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Entwicklungspsychologie (Fach) / Wahrnehmung_Motorik_Sprachentwicklung (Lektion)
Vorlesung 6
Diese Lektion wurde von alina97 erstellt.
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- Sinnesempfindung (sensation) Elementarer Prozess der Reizaufnahme und Registrierung (z.B. Sehen der Farbe Orange)
- Wahrnehmung (perception) höhere Prozesse der Organisation und Interpretion der Reizinformation (z.B. Sehen einer Orange als Objekt) Wesentliche Bereiche der Wahrnehmung sind im ersten Lebensjahr weitgehend ausgebildet Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung der Form, Objekt- und Tiefenwahrnehmung findet im ersten Lebensjahr statt
- Entwicklung von Wahrnehmung Die Sinnessysteme unterscheiden sich in dem Anteil der organisierenden und interpretierenden Wahrnehmung: Riechen und Schmecken (geringe Reizinterpretation) vs. Sehen und Hören (hohe Reizinterpretationen) Durch perzeptuelle und motorische Erfahrungen und erworbenes Wissen, erfolgt ein Wechsel von analytischer zu holistischer Wahrnehmung Messmethoden der Wahrnehmungsentwicklung: Präferenzen: Klassische Präferenzmethode: Messen wie lange jeder der vorgelegten Reize betrachtet wirdFPL: Die beiden Reize, die miteinander verglichen werden, werden mehrmals hintereinander für einige wenige Sekunden gleichzeitig präsentiert Habituation-Dishabituation (s.a. Methoden der experimentellen Säuglingsforschung)
- Wahrnehmung - Riechen und Schmecken (niedere Sinne) Geruchssinn: Bereits Neugeborene differenzieren zwischen Gerüchen => Methode: Mimik 1. Woche: Differenzierung uwischen dem Brustgeruch der eigenen Mutter und dem einer anderen Mutter 2. Woche: Differenzierung zwischen stillenden und nicht stillenden Frauen Geschmckssinn: Unterschiedliche Gesichtsausdrücke bei verschiedenen Flüssigkeiten Geschmackspräferenz ändert sich von süß nach salzig
- Wahrnehmung - Hören (höherer Sinne) Hören: Fähigkeit, Sprache und andere akustisch komplexe Reize wahrzunehmen ist bereits bei der Geburt gegeben (pränatale Reizunterscheidung) Die Sensitivität für die Differenzierung von Lauten verschiedener Sprachen nimmt nach dem ersten halben Lebensjahr wieder ab Ab 3-4 Monaten können Geräusche nach kurzer Darbietungszeit wiedererkannt werden => Hinweis auf Gedächtnisleistung Ab 5 Monaten können Kinder Emotionen in der Stimme vertrauter Personen erkennen Kategoriale Wahrnehmung für verschiedene Laute bereits im ersten Lebensjahr Ab 7 Monaten bevorzugen Kinder sprachliche Äußerungen mit natürlichen Sprechpausen Ab 9 Monaten bevorzugen sie Wörter mit natürlicher Betonung Im höheren Erwachsenenalter nehmen die auditiven Fähigkeiten ab: zunächst hohe Tonfrequenzen, dann tiefere Frequenzen => Führt zu Problemen bei Sozialkontakten und intellektueller Leistungsfähigkeit
- Wahrnehmung - Sehen Sehschärfe, Kontrastsensitivität und Farbdifferenzierung sind bei der Geburt noch nicht gut entwickelt Visueller Kortex zeigt rapiden Anstieg der neuronalen Verbindungen bis zum 8. Lebensmonat Differenzierung des Farbspektrums bis zum 2. Lebensmonat weitgehend entwickelt Binokulare Fokussierung ab 3. Lebensmonat möglich Verfolgen bewegter Objekte (smooth pursuit) ist bis spätestens zum 6. Lebensmonat möglich
- Wahrnehmung - Sehschärfe und Kontrastsensitivität Methode: Blickpräferenzmethode Sehschärfe ist sehr schwach nach der Geburt Mit 2-3 Monaten können Säuglinge keine feinen Details erkennen Mit 8 Monaten haben sie nahezu die Sehschärfe eines Erwachsenen Starke Verbesserung der Kontrastsensitivität im ersten Lebensjahr Wird getestet, in dem man den Übergang von schwarz nach weiß in einem Streifenmuster in seiner Abruptheit variiert Kontrastsensitivität wird dann als kleinster Betrag an Kontrast definiert, der nötig ist, um ein Streifenmuster zu entdecken
- Räumliche Wahrnehmung - Tiefenwahrnehmung "Visual Cliff" = Tiefenwahrnehmung: Wahrnehmen der Abstände zwischen Gegenständen und der Dreidimensionalität von Gegenständen Mit 9 Monaten zeigen Kinder Tiefenangst und erhöhten Herzschlag am Abgrund einer Glasplatte, die sie krabbelnd überqueren sollen 2 und 5 Monate alte Babys reagiren mit einer abnehmenden Herzrate über der tiefen, aber nicht über der flachen Seite der visuellen Klippe Ergebnisse sprechen für Tiefenwahrnehmung bei den jüngeren Kindern Größenkonstanz (Looming-Experiment) Methode: Kind sitzt vor einer Leinwand auf der ein Quadrat expandiert (als würde es immer näher kommen (-> radiale Bewegung: expandierende und kontrahierende Muster)- Kinder im 1. Monat schrecken zurück und kneifen die Augen zu- Frühgeborene zeigen diese Reaktion später (verzögerte Reifung)- Ausbildung der differenziellen Sensitivität für radiale Kontraktion und Expansion beginnt aber erst ab 4 Monaten (In EEG Studien herausgefunden)
- Form- und Objektwahrnehmung Verdeckung bei bewegten Gegenständen Box verdeckt einen Stab => Testet ob die Kinder in der Lage sind den Stab als zusammenhängend zu erkennen auch, wenn er von einem Gegenstand verdeckt wird. Entfernt man den Wandschirm erwarten Kinder ab 5 Monaten einen durchgehenden Stab Objekteinheitlichkeit: Kriterien für die Wahrnehmung von Oblejkteinheitlichkeit Geschlossene Außenkonturen Abheben von einem Hintergrund durch Farbe, Helligkeit oder Struktur und Bewegung Nutzung dieser Kriterien ab ca. 7 Monaten Fehlende Außenkonturen weden nach dem Gestz der guten Gestalt ergänzt (subjektive Konturen) Subjektive Konturen Methode: Gewöhnt man Säuglinge zunächst an Figur B und zeigt ihnen anschließend Figur A oder C, bevorzugen 7 Monate alte Kinder Figur A, aber nicht 5 Monate alte Kinder Obwohl die Ecken nicht miteinander verbunden sind, nimmt man dennoch ein vollständiges Quadrat war -> modale WahrnehmungsprozesseSubjektive Konturen sind solche Konturen, die physikalisch nicht präsent sind, aber trotzdem klar erkennbar -> gelingt ab 7 Monaten (dennoch nicht äquivalent zu Erwachsenen) Lokale und globale Verarbeitung 2 Wochen alte Säuglinge konzentrieren sich mehr auf einzelne Bestandteile eines Musters 12 Wochen alte Säuglinge analysieren die globalen Formeigenschaften Entwicklungstrend von lokaler zu globaler Verarbeitung
- Entwicklungsveränderungen im höheren Lebensalter Abbau der visuellen Funktionstüchtigkeit Ab 45 Jahren: Abnahme der Akkomodationsfähigkeit, Sehschärfe, Konstrastsensitivität und Funktionalität der Stäbchen Abnahme der räumlichen Wahrnehmungsfähigkeit Ab ca. 65 Jahren: z.B. nachlassende Fähigkeiten, die Tiefe und Objektform aus unterschiedlichen 3D-Signalen => Einschränkung bei der Einschätzung einer drohenden Kollision (Fahrtüchtigkeit?!) Mögliche Ursache: Verkleinerung des perzeptuellen Fensters => Ältere nehmen kleinere Ausschnitte eines beispielsweise rotierenden Objekts wahr und es fällt ihnen als Folge davon schwer, die perzeptuellen Informationen zu einem Gesamtbild des Objekts zusammenzusetzen
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- Intermodale Wahrnehmung - Taktil und visuell + Akustisch und visuell Methode: 4 Monate alte Kinder explorieren zunächst 2 Ringe mit a) einer rigiden und b) einer flexiblen Verbindung => Beim Zeigen von Abbildungen beider Objekte bevorzugen sie den Anblick des Objektes, was sie vorher nicht ertastet haben Methode: 4 Monate alte Kinder shen parallel zwei verschiedene Videos (A: Trommler, B: Guck-Guck Spiel) => Aus einem Lautsprecher in der Mitte ertönt der Soundtrack zu einem der beiden Filme Säuglinge schauen überzufällig auf das passende Display Das gilt auch für synchrone Lippenbewegungen und Ertönen von Sprache Spricht für eine frühe Koordination von visuellen und akustischen Reizen
- Analytische und Holistische Wahrnehmung Gesichts- und Objektwahrnehmung Kinder nehmen zunächst eher analytisch als holistisch wahr => einzelne Gesichtsmerkmale Mit zunehmender Erfahrung im Kindesalter zunehmend holistische Wahrnehmung (z.B. ab ca. 10. LJ gesamtes Gesicht Mit zunehmender Erfahrung auch bei einfachen Objekten ca. Ende 1. LJ wird Objekt ganzheitlich erfasst => Größe, Form und Textur werden später nicht mehr einzeln verarbeitet, sonder die Gesamtkonfiguration wird wahrgenommen
- Motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten Motirische Fähigkeiten: Allgemeine Dispositionen, deren Zusammenspiel bei der Ausübung einer breiten Klasse motorischer Aktivitäten für individuelle Unterschiede sorgt => zum Beispiel Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Effizienz Motorische Fähigkeiten: Spezifische, Zweckgebundene Tätigkeiten => Häkeln, Hochsprung
- Auge-Hand Koordination im ersten Lebensjahr Neugeborene verfügen bereits über eine erste rudimentäre Auge- Hand Koordination Perfektionierung des präzisen und gezielten Greifens in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres Mit 8 bis 9 Monaten wird die visuell wahrgenommene Relation zwischen Ziel und Hand benutzt, um das Ziel präzise ansteuern zu können Mit 8 bis 9 Monaten: hohes Maß an Gechicklichkeit bei der räumlichen und zeitlichen Abstimmung von Arm- und Handbewegung
- Weitere Entwicklung der Visumotorik Koordination visueller Informationen und motorischer Kommandos Visumotorik: perzeptiv-motorische Prozesse bei denen visuelle Information für die Steuerung von Körperbewegungen genutzt wird Enge Kopplung zwischen Wahrnehmung und Motorik => visumotorische/perzeptiv-motorische Entwicklung Visumotorische Entwicklung ist mit dem Beherrschen des gezielten Greifens, des Präzisionsgriffs und der antizipatorischen Handbewegung nicht abgeschlossen Stellen besondere Anforderungen an die Fähigkeit zur Koordination visueller Information und motorischer Kommandos -> aus verschiedenen Teilanforderungen zusammengesetzt
- Taxonomie motorischer Fähigkeiten Motorische Fähigkeiten werden hierbei in konditionelle (Ausdauer, Kraft) und koordinative Fähigkeiten (Koordination) eingeteilt. Schnelligkeit wird beiden Fähigkeiten zugeordnet. Außerdem gibt es ein passives System der Energieübertragung, welchem Beweglichkeit zugeordnet wird
- Entwicklung der Motorik über die Lebensspanne Der Erwerb perzeptiv-motorischer Fertigkeiten ist eng mit der kognitiven Entwicklung verbunden: Quantitative Veränderungen (Geschwindigkeit der Vorbereitung und Ausführung von Zielbewegungen, Genauigkeit und Zuverlässigkeit) Qualitative Veränderungen (Art der Bewegungssteuerung) Aufbau motorischer Fähigkeiten ist langsamer und stärker durch körperliche Entwicklung beeinflusst als Entwicklung sensorischer und perzeptueller Fähigkeiten Abbau motorischer Entwicklung bereits im frühen Erwachsenenalter, spürbar im höheren Erwachsenenalter und parallel mit sensorischem Abbau Zwischen ca. 40 und 70 Jahren hängt die konditionelle Fitness weniger vom Alter als vom Trainings- und Gesundheitszustand ab! Untrainierte Personen haben massive Leistungseinbußen im mittleren Alter Koordinative Fähigkeiten nehmen im dritten Lebensjahrzehnt allmählich ab (Reaktionsgeschwindigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit) Es gibt jedoch eine ausgeprägte interindividuelle Variabilität und nachhaltige positive Effekte von Fitnesstraining auf die motorische und kognitive Leistungsfähigkeit älterer Menschen!
- Variabilität motorischer Fähigkeiten Am Beispiel Variabilität der Handkraft über die Lebensspanne Das Maximum wird vergleichsweise spät erreicht -> 35-40 JahreEs zeigt sich eine ausgeprägte interindividuelle Variabilität innerhalb der Altersgruppen
- Sprachentwicklung - Frühe Kompetenzen Bereits Säuglinge können … Menschliche Laute von anderen Lauten unterscheiden Wörter aus dem Lautstrom der Umgebungssprache herauslösen Muttersprachliche Wörter aufgrund ihrer Lautstruktur von Wörtern einer fremden Sprache unterscheiden Anhand rhythmisch-prosodischer Klangcharakteristika pränatal gehörte Geschichten wiedererkennen Methoden: High-Amplitude-Sucking-Method (Saugrate) und Präferenztechnik (Kopfdrehen oder Saugrate) Säugling lernt, dass er durch sein Saugverhalten die Darbietung eines Reizes steuern kannSobald sich der Säugling an den Reiz gewöhnt hat sinkt die Saugrate wiederNeuer Reiz = erneut erhöhte Saugrate Habituation 1. Reiz - Dishabituation neuer Reiz - keine Dishabituation bei erneutem 1. Reiz
- Spracherwerb Spracherwerb gehört zu den wichtigsten kindlichen Entwicklungsaufgaben Kindlicher Spracherwerb ist ein hochkomplexer Lernprozess Stetig fortschreitender struktursuchender und strukturbildender Prozess (= aktiver Induktionsprozess) Der Spracherwerb erfolgt implizit (nicht bewusst und ohne Reflexion der Lernergebnisse)
- Spracherwerb - Anforderungen Aus dem Strom der gehörten Sprache Wörter isolieren Die Wörter mit Bedeutung verknüpfen Erkennen in welcher Weise Wörter in Sätzen verbunden sind Welche morphologischen Markierungen was bedeuten Die Struktur von Texten lernen Die Situationsabhängigkeit der Sprache beachten
- Komponenten der Sprache Prosodische Kompetenz => Prosodie: Intonation, Betonung, rhythmische Gliederung Linguistische Kompetenz => Phonologie: Organisation von Sprachlauten Syntax: Satzbildung Morphologie: Wortbildung Lexikon: Wortschatz Satzsemantik:Satzbedeutung Pragmatische Kompetenz => Pragmatik: Sprechhandlungen, Diskurs
- Meilensteine der Sprachentwicklung (4) I.Phonologisch-prosodische Entwicklung (rezeptiv und produktiv) a) Rezeptive phonologische-prosodische Entwicklung Frühe prosodische Sensitivitäten und Präferenzen (-> Intonation (Wort-, Satzmelodie), Sprechpausen etc.) Prosodische Gliederung begünstigt … Die Verarbeitung und Speicherung sprachlicher Äußerungen Die Segmentierung des Sprachangebots in relative Einheiten und geben Hinweise auf Sprachgliederung: Wörter, Sätze etc. Die Ableitung grammatikalischer Regeln Das Gleichzeitiges Verarbeiten von auditiven und visuell-sozialen Informationen b) Produktive phonologische Entwicklung (-> Lautbildung) Zwischen 6 und 8 Wochen beginnt der Säugling zu gurren Zwischen 2. und 4. Monat beginnt der Säugling zu lachen; mehr Laute zu produzieren und Vokale nachzuahmen Zwischen 6. und 9. Monat gibt es Konsonant-Vokalverbindungen („dada“) (= Lallstadium) Zwischen 10. und 14. Monat werden erste Wörter produziert Mit 18 Monaten erreicht das Kind im Durchschnitt die 50 Wörter- Marke II.Lexikalische Entwicklung „WORTSCHATZEXPLOSION“ Nach der Produktion erster Wörter („Wauwau“) lernt das Kind sehr schnell viele neue Wörter dazu => Wortschatz von bis zu 60.000 Wörtern bis 16 Jahre 1. 10-14 Monate: produktive Nutzung erster Wörter (rezeptiver Wortschatz: 60 Wörter)2. 18 Monate: 50 Wörter (rezeptiver Wortschatz: 200 Wörter), dann „Benennungsspurt“3. 20 Monate: produktiver Wortschatz von 170 Wörtern (aber hohe interindividuelle Varianz)4. 100-200 Wörter, erste Wortkombinationen, Verben und Adjektive5. 28 Monate und ab einem Wortschatz von 400 Wörtern: Funktionswörter (Artikel, Präpositionen) Lernmechanismen des Worterwerbs im Verlauf: 1.Wortwiederholungen in Eltern-Kind Situationen führt zu assoziativer Verknüpfung zwischen Wort und Bedeutung2.Aktive und flexible Nutzung verschiedener Quellen (Blickrichtung, Gesichtsausdruck, Intonation der Mutter, Syntax)3.Überwindung alter Vorannahmen (bias) und Nutzung neuer Beschränkungen (constraints (Vorannahmen): z.B. von der Ganzheitsannahme (1 Objekt = 1 Wort) zum Disjunktionsconstraint (verschiedene Eigenschaften)) => Wenn ein Kind neue Wörter in einer Bennungssituation hört, so geht es zunächst davon aus, dass sich diese neuen Wörter auf ganze Objekte und nicht auf Objektteile beziehen => Ganzheitsannahme muss überwunden werden, damit Lernen von Bezeichnungen für Eigenschaften und Objektteile ermöglicht wirdDisjunktionsconstraint = Jedes Objekt kann nur eine Bezeichnung haben -> Wenn ein Kind schon eine Bezeichnung für ein Objekt kennt, so muss es entsprechend annehmen, dass ein neues Wort für etwas anderes steht -> lernt Objektteile und Eigenschaften zu benennen4.Der Erwerb der Grammatik ist keine einfache Annäherung an die Erwachsenengrammatik (es gibt Zwischengrammatiken und „Rückschritte“) III.Erwerb grammatikalischer Fähigkeiten und Fertigkeiten Frühste Sprachproduktion Zu Beginn der Sprachproduktion lassen Kinder Artikel, Hilfsverben, Ableitungs- und Flexionsmorpheme sowie Konjunktionen und Präpositionen weg (telegraphische Sprache): „Max weg!“, „Mehr Saft!“ „Mama Hut!“ „Türe auf!“ „Großes Haus!“) Dies zeigt, dass Kinder bereits ein Gefühl für die formal-grammatischen Eigenschaften ihrer Umweltsprache haben Adjektive werden NIE vor Pronomen gestellt („groß das“) 1.Zu Beginn des deutschen Grammatikerwerbs stehen nicht reflektierte Verben immer am Satzende („Mama Buch lesen!“)2.Später wird das Verb in die zweite Position gebracht („Mama liest Buch!“)Sprachentwicklungsgestörte Kinder verletzten diese impliziten Regeln häufig. 3 Stufen der strukturellen Reorganisation Rote Stage: Einzelne Verbformen oder Substantive werden als unanalysiertes Ganzes verarbeitet Rule Stage: Vergangenheits- und Pluralbildung sind bekannt aber diese Regeln werden oft übergeneralisiert (Ich gang, Kühen) Grammatial Stage: Korrekte Anwendung grammatikalischer Regeln Drei Phasen-Modell: Vom impliziten zum expliziten Sprachwissen ab 5 Jahren: implizites Sprachwissen -> korrekter Sprachgebrauch, erfolgreiche Kommunikation ab 6 Jahren: System-internaler Reorganisationsprozess -> Fehler auf der Verhaltensebene, spontane Selbstkorrekturen, Lösen von Beurteilungs- und Korrekturaufgaben ab 8 Jahren: explizites Sprachwissen -> bewusste Reflexion über die Sprache, Erklärung von Sprachregularitäten IV.Der Weg zur pragmatischen Kompetenz Entwicklung pragmatischer Kompetenzen: Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten des situations- und kontextabhängigen Sprachgebrauchs (soziokulturelles Wissen!) Erwerb der strukturellen Organisation von Erzählungen Beherrschen von unterschiedlichen Sprechhandlungen (Bitte vs. Befehl) Entwicklung zum kompetenten Kommunikationspartner (Gegenseitige Bezugnahme, informatives Sprechen) Drei- bis Vierjährige sprechen häufig mit sich selbst oder Spielzeug Sind noch nicht wirklich geübt sich zu unterhalten (-> Protokonversation: spontane Lautproduktion bei Blickkontakt) Fähigkeit, im Gespräch zu reagieren und sich sprachlich aufeinander zu beziehen, wächst bis zum 5. Lebensjahr entscheidend Drei bis Vierjährige können bis zu 20 zusammenhängende Äußerungen produzieren Stellen sich mit der Art ihrer Äußerungen auf das Alter ihres Gegenübers ein (z.B. kürzere Sätze, langsamer und einfacheres Vokabular) Fünfjährige können ausgezeichnet befehlen, aber eine Erlaubnis noch nicht adäquat ausdrücken Versprechen und Verpflichtung auszusprechen fällt schwer
- Spracherwerbstheorien (2) Outside-in Theorien: Sprachlernen erfolgt wie andere Lernprozesse Das Kind ist mit angeborenen generellen Lernmechanismen ausgestattet. Angeborene sprachspezifische Voraussetzungen werden gar nicht oder nur minimal angenommen Zwei Versionen: kognitive Theorien: Wörter sollen erst dann erlernt werden können, wenn die zugrunde liegenden Konzepte erworben sind, so wie die regelhafte Anordnung von Wörtern in Sätzen den während der sensomotorischen Phase aufgebauten Handlungsschema folgen soll sozial-interaktive Theorien: Annahme, dass Sprachmuster direkt aus zuvor erworbenen sozial-kommunikativen Mustern entstehen Inside-out Theorien: Sprachlernen unterscheidet sich zumindest zum Teil von anderen Lernprozessen Das Kind ist mit angeborenem Sprachwissen oder angeborenen sprachspezifischen Fähigkeiten ausgestattet Sarke Version: Universalgrammatik => Kind ist von Anfang an mit einem hochabstrakten grammatischen Wissen und/oder mit einem hoch spezialisierten sprachbezogenen Verarbeitungssystem ausgestattet -> als autonomes Modul des Gehirns gedacht Schwache Version: basierend auf empirischen Ergebnissen der Säuglingsforschung => wird nicht als vollständig unabhängiges Modul von Sprache und Kognition angesehen, sondern als Kompetenzbereich, für dessen Erwerb der Säugling mit sprachspezifischen Voraussetzungen ausgestattet ist
- Voraussetzungen des Spracherwerbs (allgemein, sozial-kognitiv, sozial-kommunikativ) Sprache ist ein humanspezifisches Phänomen => Bislang keine überzeugenden Hinweise, dass Tiere in der Lage sind, ein der menschlichen Sprache vergleichbares Regelsystem auszubilden Spracherwerb ist keine einfache Folge der Entwicklung kognitiver und komplexer Problemlösefähigkeiten Aber es gibt wichtige kognitive, sozial-kognitive und sozial-kommunikative Voraussetzungen Der Spracherwerb beeinflusst aber auch die kognitive, sozial-kognitive und soziale Entwicklung des Kindes Sozial-kognitive Voraussetzungen: Je häufiger Episoden geteiler Aufmerksamkeit hergestellt werden und je häufiger die Kinder Sprachlaute immitieren, desto größer ist der produktive Wortschatz mit 21 Monaten Korrelation (.50) zwischen Gebrauchsfähigkeit von Gesten im ersten Lebensjahr und de Wortschatzgröße im 16. und 20. Monat (Das Kind orientiert sich aktiv an der Blickrichtung der Mutter und vermeidet somit die Herstellung einer falschen Wort-Referent-Verbindung) => Geteilter Aufmerksamkeitsfokus und sprachliche Imitation sind also bedeutsam für den Spracherwerb Sozial-Kommunikative Voraussetzungen: Durch den Mutter-Kind Dialog lernt das Kind Kontingenzen zwischen seinem Verhalten und mütterlichen Reaktionen zu entdecken: Bildung einer gemeinsamen Erfahrungswelt Aufbau einer kindlichen Repräsentation der umgebenden Sach- und Persoenumwelt, sowie Erkennen von Regeln und Konzepten durch die mütterliche Interpretation des Verhaltens Mütterliches Sprach- und Kommunikationsangebot ändert sich entwicklungsadäquat bis ca. 12 Monate: Ammensprache -> überzogene Intonationskontur, hoher Tonfall, einfache, aber variable Sätze -> Erwerb prosodischer und phonologischer Regelmäßigkeiten 2. Lebensjahr: Stützende Sprache -> Gemeinsamer Aufmerksamkeitsfokus, Routinen, Worteinführung -> Wortschatzerwerb ab 24-27 Monate: Lehrende Sprache -> Modellsprache -> Grammatikerwerb