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Wirtschaftsethik (Fach) / Lektion 03 (Grundlagen der Wirtschaftsethik) (Lektion)

Ethik

Diese Lektion wurde von Dennis1602 erstellt.

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  • Wirtschaftsethik als Spielart der angewandten Ethik - Wirtschaftsethik = Anwendung der Ethik auf dem Sachbereich der Wirtschaft, befasst sich mit ethischen Fragen von guten und richtigen Handlungen und sittlich erwünschten Zuständen im Subsystem Wirtschaft, Beachtung Interpretationszonen Ethik und Ökonomie sowie Wirtschaft und Politik - fügt sich in den Bereich der angewandten Ethik -> unterscheidet sich hinsichtlich des Geltungsanspruches und der verfolgten Zielsetzung von der theoretischen Ethik - im Vordergrund nicht Begründung von Normen, sondern deren praktische Anwendung - Besonderheiten der Wirtschaftsethik -- an Schnittstelle zweier wissenschaftlicher Disziplinen angesiedelt -> auf Erkenntnisse beider Bereiche angewiesen -- nicht theoretische Reflexion von Prinzipien, sondern konkrete Anwendung der Ethik im Vordergrund -- Übertragung von theoretischen Konzepten auf praktische Ethik ist nicht Aufgabe der prakt. Ethik  -- Im Mittelpunkt steht die Suche nach Methoden und Verfahren, die es erlauben ethische Normen (Glück, Freiheit, Gerechtigkeit) auf praktische Sachverhalte zu übertragen  -- Nützlichkeit der angewandten Ethik = Fähigkeit einen Wissenstransfer zwischen der philosophischen Ethik und anderen Wissenschaften zu leisten, also auch Ethische Forderungen in andere Code übersetzen  -- als Handlungsmaßstab gilt die moralische Legitimation -> gut (sittlich richtig) und schlecht / böse (sittlich falsch) -- Wirtschaftliches Handeln ist rationales Handeln mit Zweck, die aus Unendlichkeit der menschl. Bedürfnisse resultierende Knappheit an Gütern zu verringern -- Minimal- oder Maximalprinzip als Orientierungsmaßstab
  • Verhaltensprinzipien des "Homo Oeconomicus" - Individualprinzip = am Eigeninteresse ausgerichtetes Handeln -  Prinzip der Problemorientierung = Fähigkeit zur Strukturierung von Entscheidungsproblemen - Prinzip der Trennung von Präferenzen und Restriktionen = die Annahme einer stabilen Nutzenfunktion bzw. die hohe Verhaltensrelevanz von Restriktionen - Rationalitätsprinzip = Optimierung von nutzenmaximalen Entscheidungen - Prinzip der "Nicht-Einzelfall-Betrachtung" = rationales Verhalten als allgemeine Tendenz - Prinzip des methodologischen Individualismus = Annahme, dass Eigenschaften sozialer Systeme über die individuellen Eigenschaften und Verhaltensweisen der beteiligten Akteure erklärt werden können
  • Drei-Ebenen-Modell der Wirtschaftsethik - Wirtschaftsethik steht für Versuch einer Schnittmengenbildung zwischen zwei isolierten wissenschaftlichen Disziplinen - im Mittelpunkt die Frage, welches wirtschaftliche Handeln auch moralisch gerechtfertigt werden kann und welches nicht - Konzeptioneller Rahmen der Wirtschaftsethik von George Enderle zur übersichtlichen Systematisierung theoretischer Überlegungen und empirischer Ergebnisse zur o.g. Forschungsfrage - klare Trennung zwischen Wirtschaftsethik und Unternehmensethik - Ethische Reflexionsprozesse sind auf 3 Objektebenen mit unterschiedlichen Aggregationsgraden der Handelnden angesiedelt (Individuum, Gruppe, Öffentlichkeit) - Makroebene -> Wirtschaftsethik - Mesoebene -> Unternehmensethik - Mikroebene -> Individualethik - nützliche Interpretationshinweise zu der recht groben Charakterisierung der Ebenen: - Meso- und Mikroebene sind als vollständige Schnittmenge der Makroebene anzusehen - Einbettung aus mehreren noch zu erläuternden Gründe (Stichwort Markt- und Regulierungsversagen) von der Existenz moralischer Grauzonen geprägt, deren Handhabung sich dann als quasi autonomes ethisches Problem dieser Ebenen präsentiert - Ferner ist zu betonen, dass die Unterscheidung zwischen diesen Ebenen rein analytischer Natur ist - mit ihrer Hilfe kann allerdings veranschaulicht werden, ob und wie mit unterschiedlichen Anreizsystemen moralisches Verhalten erzeugt werden kann - in der Praxis sind die Ebenen durch Vielzahl von Interdependenzen miteinander verwoben
  • Drei-Ebenen-Modell der Wirtschaftsethik (Makroebene) - Makroebene = Frage nach gutem und gerechtem Wirtschaftssystem -  Moralische Aspekte gesamtwirtschaftlicher Handlungen (z.B. Frage der Einkommensverteilung) im Kontext spezifischer Wirtschaftsanordnungen hinterfragt - Aufgabe, Güte der gesamtwirtschaftlichen Ordnung zu analysieren und Rahmenbedingungen zu diskutieren (Ordnungsethik) - Ausdruck in diversen Maßnahmen der Finanz-, Sozial- und Wirtschaftspolitik
  • Drei-Ebenen-Modell der Wirtschaftsethik (Mesoebene) - Mesoebene = Handlungen und Entscheidungen von institutionalisierten Wirtschaftsakteuren -  Unternehmen, Gewerkschaften, Verbände -  Akteuren wird moralische Verantwortung zugesprochen -  Analyse + Bewertung des verantwortungsvollen Handelns der Institutionen steht im Mittelpunkt -  problematisiert deren Handeln nach innen und außen - Bewertung der Beziehungen zu Kunden, Lieferanten, Konkurrenz - Ethische Analyse der Binnenstruktur - typische Referenzpunkte (Unternehmenskultur, Betriebsklima, Kommunikationsstil, Hierarchien)
  • Drei-Ebenen-Modell der Wirtschaftsethik (Mikroebene) - Mikroebene = Spielart der Individualethik , Handeln einzelner im ökonomischen Kontext - Analyse und Bewertung individueller Verhaltenserwartungen/Verantwortlichkeiten in der Rolle als Arbeitgeber und -nehmer, als Kollege oder FK, als Konsument, Lieferant, usw. im Mittelpunkt - Teil der Betrachtung können auch unorganisierte Gruppen sein , sofern sie kollektiv handeln - werden Problemstellungen von Individual- oder Teamentscheidungen von FK betrachtet, wird von Arbeitsethik / Führungsethik gesprochen
  • Drei-Ebenen-Modell der Wirtschaftsethik (Zusammenwirken durch 4 Interdependenzen) (Göbel) - Beziehungskategorie 1: Individuum - Unternehmen -- typisches Beispiel für moralisch relevante individuelle Einflüsse auf das U. gilt die Persönlichkeit des Gründers und der von ihm getroffenen konstitutiven Entscheidungen (Rechtsform, Standort, Produktionsprogramm) - Beziehungskategorie 2: Unternehmen - Individuum -- U. hat Vielzahl von formalen und informale Verhaltenserwartungen an Mitarbeiter -- Menschen werden im Unternehmen sekundär sozialisiert -- Stimmigkeit bei Personalauswahl - Beziehungskategorie 3: Unternehmen - Rahmenordnung -- Bemühung des Managements eine aktive Einflussnahme auf die Spielregeln der Rahmenordnung auszuüben als logisches Gebot moderner Unternehmensführung  -- jedoch auch Diskussion aufgrund exzessiver Spielarten beim Einsatz von Marktmacht (Lobby-Arbeit oder bewusster Aufbau von Drohkulissen durch Standortverlagerungen) - Beziehungskategorie 4: Rahmenordnung - Unternehmen -- Wechselwirkung zwischen Makro- und Mesoebene ist elementar -- zeigt sich anhand der nach Gutenberg zurückgehenden Unterscheidung zwischen Betrieben und Unternehmen -- Unternehmen = untrennbar mit marktwirtschaftlichen Ordnungssystemen verbunden -- Spielregeln, die als ungeschriebene Gesetze die Rahmenordnung eines Landes prägen (z.B. Umgang mit Wettbewerbern oder der Öffentlichkeit) sind wirkungsvoll -- wichtig sind auch kulturelle Normen einer Rahmenordnung
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