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Journalismusforschung (Fach) / 2. Sitzung (Lektion)

News Bias Forschung, Qualität im Journalismus, Objektivität und aktuelle journalistische Krisen

Diese Lektion wurde von nantjemarie erstellt.

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  • Was bedeutet der Begriff "News-Bias-Forschung"? eine "Bias" ist eine Unausgewogenheit o. Verzerrung, in diesem Kontext eine politische Berichterstattung News-Bias-Forschung versucht, die Ursachen von (politischen) Tendenzen in der Medienberichterstattung auszumachen. Besonders wichtig ist dabei der Zusammenhang zwischen den Einstellungen der Kommunikatoren und der Nachrichtenauswahl.
  • Mit was beschäftigt sich die News Bias Forschung? Parteineigung der Journalisten/Verleger/Herausgeber beeinflusst Nachrichtenauswahl, Instrumentalität bestimmter Nachrichten ist entscheidend politischer Ansatz: Akteurs- und variablenorientiert (Mischform im Gegensatz zu Nachrichtenwertforschung und Gatekeeperforschung) Erwartung von Bias widerspricht Trennungsnorm von Nachricht und Meinung wichtige Frage: Wie drückt sich die Meinung des Kommunikatoren aus?  Konstruktionsmechanismen von Bias Untersuchung durch Inhaltsanalyse, Befragung und Experimente
  • Wovon geht die News Bias Forschung im Bezug auf Meinungen aus? Dass Meinungen nicht nur explizite Bewertung, Kritik o. Unterstützung ist, sondern auch subtilere/implizite Strategien beinhalten kann:  Nachrichtenauswahl Akteursauswahl (Sichtbarkeit) Zusammenhang von Akteuren und Themen (Kompetenzthemen mit Blick auf Priming)  Framing (Akzentuierung bestimmter Aspekte, um Bewertung nahezulegen) --> Wirksamkeit teilweise größer)
  • Mit was befassen sich Inhaltsanalysen im Rahmen der News Bias Forschung? Wahlkampfberichtserstattung Synchronisation von Nachricht & Meinung (--> Wenn Nachrichten und Kommentarlinie ähnlich sind) Instrumentelle Aktualisierung Opportune Zeugen Redaktionelle Linien  (--> von der aktuellen Ereignislage unabhängige, grundsätzliche politische Meinung eines Mediums)
  • Welche drei Varianten kommen als Konstruktionsmechanismen von Bias infrage? Synchronisation von  Nachrichten & Meinungen (nach Schönbach) --> durch selektive Beachtung von Argumenten, Meinung und Nachricht nicht getrennt Instrumentelle Aktualisierung (nach Kepplinger) --> Nachrichtenauswahl durch Profitorientierung (des eigenen Lagers) Opportune Zeugen (nach Hagen) --> Bias durch Akteure, Personen und Zitate genutzt, ohne wirklich auf das inhaltliche zu achten
  • Was beschreibt der Synchronisation-Mechanismus (nach Schönbach 1977)? Inhaltsanalyse der Argumente in Berichterstattung und Kommentierung  (zum Berliner Viermächteabkommen 1971) Frage nach Verletzung der Trennungsnorm: Synchronisation von Nachricht und Meinung (wenn Nachrichten- und Kommentarlinie identisch sind) Ergebnis: vor Allem in Straßenverkaufszeitungen, Regionalzeitungen, Wettbewerbsgebieten, Abozeitungen mit klarer redaktioneller Linie etc.  heutige Befunde: Einseitigkeit abhängig von Ansprüchen an Binnen- und Außenpluralismus in Presse und elektronischen Medien insgesamt stark konsonante Nachrichtenauswahl, Abweichung erst auf hinteren Themenrängen (Konsonanz: Je mehr ein Ereignis mit vorhandenen Vorstellungen und Erwartungen übereinstimmt, desto eher wird es zur Nachricht.)  Internationale Unterschiede in der Kommentarpolitik
  • Was bezeichnet der Begriff "Außenpluralismus"? Inhaltliche Meinungsvielfalt durch eine große Anzahl unterschiedlicher Programme 
  • Was bezeichnet der Begriff "Binnenpluralität"? ist die Herstellung und Gewährleistung der verfassungsrechtlich geforderten Vielfalt des Programmangebotes und des Meinungsspektrum innerhalb eines Gesamtangebotes --> vor Allem intern bei öffentlich-rechtlichen Sendern durch Programmgrundsätze, Aufsichtsgremien etc., aber auch bei privaten extern kontrolliert durch Landesmedienanstalten
  • Was beschreibt der Konstruktionsmechanismus der "Instrumentellen Aktualisierung" (nach Kepplinger 1989)? ist eine Studie zur implizierten Meinungsartikulation von Journalisten Annahme: Nachrichten werden nicht nach Nachrichtenfaktoren oder anderen inhaltlichen Relevanzkriterien ausgewählt, sondern nach instrumentellen Gesichtspunkten: Was nutzt oder schadet dem eigenen Lager?  Hintergrund: Theorie publizistischer Konflikte zusätzliche Frage nach journalistischer Akzeptanz instrumenteller Nachrichtenauswahl: instrumentelles Hervorheben akzeptierter als instrumentelles Herunterspielen Taktiken: Umbewertung von Ereignissen oder Ereignisaspekten, instrumentelle Aktualisierung Bevorzugung von Meldungen, die die eigene Konfliktsicht stützen und sortieren nach Wichtigkeit Inhaltsanalyse: spiegelt unterschiedliche redaktionelle Linien wider, zeigt Synchronisation, Berichterstattung vor Allem negativ, aber Konzentration auf verschiedene Konfliktparteien und Ereignisse
  • Was sind Taktiken der "Instrumentellen Aktualisierung"? Umbewertung von Ereignissen oder Ereignisaspekten:  offensiv: Schwächung der Gegner durch Verschlechterung bestehender Bewertung defensiv: Stärkung des Selbst durch Verbesserung bestehender Bewertung Instrumentelle Aktualisierung: offensiv: Schwächung der Gegner durch Publikation schädlicher Ereignisse defensiv: Stärkung des Selbst durch Publikation nützlicher Ereignisse
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  • Was besagt der Mechanismus "Opportune Zeugen" (nach Hagen 1992)? umfasst die Inhaltsanalyse der Berichterstattung über Volkszählung von 1987 auf Argumentenebene Fokus auf Konstruktionsmechanismen folgt die Auswahl der Akteure, die in der Zeitung zu Wort kommen, der redaktionellen Haltung der Zeitung? --> Vergleich journalistische Argumente und denen der referierten Akteure (Zeugen)  Erklärung: Konstruktionsmechanismen von Bias: aus allen Argumenten werden diejenigen ausgewählt, deren Richtung der redaktionellen Linie entspricht, unabhängig davon, von wem die Zitate stammen Es werden Zitate von Gruppen von Akteuren selektiert, deren haltung generell der redaktionellen Linie enspricht, unabhängig vom Inhalt des einzelnen Zitats (Opportune Zeugen)
  • Was ist "Framing"? beschreibt den Prozess der Einbettung von (politischen) Ereignissen und Themen in subjektive Deutungsrahmen durch massenmediale Akteure und politische Pressearbeit
  • Was bedeutet Qualität bzw. welche Qualitätsanforderungen gibt es an den Journalismus? Qualität beschreibt den Grad, in dem ein Produkt mit bestimmten Anforderungen übereinstimmt Diese Anforderungen sind je nach Perspektive unterschiedlich, im kommunikationswissenschaftlichen Qualitätsdiskurs dominieren drei Begründungsstränge:  funktionale teilweise systemtheoretisch geprägte Perspektive normativ-demokratierorientierte Perspektive marktnahe publikumsorientierte Perspektive
  • Was umfasst die funktional-systemorientierte Perspektive? im Vordergrund: die vom Journalismus selbst entwickelte Funktion, das empirische Funktionsverständnis sowie grundlegende funktionale Konstitutionsbedingungen Qualitätskriterien: Vielfalt, Aktualität, Relevanz, Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit, Verständlichkeit, Kritik etc Funktion: anschlussfähige Selbstbeobachtung der Gesellschaft Zentrale Anforderungen: Austausch von relevanten Informationen zwischen Teilsystemen
  • Was umfasst die normativ-demokratieorientierte Perspektive? im Vordergrund: bestimmte Fundamente einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft Qualitätskriterien: Pluralität, Objektivität, Wahrhaftigkeit, Schutz der Persönlichkeit  Funktion: öffentliche Aufgabe, Meinungs- und Willensbildung Anforderungen: Orientierung an den Werten einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft
  • Was umfasst die marktnahe publikumsorientierte Perspektive? im Vordergrund: die Abhängigkeit der journalistischen Qualität von den Rezipientenbedürfnissen --> Zusammenhang zwischen Qualität und dem über die Befriedigung der Publikumserwartungen zu erreichenden ökonomischen Erfolg, erst wenn Publikumserwartungen erfüllt sind, kommt ökonomischer Erfolg/trägt sich die Zeitung?  Qualitätskriterien: Problemdefinition, Vermittlung von Lösungsvorschlägen, Transparenz (wie wurde Bericht geschrieben? etc), Interaktivität (Onlinekommunikation, Beteiligung) Funktion: Anwendbarkeit und Förderung gesellschaftlichen Engagements/Handlungsmöglichkeiten Zentrale Anforderungen: Einbeziehung des Nutzers in die mediale Kommunikation
  • In welcher Perspektive ist journalistische Objektivität besonders relevant? in der normativ-demokratischen Perspektive
  • Welche vier möglichen Bedeutung hat Objektivität im Journalismus (bes. in der normativ-demokratischen Perspektive)? Verneinung journalistischer Subjektivität (Gegensatz zu Subjektivität) Faire Repräsentation beider Seiten eines Konfliktes (Fair Representation) ausgeprägte Skepsis gegenüber beiden Seiten (Fair Scepticism)  Bereitstellung von Fakten/Informationen, die im Kontext zu einem bestimmten Thema stehen (Hauptdefinition dt. Journalisten)
  • Welche fünf Dimensionen der Objektivität werden von Hackett/Zhao (1998) in Bezug auf Nordamerika identifiziert? Objektivität als normatives Ideal, als Set anzustrebender, wertgeladener Ziele diese Werte beziehen sich auf bestimmte Annahmen bzgl. Wissen und Realität (Gibt es Realität? Wie ist sie erfahrbar? Wie erlernt man Wissen?) Objektivität wird durch ein Set aus Informationsbeschaffung und Präsentationspraktiken und die Trennung von Fakt und Meinung verkörpert Objektivität immer auch abhängig vom institutionellen Rahmenwerk Objektivität als Instrument des öffentlichen Diskurses, als Messlatte für die journalistische Performanz (nicht messbar, aber als Messlatte um journalistische Arbeit zu bewerten)
  • Welche zukünftigen Herausforderungen für den Journalismus/ journalistische Objektivität nennt Hackett (2008)? Hackett meint, dass aktuelle mediale Entwicklungen das bisherige Verständnis von Objektivität untergraben.  Dazu gehört das Internet, welches die Verbreitung von Meinungen/persönlichen Erfahrungen erleichtert, und die Unterscheidung zwischen Produzent und Publikum verschwimmen lässt. Dadurch umgeht es den Journalisten als professionellen Gatekeeper. Der ökonomische Druck auf die Medien, auch Quotendruck genannt, führt u.A. zu einer meinungslastigen Berichterstattung. Dies nennt man auch Infotainment (Vermittlung von Nachrichten und Bildungsinhalten durch aufgelockerte, unterhaltsame Präsentation, z.B. im Fernsehen)
  • Welche aktuellen journalistischen Krisen lassen sich nennen? Ukraine-Berichterattung --> von Rezipienten, aber auch Experten aus Medien und Politik kritisiert, Vorwurf: tendenziöse mediale Aufbereitung und Darstellung des Konfliktes zum Nachteil pro-russischer Positionen, Folge: kritisierte Medien setzen sich öffentlich mit eigener Berichterstattung auseinander (z.B. durch Stellungnahmen) Lügenpresse -->gerade Pegida-Anhänger suchen sich eigene Kanäle, verweigern den Dialog mit der "Lügenpresse" und wenden sich von etablierten Massenmedien ab (umfasst Absprachen/Verschwörungen der linken Massenmedien über Falschaussagen etc., geht weit über mangelnde Objektivität hinaus)
  • Wie definiert sich Medienethik und was ist ihr Gegenstandsbereich? Moral ist die Gesamtheit der moralischen Urteile, Normen, Ideale, Tugenden, Institutionen Ethik is die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Bereich der Moral, die Frage, die sich stellt, ist: Was ist moralisch geboten, also gut oder richtig, was soll erlaubt oder verboten werden?  „„Medienethik ist eine Disziplin, die den Zusammenhang zwischen medialem Ausdruck und menschlichem Verhalten untersucht“
  • Welche Instanzen beobachten und kritisieren journalistisches Fehlverhalten? das Publikum (Nutzungsverhalten) --> leicht mobilisierbar andere Medien (Medienkritik, Metaberichterstattung) --> stärkster Einfluss, aber schwer mobilisierbar Watchblogs (öffentliche Kritik im User-Generated-Content) Presserat (Hinweise, Rügen)
  • Was lässt sich über die deutsche journalistische Berufsethik im internationalen Vergleich sagen? (nach Weischenberg et al 2005)? der deutsche Journalismus lehnt problematische Vorgehensweisen bei der Informationsbeschaffung (z.B. Scheckbuch-Journalismus, Druck auf Informanten oder Undercover-Recherche) eher ab, er ist noch zurückhaltender als vor zwölf Jahren USA: Privatsphäre nicht so bedeutend und deutlich höhere Akzeptanz von härteren und skrupellosen Recherchemethoden, Journalisten eher als Anwälte der Öffentlichkeit