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Einführung in wissenschaftliches Denken (Fach) / Grundlagen Empirischer Forschung (Lektion)
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Diese Lektion wurde von Juls96 erstellt.
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- Psychologie -Definition Wörtl. „Seelenkunde“ (griech.) Viele Definitionen, aber „Erleben“ und „Verhalten“ sind zentrale Elemente!
- Psychologie -Definition Metzger (1952) „Wissenschaft vom Erleben und Verhalten vonLebewesen“
- Psychologie - Definition Zimbardo & Gerrig (1999) „Gegenstand der Psychologiesind Verhalten, Erleben und Bewusstsein der Menschen,deren Entwicklung über die Lebensspanne und deren innere (imIndividuum angesiedelte) und äußere (in der Umwelt lokalisierte)Bedingungen und Ursachen“
- Psychologie - Definition Selg (1996): „Gegenstand der Psychologie kann alles werden,was erlebbar ist und/oder sich in Verhalten äußert“
- „Erleben“ ↓ Innere Erfahrung von Gedanken, Gefühlen, Wünschen ↓ Nicht direkt beobachtbar, Auskünfte der Person sind zentrale Quelle Gew. Verhaltensweisen lassen zwar auf best. Gefühle schließen, aber nicht zwingend ↓ Vom Verhalten kann nicht direkt auf das Erleben geschlossen werden
- „Verhalten“ ↓ Komplexe Handlungen und Verhaltensweisen ebenso wie einfache Äußerungen (z.B. Gestik, Atmung) ↓ der Beobachtung von Außen zugänglich
- Aristoteles „Es ist in jeder Hinsichtein sehr schwieriges Unterfangen,sich über die Seeleeine feste Meinung zu bilden.“
- Vier Hauptziele der wissenschaftlichen Psychologie: Beschreiben Erklären Vorhersagen Verändern
- Beschreiben präzises und systematisches Erfassen von Informationen/Daten bzgl. Erleben und Verhalten
- Erklären Interpretation dieser Daten anhand von Hypothesen, Theorien z.B. hinsichtlich ihrer Kausalzusammenhänge
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- Vorhersagen aus belegten Modellen/Theorien Vorhersagen über Verhalten ableiten
- Verändern Erleben und Verhalten aufgrund der Erkenntnisse gezielt beeinflussen
- Beispiel: Freundschaftsmuster in multikulturellen Schulklassen -Beschreiben Erhebung von Herkunftsland, FreundInnen (+Herkunftsland)
- Beispiel: Freundschaftsmuster in multikulturellen Schulklassen - Erklären Homophily Hypothese = Freundschaften basieren auf Ähnlichkeiten;zusätzlich: Opportunitätsstrukturen
- Beispiel: Freundschaftsmuster in multikulturellen Schulklassen - Vorhersagen in Schule mehr interkulturelle Freundschaften als außerhalb Schule
- Beispiel: Freundschaftsmuster in multikulturellen Schulklassen - Verändern Program WiSK zur Förderung von sozialer undinterkultureller Kompetenz
- Was bedeutet „empirisch“? • empirisch (griech.) = auf Erfahrung beruhend• Empirische Forschung sucht nach Erkenntnissen durch systematische Auswertung von Erfahrungen (Bortz & Döring, 2002)• Empirisch oder evidenzbasiert sind alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, die auf Erfahrungen aufbauen• Erkenntnisse basieren auf systematischer Datenerhebung und Datenauswertung• Empirische Wissenschaft: Fokus ist, menschliche Erfahrung zu systematisieren und methodisch vor Irrtum zu sichern (Walach,2005)
- Was sind Hypothesen? Hypothese (griech.) = Unterstellung, Vermutung Eine Vermutung/Annahme ist dann als wissenschaftliche Hypothese zu verstehen wenn sie folgende 4 Kriterien (Empire, All- Satz, Falsifizierbarkeit, wenn -dann bzw. je-desto) erfüllt.
- Hypothesen - 4 Kriterien 1.... sich auf reale Sachverhalte bezieht, die empirisch untersuchbar sind. (Empirie) 2.... allgemein gültig ist und über den Einzelfall bzw. ein singuläres Ereignis hinausgeht (All-Satz) 3.... zumindest implizit die Form eines Konditionalsatzes hat (wenn-dann, je-desto) 4.... durch Erfahrungen potenziell widerlegbar ist (Falsifizierbarkeit) (5…theoretisch begründbar ist)
- Hypothese : Ja/Nein? Frauen sind kreativer als Männer Ja
- Hypothese : Ja/Nein? Mit zunehmender Müdigkeit sinkt die Konzentrationsfähigkeit Ja
- Hypothese : Ja/Nein? Je schöner das Wetter, desto besser die Stimmung Ja
- Hypothese : Ja/Nein? Buben und Mädchen lesen unterschiedlich viel in ihrer Freizeit Ja
- Hypothese : Ja/Nein? Bei starkem Zigarettenkonsum kann es zu Herzinfarkt kommen Nein →Kann-Sätze sind nicht falsifizierbar
- Hypothese : Ja/Nein? Wenn es regnet, kann die Sonne scheinen. Nein → Kann-Sätze sind nicht falsifizierbar
- Hypothese : Ja/Nein? Es gibt Kinder, die niemals weinen. Nein → kein All-Satz, nicht falsifizierbar
- Hypothese : Ja/Nein? SchülerInnen aus St. Pölten sind in der Schule gut Nein → kein All-Satz, nicht falsifizierbar
- Hypothesen: JA oder NEIN? • Die Konzentrationsfähigkeit hängt mit der Blutalkoholkonzentration zusammen. • Positive Verstärkung durch Lehrer/innen kann zu guten Leistungen bei Schüler/innen führen. • Positives Feedback beeinflusst die Arbeitsleistung. • Viele Studierende mögen Methodenlehrveranstaltungen. JaNeinJaNein
- Richtung von Hypothesen Je nach Erkenntnisstand kann eine ungerichtete oder einegerichtete Hypothese formuliert werden.
- ungerichtete Hypothese Die Konzentrationsfähigkeit hängt mit der Blutalkoholkonzentration zusammen.→ eher wenig theoretisches Vorwissen.
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- gerichtete Hypothese Je höher die Blutalkoholkonzentration, desto niedriger die Konzentrationsfähigkeit
- Verifikation Wissenschaftliche Hypothesen in der Psychologie (generell in den Sozialwissenschaften) können nicht……vollständig geprüft (verifiziert) werden.Es ist nicht möglich alle Fälle (Population) zu untersuchen, schongar nicht für alle Zeiten.→ Untersuchungen erfolgen anhand eines Ausschnitts (Stichprobe), von dem aus auf die Population geschlossen wird. →Wissenschaftliche Hypothesen sind Wahrscheinlichkeitsaussagen!
- Falsifikation Wissenschaftliche Hypothesen können nicht......durch Einzelfälle/Gegenbeispiele, die der Hypothese widersprechen, widerlegt werden (falsifiziert).
- Falsifikationsprinzip Der auf dem Falsifikationsprinzip basierende Erkenntnisfortschritt besteht in der Eliminierung falscherbzw. schlecht bewährter Hypothesen (Theorien).Nicht falsifizierte Hypothesen (Theorien) sind nicht wahr, sonderngelten nur als vorläufig angenommen.Konträre Einzelfälle sind explizit zugelassen
- Theorien und Hypothesen Satzsysteme: Theorien, Modelle, Gesetze ↓ ↑ Einzelsätze: Hypothesen = prüfbare Behauptungenüber empirisch beobachtbare Sachverhalte ↓ ↑ Realität: Bereich der empirisch beobachtbaren Phänomene
- Was ist Operationalisierung? • Operationalisierung = das „messbar Machen“ von Merkmalen• Übersetzen der Hypothesenbestandteile in messbare Größen• Grundsätzlich kann jedes interessierende Merkmal auf ganz unterschiedliche Weise operationalisiert werden
- Was heißt „Messen“ in der Psychologie? • Zuordnung von Zahlen zu Objekten nach festen Regeln• In der Relation der Messwerte muss sich die Relation der gemessenen Objekte widerspiegeln
- Human- und Sozialwissenschaften untersuchen häufig Konstrukte (= latente Merkmale = latente Variablen):
- Konstrukte (= latente Merkmale = latente Variablen): • Psychische oder soziale Phänomene, die nicht unmittelbar beobachtbar (manifest) sind• Müssen aus (manifesten) Indikatoren erschlossen werden (z.B. Gesichtsausdruck – Emotion)• Operationalisierung muss auf Basis theoretischer Überlegungen (Theorien, Modellen) erfolgen
- Beispiel: „Messung“ von Intelligenz • Intelligenz nicht direkt beobachtbar (latente Variable, Konstrukt)• Verschiedene Theorien zur Struktur der Intelligenz• Intelligenz wird gemessen über Ergebnis (Score) einer Person in einem Intelligenztest, der die Struktur des jeweiligen Modells abbildet• D.h. von der Anzahl korrekt gelöster Aufgaben in einem solchenIntelligenztest wird auf die „dahinter liegende“Intelligenz(latentes Konstrukt) geschlossen• Unterschiedlichen Ausprägungen von Intelligenz werdenunterschiedliche Zahlen zugeordnet (Differenzen zwischenZahlen sollen Unterschieden zwischen Personen entsprechen)
- Gardner Theorie der multiplen IntelligenzenSprachlich-linguistische Intelligenz, Logisch-mathematische IntelligenzMusikalisch-rhythmische Intelligenz, Bildlich-räumliche IntelligenzKörperlich-kinästhetische Intelligenz, Naturalistische IntelligenzInterpersonale Intelligenz, Intrapersonale Intelligenz
- Thurstone: Multiple-Faktoren-Theorie mit sieben Einzelfaktoren:Räumliches Vorstellungsvermögen (spatial ability)Rechenfähigkeit (numerical ability)Sprachverständnis (verbal comprehension)Wortflüssigkeit (word fluency)Gedächtnis (memory)Wahrnehmungsgeschwindigkeit (perceptual speed)Logisches Denken (reasoning)
- Beispiel: „Messung“ von Angst • Angst nicht direkt beobachtbar (latente Variable, Konstrukt)• Verschiedene Theorien zu Bestandteilen der Angst• Angst wird z.B. erhoben mittels Fragebogen, in dem einePerson sich bzgl. der Prüfungsangst einschätzt. -> Anzahl anFragen, denen Person zustimmt (JA/ NEIN) oder Ausmaß derZustimmung• ODER: man lässt offen erzählen, im Interview• ODER: man misst in Prüfungssituation physiolog. Parameter
- Konkrete Operationalisierung hängt immer ab... ...vom Kontext, den Ressourcen und der zugrundeliegenden Theorie
- Was sind Variablen? -Ziel empirischer Forschung Ziel empirischer Forschung ist es, registrierte Merkmalsunterschiede (= Variabilität) zu analysieren und zu erklären.
- Variable = Bezeichnung (Symbol) für interessierendes Merkmal, dasunterschiedliche Ausprägungen annehmen kannBsp.: Geschlecht, Lieblingsfarbe, Länge, Leistung,Intelligenz...
- Merkmalsausprägung = konkrete Erscheinungsform einer VariableBsp.: männlich, weiblich (Geschlecht)rot, gelb, grün, blau (Lieblingsfarbe)1 Meter, 1.5 Meter, 3 Meter,... (Länge)
- Arten von Variablen – nach Art der Merkmalsausprägungen • stetig (kontinuierlich) ... jedes Intervall besitzt unendlichviele Merkmalsausprägungen z.B. Länge, Zeit, Masse• diskret (diskontinuierlich) ... Intervall mit endlich vielenAusprägungen z.B. Geschlecht, Lieblingsfarbe- dichotom (binär) = 2 Abstufungen (0, 1)- polytom = mehrfach gestuft• Wenn nur 1 Merkmalsausprägung vorliegt, sprechen wirvon einer Konstanten.
- Arten von Variablen – nach empirischer Zugänglichkeit - manifeste = direkt beobachtbar(Bsp. Raucher sein, Alter)- latente = nicht unmittelbar beobachtbar; hypothetischesKonstrukt (Bsp. Intelligenz)...Variablen.(siehe vorher; latente Variablen müssen operationalisiertwerden)
- Arten von Variablen – nach Stellenwert in der Untersuchung • Variablen haben im empirischen Forschungskontextunterschiedliche funktionale Bedeutungen• Es werden abhängige und unabhängige Variablenunterschieden.Die Veränderung einer (abhängigen) Variablesoll durch den Einfluss eineranderen (unabhängigen) Variable erklärt werden.Bsp. Menge von Lob (UV) à Häufigkeit eines bestimmtenVerhaltens (AV)Bsp. Dosierung des Schlafmittel (UV) à Schlafdauer (AV)