger vermittelt  Bottom Up: Problemwahrnehmungen usw. werden zur Bearbeitung ans politische System adressiert  In diesem Modell hat die Öffentlichkeit folgende Funktionen: Transparenz, Validierung, Orientierung
  • Wie funktioniert die politische Öffentlichkeit im Forum-Modell (nach Gerdards/Neidhart)? Die Öffentlichkeit ist ein offenes Kommunikationssystem, in dem sich jeder nach seinen eigenen Möglichkeiten artikulieren kann und darf. Sogenannte Öffentlichkeitssprecher setzen sich vor Publikum in einem Forum miteinander auseinander und konkurrieren um Aufmerksamkeit und Unterstützung durch BürgerInnen "Politische Öffentlichkeit besteht aus einer Vielzahl von Kommunikationsforen, deren Zugang prinzipiell offen und nicht an Mitgliedbedingungen gebunden ist und in denen sich individuelle und kollektive Akteure vor einem breiten Publikum zu politischen Themen äußern. Das Produkt der Kommunikation in der Öffentlichkeit bezeichnet man als öffentliche Meinung, die man von den aggregierten Individualmeinungen der Bürger unterscheiden kann."
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  • Wie finden Öffentlichkeitssprecher Zugang zur politischen Öffentlichkeit? Unterscheiden sich Journalisten von anderen Sprechern? Es gibt unterschiedliche Zugangschancen für Öffentlichkeitssprecher (politische Akteure, Verbände, Ziviligesellschaft, Medien...) und ein besonderes Zugangsprivileg für Medienakteure (Journalisten als Kommentatoren, Vermittler und Kommunikateure, sie sprechen oder empfangen nicht sondern vermitteln und können eigenen Standpunkt einfließen lassen
  • Wie unterscheiden sich Präsenzöffentlichkeit und Medienöffentlichkeit voneinander? Präsenzöffentlichkeit bezeichnet die Masse, die hier und jetzt vorhanden ist, während Medienöffentlichkeit eine große Reichweite hat weil sie auch nicht direkt anwesendes Publikum erreicht --> Medien als Träger moderner Öffentlichkeit
  • Wie sieht politische Öffentlichkeit im Phasenmodell (nach Etzioni 1969) aus? Im Phasenmodell gestaltet sich Öffentlichkeit als Prozess:  Input: Sammlung der Sprecherbeiträge --> Transparenz- und Informationsfunktion Throughput: Verarbeitung der Sprecherbeiträge --> Validierungsfunktion: Prüfung der Beiträge durch andere Sprecher und Publikum (Relevanzzuweisung und Überzeugungskraft)  Output: Resultat des Verarbeitungsprozesses, öffentliche Meinungen --> Orientierungsfunktion, vermittelt Orientierung in dem Maße in dem das Publikum die öffentliche Meinung akzeptiert
  • Welche Akteure und Rollen kommen in der Öffentlichkeit vor? Anmerkung: Akteure können ihre Rollen wechseln, das Publikum aber nicht, weil es als Kollektiv strategisch handlungsunfähig ist Sprecher: Angehörige korporativer Ateure, die sich in der Öffentlichkeiten zu bestimmten Themen zu Wort melden. (Rollen:) SIe können Repräsentanten, Advokaten, Experten, Intellektuelle und Kommentatoren (Journalisten, die ihren eigenen Standpunkt vertreten) sein Vermittler: Journalisten, wirken innerhalb von (Medien-)Organisationen Publikum: Adressat der Äußerungen von Sprechern und Vermittlern, seine ANwesenheit konstituiert Öffentlichkeit, es setzt sich vorwiegend aus Laien zusammen
  • Welche gesellschaftlichen Funktionen hat Journalismus? Information  Artikulation Mitwirkung an Meinungsbildung Herstellung von Öffentlichkeit  Agenda Setting Kritik und Kontrolle von Politik (Journalismus als vierte, überwachende Gewalt im Staat) Bildung Sozialisation und Führung (Erziehung) Unterhaltung Integration
  • Welche sind die politischen Primärfunktionen von Medien? Information, Mitwirkung an Meinungsbildung, Kritik und Kontrolle (political watchdog)
  • Was hat es mit der pluralistischen Struktur der Massenmedien auf sich? Sie soll die Repräsentation aller Interessen gewährleisten, so dass jeweils die beste Lösung für einen Konflikt ausgehandelt werden kann.  Die Berücksichtigung aller relevanten Akteure, Themen und Meinungen ist Voraussetzung
  • Welche drei Punkte werden in anspruchsvollen Öffentlichkeitsmodellen besonders hervorgehoben? die Inklusion der Zivilgesellschaft, der rationale Diskurs, die Verständigungsorientierung
  • Wie lässt sich die Geschichte der Öffentlichkeit zusammenfassen? die Moderne Öffentlichkeit ist parallel zur Entwicklung des Journalismus entstanden.  Aufstieg der Öffentlichkeit: mit der Aufklärung entwickelte sich an Orten wie Salons etc. eine bürgerliche Öffentlichkeit, die den Staat von der Gesellschaft bzw. öffentlich von privat trennte. Diese Öffentlichkeit ist ein kommunikatives Netztwerk, in dem sich individuelle Meinungen zu öffentlichen Meinungen verdichten Niedergang der Öffentlichkeit: Bedrohung der Unabhängigkeit der Medien befürchtet, Medien werden im Zeitalter der Massenmedien kommerzialisiert (Schuld: marktwirtschaftliche Organisationsformen, versuchte politische Eingriffe in die Medien) 2. Strukturwandel der Öffentlichkeit: Social web, mach die Gesellschaft zu einer "Netzwerkgesellschaft" --> fließende Übergänge zwischen Kommunikation in privaten und öffentlichen Zusammenhängen und persönlichen Öffentlichkeiten  
  • Was macht die persönliche Öffentlichkeit gegenüber der massenmedialen Öffentlichkeit aus? in der persönlichen Öffentlichkeit werden Informationen nach Kriterien der persönlichen Relevanz ausgewählt, nicht nach gesellschaftlicher Relevanz in der persönlichen Öffentlichkeit richtet man sich an ein intendiertes Publikum aus sozialen Kontakten und nicht an ein verstreutes, unverbunenes, und deutlich größeres Publikum  in einer persönlichen Öffentlichkeit dominiert der Kommunikationsmodus des "Konversation Betreibens" (wechselseitiger Austausch und Dialog), nicht der Kommunikationsmodus des "Publizierens" Es verschwimmt die Trennung zwischen "Sender"- und "Empfänger"-Rollen --> sehr personalisierte Informationsströme
  • Aus welchen Schichten besteht das Zwiebelmodell? Das Zwiebelmodell beschreibt vier Rahmenbedingungen des Journalismus:  Mediensysteme (Normenkontext) / gesellschaftliche/historische Bedingungen --> bilden gesellschaftliche und soziale Rahmenbedingungen und historische sowie rechtliche Grundlagen; sie haben professionelle und ethische Standards (der journalistischen Berufstätigkeit wie z.B. das Presserecht) und betreiben Kommunikationspolitik Medieninstitutionen (Strukturkontext) / Politische/wirtschaftliche Vorgaben --> Zwänge der Medieninstiution wie ökonomische, politische, organisatorische sowie technologische Imperative/Bedingungen, sie legen fest, wie sich journalistische Arbeit abspielt Medienaussagen (Funktionskontext) / Darstellungsform und Erzählweisen der Journalisten --> stellen Informationsquellen und Referenzgruppen dar, Leistungen und Wirkungen (und Rückwirkungen) des Journalismus, Wahl von Darstellungsformen und Berichterstattungsmustern, die zentrale Frage betrifft die Effekte von Medienangeboten für Meinungen, Einstellungen und Handlungen des Medienpublikums Medienakteure (Rollenkontext) / Fokus auf Journalisten --> autonom arbeitende Journalisten sind eingeschlossen in Normen, Strukturen und Funktionskreise des Systems, wodurch ihre Handlungen geprägt werden, demgrafische Merkmale, soziale und politische Einstellungen, Rollenselbstverständnis und Publikumsbild, Professionalisierung und Sozialisation 
  • Welche Einflusssphären (nach Donsbach 1987) gibt es? die Subjektsphäre: alle Faktoren, die zur Person des Journalisten gehören z.B. subjektive Werte, politische Einstellungen, Berufsmotive, Aufgabenverständnis, Publikmsbild, gesellschaftliche Position der JournalistInnen die Professionssphäre: alle Faktoren, die zu den beruflichen und redaktionellen Rahmenbedingungen gehören z.B. Berufsnormen, Nachrichtenfaktoren, Standards der Informationsbeschaffung, ethische Prinzipien, Ausbildung und Kollegenorientierung die Institutionssphäre: alle Faktoren, die dem Medienbetrieb bzw. der Redaktion zugeordnet werden z.B. innere Pressefreiheit, Arbeitszufriedenheit, institutionelle Zwecke, Arbeitsmarkt und technische Strukturen die Gesellschaftssphäre: historisch-kulturelle Rahmenbedingungen, die die Gesellschaft eines Landes insgesamt prägen und sich deshalb auf die Arbeit der JournalistInnen und die Medieninhalte auswirken z.B. soziale Bindungen und Netzwerke, lokale Integration, öffentliche Meinung/Zetgeist, Pressefreiheit, Kommunikationspolitik, politische Struktur
  • Was können Einflüsse auf Medienaussagen (nach Shoemaker/Reese 1991) sein? auf der Ebene des Individuums können Medieninhalte durch Einstellungen und Sozialisation der JournalistIn beinflusst werden, diese trifft auf einer individuellen Ebene Entscheidungen darüber, worüber und wie sie berichten will  auf der Ebene der Medienroutine sind Medieninhalte abhängig von bestehenden journalistischen Routinen, die sich im journalistischen Arbeitsalltag herausgebildet haben und angewendet werden, au?erdem Bedingungen wie verfügbarem Raum, Zeit, Nachrichtenwerte, Quellen etc. auf der Ebene der Organisation hängen Routinen wiederum von Medienorganisationen ab, für die der Journalist tätig ist, Medieninhalte werden auf dieser Ebene durch soziale und institutionelle Zwänge beeinflusst wie persönliche und ökonomische Ressourcen, Einfluss der Werber und anderer Interessensgruppen auf der extramedialen Ebene reflektieren Medieninhalte die Wirklichkeit, d.h. Medien agieren als Spiegel, aber auch als Interpret der Wirklichkeit  auf der Ideologischen Ebene spielen gesellschaftliche Wertevorstellungen eine wichtige Rolle, aber auch Werthaltungen der HerausgeberInnen und JournalistInnen hinterlassen Spuren in der Berichtersattung  außerdem: Organisationen/Gruppierungen, die den Journalisten Informationen liefern und versuchen, sich in den Medien Aufmerksamkeit zu verschaffen, Anforderungen der Politik und des Marktes
  • Was sind Mikro-, Meso-, und Makroperspektive? Zwischen den drei Ebenen findet eine wechselseitige Beeinflussung statt. Mikroperspektive: Akteure und Handeln --> Handlungstheoretische Perspektiven, das Individuum als Akteur und seine Beziehungen zu anderen Personen stehen im Fokus der Betrachtung Mesoperspektive: Institutionen und Zwänge --> Neoinstitutionalismus, Gruppen als Akteure (an welchen Lebensbereichen sind Personen aktiv beteiligt?) Makroperspektive: Systeme und Funktionen --> Systemtheoretische Perspektiven und integrierte Perspektive, Beziehung zwischen Organisationen im Fokus der Betrachtung (z.B. zwischenstaatliche Beziehungen)
  • Wie lässt sich die Systemtheoretische Perspektive erklären? Das Soziale System Journalismus stellt Themen mit Neuigkeitswert und Faktizität zur Verfügung und ist dabei gebunden an verbindliche Wirklichkeitsmodelle. Das komplexe Gebilde besteht aus Organisationen, Programmen und Rollen. Seine Funktionen sind die Synchronisierung von Teilsystemen, Thematisierung und Selbstbeobachtung. Im Verlauf der Entwicklung vollziehen sich dauernde Differenzierungsprozesse zur Leistungssteigerung. 
  • Wie lässt sich die integrierte Perspektive erklären? Journalismus ist keine reine Addition von Individuen und ihren Tätigkeiten, diese Perspektive verbindet Handlungstheorie und Systemtheorie zu integrativer Sozialtheorie Journalismus ist ein soziales System mit Rollen, Strukturen, Normen und Funktionen, aber auch handelnden Individuen. 
  • Welche fünf großen rechtlichen Rahmenbedingungen gibt es in Deutschland für den Journalismus? Artikel 5GG: Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit Landespressegesetze: Sonderrechte und Sonderpflichten für Journalisten Rundfunkstaatsverträge: regeln Aufgabe der Rundfunkveranstalter Tarifverträge: regeln Verhältnis zwischen Journalisten und Verlag/Sender (inner Pressefreiheit) Pressekodex des Deutschen Presserats: 16 Grundsätze, rechtlich unverbindlich, bildet Grundlage für Beurteilung von Publikumsbeschwerden
  • Was ist die Innere Pressefreiheit? Sie schützt die Unabhängigkeit der Journalisten gegenüber ihren Verlegern, gewährleistet aber Verlagen auch Freiheit bei der Auswahl der Mitarbeiter
  • Was ist die Auskunftspflicht? Behörden müssen Journalisten Auskunft geben da diese auf Informationen angewiesen sind (ausgenommen aktuelle Verfahren, Geheimhaltungspflicht etc.) 
  • Was ist das Zeugnisverweigerungsrecht? gewährleistet Informantenschutz, Journalisten müssen nicht die Quelle ihrer Informationen preisgeben