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Persönlichkeitspsychologie (Fach) / Persönlichkeitspsychologie (Lektion)

Stoff des 1. Semesters

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  • Dispositionen (Definition, Merkmale, Herkunft) = zeitlich stabiles Personenmerkmal, das eine Person dazu dispositioniert, in einer bestimmten Situation ein bestimmtes Verhalten zu zeigen- nicht stabil: z.B. Hunger- üblicherweise stabil: z.B. Intelligenz- sind nicht beobachtbar, sondern können nur aus beobachtbarem Verhalten erschlossen werden    - sichtbarer Input aus Umwelt (z.B. in Form einer Aufgabe, Bitte um Hilfe etc.) und       sichtbarer Output aus dem Individuum (z.B. in Form einer Lösung, Kooperation oder       Hilfestellung etc.)    - wenn die Art der Lösung bzw. des Outputs generell stabil ist (d.h. über mehrere zeitlich       entfernte Situationen hinweg und auch bei Variation des Inputs (Schwierigkeit der       Aufgabe, Person, die um Hilfe bittet etc.), dann ist dies eine Disposition und:- ermöglicht Erklärung und Vorhersagen von Verhalten- sind an Situationen gebunden (nur in bedrohlichen Situationen äußert sich Ängstlichkeit)- sind untereinander vernetzt und interagieren miteinander (z.B. kann man nicht gleichzeitig ängstlich und aggressiv sein)- zwei Möglichkeiten der Herkunft:     1. Vererbung = im Alltagsverständis die häufigste Ursache     2. Umwelteinflüsse
  • Dispositionsarten aktbefähigende Disposition: Intelligenz, Geschick, Einfühlungsvermögen, Kraft... aktgestaltende Disposition: Umsicht, Vorsicht, Humor, Trägheit, Wankelmut... Wissensvorrat: Selbstbild, Sprachkenntnisse, Alltagsphysik... Neigungsdispositionen: Aggressivität, Reiselust, Geiz, Fremdenfeindlichkeit... Normdispositionen: Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Tischmanieren... Gefühlsdispositionen: Ängstlichkeit, Lustigkeit, Erregbarkeit, Schamhaftigkeit...
  • Verteilung der Dispositionen - manche haben alle Menschen (z.B. auf zwei Beinen zu gehen)- andere haben nur manche Menschen (z.B. intelligent zu sein oder gut auszusehen)- manche sind einzigartig (z.B. Sadismus des Marquis de Sad) - in Alltagssprache davon ausgehend, dass nicht alle Dispositionen normalverteilt sind bzw. eine Normalverteilung eher selten vorkommt- z.B. sind mehr Menschen freundlich als unfreundlich und auch mehr freundlich als weder freundlich noch unfreundlich- aber bei z.B. Intelligenz ist die Masse der Menschen weder sehr intelligent noch sehr unintelligent = etwa Normalverteilung
  • Persönlichkeitsbegriff (Gegenüberstellung alltäglich und wissenschaftlich) alltäglich:- dazu nicht zählend: Merkmale, die alle Menschen besitzen= Gesamtheit aller Eigenschaften, in denen sich Menschen voneinander unterscheiden- unter Umständen ebenfalls dazuzählend: Gestaltseigenschaften (Aussehen, Figur) - auf jeden Fall sind diese mit Persönlichkeit verknüpft über Annahmen wie "Dicke sind gemütlich" etc.- Dispositionen sind an bestimmte Situationen gebunden (nur in angstauslösenden Situationen zeigt sich Ängstlichkeit)- Dispositionen sind vernetzt und interagieren miteinander (kann nicht gleichzeitig ängstlich und aggressiv sein)wissenschaftlich:- Ansammlung von Merkmalen (Dispositionen) einer Person → nicht dazuzählend: Merkmale, die alle Menschen gemein haben- nicht wertende (also Attribute wie: berühmt, bedeutend etc.) Merkmale eingeschlossen, sondern solche, die das Individuum von Gesamtmasse abgrenzen (z.B. Unterschiede in EInstellungen, Werten, Eigenschaften wie Empfindlichkeit und Angstschwelle, Erfahrungen)
  • Definition Persönlichkeitspsychologie = empirische Wissenschaft von den überdauernden, nichtpathologischen, verhaltensrelevanten und individuellen Besonderheiten von Menschen innerhalb einer bestimmten Population - empirisch: willentlich erzeugte Daten durch die Manipulation oder Variation von unabhängigen Variablen in Experimenten, Studien etc. ⇒ auf Erfahrung, nicht auf Logik basierend- überdauernd: zeitstabil- nichtpathologisch: nicht krankhaft oder behandlungsbedürftig- verhaltensrelevant: nur solche, die Einfluss auf das Handeln im Alltag haben- individuell: von Mensch zu Mensch verschieden- innerhalb einer bestimmten Population: Bezug zur Referenzgruppe wichtig, denn die Einschätzung der Ausprägung eines Merkmals einer Person passiert immer nur im Vergleich zu den Verteilung der Ausprägungen der Population ⇒ d.h. keine absolute Aussage möglich, sondern immer im Vergleich (gleiche Person kann mit bestimmtem Intelligenzwert in Population mit sehr hohen Intelligenzausprägungen als vergleichsweise minder intelligent gelten, in Population mit eher mittelmäßigen Intelligenzausrägungen als durchschnittlich oder gar überdurchschnittlich intelligent) → wichtig: relativ große Eichstichprobe, damit für gesamte Gesellschaft repräsentativ und nach vergangener Zeit wiederholen, weil sich Population mit Zeit auch verändert
  • Paradigmen der Persönlichkeitspsychologie (Aufzählung) - nach Asendorpf: psychoanalytisches Paradigma behavioristisches Paradigma Egenschaftsparadigma Informationsparadigma dynamisch - interaktionistisches Paradigma
  • Daten aus Freuds Leben und Wirken (inklusive Schriften) - 1856 (Tschechien) - 1939 (London)- ursprünglich Nervenarzt- Erkenntnisse basieren auf Einzelfallerfahrungen (Patientenfälle) & Introspektion ⇒ keine großen Stichproben- Freud war Jude (musste vor den Nazis nach London fliehen)- jüngste Tochter Anna wurde ebenfalls Psychoanalytikerin- ehemalige Anhänger Adler und Jung entwickelten später eigene psychoanalytische Theorien → Freud war unempfänglich für Kritik und Verbesserungsvorschläge von außen; revidierte seine Theorie aber selbst mehrmals- deutete auch Kunstwerke psychoanalytisch, z.B. in "Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci" oder "Der Moses des Michelangelo"- Freud hatte starken Einfluss auf die Künstler seiner Zeit und spätere, z.B. auf THomas Mann, Salvador Dali und Alfred Hitchcock- herausragende Schriften:   - Die Traumdeutung (1900) → Träume offenbare geheime Wünsche/Ängste   - Zur Psychopathologie des Alltagslebens (1901) → Freudsche Fehlleistung, z.B. Sitzung      statt für geöffnet, für geschlossen erklärt ⇒ Offenbarung von geheimen Wünschen   - Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten (1905) → m.H. von Witzen können      Ängste behandelt und Tabuthemen (Tod, Sex) angesprochen und ins Heitere aufgelöst      werden   - Totem und Tabu → kulturkritisch: Begünstigung von Tabus und Neurosen in der Kultur   - Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1916/1917) → Mitschriften aus      seinen Vorlesungen   - Die Widerstände gegen die Psychoanalyse (1925) → setzt sich mit Kritikern      auseinander (wehren sich angeblich, weil er Recht hat (bzgl. Abwehrmechanismen))   - usw.
  • Traumdeutung - von Sigmund Freud- Schrift: 1900- Behauptung: kein Traum ist zufällig, sondern bildet Schnittstelle zwischen Unterbewusstem und Bewusstem- Absurdität der Träume resultiert aus dem hier greifenden Verdrängungsmechanismus (funktioniert allerdings schwächer als bei Wachheit) → wahrer Inhalt in Symbolik verpackt und damit auf ersten Blick nicht erkennbar (zum Beispiel im Traum Frau mit zwei großen Ballons → mögliche Deutung: sehnt sich nach Sexualpartnerin mit großen Brüsten)- manifester Trauminhalt: an was wir uns von Traum erinnern- latenter Trauminhalt: versteckter Sinn (durch Eingriff des Bewussten verschleiert) → auch durch Traumzensur verschleiert (Traum war tatsächlich anders, wurde aber zensiert, weswegen man sich anders erinnert) - Traumdeutung = Technik, die den latenten Traumgedanken aus dem manifesten freilegen- damit auch Offenbarung von unerfüllten Wünschen oder Ängsten (vorkommend im latenten Trauminhalt)- Arzt wirkt als Hilfe oder Anstoß
  • Psychoanalyse (Begriffsdefinition) - hat Doppelbedeutung: psychologische Denkrichtung:- von Sigmund Freud begründet - deterministisches Weltbild: alles Handeln hat irgendeinen Grund (kein freier Wille, kein Zufall) Methode der therapeutischen Behandlung:- auf die Vergangenheit gerichtet- aufwendig und langwierig bis Erfolg sich einstellt- Patient liegt bequem auf der Couch, Analytiker sitzt hinter Patienten im toten Winkel- Themen bei der Analyse: Vergangenheit (besonders Kindheit), spontane Assoziationen, Träume
  • Vier Grundthesen der Psychoanalyse (Auflistung) - nicht von Freud selbst explizit aufgestellt Psychischer Determinismus Innere psychische Struktur Psychischer Konflikt Mentale Energie
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  • Psychischer Determinismus (Grundthese der Psychoanalyse) - kein psychischer Vorgang ist zufällig, sondern alles hat eine sinnvolle Ursache- d.h. deterministisch motiviert - Ursache ist mit geheimen Wünschen und Bedürfnissen verbunden- leugnet somit auch freien Willen
  • Innere psychische Struktur (Grundthese der Psychoanalyse) - Psyche in drei Ebenen geteilt:     - bewusste Ebene:        - im Moment verfügbare und nutzbare Informationen (z.B. Wahrnehmungen,           Empfindungen, Gedanken, Vorstellungen, Erinnerungen...)     - vorbewusste Ebene:       - potenziel verfügbare Infos, aber Stärke reicht nicht in Bewusstsein hinein (z.B. Name,          der mir auf der Zunge liegt)     - unbewusste Ebene:         - Inhalt, der dem Bewusstsein auch bei großer Anstrengung nicht zugänglich ist- Psyche in drei Instanzen geteilt:     - Es:       - angeboren       - umfasst alle triebhaften Elemente der Persönlichkeit       - auf der unbewussten Ebene agierend       - folgt dem Lustprinzip     - Über-Ich:       - anerzogen durch Umwelt       - umfasst Moral, Werte, Normen, Verbote, Gebote       - agierend auf der bewussten, der vorbewussten und der unbewussten Ebene       - folgt dem Moralitätsprinzip     - Ich:       - Vermittler zwischen den anderen beiden Instanzen       - folgt dem Realitätsprinzip       - Ich-Stärke: sehr positiv, weil schafft Einklang zwischen und verhindert Ausbruch von          Trieben und Moral- Freud: "Wo Es war, soll Ich werden" (Ziel der psychoanalytischen Behandlung) MoralitätsprinzipÜber-Ich                                                        ⇐ Wert- und Normvorstellungen Gebote/Verbote ⇓ ForderungenRealitätsprinzipIch                                                                  ⇒ Reaktionenkritischer Verstand, Triebverzicht/Triebausfschub, Kontrolle ⇑ ForderungenLustprinzipEs                                                                   ⇐ ReizeTriebe (Libido, Destrudo)