Soziologie (Fach) / Soziales Handeln II: Definition der Situation und variable Rationalität (Lektion)
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- Vorteile RC- Ansatz o Präzise Selektionsregel (Gesetz) o Einfachheit: Alternativen, Erwartungen, Bewertungen o Eignung im Modell der soziologischen Erklärung o Empirische Bewährung in vielen Anwendungsfeldern (kann man überall nachprüfen)
- Alternative Handlungstheorie: Homo Sociologicus - Handeln nach Normen, Regeln --> bestimmt durch: Rollen(Geben Handlungen vor) Erwartungen werden durch sozialisation internalisiert (tief verwurzelt) Zuwiderhandlungen werden gesellschaftlich sanktioniert. (kann informell sein, zB. Keine Freunde mehr)
- Vorteil: Homo sociologicus? - Soziologische Tatbestände/gesellschaftliche Einflüsse im Zentrum der Betrachtung
- Nachteile Homo Sociologicus - Mensch passiv und marionettenhaft - Keine ausreichend präzise/allgemeingültige Selektionsregel Rollenkonflikte (Vater/Arbeit) Abweichendes Verhalten à Mensch hält sich nicht immer an Rollen
- RC-Ansatz wird meistens missverstanden (Unberechtigt Kritik) Menschen haben nicht immer die Wahl (UNBERECHTIGTE KRITIK Zb. Ein Sklave kann weglaufen aber vielleicht gibt es diese Alternative nicht für ihn - Kritik verwechselt Beobachter- und Akteurs perspektive - Ob sie (Alternativen) ausführbar sind oder nicht =egal Menschen handeln nicht immer rational--> nur Minimalanforderungen an Rationalität (konsistente Präferenzen, subjektiv rationales Handeln) Menschen handeln nicht immer egoistisch Viele RC-Theorien behaupten das gar nicht (Aber es wirkt so in der Theorie)
- Enge Version (Homo Oeconomicus) Nur egoistische Präferenzen relevant Nur harte Restriktionen relevant (zB Geld) Vollständige Information (über alle Alternativen) Objektive Restriktionen Nur Restriktionen erklären Verhalten (denn Präferenzen werden als stabil wahrgenommen)
- Weite Version (SEU-Theorie) Alle Arten von Präferenzen relevant Alle Arten von Restriktionen Keine vollständigen Information Wahrgenommene Restriktionen sind relevant (subj, da keine vollständige Information) Restriktionen und/oder Präferenzen erklären Verhalten
- Berechtigte Kritik am Rational-Choice- Ansatz II Woher kommen die Annahmen (über Alternativen, Erwartungen, Bewertungen (Brückenhypothesen)? Leere und Einfachheit: die Brückenhypothesen tragen nahezu die gesamte Erklärungslast (im weiten Ansatz) Abstrahieren die Variation in der Handlungsverursachung à deshalb o Die Definition der Situation o Die variable Rationalität der Akteure
- Definition der Situation - Thomas-Theorem If men define Situation as real, they are real in their consequences“ (stimmt nicht immer) → subjektive Erwartungen sind verhaltensrelevantz.B. Jemand denkt, dass über ihn gelästert wird, schränkt sich ab à er sird wirklich über ihn gelästert- Einfachste Interpretation: Subjektive Erwartungen (steuert Handlung) sind verhaltensrelevant (siehe SEU-Theorie) Weitergehende Interpretation: Akteure verfügen über mentale Modelle der Situation, die ihr Handeln nachhaltig und vielfältig prägen- Zb Ehrverletzung, Freundschaft, wenn ein fremdes Kind weint, auch helfen Anthropologische bedingte Notwendigkeit (siehe Teil 2: Weltoffenheit/Reizüberflutung)
- Bsp. El-Trato (Der Deal) - Zahle was du willst Aktionen: Preis wird allein durch den Käufer festgelegt- Vertrauen, Handschlag, Symbol für Verbindlichkeit- Große Werbekampagne- Angebote online, der am snellsten zugreifende kriegt deal, nur 1 deal pro Kunde, nach Rückkehr, werden Kunden via Email gefragt ihren Teil des Deal zu erfüllen- Ganz viele nicht oder ganz wenig bezahlt! (kein Schamgefühl bei indirektem kontakt)- Situationsdefinitionen o Sozial und moralisch akzeptabel, seinen Vorteil zu suchen o Wohltätigkeitsaktion o WettbewerbSchlussfolgerungen aus dem Beispielo verschiedene Situationsdefinitionen (Vertrauensbeziehung, Bargain, Wohltätigkeitsaktion, Wettbewerb)o → Definition der Situation kann zu völlig anderem Verhalten führen!!!
- Der Prozess der Definition der Situation Signifikante Symbole/Hinweisreize Mentales Modell der SItuation (Frame) : löst aus/aktiviert Handlunsdisposition (zb Routine, Normen) Erwatungen und Bewertungen und Emotionen: beeinflussen Verhalten Handlungen AusführenUrsprung und Ausarbeitung des Konzepts: Symbolischer Interaktionismus
- Alternative Handlungstheorie: symbolischer Interaktionismus (Herbert Blumer) - Menschen handeln auf der Grundlage von Bedeutungen (=Symbole) - Bedeutungen entstehen in der sozialen Interaktion (z.B. Raucher, nicht-Raucher) - Bedeutungen werden in der Auseinandersetzung mit der Umwelt verändert und situationsabhängig interpretiert. - also kein passiver Akteur! (wie im normativen Paradigma/Homo Sociologicus)
- Vorteile symbolischer interaktionismus - Berücksichtigt die interpretative Dimension des Handelns - --> Interpretatives Paradigma
- Nachteile des symbolischen Interaktionismus - keine präzise Selektionsregel für Handeln; kausale Gesetze des Handelns abgelegt - Brückenhypothesen und Aggregation kaum möglich
- Variation in der Handlungsverursachung → Die variable Rationalität der Akteure Je nach Situation & je nach Akteur à denkt man unterschiedlich stark nach (Grad der Reflexion bei der Selektion) Abhängig von Akteur & Situation Und beeinflusst, welche Determinanten die Handlungsselektion beeinflussen (Affekt, Zweck, Gewohnheit, Werte) → Grundannahme vieler soziologischer Handlungstheorien → Rational-Choice abstrahiert von derartigen Unterschieden
- 4 Handlungstypen nach Weber 1. zweckrational: Handeln dient der Erfüllung eines Zwecks--> psychologische, sich Gedanken machen pro/contra, Handeln erfüllt einen Zweck- durch Erwartungen des Verhaltens von Gegenständen der Außenwelt und von anderen Menschen und unter Benutzung dieser Erwartungen als Bedingungen oder als Mittel für rational, als Erfolg, erstrebte und abgewogene Zwecke. 2. wertrational: Handeln nach einem bewussten Glauben (ethisch, ästhetisch, religiös usw.): Unabhängig vom Erfolg --> z.B. Ehrenwort, nie lügen, erste Hilfe, sich selbst in Gefahr bringen für jemand anderen 3. affektuell/emotional: Handeln durch aktuelle Affekte und Gefühle 4. traditional: Handeln durch eingelebte Gewohnheiten (Routine Handlungen)
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- Problem/Nachteil Wann ist welche Art des Handelns zu erwarten? → nicht genau spezifiziert
- Theorie des Alltagshandelns von Alfred Schütz Alltagserfahrung = „Kette von Selbstverständlichkeiten“ → unhinterfragtes Situations- und Handlungswissen (Gewohnheiten, traditional) --> Traditional, Routinesituation, Rezepthandlungen Wenn Routine-Situation gestört wird, entsteht eine „problematische Situation“ (zweckmäßig) → erst dann reflektiertes abwägen verschiedener Möglichkeiten → Interpretatives Paradigma -->Routine ändert sich, immer den gleichen Bus: KVB streikt à neue Handlung überlegenVorläufer heutiger Dual-Prozess-Theorien (sozialpsychologisch und Soziologie)o Modell der Frame-selektion
- Das Modell der Frame-Selektion 3 Selektionen 1) Frame (Situationsrahmen) 2) Skript (Routinen, Normen) 3) Handeln
- Spontane Aktivierung ODER Reflexive Entscheidung 4 Determinanten der Reflexion - Spontane Aktivierung (AW), Motivation (U), Gelegenheit (p), Aufwand (C)
- Spontane Aktivierung einer Handlungsalternative umso größer, je... Je eindeutiger die Situationsdefinition ist Je zugänglicher ein bestimmtes Skript in der Situation ist Je stärker das Skript verankert ist, Je stärker es die Handlungswahl regelt → Berücksichtigung beider Phänomene: variable Rationalität Definition der Situation → integrative Handlungstheorie Diese integrative Handlungstheorie: berücksichtigt beide Phänomene: variable Rationalität und Definition der Situation
- ÜBERBLICK: KENNEN GELERNTE HANDLUNGSTHEORETISCHE ANGEBOTE Was ist nun die beste Lösung, um Handlung zu erklären? Wie geht man mit der Vielfalt der Theorien um? Pluralistisch (eklektizistisch): Theorien bestehen einfach nebeneinander → jeweiligen Nachteile → ein Phänomen, eine Theorie (aber welche?) → unbefriedigend Integration in eine umfassendere Handlungs- Theorie Spezifizieren, unter welchen genauen Bedingungen welcher Aspekt überwiegt Behebung der Schwächen durch Einbau der anderen Aspekte (Marionetteneffect ausgleichen) → SEU-Theorie (Sehr flexibel, reicht häufig aus.) → Modell der Frame-Selektion (stärker psychologisch fundierte Theorien, wenn tiefer gehende Handlungserklärungen angestrebt werden.
