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Kommunikation (Fach) / Foliensatz 10 (Lektion)

- Systematik von Kommunikationsstörungen - Missverständnisse als spezifische Form von gestörter Kommunikation

Diese Lektion wurde von Katharina9L erstellt.

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  • Welche Systematik von Kommunikationsstörungen aus der Hörerperspektive kennst du? kommunikativ-sprachlicher Aspekt im engeren Sinne: nicht verstehen, was gesagt wurde (äußere Beeinträchtigung: Lärm, Distanz, Schwerhörigkeit, Dialekt, Nuscheln ...) unterschiedliche Erwartungen / unterschiedliches Wissen was verstanden wurde, macht keinen Sinn(Fremdwörter, Fachsprache  Experte / Laie, interkulturelle Kommunikation) unterschiedliche Anschauungen / Interessen - mit dem, was verstanden wurde, nicht einverstanden sein --> Einordnung in Erfahrungswerte und Wissensbestände stimmt überein, Bewertungen, Ansichten, Interessen divergieren
  • Welche Grundlagen der Theorie zu Verständigungsprobleme nach Kindt, Walther (1998) kennen Sie? vorläufige Definition: Verständigungsprobleme sind Zuordnungskoordinationsprobleme Verständigung gelingt, wenn P und R ihre Wissenshorizonte so aneinander angleichenkönnen, dass x = y oder x gerundet y mit: P = ProduzentR = Rezipienta = Äußerungx, y = Sachverhalte
  • Was meinen normale“ (alltägliche) Verständigungsprobleme? können ohne großen Aufwand ausgeräumt werden Regelabweichung situativ bedingt und situativ bearbeitbar(etwas akustisch nicht verstehen und nachfragen) Interaktion kann kontrolliert werden (Nachfragen möglich und üblich) geringer Angleichungsaufwand bei unterschiedlichen Wissenshorizonten (kurze ad-hoc-Erklärungen während der Interaktion) stabile Zuordnung von Bedeutung (konsistente Verwendung von Wörtern und Interpretation im Sinne des Gemeinten) Regelabweichung sofort erkennbar und bearbeitbar (undeutlich ausgesprochenen Ausdruck erkennen und korrigieren)
  • Was meinen „nachhaltige“ (schwerwiegende) Verständigungsprobleme? können nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht ausgeräumt werden Beispiel: Schauspieler Klaus Kinsky in einer Fernseh-Talkshow --> Instabilität der Bedeutungszuordnung --> inkonsistentes Verhalten differierende Regularitäten(Fremdsprache, Fachsprache, unterschiedliche Inferenzen Interaktion kann nicht von allen Teilnehmern kontrolliert werden fehlende Rückkopplung (Nachfragen nicht möglich: z.B. institutionelle oder massenmediale Kommunikation) zu großer Angleichungsaufwand bei unterschiedlichen Wissenshorizonten (Experte – Laie) Instabilität der Bedeutungszuordnung / inkonsistentes Verhalten (inkonsistente Verwendung von Wörtern und unklare Interpretation) beschränkte Zugänglichkeit zu den Verständigungsprozessen(unterschiedliche soziale / kulturelle Gruppen; unbewusst unterschiedliche Erwartungshaltungen;unbewusst unterschiedliche Partnerhypothesen)
  • Welche neure Definition vom normaler “(alltägliche) und „nachhaltiger“ (schwerwiegende) Verständigungsproblemen gibt es? neue Erkenntnis nach Experimenten: Verständigungsleistungen sind erwartungsbezogen--> P und R haben gegenseitige Erwartungen an die kommunikative Interaktion--> Erwartungen resultieren aus - generellen Kommunikationsmaximen (vgl. Kooperationsprinzip (Grice), face (Goffman))- situativen Bedingungen (soziale Hierarchien ...)- situativen Verständigungszielen (small talk, lernen, Informationen beschaffen,Problem lösen ...)
  • Was meinen Erwartungskoordinationsprobleme? Verständigungsleistungen sind erwartungsbezogen--> P und R haben gegenseitige Erwartungen an die kommunikative Interaktion
  • welche Faktoren der Verständigungsprobleme können beeinflusst werden? Bzw. was sind Problemlösestrategien? Zugang zu Verständigungsprozessen Rückkopplung gegenseitige Erwartungshaltung Erwartungskoordination / -reduktion Monitoring wechselseitige Perspektivübernahme „aktives Zuhören“ - aktive Rückkopplung (Nachfragen)- Inferenzprüfung- Klären von Widersprüchen
  • Was hat das Forschungskolleg „Gruppeninteraktion an hochbrisanten Arbeitsplätzen“ zu Risikokommunikation geforscht? Anlass: 1996 Absturz Birgenair-Maschine vor Dominikanischen Republik (189 Tote) Auswertung: Kommunikation der Crew versagte in der Notsituation (technisches Problem, Lärm der Alarmanlage, keine Verständigung, Fehlentscheidungen) Forschungen des Kollegs (Psychologen, Linguisten):- Warum scheitert Teamwork / Kommunikation unter Stress?- Handlungsempfehlungen Ergebnisse:  Formulierungen knapp, einfach, präzise (Schonung des Arbeitsgedächtnisses aller Teammitglieder) keine w-Fragen (besser: Entscheidungsfragen -> sonst zu hohe kognitive Belastung durchBedienen von Geräten + Sprachverarbeitung „bottle neck“-Situationen) nur Inhalte thematisieren, mit denen der andere gerade beschäftigt ist Weitergabe von Informationen nicht an Autoritätsgefälle scheitern lassen Handlungsschritte kommentieren („lautes Denken“)
  • Welchen musterhaften Ablauf in der Interaktion folgen Missverständnisse? Anfang - Manifestation des Missverständnisses [-Diagnose (Feststellung) - Account (Erklärung)] Bearbeitung - Reparaturzyklus (verbal/nonverbal) Ende -  Missverständnis ausgeräumt oder vertagt  --> Übergang zum Hauptfokus der Interaktion
  • Erkläre den Schritt des 1. Schritts des "Erklärens" näher Account (Erklärung) Einleitung der meisten Missverständnis-Diagnosen durch eine Erklärung (Account) Zweck: - unpassendes Verhalten erklären - Kluft zwischen Handlungen und Erwartungen überbrücken Grundmuster: Diagnose Account für P: Du hast das missverstanden, ich meinte das so ...für R: Ich habe das missverstanden, ich dachte, du meinst das so ... Funktion: Lokalisieren eines Missverständnisses Hinführung zur Diagnose (bei Voranstellung) Begründung / Rechtfertigung der Diagnose (bei Nachstellung) Vermeidung oder Abschwächung der face-Bedrohung
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  • Was meint der Reparaturzyklus? Zweck: Bearbeitung des Missverständnisses - manifest gewordene Missverständnisse erfordern Reparatur (vgl. Notwendige Ausgleichshandlungen bei face-Verletzungen (Goffman)) Missverständnisse ohne Diagnose und Account sind am Reparaturzyklus erkennbar (Sprechaktmuster) Problem: Missverständnisses sind potentielle face-Bedrohung Wie kann Missverständnis bearbeitet werden, ohne zusätzliche face-Bedrohung (für das eigene und das Partner-face) auszulösen? Höflichkeitsstrategien (Indirektheit und Abschwächung)
  • Was meint der strategische Einsatz von Missverständnissen? Weil Missverständnisse als Sprechaktmuster erkennbar sind und zum Musterwissenvon Kommunikationsteilnehmern gehören, können sie strategisch eingesetzt werden,um bestimmte Interaktionsziele zu erreichen Missverständnis hier nicht real, sondern inszeniert Intention ist nicht Lösung des Missverständnisses, sondern --> (1) Ausrede (Situation bei Kommunikationskonflikt nachträglich als Missverständnis eklarieren:Ich hab‘s nicht so gemeint) --> (2) Sprachspiel (spielerisches Ausnutzen von Mehrdeutigkeiten) --> (3) Gewinnspiel (sich unter Ausnutzung von Mehrdeutigkeiten auf Kosten anderer profilieren)