27

Einführung in die Grundlagenfächer (Fach) / Entwicklungspsychologie 1 - Theorien und Konzepte (Lektion)

Wernek

Diese Lektion wurde von Juls96 erstellt.

Lektion lernen

Diese Lektion ist leider nicht zum lernen freigegeben.

Anzeige
  • Entwicklungspsychologie befasst sich grundsätzlich mit den unterschiedlichsten Komponenten des Erlebens und Verhaltens, allerding immer unter dem Aspekt von Veränderungen bzw. Nicht-Veränderungen (Stabilität/Stagnation).  Erst gegen Ende des 20. Jhdt erstreckt sich die Entwicklungspsychologie über die gesamte Lebensspanne.  Innerhalb der Psychologie oft als theoretisch ausgerichtetes Grundlagenfach eingeordnet – nur die halbe Wahrheit.  Anfänge in Wien v.a. mit Charlotte Bühler, ca 1930er, verbunden.  Wichtig ist nicht nur der Austausch innerhalb der Psychologie, sondern auch interdisziplinär, etwa mit der Soziologie  
  • Theorien bieten... Theorien bieten einerseits einen Bezugsrahmen für die systematische Sammlung neuer Informationen, und andererseits eine Basis für praktisches Handeln
  • Fragestellungen der Entwicklungspsychologie Wie entwickeln sich Phänomene?  Aber auch welche Bedeutung haben Sie im jeweiligen Lebensabschnitt?  Wie kann sich diese Bedeutung von Erlebens- und Verhaltensweisen verändern?  Nach welchen Mustern entwickeln sich bestimmte Kompetenzen?  Verläuft die Entwicklung gleichförmig, kontinuierlich oder diskontinuierlich, in Schüben oder in Sprüngen?  Mit welchem Tempo und in welche Richtung verläuft die Entwicklung?  Wann ist mit beschleunigten, gebremsten, zyklischen Entwicklungsverläufen zu rechnen Wann kommt es zu gegenläufigen Entwicklungen (zB Abbauprozesse)? Ist der Entwicklungsverlauf den bei allen Menschen gleich oder sehr ähnlich oder gibt es bedeutsame individuelle Unterschiede?  Was von den beobachtbaren Entwicklungen ist angeboren bzw was genetisch und was davon erlernt?  Wie sieht das Verhältnis Anlage zu Umwelt „nature“ vs „nurture“ aus?
  • Aufgaben der Entwicklungspsychologie Beschreiben (Erfassen, Beobachten, Erfragen), Erklären (Ursachen finden) und Vorhersagen menschliche Verhaltens und Erlebens.  Bei der angewandten Entwicklungspsychologie wird dies durch eine gezielte und systematische Beeinflussung (Intervention) des Entwicklungsprozesses sowie eine Überprüfung/Evaluation ergänzt. 
  • Traditionelle Entwicklungsauffassung Altersbereich auf das Kinder- und Jugendalter beschränkt.  Entwicklungspsychologie war weitestgehend mit Kinder- und Jugendpsychologie gleichzusetzen Entwicklung erfolgt weitgehend• durch Wachstum, Reifung; Lernen;• universell;• altersabhängig;• in Phasen/Stufen;
  • Reifungstheoretischer Ansatz „nativistisch“ oder „endogenistisch“ Entwicklung ist genetisch vorprogrammiert Entwicklung verläuft in Phasen, deren Reihenfolge immer gleich ist und in der Regel unumkehrbar/irreversibel Letzte Entwicklungsstufe wird als „reif“ bezeichnet und meist im Erwachsenenalter erreicht Übung und Stimulation können die Reifung nicht maßgeblich beschleunigen, bestenfalls die Leistungsfähigkeit der bereits gereiften Funktionen steigern Entwicklung erfolgt daher auch unabhängig von der Umgebung, also universell, für alle Kulturen in gleicher Weise zB Geschlechtsreife
  • Milieutheoretischer Ansatz „empiristisch“ oder „exogenistisch“ Entwicklung wesentlich durch die Umwelt determiniert. Daher auch wesentlich kulturabhängig Entwicklung als Lernprozess konzipiert Übung und Stimulation können daher den Entwicklungsprozess beschleunigen Entwicklung ist lernbar, aber auch wider verlernbar. Reversibler Prozess Frühförderung kann Entwicklungsdefizite kompensieren;
  • Kontinuierliche Entwicklung Manche Theoretiker glauben, dass die Entwicklung ein geradlinger kontinuierlicher Prozess ist, indem das Individuum schrittweise schon vorhandene Fähigkeiten erweitert.
  • Diskontinuierliche Entwicklung Andere Theoretiker glauben, dass sich Entwicklung in diskontinierliche Stufen abspielt. Der Mensch verändert sich sehr schnell wenn er gerade in eine höher Stufe eingetreten ist, während er sich danach eher wenig verändert. Mit jeder neuen Stufe, die erreicht wird, reagiert der Mensch auf seine Umwelt auf eine qualitativ andere Art und Weise.
  • Entwicklungsverläufe kontinuierlichstufenweise spät/beschleunigt gebremstzyklisch kurvilinear gegenläufig
  • Anzeige
  • Moderne Entwicklungsauffassung Entwicklungsbegriff dehnt sich auf die gesamte Lebensspanne aus.  Konzeption     →       Lebensende Moderne Ansätze bilden eine Synthese zwischen reifungstheoretischem und milieutheoretischem Ansatz. Transaktionale Wechselwirkungen zwischen Anlage- und Umweltkomponenten. Aktive Selbstgestaltung – weder durch Genom noch durch die Umwelt bestimmt Spricht dem Individuum die Fähigkeit zu ziel- und zukunftsorientiertem Handeln, zu Reflexion und Erkenntnis zu Mensch und Umwelt sind aktiv, beeinflussen einander gegenseitig und bilden ein Gesamtsystem
  • Moderne Entwicklungsauffassung -Zeitabschnitte Zeitabschnitt                                Ungefähres AlterPränatalzeit                                    Empfängnis bis GeburtSäuglings- und Krabbelalter             Geburt bis 2 JFrühe Kindheit                                2-6 JMittlere Kindheit                             6-11 JAdoleszenz                                    11-18 JFrühes Erwachsenenalter                18-40 JMittleres Erwachsenenalter              40-65 JSpätes Erwachsenenalter                65 J bis Tod
  • Etablierte Veränderungskonzepte • Konzepte der Entwicklungsaufgaben• Konzepte der Kritische Lebensereignisse• Konzepte der Übergänge
  • Etablierte Veränderungskonzepte • Konzept der Entwicklungsaufgaben o   für jeden Altersabschnitt gibt es spezifische Aufgaben, die im Vordergrund stehen. zB Identitätsfindung um Jugendalter. o   „limited windows of opportunity“ – Zeitfenster in dem Menschen generell deutlich aufnahmebereiter und –fähiger sind als vorher und nachher. zB Sprachentwicklung zw. 1 & 3 Jahren o   „Sensible Perioden“ oder „teachable moments“ – Lernen in diesen sensiblen Perioden deutlich leichter, schneller und nachhaltiger. In dieser Zeit Versäumtes kann nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand und auch dann oft nur defizitär nachgeholt werden. o   drei Quellen:1) biolog. Veränderungen2) gesellschaftl., sozio-kulturelle Erwartungen und Normen3) persönl. Werte und Ziele o   begründet Erwerb von Fähigkeiten, Einstellungen, Lebensstil etc. o   Prominente Vertreter – Erik Erikson (Stufenmodell) oder Robert Havighurst
  • Etablierte Veränderungskonzepte • Konzept der kritischen Lebensereignisse (critical life events) o  nicht nur negative, sondern auch positive Lebensereignisse;   o  Einzelne bedeutsame Ereignisse im Mittelpunkt, die das Leben oft massiv beeinflussen und so Entwicklung erzwingen. o   Verbunden sind diese Lebensereignisse typischerweise mit einem erhöhten Spannungszustand und der Notwendigkeit der Veränderung, da die gewohnten Handlungsroutinen zur Bewältigung nicht mehr ausreichen o   Unterscheidung zw aktiver Bewältigungsstrategie und passiver Rückzugsreaktion o Unterscheidung zw. Normativen/vorhersehbaren und nicht-normativen Ereignissen
  • Etablierte Veränderungskonzepte • Konzept der Übergänge o   Fokussiert, etwas breiter als die Konzeption der kritischen Lebensereignisse, auf Zeiten von Veränderungen. zB Übergang zur Elternschaft o   Durch zunehmende Labilisierung, Ungleichgewicht, Unsicherheit und das Verlassen der gewohnten Routinen und Sicherheiten charakterisierbar o   Kann als bedrohlich oder herausfordernd und interessant erlebt werden. Oder ambivalent, also beides gleichzeitig Kann abhängen davon ob Ursache eher internal, also bei einem selbst, oder external erlebt wird.  Normativer oder ganz individueller und spezieller (idiosynkratischer) Übergang „on time“ oder „off time“  Transition über einen langen oder eher kurzen Zeitraum glücklich vs. tragisch; reflektiert vs. unreflektiert;
  • Interaktionistische Ansätze • Genom und Umwelt in Wechselwirkung;• Synthese von reifungs- und milieutheoretischen Ansätzen;• Mensch und Umwelt bilden ein Gesamtsystem;• sie sind beide aktiv und beeinflussen sich gegenseitig;
  • Selbstgestaltungstheorien • Mensch weder durch Umwelt noch Genom bestimmt;• gestaltet seine Entwicklung mit (je älter, desto mehr);• handelt ziel- und zukunftsorientiert;• Mensch als erkennendes, reflexives Wesen;
  • Urie Bronfenbrenner: • Urie Bronfenbrenner: geb. 1917 in Moskau;• 1923 mit Familie in USA ausgewandert;• Studium der Psychologie und Musik (CornellUniversity/New York, Harvard, Michigan);– Promotion 1942;• praktische Tätigkeit als Psychologe;• Professuren (Cornell University, Harvard)• 7 Ehrendoktorate• gestorben 2005 (Ithaca/NY)
  • Ökologisch-systemische Entwicklungstheorie (Bronfenbrenner) -Hauptanliegen • „Ökologische Validität“: Entwicklung nur im jeweiligen Umweltkontext verstehbar; • Entwicklung nur in natürlicher/alltäglicher Umwelt untersuchen;·D.h. Entwicklungsstudien weitgehend in der natürlichen, alltäglichen Umwelt der Personen, da Entwicklung letztlich nur im jeweiligen Umweltkontext versteh- & interpretierbar ist.• Forschungsgegenstand der Entwicklungspsychologie: besser größere Interaktionseinheiten als nur Individuen;• sozialpolitisches Anliegen:„Um wirkliche Fortschritte in der Erforschung der menschlichenEntwicklung erzielen zu können, braucht die Wissenschaft diepraktische Sozialpolitik noch nötiger als die Sozialpolitik dieWissenschaft“ (Bronfenbrenner, 1979/1989, S. 24-25).
  • Ökologisch-systemische Entwicklungstheorie (Bronfenbrenner) Kontextanliegen: o   Mikrosystem – Aktivitäten, Rollen und Beziehungsmuster der unmittelbaren Umgebung, bei Kindern meist Kernfamilie o   Mesosystem – Wechselbeziehungen zwischen diesen Mikrosystemen. zB Beziehung zwischen Eltern und Lehrer o   Exosystem – Lebensbereiche, an denen das Individuum nicht unmittelbar selbst beteiligt, die aber trotzdem seine Entwicklung beeinflussen. zB Vorgesetzte der Eltern durch Arbeitszeitregelungen o   Makrosystem – gesamter kultureller bzw. subkultureller Rahmen, also vorherrschende Gesetzt, Normen und Werte der Gesellschaft. Dies beeinflusst alle Schichten innerhalb o   Chrono-System – Zeitverlauf, biographische Wendepunkte; Berücksichtigung der Veränderungen und Entwicklungen der einzelnen Beziehungen  
  • Pläne zur Untersuchung von Entwicklung Längsschnittstudien (Longitudinal-Studien): Querschnittstudien: Kohorten-Sequenz-Plan: • Relevantester und geeignetster Ansatz ist die Längsschnittstudie
  • Längsschnittstudien (Longitudinal-Studien): dieselben Personen werden zu 2 od. mehreren Zeitpunkten untersucht;Vor- / Nachteile:• gemeinsame Entwicklungsmuster und individuelle Unterschiedekönnen untersucht werden;• Zusammenhänge zwischen früheren und späteren Lebensereignissenkönnen untersucht werden;• Kohorten-Effekte;• möglicherweise Trainingseffekte;• selektiver Drop-out (Ausfälle);
  • Querschnittstudien: Personen(gruppen) unterschiedlichen Alters werden zum selbenZeitpunkt untersucht;Vor- / Nachteile:• weniger (v.a. zeit-)aufwändig als Längsschnitt-Designs;• keine Drop-outs;• individuelle Entwicklungen nicht berücksichtigt;• Kohorten-Effekte; 
  • Kohorten-Sequenz-Plan: Personen(gruppen) unterschiedlichen Alters werden zu zwei odermehreren Zeitpunkten untersucht;Vor- / Nachteile:• Längs- und Querschnittvergleich möglich;• teils die gleichen Probleme wie bei Quer- und Längsschnittdesigns;• sehr aufwändig;
  • Kohorteneffekte worunter systematische Unterschiede – hinsichtlich der interessierenden Merkmale – zwischen unterschiedlichen Geburtskohorten, z. B. im Sinn von Generationseffekten verstanden werden.
  • Die Wahl des Untersuchungsplanes sollte natürlich in erster Linie inhaltlich von den Fragestellungen abhängen, aus pragmatischer Sicht, in der Praxis spielen aber auch die verfügbaren Ressourcen eine wesentliche Rolle