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Einführung in die Grundlagenfächer (Fach) / Kulturpsychologie (Lektion)
Sluneko
Diese Lektion wurde von Juls96 erstellt.
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- Ausgangspunkt kulturpsychologischer Fragen Menschen anderer Kulturen ticken offensichtlich irgendwie anders. Andere Sitten/Gebräuche, erzählen andere Geschichten mit anderen narrativen Strukturen.→ hochgradige kulturelle Spezifität des Erlebens. Zusätzlich wird auch die Veränderung in der eigenen Kultur berücksichtigt. Diese sind im Nachhinein leichter ersichtlich. Währenddessen verläuft die Veränderung meist so langsam, das diese nicht ersichtlich. Heute sind die Veränderungen, zT durch die neuen Medien, so schnell geworden, dass der Eindruck der grundlegenden Veränderung nach einer Lebensspanne schon entstehen kann.
- prinzipielles Problem Diese starke Variation, zwischen und auch historisch innerhalb von Kulturen, stellt ein prinzipielles Problem für eine nomothetische, nach universellen Gesetzen suchende, Wissenschaft dar. In diesen kulturell und historisch bedingten Unterschieden liegt das zentrale Interesse der Kulturpsychologie.
- Wilhelm Wundt Begründer, insbesondere der experimentell orientieren Psychologie. Einer der ersten, der sich solche Fragen stellt. Ab 1900 ein 10 Bände umfassendes Monumentalwerk zur Völkerpsychologie herausgegeben.1913 Einrichtung einer völkerpsychologischer Abteilung
- Wilhelm Wundt - Bis heute Bis heute hat sich die Psychologie nicht recht mit Wundts Auffassung anfreunden können, dass höhere psychische Funktionen und Prozesse, also alles was mit Vorstellung, Mythen, Moral, Ritualen zu tun hat, also alles, was sprachlich und durch symbolische Formen vermittelt ist, was sinn-haft ist, sich gerade nicht mit naturwissenschaftlichen-experimentellen Mitteln untersuchen lässt.
- Wilhelm Wundt -Seine Völkerpsychologie Seine Völkerpsychologie ist von der Ambition geleitet, eine Art „Entwicklungsgeschichte des Seelischen“ zu verfassen, d.h. Weg zu rekonstruieren, der zu unserer heutigen Bewusstseinsstruktur/psychischen Fähigkeit geführt hat
- Wilhelm Wundt -. Zentrales Element Zentrales Element, das er erkannt hat: zB wie Menschen Landwirtschaft betreiben, spielt in der Entwicklung eine große Rolle, aber er übertreibt und überschätzt die Systematik und vor allem die Zeitgerichtetheit dieser Entwicklung. Für ihn läuft die Entwicklung über Kulturstufen: Primitiv – Sippen- und Stammeskultur – nationale Kultur – Eurozentrismus (den die modernen KP nicht mehr unterschreibt)
- Wilhelm Wundt - Verhältnis von Völkerspychologie und experimentelle Psychologie/Individualpsychologie Wundt dachte das Verhältnis von Völkerspychologie und experimentelle Psychologie/Individualpsychologie als ein komplementäres. 2 ergänzende Theorien, kommen aber nebeneinander zur Anwendung, sollen sich also nicht gegenseitig einmengen, dh Experiment offensichtlich nicht für Völkerpsycholgie brauchbar. →Heute nicht mehr so.
- Experimente heute Heute Experimente durchaus in Ausschnitten der Kulturpsychologie und die Kulturpsychologie. findet sich auch in der Individualpsycholgie.
- Wichtige Fragen Wo beginnt eigentlich das Kollektiv-Seelische? Gibt es überhaupt irgendeinen lebensweltlich relevanten psychologischen Phänomenbereich, der unabhängig davon ist, wie die Menschen zusammenleben?
- Völkerspychologie seelische Vorgänge, die an das Zusammenleben gebunden sind, höhere seelische Funktionen und Vorgänge, „Volksgeist“ oder „Volksseele“
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- experimentelle Psychologie/Individualpsychologie unmittelbare Sinneserfahrungen
- Die kulturhistorische Schule -Alexandr Luria Alexandr Luria – einer der bedeutendsten russischen Psychologen des 20. Jhdt. „Die historische Bedingtheit individueller Erkenntnisprozesse“ es wird also auch individuelles Erkennen von den zeitlichen Umständen bedingt. Es ist historisch. Individuelles Studium. Korrespondenz mit Sigmund Freud, deutsch. Mit 20 erstes Buch, kritische Würdigung der Psychoanalyse. Begegnet Genie Lev Vigotskij,→ Begründer der kulturhistorischen Schule. Dieser starb mit 38. Dies trug dazu bei, dass die geradezu visionäre Psychologie von Luria, Vigotskj und Leontjew, die in den 20er & 30er Jahren des 20. Jhdt als Psychologie der kulturhistorischen Schule entwickelt wurde, erst mit großer Verzögerung und nur in Teilen von der euro-amerikanischen Psychologie rezipiert wurde. Kurz nach Vigotskjs Tod fiel die russische kulturhistorische Schule in Ungnade. Daher war Luria gezwungen Dozentenstelle aufzugeben und sich seinem abgebrochenen Medizinstudium zuzuwenden. Spezialisierte sich während des 2. Weltkriegs auf die Rehabilitation von Hirnverletzungen. Wurde zu einem der Mitbegründer der heutigen Neuropsychologie. Besonderes Kennzeichen seiner Arbeit: präsentierte diese in Form sehr ausführlicher Einzelfallberichte. Seine kulturpsychologischen Studien wurden nicht rezipiert, da das Amerika der 50iger (McCarthy-Ära), Kalter Krieg, äußerst starke Vorbehalte gegenüber allem hatte, was aus der Sowjetunion kam. Insbesondere gegenüber jeder Form von nicht-individualistischer und materialistischer Psychologie. Studien lagen auch nur auf Russisch vor und wurden erst allmählich übersetzt. All dies erklärt die große Verzögerung in der Rezeption des Buches (historische Bedingtheit individueller Erkenntnisprozese). Forschung 1931 & 1932 in Usbekistan und Kirgisien durchgeführt. 1977 erstmals publiziert.
- Lev Vigotskij (1896-1934) Begründer der kulturhistorischen Schule
- Die historische Bedingtheit individueller Erkenntnisprozesse Zone der proximalen Entwicklung Schulbildung und komplexere Arbeitsorganisacon àKlassifikaconen und Zuordnungen von Gegenständen nach abstrakten und nicht mehr nach situativen Bedingungendaher stärkerer Zug zum Ausschließen Krick an Luria: zu fortschrittsoptimistischder kulturelle Kontrast wird nicht als Chance zur Selbstreflexion verstanden
- Luria -Randbedingungen der Studie: · Rasche und tiefgreifende Veränderungen der sozioökonomischen Verhältnisse · Vor der Revolution: traditionellen, feudale ökonomische Verhältnisse, Naturalwirtschaft. Allermeisten in der Landwirtschaft tätigen waren Analphabeten. Einfluss des Islams war stark. · Im Gefolge der sozialistischen Revolution wurde die Klassenherrschaft beseitigt, freie Existenz. Verantwortung für die eigene Zukunft. Republik verwandelt sich von genossenschaftlich betriebener Landwirtschaft zu aufkommender Industrie. Dies klingt freiwilliger, als es tatsächlich war. Es handelt sich um eine Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. · Neue Wirtschaftsformen bringen neue Formen der gesellschaftlichen Tätigkeit hervor: kollektive Erörterung der Arbeitspläne, Verteilung der Wirtschaftsfunktionen. · Ein umfassendes Netz von Schulen wurde eingerichtet. Alphabetisierungskurse und landwirtschaftliche Elementarkurse. Menschen wurden mit der Schrift bekannt - Theoretische Tätigkeit. Lebendige Sprache in ihrer Elemente zerlegen und sie in ein System vereinbarter Zeichen zu kodieren. Zahlbegriff nimmt einen abstrakten Charakter an. à neue Wissensgebiete und Tätigkeitsmotive, auf abstrakterer Ebene. Mit der Schule kommt die Abstraktion und die zeitliche Verbindlichkeit · Interdependenzketten, Arbeit in größeren Gruppen à Umstrukturierung des Bewusstseins, führt Menschen über die unmittelbare Praxis hinaus. Denken stärker über Praxis nach. Es führt sie in theoretische Bereiche ihrer Arbeit. · Natürliche Vergleichssituation zwischen Menschen mit kleiner, wenig und etwas ausführlicheren Schulbildung
- Luria -Untersuchung der Studie: · Im zwanglosen Setting – am Lagerfeuer, in Teestuben. Forscher erzählen Geschichten, bringen Aufgaben in der Art von Rätseln ein. Als natürlich Fortführung des Gesprächs. Daher oft Gruppengespräche · Aufgaben zur Klassifikation und zum Schlussfolgern. Aufgaben hatten eins gemeinsam: konnten entweder anhand praktischer Erfahrungen oder durch Rückgriff auf abstraktes Wissen gelöst werden. Also anschaulich oder logisch · Forscher bieten Probanden verschiedene Hilfestellungen an, um zu erfahren, wie er sich dazu verhält. Ob und in welchem Ausmaß er diese nutzen kann. Dieses Vorgehen hat mit dem Theorem von der „Zone der proximalen Entwicklung“ zu tun. Proximal bezeichnet jenen Teil des Körperglieds, der relativ näher zur Körpermitte ist. Hier – was jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt kann, ist von einer Zone höherer Aufgabenschwierigkeit umgeben (=Zone proximaler Entwicklung), die selbst noch nicht bewältig werden kann, aber mit Hilfe von Anderen
- Luria -Ergebnisse der Studie · Menschen, bei deren Tätigkeit anschaulich-handelnde Operationen überwiegen, also zB Ziegen züchten, noch nie eine Schule besucht haben, sind nicht oder ganz schlecht in der Lage und auch gar nicht dazu motivierbar, von Gegenständen Merkmale zu abstrahieren, dh konkrete Gegenstände auf abstrakte sprachliche Kategorien zu beziehen, also zu klassifizieren. Menschen mit minimaler Schulbildung sind sehr schnell dazu in der Lage und werden dabei umso sicherer, je umfangreicher die Schuldbildung. „Es existiert ein Entwicklungsstand der Erkenntnisprozesse, bei dem die Gruppierung der Gegenstände nicht mittel verbal-logischer Operationen erfolgt, sondern nach dem Prinzip der Einbezogenheit in aus dem Gedächtnis reproduzierte anschaulich-praktische Situationen“ · Wesentliches Fazit: kulturell und historisch unterschiedliche Formen des Denkens, Verhaltens und Fühlens lassen sich aus den Grundformen der Praxis der Subjekte und nicht aus deren inneren psychischen Besonderheit ableiten
- Kerngedanke kulturhistorischer Schule Denken, Fühlen, Verhalten und Erleben entfalten sich jeweils unter spezifischen historischen und sozialen praktischen Kontexten und Bedingungen.
- entscheidende Differenz der Kulturpsychologie zum Hauptstrom der Psychologie In der Isolierung von Phänomenen aus ihrem praktischen Bedingungsgefüge liegt, aus sich der Kulturpsychologie, das Grundproblem jeder naturwissenschaftlich, d.h. ahistorische betriebenen Psychologie. Verabschieden der Vorstellung, dass allgemein gültige Aussagen über psychische Phänomen gefunden werden können Dies ist die entscheidende Differenz der Kulturpsychologie zum Hauptstrom der Psychologie.
- Lurias Denken zeigt auch ein Motiv auf,.. dass die heutige KP nicht mehr teilt: Übergang vom situativen zum abstrakten Denken stellt einen Fortschritt dar. Forschrittsoptimismus. Heute wird nicht mehr in Kategorien des Fortschritts bzw. Über- oder Unterlegenheit gedacht. „Fortschritt“ bedeutet auch immer das Etwas verloren geht. Es gibt keinen kulturneutralen Standpunkt, von dem aus ein besser-Urteil zu fällen wäre.
- wesentliche Erkenntnischance Sobald wir kulturelle Unterschiede zB im Denken feststellen, in eine Art Bewertungsreflex verfallen und die eigene Art, als die fortschrittlichere bewerten, bleibt die wesentliche Erkenntnischance solcher kulturellen Vergleiche ungenützt. Die Selbstreflexion
- Descartes – Motiv: Motiv: nicht beim Schockiertsein über die, dann aber schnell als Rückständig konnotierte Andersheit der Anderen stehenbleiben, sondern sich selbst in den Spiegel blicken und das in den Blick bekommen, was man bisher selber für selbstverständlich gehalten hat. Eigene Art des Denkens, Wahrnehmens, Fühlens,... Möglichkeit, über den Tellerrand zu blicken. = Prinzip der Verfremdung
- Experimentelle Kulturpsychologie Unterschiedliche Lagerung kognitiver Prozesse - wichtiges Forschungsthema der Kulturpsychologie. Einflussreichster Forscher: Richard Nisbett (*1941) – arbeitet experimentell. Nisbett war zunächst Vertreter der amerikanischen Mainstream-Psychologie (kognitive Prozesse erwachsener Menschen laufen überall auf der Welt grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip ab, all Menschen haben denselben kognitiven Prozessor. Kognitiver Prozesse, zB induktives und deduktives Schließen, Lernen. Mitte seiner Karriere überdachte er seine Überzeugung und revidierte diese. Als Folge eines Aufenthaltes und der Zusammenarbeit mit asiatischen Kollegen. Konvertierte vom mainstream-Psychologen zum Kulturpsychologen.
- Inwieweit unterscheiden sich Angehörige verschiedener Kulturen kognitiv bzw. hinsichtlich der Art ihrer Informationsverarbeitung? Masuda & Nisbett – Aquarium o Erkenntnisse – Japaner nehmen Feld und Objekt gemeinsam wahr und verbinden diese in der Wahrnehmungserinnerung stärker. Wahrnehmung ist feldabhänigig Abel & Hsu – Rohschach-Test bei Versuchspersonen, die in China geboren waren, chinesischstämmige Amerikanern und „weiße“ Amerikaner. o Auswertung – bezieht sich darauf, ob die Person sog. „Ganzantworten“ gibt oder ob sich die Antwort nur auf einen Ausschnitt des Bildes bezieht. o Erkenntnisse – chinesische und chinesischstämmige geben wesentlich mehr Ganzantworten. Folgerungen daraus, und aus vielen anderen Studien: Asiaten legen ihre Aufmerksamkeit eher auf das gesamte Wahrnehmungsfeld, holistisch. Euroamerikanischer Stil des Wahrnehmens und Denkens ist analytisch und an Details orientiert
- Rorschach-Test – wird heute in der Persönlichkeitsdiagnostik kaum mehr verwendet, da bezüglich der Testgütekriterien Zweifel bestehen.
- Holistisch Aufmerksamkeit liegt auf dem Feld als Ganzes und auf den Beziehungen zwischen Objekt und Feld. Erklärung und Vorhersage erfolgen auf der Basis von Erfahrung und Beziehung. Assoziativ. Dialektisch. Kreisend und andeutend. Mehr an Ähnlichkeiten und Erfahrung als an formalen Regeln orientiert, pragmatisch, weniger abstrakt. Interdependentes Selbstverständnis. Kollektive Orientierung
- Analytisch Aufmerksamkeit auf isolierten, aus dem Kontext gelösten Objekten bzw. auf spezifischen Attributen, anhand derer Objekte abstrakter Kategorien zugeordnet werden. Zur Erklärung und Vorhersage werden formale Regeln angewandt. Abstrakt. Folgt stärker symbolischen Repräsentationssystemen und logischen Regeln als konkreter Erfahrung und Herausforderungen der Praxis. Versucht Widersprüche zu vermeiden Unabhängiges Selbstverständnis. Individualistische Orientierung
- Linguistischer Relativismus Wirklichkeitsauffassung ist von sprachlichen Strukturen bescmmt
- Unterschiede in der Wahrnehmung Diese Unterschiede in der Wahrnehmung beziehen sich auch auf die Selbstwahrnehmung. Diese Befunde widersprechen fundamental der Annahme, dass kognitive Prozesse wie Kategorisieren, Lernen… bei allen Erwachsenen gleich ablaufen.
- Woher kommen diese Unterschiede? -Nisbett Vermutung, dass individualistische Kulturen charakteristisch wären für Ökonomien, die auf Jagd, Fischfang und Handel beruhen. Tätigkeiten die ursprünglich von Einzelpersonen oder Kleinstgruppen betrieben wurden. Nisbett führt nicht, so wie die kulturhistorische Schule das tut, die unterschiedlichen Denkstile auf Unterschiede in der aktuellen sozio-ökologischen Praxis zurück, sondern auf solche, wie sie in der Formationszeit dieser Kulturen bestanden haben. Griechenland, mit Fischerei und Viehzucht, bietet die sozio-ökonomischen Bedingungen, unter denen sich Gefühle für individuelle Freiheit und Verantwortung gut entfalten können. China – hoch organisiert, erfordert Koordination relativ großer Menschengruppen (Reisbewässerung), Harmonie ist wichtiger als persönliche Verantwortung.
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- Kritik an Nisbetts Ansatz Es besteht grundsätzlich ein Zusammenhang zwischen Ökologie und Mentalität. Allerdings überschätzt Nisbett die Direktheit dieses Zusammenhangs. Weiterer Kritikpunkt ist die undifferenzierte Dichotomie: Griechen – Chinesen. Langfristige Kontinuitätszusammenhänge zwischen der vom Ökotypus des antiken Griechenland erzeugten Mentalität und jener der heutigen westlichen Welt lassen sich nicht belegen
- Zur Transmission kultureller Muster Muster einer holistisch bzw. analytisch gelagerten Aufmerksamkeitssteuerung spielen sich schon in den frühsten Sozialisationsprozessen ein, d.h werden von der primären Bezugsperson weitergegeben.
- Die Rolle der Sprache für das Verständnis kultureller Unterschiede -Hypothese ab Mitte des 20. Jhdt Sprache selbst entscheidender Faktor für die Unterschiedlichkeit im Denken und Wahrnehmen (Theorie des linguistischen Relativismus) - Edward Sapir & Benjamin Whorf. Unterschiedliche Sprachen bringen unterschiedlichen Weisen, wie wir die Welt erleben, mit sich. Sprachliche Struktur, zB Englisch und Deutsch, Subjekt-Prädikat-Objekt. Alles muss in ein Schema passen, begründen einen fundamentalen Unterschied, wie wir die Welt erfassen. Für Jerome Bruner, einer der wichtigsten kulturpsychologischen Autoren des 20. Jhdt, nur die halbe Wahrheit. Kinder erwerben nicht nur die Sprache, die Sprache erwirbt gleichzeitig auch uns. Spezifische Software, die unseren Denkstil, unsere Weltanschauung mitbestimmt.
- Die Rolle der Medien in der aktuellen Kulturpsychologie Medientheorie in letzter Zeit sehr wichtig geworden. Sprache ist vielleicht das wichtigste Medium
- Die Rolle der Medien in der aktuellen Kulturpsychologie -Marshall McLuhan Understanding Media (1964) - the medium is the message. Essentielle Botschaft liegt nicht in den Inhalten, sondern geht vom Medium selbst aus. Die Botschaft des Mediums oder jeder Technik ist die Veränderung des Maßstabs, Tempos und Schemas, die es der Situation des Menschen bringt.
- Die Rolle der Medien in der aktuellen Kulturpsychologie - Bedeutung der Schrift Schreiben weitet die Reichweite oder Mächtigkeit der Sprache dramatisch aus.Verändert die raumzeitliche Relevanzstruktur. Schriftliche Aufzeichnungen ermöglichen präzise Bezugnahme, auf was, was anderswo zu einer anderen Zeit gedacht und gesagt wurde. Gleichzeitig lässt sich auch verbindlich das eigene Denken wiederholen und überprüfen. Aus den durch die Schrift gegebenen Möglichkeiten der genauen Überprüfbarkeit und Fixierbarkeit von Gedanken entspringt auch, das für die abendländische Geistes- & Wissenschaftsgeschichte so wesentlich Motiv: das ein einmal genau überprüfter Sinn bzw. dass Wahrheit auf immer gelten soll. Im Alltagsbetrieb des Schreibens ist das nicht immer der Fall. Selbstbegegnung, Selbstkontrolle & Reflexivität kommen durch das Schreiben stärker in die Welt.
- Die Rolle der Medien in der aktuellen Kulturpsychologie - Durch die Schriftlichkeit Durch die Schriftlichkeit kommt es zu einer Betonung des visuellen, gegenüber den anderen Sinnen. Dadurch wird die Trennung der Sinne voneinander gefördert. Durch das Schreiben wird die Nah- bzw. Situationsintelligenz zu einer Fernintelligenz. Laut McLuhan bringt Schreiben distanziertes Beobachten vor unmittelbarer Teilnahme, bringt eine Distanzintelligent vor einer Umfeldintelligenz in Führung. „Kulturen mit mündlicher Tradition handeln und reagieren gleichzeitig. Eine Kultur mit Schrift gibt den Menschen die Möglichkeit, ihre Empfindungen und Gefühle zu unterdrücken, wenn sie handeln. Handeln ohne zu reagieren, ohne mitbeteiligt zu sein, das ist der besondere Vorteil des alphabetischen Menschen des Abendlandes.“ McLuhan ist im Gegensatz zu Luria, alles andere als fortschrittsoptimistisch. Durch die Schrift ist die Qualität von Empathie und Mitgefühl untergegangen.
- Warum ist besonders der Mensch des Abendlandes so besonders gefährdet zu handeln, ohne beteiligt zu sein? Weil er ein alphabetischer Mensch ist.
- Ideographisch Zeichen repräsentieren Vorstellung zB Chinesisch
- Phonographisch Zeichen repräsentieren Sprachlaute Silbenschrift Zeichen für konkrete LautezB Altpersisch Alphabete KonsonantenalphabetezB Arabisch, Hebräisch VokalalphabetezB Griechisch
- Richtungen von Schriftsystemen Ideographisch↓ Abstraktion Phonographisch
- • Ideographisch Piktogramme/Ideogramme, Zeichen sind Bildzeichen, d.h. repräsentieren Gegenstände oder Vorstellungen, also Bedeutungseinheiten (Morpheme). Imitieren Sprachstrom nicht. Zeichen unabhängig davon verstanden und geschrieben, wie man das, was sie bezeichnen, ausspricht. Prinzip und Primäre Stärke – zB 5 als Zeichen in vielen Sprachen verständlich. Rein sprachlich kein Verständnis, aber über das Zeichen. setzt auf direkte Verbindung zwischen Zeichen und Erfahrungswelten
- • Phonographisch repräsentieren den sprachlichen Lautstrom (Phoneme). Sprachlicher Lautstrom muss selbst transkribiert werden – deswegen phonographisch – und zwar mittels abstrakter Zeichen, die außer ihrem phonetischen Wert keine Bedeutung tragen. Stehen entweder für konkrete, ausprechbare Laute (Silbenschrift) oder für Segmente von Sprachlauten – Phoneme – (Konsonanten der Alphabete). Silbenschrift und Alphabete haben mit dem, worauf die Sprache referiert, nicht zu tun. Bilden nur den Sprachstrom ab. Erfordern, im Unterschied zu ideographischen Schriften, nur die visuelle Synthese einer linearen Sequenz von Buchstaben oder Silben-Symbolen zum Verstehen. Schriftzeichen ist eine visuelle Repräsentation einer akustischen Repräsentation.
- Leistungsprofil des griechischen Vokalalphabets DeKerckhove konzentriert sich darauf (1988,1995). Wurde bereits in Understanding Media besonders betont (McLuhan). Griechen übernahmen von den Phöniziern ein konsonantales Alphabet. Die Rolle der Vokale ist flexional, dh grammatisch, nicht lexikal. → Erfolgreiche Entzifferung hängt vom Textkontext, und nicht allein von der sequentiellen Analyse der Buchstabenfolgen, ab. Beim Lesen von konsonantalen Alphabeten und Silbenschriften spielt die auditorische Komponente, dh wie das Gelesene ausgesprochen wird, eine große Rolle. Griechen führten daraufhin Vokale ein, sonst hätte ihr Schreiben die gesprochene Sprache nicht fassen können. Entwickeln das erste Vokalalphabet. Aus medientheoretischer Sicht ist dies ein ganz entscheidender Schritt: erst beim Lesen von solchen Schriften kann das Kontextwissen ganz irrelevant werden. Erst mit dieser Schrift kann man darauf vertrauen, dass die Synthese der Buchstabenfolge alles leistet. Dieses, durch die Ergänzung der Vokale näher an die Transkription des sprachlichen Lautstroms herangerückte, braucht weniger akustische Begleitung. Vokalalphabet läuft parallel zur Sprache. Aufmerksamkeit und Prozessorkapazität wird freigesetzt für das freie Jonglieren mit den Repräsentationen.
- Alphabetisches Denken privatisiert die Welt. Ist etwas Gesehenes. Der Dialog mit Anderen wird abgelöst vom intimen Geschäft des Selbst mit dem Selbst. Verdacht, dass dies der individualistischen Mentalität den Weg bahnt.
- Vokabelalphabeten Bei Vokabelalphabeten kommt es nur mehr auf den konzeptionellen und nicht mehr auf den ästhetischen Wert an. Nicht verschriftliche Sprachteile (Intonation, Gestik, Rhythmik) gehen verloren. Selbst-referentiell. Aus Situationsbezogenheit wird Beobachterdistanz. D.h. umfassende Dekontextualisierung ist das Schicksal des alphabetic mind, im Gegensatz zum pictorial mind.
- ‚heimlicher Lehrplan‘ des Vokalalphabets: - Abwendung von der primären, mulcsensorischen Erfahrung = Ent-Sinnlichung des Geschriebenen - Unterdrückung der nichtvisuellen Qualitäten von Kommunikacon - Austausch der Sinne für den Sinn - Austausch von Wahrnehmungen gegen Konzepte - Trennung des Textes von nicht verschritlichten Sprachanteilen (Intonacon, Gesck, Rhythmik)- Beobachterdistanz sta* Situaconsbezogenheit Individualiscsche Mentalität - ‚alphabecc mind‘
- Differentielle Psychologie erforscht systematische Unterschiede im Erleben und Verhalten von einzelnen Menschen und Menschengruppen.
- Differentielle Psychologie -Unterschiede im Verhalten abhängig von Unterschiede abhängig von … Eigenschaften der Person Sozialen Bedingungen Situativen Kontexten
- Spezielle Bedeutung haben psychische Differenzen z.B. für … Differenzen für das soziale Gefüge, zB Stimmlage, Affektausdruck, sind wichtig Informationsquellen für die interpersonelle Kommunikation. Leistungsgesellschaft (Platzierungsfragen → Anforderung/Qualifizierung) Die Aufmerksamkeit, die individueller Eigenarten in der alltäglichen Selbst- & Fremdwahrnehmung zuteil wird, spiegelt sich auch im Wortschatz der Alltagssprache wider (umfangreiches, hochgradig differenziertes Vokabular zur Beschreibung menschlicher Erlebens