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Makroökonomie (Fach) / Arbeitsmarkt (Lektion)
Brauchen wir Tarifverhandlungen?
Diese Lektion wurde von Waldmama erstellt.
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- Warum wird „ein hoher Beschäftigungsstand“ angestrebt? Individuelle (psychologische und finanzielle) Probleme der Betroffenen Gesellschaftliche Kosten durch Umverteilung: Steuern und Abgaben zur Finanzierung der Leistungen an Arbeitslose, Belastung der Arbeitslosenversicherung und der öffentlichen Haushalte Volkswirtschaftliche Kosten: Ungenutzte Arbeitskraft ⇒ das BIP (Wirtschaftswachstum) liegt unter seinem potenziellen Niveau.
- Wie wird die Beschäftigungssituation erfasst? Wichtigste Kennzahl ist die Arbeitslosenquote,die von der Bundesagentur für Arbeit ermittelt wird: Arbeitslosenquote = Arbeitslose : Erwerbspersonen x 100 ⇒ Arbeitslose sind: bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet nicht oder < 15 Wochenstunden erwerbstätig nicht in Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik eingebunden (Weiterbildungsmaßnahmen etc.)
- Wie ist die Zielgröße "hoher Beschäftgungsstand" definiert? Arbeitslosenquote ≤ 4 % (⇒ normativ festgelegte Größe) Eine Arbeitslosenquote von 0 % wird nicht angestrebt, da sie völlige private Immobilität und fehlenden Strukturwandel bedeuten würde.
- Was ist der Reallohn? Der Reallohn ist der in Kaufkraft ausgedrückte Stundenlohnsatz, d. h. unter Berücksichtigung der Geldwert- bzw. Preisentwicklung (Inflation). fällt geringer aus als der gezahlte, in Geldeinheiten ausgedrückte durchschnittliche Stundenlohn (Nominallohn). Reallohn = Nominallohn : Preisindex x 100
- Wovon hängt die Arbeitsnachfrage ab? Gesamtwirtschaftlich hängt die Arbeitsnachfrage von der Höhe der gesamtwirtschaftl.Güterproduktion (BIP), da für mehr Güterproduktion mehr Arbeitskarft benötigt wird, der Arbeitsproduktivität (Output) je Erwerbstätigen, den Lohnstückkosten (Lohnkosten je produziertes Stück)
- Arbeitsproduktivität Personenkonzept: Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen (APE) = reales BIP: Erwerbstätige Die APE bestimmt wie viele Erwerbstätige für eine bestimmte Produktionsmenge (BIP) benötigt werden. Stundenkonzept: Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde = reales BIP: Arbeitsstunde Die Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde bestimmt wie viele Arbeitsstunden für eine bestimmte Produktionsmenge (BIP) benötigt werden.
- Lohnstückkosten (LSTK) ⇒ Die LSTK sind die Lohnkosten pro produziertem Gut, d.h. pro Stück Personenkonzept: LSTK = Arbeitnehmerentgelt pro Erwerbstätigen : reales BIP pro Erwerbstätigen Stundenkonzept: LSTK = Arbeitnehmerentgelt pro Erwerbstätigenstunde: reales BIP pro Erwerbstätigenstunde
- Was passiert, wenn die LSTK steigen? Arbeitskraft wird teurer ⇒ Es wird für die Unternehmen reizvoll, Beschäftigte durch Maschinen (Kapital) zu ersetzen ⇒ Arbeitsplätze (Produktionsstätten) ins kostengünstigere Ausland zu verlagern. Senkung der Unternehmergewinne (Unternehmens- u. Vermögenseinkommen) Anstieg der Güterpreise, wenn die Unternehmen die höheren Produktionskosten über die Preise an die Verbraucher weiterleiten können (geht nicht bei international agierenden Unternehmen)
- Wann steigen die LSTK? Wenn die Löhne stärker steigen als die Arbeitsproduktivität, steigen die LSTK!
- Arbeitsangebot Arbeitsangebot = Zahl der Erwerbspersonen Einflussfaktoren sind: Entwicklung der Erwerbsquoten (z. B. von Frauen, von Älteren) Entwicklung der Bevölkerungszahlen (Geburtenraten, Lebenserwartung etc.) Migration (vgl. aktuelle Zuwanderung)
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- Motive der Migration Push-Faktoren, d. h. Faktoren, die die Menschen bewegen, ihre angestammte Heimat zu verlassen. • rasches Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern• zu geringer oder sehr ungleich verteilter Zugang zu anderen Produktionsfaktoren (landwirtschaftlicher Nutzfläche, Kapital) Pull-Faktoren, d. h. Gründe, die die Menschen in eine neue Heimat ziehen. • demografische Entwicklung in den Zielländern (höhere Lebenserwartung und abnehmende Geburtenzahlen)• Hoffnung auf einen Arbeitsplatz
- Arten der Arbeitslosigkeit Gesamtwirtschaftliche AL: Konjunkturelle AL: AL durch schwache Güternachfrage (keynesianisch) Klassische AL: AL durch zu hohe Löhne 2. Mismatch-AL: Strukturelle AL: falsche fachliche Qualifikation der Arbeitslosen für die offenen Stellen (infolge schnellen technischen Fortschritts bzw. Strukturwandels), AL durch dauerhaft auseinander fallende Faktoren von Arbeitsangebot und -nachfrage Such-AL (auch friktionelle AL genannt): kurzzeitige AL zwischen zwei Jobs, Folge der (gewünschten) Mobilität von Erwerbspersonen
- Wirkungskette: AL als Folge zu geringer Güternachfrage durch konjunkturelle Schwankungen (keynesianische AL) Güternachfrage < Güterangebot sinkende Preise Unternehmen senken ihre Güterproduktion (Güterangebot sinkt) sinkende Arbeitsnachfrage weniger Beschäftigung Politikempfehlung: höhere Staatsnachfrage oder höhere Transfers an private Haushalte; höhere Löhne (Tarifabschlüsse) ⇒ ABER: eventuell Lohn-Preis-Spirale ohne Beschäftigungswirkung?
- Wirkungskette: Arbeitslosigkeit als Folge zu hoher Löhne („klassische AL“) Durchsetzung starker Lohnerhöhungen (insbesondere bei starker Gewerkschaftsposition) Anstieg der LSTK Güterangebot wird teurer bzw. Güterpreise steigen Rückgang der Güternachfrage Stagnation oder Rückgang des BIP sinkende Arbeitsnachfrage sinkende Beschäftigung Politikempfehlung: (moderate) Lohnabschlüsse entsprechend der Arbeitsproduktivität (⇒ kein Anstieg der LSTK)
- Insider-Outsider-Theorie Beschäftigte = Insider AL = Outsider AL verlieren ihre Wettbewerbsfähigkeit aus institutionellen (Tarifbindung), qualifikatorischen oder sonstigen Gründen Gewerkschaften vertreten die Interessen ihrer Klientel (= Beschäftigte = „Insider“), insbes. hohe Tarifabschlüsse Aggressivere Tarifpolitik wirkt negativ auf den Wiedereinstieg der AL (= „Outsider“); warum? ⇒ Beschäftigte (Insider) verfügen über ausreichend `Macht´, in den Lohnverhandlungen einen Lohn oberhalb des Gleichgewichtslohnes mit den Arbeitgebern zu vereinbaren. Unternehmer stellen keine zusätzlichen Arbeitskräfte (Outsider) ein, da dies angesichts des Lohnes nicht profitabel ist. Die Outsider sind nicht bereit zu einem geringeren Lohn zu arbeiten und bleiben Outsider. Unfreiwillige Arbeitslosigkeit ist die Folge. Insider haben kein Interesse, Outsider zu begünstigen. Gründe für die Marktmacht der Insider:Kosten, die dem Unternehmen bei Entlassungen entstehen, z. B. durch Kündigungsschutz Neueinstellungen (Bewerbungsverfahren, Einarbeitung der Outsider) Insider können die Arbeitsproduktivität beeinflussen: die stillschweigende Ablehnung neuer Mitarbeiter und die Verschlechterung des Arbeitsklimas bei Neueinstellungen senken die Durchschnittsproduktivität.
- Tarifautonomie Tarifautonomie ist das in Deutschland im Grundgesetz verankerte Recht der Koalitionen, Vereinbarungen mit normativer Wirkung und frei von staatlichen Eingriffen über Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen, insbesondere Tarifverträge über das Arbeitsentgelt abzuschließen
- Ergebnisse von Tarifverhandlungen Ergebnisse von Tarifverhandlungen können sein: Höhere Löhne bzw. Arbeitskosten für Unternehmen⇒ Aus Arbeitnehmersicht steigen die Konsummöglichkeiten mit zunehmenden (Real-) Löhnen.⇒ Aus Arbeitgeber- bzw. Unternehmersicht nehmen die Produktionskosten zu und die Notwendigkeit, zu rationalisieren. Senkung der Verhandlungskosten beim Abschluss von Arbeitsverträgen Optimierung der Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmer (z. B. Kündigungsschutz) Umverteilung von Einkommen Ruhestandsleistungen …
- verschieden Lohnpolitiken Produktivitätsorientierte Lohnpolitik: Der Lohn steigt im Durchschnitt so stark wie die durchschnittliche Arbeitsproduktivität zuzügl. Inflationsausgleich an. Kostenniveauneutrale Lohnpolitik: Die Löhne gelten neben den Kapital- und Rohstoffkosten als Kosten. Der Lohn kann entsprechend der Produktivität unter Berücksichtigung der genannten Kosten zuzügl. Inflationsausgleich steigen. Beschäftigungsorientierte Lohnpolitik (Eekhoff´sche Lohnformel): Der Anstieg der Löhne muss hinter dem Produktivitätszuwachs zurückbleiben, wenn Arbeitslosigkeit abgebaut werden soll. Begründung: die Arbeitnehmer sollen einen Lohnabschlag hinnehmen, damit die Unternehmen größere Spielräume für Investitionen und Neueinstellungen erhaltenJe zwei Prozentpunkte Arbeitslosenquote, ist ein Lohnabschlag i. H. v. einem Prozentpunkt richtig.
- Sind Tarifverhandlungen wichtig? Tarifverhandlungen sind nicht nur grundgesetzlich garantiert, sondern helfen sowohl den Arbeitgebern als auch den Arbeitnehmern Kosten zu sparen, indem Vertragsverhandlungen kollektiv verlaufen. Beide Parteien haben ein großes (nicht zuletzt finanzielles) Interesse, die Tarifverhandlungen zu einem positiven Abschluss zu bringen. Die Kosten von Arbeitsniederlegungen sind für beide Parteien immens. Je nach konjunktureller Situation in einer Volkswirtschaft ist die Verhandlungsposition der einen oder der anderen Partei besser. Innerhalb der Gewerkschaften haben die Insider Marktmacht, die zu nachteiligen Ergebnissen führen kann. (Insider-Outsider-Theorie)
- Ziele der Gewerkschaften & Arbeitgeberverbände Ziele der Gewerkschaften: Hohe Lohnabschlüsse zur Verbesserung der Verteilungsposition der Arbeitnehmer Bei Berücksichtigung der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungssituation ggfls. auchLohnzurückhaltung, wenn im Gegenzug Arbeitsplätze geschaffen werden ..... Ziele der Arbeitgeberverbände: Möglichst niedrige Lohnabschlüsse Hohe Nettogewinne und flexible tarifliche Vereinbarungen, die Spielraum für Investionen geben und den Bedürfnissen der Unternehmen Rechnung tragen …