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Wirtschaftsethik (Fach) / Lektion 00 (Klausurfragen) (Lektion)

Ethik

Diese Lektion wurde von Dennis1602 erstellt.

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  • Wirtschaftsethik als eigenständige Disziplin: Besonderheiten der Schnittstellenbildung zwischen Ökonomie und Ethik; Entwicklung über Aristoteles, Adam Smith und Karl Polanyi (L1) - Ökonomie: Fokus auf Effizienz & wirtschaftliche Rationalität - Ethik: Fokus auf Fragen der Menschen- & Umweltgerechtigkeit  - Aristoteles (384-322 v. Chr.) etablierte die Ethik (TUGENDLEHRE) neben der Logik (Denken) & Physik (Natur) und gilt somit als Begründer der philosophischen Ethik. Aristoteles betrachtete Ethik & Ökonomie als eine Einheit. Ethik widmet sich dabei den Fragen nach dem Wesen des „Guten“ und wie man dieses Gute umsetzen kann. Aristoteles detailliert seine Tugendlehre zunächst dadurch, dass er eine hierarchische Ausrichtung der menschlichen Zwecke hin auf ein oberstes Gut (telos) unterstellt. Des Weiteren nimmt die Lehre von der „Herrschaft im Haus“ (Oikonomia) eine zentrale Stellung ein. Darin erklärt er den vernünftigen Gebrauch und die richtige Verwaltung von Besitz und Haus sowie die richtige Haushaltspolitik des Staates. Der Staat ist demnach auf Erwerb und Tausch von Gütern angewiesen. Dies geschieht durch soziale Interaktionen. Die goldene Mitte als Ideal der Tugendlehre spielt eine sehr wichtige Rolle bei Aristoteles. Tugenden sind also niemals in Extremen zu finden Vielmehr gilt der sogenannte „mittlere“ Weg zwischen diesen Extremen als anzustrebendes Ideal. (Prinzip des Maßes). Zusammengefasst war die wirtschaftliche Tätigkeit in der Antike i.d.R. in Sozialbeziehungen eingebettet. - Selbst für Adam Smith (ca. 1770), der als Begründer der modernen ökonomischen Theorie gilt, waren ökonomische und ethische Theorien (noch) untrennbar miteinander verbunden. Gleichwohl wird mit seiner Person und seinem Wirken der Anfang vom Ende der Einheit von Ökonomie und Ethik assoziiert. An die Stelle der Tugend tritt nach Smith das Eigeninteresse des Menschen als „Nukleus“ und Katalysator wirtschaftlicher Entwicklungsprozesse. - Die Bienenfabel - Bernard Mandeville (1705) gilt als erster Hinweis für die Trennung von Ethik und Ökonomik durch die Formulierung einer scharfsichtigen Analyse der Gesellschaft seiner Zeit: Die Wirtschaft floriert bei einer von Geld geprägten Bedürfnisstruktur vom grenzenlosen Habenwollen. Dadurch sieht sich jede Biene permanent übervorteilt und betrogen. Daraus resultiert die Forderung nach staatlich verordneter Tugendhaftigkeit, was dazu führt, dass alle Bienen rechtschaffend tüchtig werden. Diese Reduktion auf das Notwendigste hat jedoch zur Folge, dass alle Marktmechanismen im Bienenstock außer Kraft gesetzt werden (die Nachfrage bricht zusammen). - Karl Polanyi (1886-1964) steht für den Begriff der “großen Transformation” (ca. 1950). In der Umkehrung der bis dahin gültigen Ordnung waren ab diesem Zeitpunkt die sozialen Beziehungen in das Wirtschaftssystem eingebettet. Mit diesem Befund erlangte der Schritt zur umfassenden Marktwirtschaft und zum selbstregulierten Markt entscheidende Bedeutung, zumal in Verbindung mit diesem Prozess auch die industrielle Revolution erfolgte. Teil dieser Great Transformation war somit auch die endgültige Verselbständigung der Ökonomie als Wissenschaft. Sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung war ihre Etablierung als wertfreie Erfahrungswissenschaft vom wirtschaftlichen Ablauf auf den Ebenen des einzelnen Wirtschaftssubjektes und der Gesamtwirtschaft. Angesichts der in diesem Rahmen postulierten Wirkmächte wie Märkte und den daraus resultierenden Entscheidungsproblemen der Marktakteure waren ethische Reflexionen weder notwendig noch erwünscht. Wirtschaftsethik als Teil einer „Großen Rücktransformation“? - Diese Frage basiert auf der Häufung von empirischen Belegen dafür, dass die vom Eigeninteresse getriebenen Marktmechanismen versagen bzw. zu moralisch inakzeptablen Ergebnissen führen (Marktversagen). Externe Effekte, zeigen sich auch durch Korruption und Steuerbetrug.Da es in jüngster Zeit verstärkt zu Fällen von Marktversagen gekommen ist, besteht Anlass, diese Trennung zu überdenken. Zentrale Frage der Debatte: "Kann/ muss wirtsch. Handeln auch moralisches Handeln sein?"  
  • Frage zu Ursprung und Beschaffenheit von Moralentwicklung bzgl. Kohlberg Konzept (L1) - Moral = das, was an Werten existiert und welche traditionelle Vorstellungen von gutem und schlechtem Handeln vorhanden sind = sittliches Bewusstsein (Wissen um Werte) - regelt, was man in einer sittlichen Gesellschaft darf oder nicht darf - innerhalb der Gruppen gelten unterschiedliche moralische Maßstäbe, verschiedene Normen - Moral ist kein statisches Produkt, sondern stets vom politischen und/oder gesellschaftlichen Wandel geprägt und somit veränderungsfähig - moralische Urteile häufig nur oberflächlich, da sie von mehrheitsfähigen gesellschaftlichen Strömungen getragen werden u. durch rationalanalytische Kriterienlosigkeit gekennzeichnet werden - Bei der Wahrnehmung und Durchsetzung moralischer Maßstäbe durch das Individuum spielt die Sozialisation des Menschen eine zentrale Rolle - Als dauerhafter und lebenslanger Prozess kann die Moralentwicklung des Menschen in drei Stufen nach Lawrence Kohlberg systematisiert werden. - In der präkonventionellen Phase werden dem Kind Regeln und Gebote nahegebracht, die es zu akzeptieren und denen es zu gehorchen lernt. Im Kern stehen in dieser Lebensphase das Vermeiden von Strafe sowie die Schaffung von Nutzen durch die Befolgung von Regeln. Dieser fremdbestimmte Lernprozess ist streng situationsbezogen. Das urteilende Kind wägt sein Handeln gegen die sich daraus ergebenden Folgen ab. (Moral nach Vorschrift: Lass dich nicht erwischen!) (Bestrafung - Belohnung) - Die konventionelle Phase ist durch die Einsicht geprägt ist, dass Normen und Regelungen nicht einseitig von Erwachsenen vorgegeben sind, sondern ein funktionierendes Zusammenleben erst ermöglichen. Mit dieser Erkenntnis beginnt das Streben der Heranwachsenden, den vorgelebten moralischen Normen des Umfeldes oder der Gesellschaft nachzueifern und diesen zu entsprechen. Orientierung zu moralischen Urteilen bietet dementsprechend das kulturelle Umfeld oder die Gesellschaft. (Moral auf GEgenseitigkeit: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu!) (Soziale Normen - Rechtsnormen) - Auf der postkonventionellen Ebene, also der eines mündigen Erwachsenen, haben die in der Kindheit erlernten Verhaltensweisen und Normen ihre absolute Gültigkeit verloren, da diese durch Reflexion und Abwägung in Frage gestellt werden. Die zu Vergleichen und zur Reflexion herangezogenen Beispiele werden im Normalfall selbst gewählt, da der Mensch auf dieser Ebene eine gewisse Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Erwartungen erreicht, die ihn in die Lage versetzt, die Gesellschaft und ihre Praktiken kritisch zu beurteilen. (Eigenverantwortliche Moral: Wie wünschenswert ist das machbare?) (Eigenes Gewissen - Allgemeingültige Prinzipien)
  • Unterscheidung der Begriffe Moral, Ethik, Ethos, Normen, Werte (L1) - Moral = bezeichnet die bestehenden Werte -- bezeichnet, welche traditionellen Vorstellungen von gutem oder schlechten Handeln vorhanden sind = „sittliches Bewusstsein“ (unreflektierte, unhinterfragte Werte, die aus der Umwelt übernommen werden) -- Moral regelt, was man in einer sittlichen Gemeinschaft darf oder nicht darf; was man tun oder nicht tun sollte -- Moral ist immer Gruppenmoral, also Werte und Normengefüge einer Gemeinschaft -- Kleingruppenmoral: Ehe, Familie, Freundeskreis -> Normen: Vertrauen, Solidarität, Liebe, Hilfsbereitschaft -- Fernbereichsmoral: Staat oder Markt -> Normen: Anonymität, Skepsis, Sachlichkeit, Eigeninteresse -- Moral ist kein statisches Produkt, sondern stets vom politischen/gesellschaftlichen Wandel geprägt -- (Reflexionsstufe: Überzeugungen) - Werte = stehen für Ideen oder Verhaltensweisen, die einer Person, Gruppe oder Institution erstrebenswert erscheinen -> subjektive Werte -- verdichten sich Werte zu einer verhaltensrelevanten Regel, so spricht man von einer Norm - Normen = zielsetzend, richtungsweisend, haben eine Leit- und Orientierungsfunktion, tragen zur Entlastung bei einer Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten & den daraus resultierenden Konflikten bei, Steuerungsmechanismus des sozialen Zusammenlebens - Maxime = besondere Stellung innerhalb der Normen, die Maxime gilt für ein Individuum unbedingt (d.h. kategorisch) -> aus ihr lassen sich weitere Normen ableiten - Ethos = innere Verpflichtung des Menschen zur Befolgung von Normen, persönliches Norm- & Wertgefüge -- (Reflexionsstufe: Regeln für Gruppen, Werte, Tugenden) -- Während sich Moral im Wesentlichen auf die Praxis bezieht, ist Ethik eine wissenschaftliche Reflexion über die Praxis -> Ethik wird daher als Moralphilosophie bezeichnet - Ethik = Aufforderung zu eigenverantwortlichen Handeln, Abkehr von Unmündigkeit & Bequemlichkeit -- Bereitschaft & Fähigkeit Handlungssituationen auf ihre moralische Dimension abzuschätzen, um dann den nächsten Schritt kritisch zu überlegen -- Ethik als eine Sequenz von Reflexionsstufen, durch die Menschen in Entscheidungssituationen moralische Kompetenz entwickeln -- (Reflexionsstufe: begründete, reflektierte Normen und Werte, Ethik-Kodex) - Aufgaben der Ethik: -- Formulierung von Normen und Regeln -- Unterscheidung von allgemeinverbindlichen und nicht allgemeinverbindlichen Regeln -- Begründung und Rechtfertigung allgemeinverbindlicher Regeln -- Auseinandersetzung mit Normenkonflikten -> konstruktive Lösungsansätze - kein Automatismus, sondern abhängig von gewissen Voraussetzungen: -- Entwicklung eines moralischen Sinnes -> Wirkungsspektrum von Entscheidungen, Reichweite -- Empathie -> Bereitschaft und Fähigkeit sich in die Rolle Dritter zu versetzen und Handlungsfolgen aus anderem Blickwinken zu betrachten --  Selbstkritisches Urteilsvermögen 
  • Unterscheidung gewisser "Bindestrich-Ethiken", v.a. auch in Bezug auf Gesinnungsethik und Folgenethik (Verantwortungsethik) (L2) - Normative Ethik ist durch zwei Denkpfade geprägt: - Deontologischen Ethiken -- abgeleitet aus dem griechischen, to deon = die Pflicht oder das Schickliche -- Richtigkeit einer Handlung wird danach beurteilt, ob das ihr zugrunde liegende Prinzip bzw. die Einstellung richtig ist, es zählt der gute Wille und nicht das Werk als solches -- entscheidend ist das Motiv einer Handlung -- Implizite Grundsätze des Handelns stehen im Mittelpunkt, situationsunabhängig -- Handlungsmaxime: "Was wäre, wenn das jeder täte", Prinzip der Gerechtigkeit -- bei Handlungskonflikten: Beachtung von Grundsätzen - in der Gesinnungsethik bildet also die Motivation eines Individuums die Bewertungsgrundlage für dessen Sittlichkeit, - GE verlangt das Verfolgen von Geboten und Normen, - führt das Befolgen zu Konflikten wird von der goldenen Regel gesprochen - „Was du nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinem anderen zu“ - in Konfliktsituationen Regelanwendung - Gesinnungsethik als typischer Vertreter der deontologischen Argumentation, zwei Lehrtraditionen: -- Handlungsdeontologische Theorien --- ethische Urteile sind reine Einzelurteile, die vorgeben wie in bestimmten Situationen gehandelt werden soll --- Regeln haben nur nachrangige Bedeutung --- Mensch soll in jeder Situation ohne Orientierungshilfe neu entschieden, was richtig ist -- Regeldeontologische Theorien --- Vertretung allgemeiner Regeln in unterschiedlichem Abstraktionsgrad --- haben jedem ggü. unbedingte Gültigkeit und sind unabhängig von den Folgen --- im Imperativ formuliert oder als abstrakte Prinzipien - Immanuel Kant als Repräsentant der deontologischen Theorie mit seiner Pflichtenethik, plädiert dafür, die ethische Qualität einer Handlung nicht an ihren Folgen zu beurteilen, sondern allein durch den sie bewirkenden guten Willen - Teleologischen Ethiken -- abgeleitet aus dem griechischen, to telos = Ziel oder Zweck -- Richtigkeit einer Handlung wird danach anhand des durch die Handlung eingetretenen Ergebnisses beurteilt, was zählt ist also das Werk, nicht der dieses Werkes begründende Wille -- entscheidend ist das Ergebnis einer Handlung -- Konsequenzen des Handelns, situationsabhängig -- Handlungsmaxime: "Verfolge mit deinem Handeln das größte Glück der größten Zahl (Gemeinwohl), Prinzip der Wohltätigkeit -- bei Handlungskonflikten: Abwägung der Folgen - Verantwortungsethik hat im Gegensatz zur Gesinnungsethik eine teleologische Position -- Handlungsnormen müssen situativ relativiert werden -> Lügen ist erlaubt wenn sie einen Unschuldigen retten  -- es gibt keine unumstößlichen Handlungsnormen, die strikt befolgt werden müssen, richtiges Handeln sollte situationsbedingt sein -- sie ist eine Folgenethik, da derjenige Verantwortungsbereich handelt, der die Folgen einbezieht -- bedeutet jedoch nicht, dass der Zweck die Mittel immer heiligt -- der gute Zweck verliert seinen Sinn, wenn negative Nebenwirkungen die positiven übersteigen -- Begründung dessen was gut ist steht in Beziehung zum Utilitarismus = Konsequenzialismus -- 4 Grundprinzipien der Verantwortungsethik (Jeremy Bentham und John Stuart Mill) --- Konsequenzprinzip teleologische Theorie -> Beurteilung von Handlungen aufgrund ihrer Folgen --- Utilitätsprinzip Nutzenprinzip -> Förderung der Folgen des in sich Guten (Wahrheit /Erkenntnis) --- Hedonismusprinzip ermöglicht Glück durch Befriedigung menschlicher Bedürfnisse --- Sozialprinzip dient der Erreichung des größtmöglichen Glücks für alle, die von einer Handlung betroffen sind
  • Dem Problem des Marktversagens wird in der wirtschaftsethischen Diskussion große Aufmerksamkeit geschenkt. Warum? Erörtern Sie ferner welche Befunde zu den Möglichkeiten einer regulativen staatlichen Behebung solcher Defizite einschlägig sind. - von Eigeninteresse getriebene Marktmechanismen versagen bzw. moralisch inakzeptabel (Steuerbetrug durch Banken, Korruption, Lohndumping, Diskriminierung, Kinderarbeit) - externe Effekte als Beispiel für Marktversagen: wirtschaftliche Betätigungen, die nicht mehr vollständig über das Preissystem abgebildet werden - negative externe Effekte = Umweltverschmutzung / positive externe Effekte = Besserstellungen - Gegensteuerung/ Korrektur durch Intervention legitimierter Akteure -> Kompetenz der Rechtsetzung - begrenztes Wirkungsvermögen des Staates, hohe Kontrollkosten, kann nur das kontrollieren was bereits bekannt ist, hohe Unternehmensverflechtung durch Globalisierung - Marktpolitische Maßnahmen als weitere Möglichkeit zu regulativen Möglichkeiten (Entwicklung von Anreizstrukturen/ Restriktionsmechanismen, sollen motivierend wirken und Fehlallokationen vermeiden z.B. Emissionshandel -> stößt an nationalstaatliche Grenzen) - Unzulänglichkeiten führen zu Konzepten der Wirtschaftsethik - Im Mittelpunkt ordnungsethischer Diskurse steht die Frage nach dem konkreten Verhältnis von Markt zu Moral bzw. wirtschaftlicher Vorteilssuche zu moralischem Handeln. - Die vermutete Unvereinbarkeit dieser beiden Konzepte führte zu einer ordnungspolitischen Alternative: der Zentralverwaltungswirtschaft. - ZVW moralisch unterlegen - Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass das marktwirtschaftliche Ordnungssystem als generell gemeinwohlorientiert, moralisch, sozial und/oder besonders solidarisch zu charakterisieren ist. - Im Gegenteil: Die „invisible hand“ des freien Marktes erweist sich keinesfalls als fehlerlos. - Diese Aussage basiert auf der Häufung von empirischen Belegen dafür, dass die vom Eigeninteresse getriebenen Marktmechanismen versagen bzw. zu moralisch inakzeptablen Ergebnissen führen: - Verdeckte Beihilfe zum Steuerbetrug durch Banken, Korruption in Form von Schmiergeldzahlungen, Lohndumping, Diskriminierung von Frauen, Kinderarbeit, Umweltverschmutzung, Raubbau an natürlichen Ressourcen und vieles andere mehr. - Vielmehr vermögen die Mechanismen des freien Marktes also auch eine Reihe von Suboptimalitäten zu erzeugen. - Das Spektrum dieser Vorkommnisse – man spricht in diesem Zusammenhang auch von Marktversagen – ist breit gefächert. Es lässt sich aber zu drei typischen Formen verdichten: Allokatives Marktversagen (externe Effekte), Distributives Marktversagen (ungerechte Einkommensverteilung), Stabilitätspolitisches Marktversagen (fehlende Selbstheilungskräfte des Marktes). - Daher bedarf es der Überwachung des Marktgeschehens, um den Markt auf jene Bereiche zu beschränken, in denen er durch Zustimmung herrschen soll. Eben dort müssen die - Voraussetzungen eines funktionsfähigen Wettbewerbs geschaffen werden. Ulrich konkretisiert diesen Anspruch an die Ordnungsethik durch drei wichtige Normierungsaufgaben: -- Rechte --- Die Rechte der Wirtschaftsbürger dienen zum einen dem legalen Schutz moralischer Grundrechte. Zum anderen sollen sie einen fairen Machtausgleich zwischen schwächeren und stärkeren Marktpartnern gewährleisten. Im Sinne allgemeiner Kommunikationsrechte werden umfangreiche Informations- und Partizipationsrechte festgelegt. Sie garantieren Informations-, Mitsprache-, Widerspruchs- und Klagerechte im Falle der Betroffenheit. -- Rechnungsnormen --- Um die Internalisierung externer Kosten zu ermöglichen, sind ordnungspolitische Zurechnungsnormen zu etablieren. Diese sollen entweder eine Zurechnung erzwingen oder aber die Preissignale im Sinne der vital-politischen Interessen verändern. Trotz scheinbarer neutraler Wirkweisen des Marktes, kann der Marktmechanismus keinen Ausgleich hinsichtlich einer möglichen legitimen oder illegitimen Ausgangssituation herstellen. Der Staat muss daher durch geeignete Berechnungsnormen schwächere Marktteilnehmer vor der illegitim erworbenen Marktmacht schützen (z. B. Kartellamt). Der Staat kann durch geeignete subventions- und steuerpolitische Maßnahmen darüber hinaus jene wirtschaftlichen Bereiche fördern, die den vital-politischen Interessen der Gemeinschaft am meisten dienlich sind. -- Randnormen --- Diese werden ihrerseits unterteilt in: Grenzwerte: vitalpolitisch vertretbare Marktergebnisse werden definiert und rechtsstaatlich vorgegeben (z. B. Schadstoffgrenzen).- Normen räumlicher und zeitlicher Marktbegrenzung: Beschränkung lokaler Märkte z. B. durch Zölle, begrenzte Ladenöffnungszeiten ect.- Zulassungsnormen: Die Berechtigung zum Marktzutritt ist an Anforderungsbedingungen oder Leistungsmerkmale gebunden (z. B. Hygienestandards in der Gastronomie).- Marktausschaltung: Die Güterallokation über den Markt kann für bestimmte Güter weitgehend unterbunden und durch staatliche Versorgung Leistungen ersetzt werden (z. B. Schulwesen).
  • Erklären Sie Homann dreistufiges Entscheidungsmodell (L4) - Homann versteht die Wirtschaftsethik als Ethik mit ökonomischer Methode - Im Umgang mit moralischen und ökonomischen Konfliktfällen gibt es für Unternehmen zwei Handlungsoptionen: -- Wettbewerbsstrategie = Bereitschaft auf moralische Forderungen seitens der Gesellschaft einzugehen, Entwicklung von Produkten mit ethisch hohem Anspruch -> öffentlich bekundete Selbstbindung -> freiwillige Implementierung von Leitbildern, hohe Informationspolitik -> Ziel: verbesserte ethische Reputation des Unternehmens -- Ordnungspolitische Strategie = Defizite der staatlichen Rahmenordnung auf kollektiver Ebene kompensieren -> verbandsbezogene Regelungen (Branchenkodizes) -> Verpflichtung bestimmte Standards zu wahren -> Strategie ist naheliegend, wenn Wettbewerbsstrategie nicht gelingt -> kollektive Selbstbindung aller Unternehmen - Auf dieser Grundlage finden unternehmensethische Aktivitäten nach dem Verständnis dieses Ansatzes ihren Ausdruck in einem dreistufigen Entscheidungsmodell. - Zur Frage nach der diesbezüglich einschlägigen Verfahrensweise ist es erforderlich, sich die erörterten vier Konstellationen ökonomischer und moralischer Verhaltens- und Handlungsmaßstäbe zu vergegenwärtigen. -- Positiver Kompatibilitätsfall: Eine unternehmerische Entscheidung steht nicht im Widerspruch zu moralischen Zielen, folglich entstehen keine Schwierigkeiten bei ihrer Umsetzung. -- Negativer Kompatibilitätsfall: Eine unternehmerische Handlung bringt weder Erfolg noch moralische Akzeptanz. Sie wird folglich nicht umgesetzt. -- Moralischer Konfliktfall: Eine ökonomisch sinnvolle Handlung stößt auf gesellschaftliche Akzeptanzprobleme, weil sie ethische Standards verletzt, obwohl sie legal ist. -- Ökonomischer Konfliktfall: Die Erfüllung ethischer Standards führt zu ökonomischen Nachteilen. - wie aus Grafik ersichtlich, Gewinnverzicht ist irrelevant, d.h. im Konfliktfall hat Ökonomie Vorrang vor Ethik - Frage 1: Berechtigung der moralischen Forderungen? Ja -> Frage 2, Nein -> Begründete Zurückweisung - Frage 2: Erfüllt die Rahmenordnung die moralischen Forderungen? Ja -> durch Rahmenordnung gedeckt, Nein -> Frage 3 - Frage 3: Handlungsmöglichkeiten des Unternehmens unter Wettbewerbsbedingungen? ->  - Rentabilität x-Achse und moralische Akzeptanz Y-Achse - Marktaustrittsstrategie, Wettbewerbs - Ordnungspolitische Strategie, Ordnungspolitische Strategie, Wettberwerbsstrategie - Argumentativer Kern = Jedes Handeln muss von Außen beeinflusst werden, um moralische Ziele zu erreichen - Frage der ethischen Verantwortung wird vom Individuum auf rahmengebende Institution verlagert - wenn Moral in Form von Gesetzen, Anreizsystemen und Verordnungen  in der Rahmenordnung verankert -> kommt dies dem Gesamtnutzen von Wirtschaft und Gesellschaft zugute Ethik auf Basis der Rahmenordnung als Instiutionenethik formuliert 
  • Das Konzept der ökonomischen Ethik hat große Beachtung gefunden. Ursächlich hierfür ist die Tatsache, dass von diesem die Relevanz und Beschaffenheit von sog. Dilemmasituationen durch einen Rückgriff auf die sog. Spieltheorie überaus einprägsam beschrieben wird. Erläutern Sie dieses Vorgehen. Erläutern Sie ferner welche Schlussfolgerungen Homann aus dieser Beobachtung zieht (L4) - Kein Unternehmen kann Verantwortung für ein Gesamtergebnis übernehmen (aufgrund langer Produktionswege, steigender Prozessanonymität, usw.) -  Einzelner kann demnach nicht dauerhaft gegen seine Interessen verstoßen -  Moral muss anreizkompatibel sein -> Menschen befolgen nur dann Normen wenn Vorteil entsteht (Anreizschaffung zur Befolgung von Normen) -  Moral muss in verbindlicher Rahmenordnung geregelt werden (Verfassung, Gesetze, Mitbestimmungs- und Haftungsregeln) -  Rahmenordnung = Spielregeln für Unternehmen auf deren Grundlage sie ihre am Effizienzkriterium orientierten Spielzüge entfalten zu können -  folgende Grundsätze als Voraussetzung zur Zulässigkeit und Wirksamkeit: -- Regeln sind für alle gleich, sind allen bekannt, sind stabil und werden durchgesetzt -- relative Stärke der Gegner ist gleich -- Spieler müssen das Spiel ernst nehmen - Spielzüge münden häufig im Dilemma -> individuelle Ziele auf Kosten besserer Ergebnisse für alle = Gefangenendilemma aus Spieltheorie -  beide Akteure sind auf eigenen Vorteil aus, keiner kooperiert, also kommt IV zustande mit dem für jeden einzelnen schlechtesten Ergebnis -  Gründe: -- Interdependenz des Entscheidungsverhalten -- Fehlen einer glaubwürdigen Verhaltensbindung beider Akteure (Individuelles rationales Verhalten führt zu suboptimalen Ergebnissen = kollektive Irrationalität, soziale Falle) - Ausbeutbarkeit moralischen Verhaltens wird deutlich (agiert ein Akteur moralisch/kooperativ, kann es von dem anderen Akteur (geleitet durch Eigeninteresse) ausgenutzt werden - macht Rahmenordnung notwendig - ethisch problematische Entscheidungen haben Ursache in fehlender Ordnung - Kernaufgabe der Wirtschaftsethik sollte es sein moralische Dilemma zu identifizieren und zu lösen -> unerwünschte Kooperationsformen können verhindert werden (Kartelle, organisierte Kriminalität) - systematische Ort der Moral in einer Marktwirtschaft ist die Rahmenordnung - Relativierung durch Defizite bei Implementierung und Entwicklung -> zeitliche Verzögerung - 4 ökonomische und moralische Verhaltens- und Handelsmaßstäbe -- Positiver Kompatibilitätsfall = unternehm. Entscheidung steht nicht in Widerspruch zu moralischen Zielen -> keine Schwierigkeiten bei Umsetzung -- Negativer Kompatibilitätsfall = unternehm. Handlung bringt weder Erfolg noch Akzeptanz -> keine Umsetzung -- Moralischer Konfliktfall = ökonomisch sinnvolle Handlung stößt auf gesellschaftliche Akzeptanzprobleme -> verletzt ethische Standards obwohl sie legal ist -- Ökonomischer Konfliktfall = Erfüllung ethischer Standards führt zu ökonomischen Nachteilen - unternehm. Handlungsoptionen für die beiden Konfliktfälle, um moralisches Handeln umzusetzen: -- Wettbewerbsstrategie = Bereitschaft auf moralische Forderungen seitens der Gesellschaft einzugehen, Entwicklung von Produkten mit ethisch hohem Anspruch -> öffentlich bekundete Selbstbindung -> freiwillige Implementierung von Leitbildern, hohe Informationspolitik -> Ziel: verbesserte ethische Reputation des Unternehmens -- Ordnungspolitische Strategie = Defizite der staatlichen Rahmenordnung auf kollektiver Ebene kompensieren -> verbandsbezogene Regelungen (Branchenkodizes) -> Verpflichtung bestimmte Standards zu wahren -> Strategie ist naheliegend, wenn Wettbewerbsstrategie nicht gelingt -> kollektive Selbstbindung aller Unternehmen
  • Beschaffenheit und Ausrichtung von Unternehmensethik, erläutern sie die gängigen Modellierungen (L3) - Der Shareholder Value-Ansatz stellt auf eine vertragstheoretische Sicht des Unternehmens ab. - Unternehmen werden in diesem Sinn als ein Netz von Verträgen interpretiert. Im Mittelpunkt dieses vertraglichen Netzwerkes steht als sogenannter Grundvertrag des Unternehmens der Gesellschaftsvertrag. - Dieser klärt zentrale Fragen der Eigentums- und Verfügungsrechte. Auf dieser Basis erfolgt die Fixierung weiterer Verträge, beispielsweise mit Arbeitnehmern, Lieferanten oder Kreditgebern, die alle auch die Fixierung eines Kontrakteinkommens zum Gegenstand haben. - Vergegenwärtigt man sich vor diesem Hintergrund die Tatsache, dass Risiko ein Grundaxiom wirtschaftlichen Handelns darstellt, so erweist sich der Einkommensanspruch der Eigenkapitalgeber (im Unterschied zu den Kontrakteinkommen der Vertragspartner) als prinzipiell unsicher. - Letztlich haben diese nur Anspruch auf die erwirtschafteten Überschüsse als sogenanntes Residualeinkommen. - Aufgrund dieser Tatsache präsentiert sich die Gewinnmaximierungsabsicht als legitimes Ziel aller unternehmerischen Entscheidungen. - Einer Verselbstständigung des Shareholder-Ansatzes wird durch die Rechtsordnung in Deutschland enge Grenzen gesetzt. So ist durch entsprechende Regelungen des Aktien-, des Mitbestimmungs- und des Arbeitsrechts die Einflussnahme von ausgewählten Interessengruppen gesetzlich fixiert. - Ferner ist festzuhalten, dass die herrschende Rechtsordnung den vertraglichen Ansprüchen mancher Interessengruppen eine prioritäre Stellung einräumt und damit die Maximierung des Shareholder-Value nur unter erheblichen Restriktionen denkbar ist. - Die Extremforderung des Stakeholder-Ansatzes, nämlich unter Verzicht auf das Gewinnmaximierungsziel alle Interessengruppen im Prozess der Unternehmensführung zu berücksichtigen, erweist sich ebenfalls als wenig realistisch. - Unternehmen besteht aus Koalition von Interessengruppen - Koalitionstheorie: Investoren, AN, Management, usw. bilden Koalition -> geleistete Beiträge begründen Ansprüche -> Management als Moderator - Komplexes Zielbündel: angemessene Gewinn, hohe Löhne, usw. - Der damit im Unternehmen erzeugte Stresszustand einer „moralischen Dauerbegründung“ lässt es fraglich erscheinen, ob und inwieweit das Management noch Freiräume für seine Hauptaufgabe – die Sicherstellung der betrieblichen Wettbewerbsfähigkeit – hat. - Gleichermaßen fragwürdig wird ob dieses Szenarios die Bereitschaft der Eigenkapitalgeber zu investiven Engagements. Mit Blick auf den Wettbewerb der verschiedenen Anlageformen erscheint es zumindest nicht ausgeschlossen, dass Anleger solche Rahmenbedingungen entweder mit höheren Risikoprämien oder einer Reduktion ihrer finanzwirtschaftlichenAktivität in diesem Bereich beantworten würden. - Unter Würdigung all dieser Umstände kann für das Gewinnprinzip zunächst eine „ethischeRichtigkeitsvermutung“ ausgesprochen werden.
  • Aufbau und Struktur von Wielands Governance Ethik skizzieren und die einzelnen Stufen beschreiben (L4) - Josef Wieland = Ethik der Governance als ökonomischer Ansatz - nimmt Sonderstellung im Spektrum der wirtschafts- und unternehmensethischen Ansätze ein - komplexester Entwurf innerhalb der deutschsprachigen Wirtschafts- und Unternehmensethik, bemüht folgende theoretische Zweige: Ethik, Neue Institutionenökonomie, Systemtheorie - Ausgangspunkt = Steuerungsdefizite nationalstaatlicher Rahmenordnungen durch Globalisierung -> Fokus auf ethische Überlegungen naheliegend - Räumliche Dimensionen des Handelns für die Wirtschaft verlieren an Relevanz, zeitliche Dimensionen gewinnen an Bedeutung - Fähigkeit zur Vernetzung und Kommunikation intern. agierender Akteure besonders erfolgskritisch - Komplexität und Unsicherheit bei ökonomischen Transaktionen durch untersch. kulturelle Prägungen -> Konflikte - Perspektive der wertgebundenen Identität = immer größere Bedeutung -> Moral als individuelle und kollektive Ressource -> setzt jedoch Schaffung bestimmter Strukturen im U. voraus - Governance = Steuerungsstruktur / Steuerungsmatrix zur Abwicklung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Transaktionen - Ethik Management System (EMS) -> Inventarisierung der moralischen Verfassung eines Unternehmens als Basis zur Entfaltung alltäglicher unternehmenethischer Praktiken - Gliedert sich in vier Prozessstufen - Kodifizieren (Verankerung von Grundwerten zu best. Absichts- und Willenserklärungen im Leitbild als Verhaltenskodex)(Unternehmenswerte) - Einteilung der Grundwerte: -- Leistungswerte (Kompetenz, Qualität, Innovation) -- Interaktionswerte (Offenheit, Teamgeist, Loyalität) -- moralische Werte (Gerechtigkeit, Fairness, Ehrlichkeit) -- Kommunikationswerte (Achtung, Transparenz, Offenh.) - Kommunizieren (Die Ergebnisse der Kodifikation werden an die relevanten Akteure kommuniziert; also innerhalb des Unternehmens (Intra Team), zwischen Unternehmen bzw. Unternehmensbereichen (Inter Team) und im Hinblick auf die Gesellschaft (Extra Team). Dies findet seinen Ausdruck allerdings nicht bloß in PR-Maßnahmen, sondern in einer echten Integration dieser Werte in den Geschäftsalltag. Dementsprechend ist beispielsweise die Auswahl von Mitarbeitern, Lieferanten und Geschäftspartnern an diesen kodifizierten Werten auszurichten. Ganz grundsätzlich sollen also alle Strategien und Verfahren im Sinne dieser Grundwerte entwickelt werden.)(Unternehmenskommunikation) - Implementieren (Es werden Regelüberwachungsprogramme zur Kontrolle der Implementierung eingeführt und etabliert. Diese können in ihrem Ursprung interner oder externer Natur sein, bedürfen aber in jedem Fall einer objektivierenden Evaluation.)(Instrumente des Wertemanagements z.B. Complianceprogramm, Werteprogramm, EAS) - Organisieren (Ziel dieser Stufe ist die institutionelle Verankerung dieser Grundwerte, beispielsweise durch die Einrichtung eines Ethikbeauftragten oder einer Ethik-Kommission. Unabhängig davon sind diese in funktionaler Hinsicht aber mit dem Qualitätsmanagement, der Revision und der Kommunikationsabteilung zu integrieren.)(Organisation des Wertemanagements, Einrichtung Ethik Office)
  • Zu den Entwicklungen im Bereich praktischer Unternehmensethik zählt die 2010 veröffentlichte Norm ISO 26000. Erläutern Sie Wesen und Inhalte dieser Norm. Skizzieren Sie danach in groben Zügen die Architektur dieser Norm (L5) - aktuellste Entwicklung im Bereich überbetrieblicher Regelwerke (Veröffentlichung 01.11.2010) - Damit hat die bislang eher in technischen und/oder organisatorischenBereichen tätige ISO die Entwicklung eines umfangreichen Standards im Bereich der sozial verantwortlichen Führung angeschoben - Basis bildet 7 Prinzipien der gesellschaftlichen Verantwortung -- Rechenschaftspflicht, Transparenz, Ethisches Verhalten, Achtung der Interessen der Anspruchsgruppen, Rechtsstaatlichkeit, internationaler Verhaltensstandards, Menschenrechte - 7 Kernbereiche finden Beachtung -> Konkrete Vorschläge wie Prinzip der gesellschaftlichen Verantwortung in die Organisation verankert werden kann -- Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Umwelt, Konsumentenanliegen, Faire Praktiken, Einbindung/Entwicklung der Gesellschaft - Methoden/Verfahren zur organisatorischen Integration - Norm ist nach Einschätzung von Beobachtern aufgrund folgender Punkte bemerkenswert: -- Viele Akteure waren an Ausarbeitung beteiligt (435 Experten aus 91 Nationen) -- Unterstützung durch Liaison Organisationen (intern. Arbeitsorganisation, Global Compact, OECD) -- Hohe Detaillierung garantiert professionelle und differenzierte Fundierung  -- ist jedoch schwieriger zu kommunizieren als Prinzipien des Global Compact  -- Zertifizierung ist nicht vorgesehen  - Reihe grundsätzlicher Kontroversen -- In wieweit sind Kodices als Wertimperialismus jener Länder aufzufassen die Kodifizierung forciert haben? Debatten zum Thema Menschenrechte, BE- bzw. Missachtung in Schwellen- und Entwicklungsländern -- beschränkte Verbindlichkeit der Regelwerke (Beachtung ist juristisch nicht erzwingbar) - Wenn Unternehmen sich zu den Regelwerken bekennen, kann Glaubwürdigkeit durch Etablierung überbetrieblicher Kontrollinstanzen erheblich gesteigert werden: -- Staatliche Kontrollen, Kontrolle durch die Öffentlichkeit, Kontrolle durch wirtschaftsnahe Organisationen, Kontrolle durch gemeinnützige Organisationen, Kommerzielle Kontrollanbieter  - NGOs wird Bedeutsamkeit zugewiesen -> freiwillige, unabhängige und nicht am Gewinn orientierte private Organisationen -> agieren in weichen Politikfeldern (Ökologie, Umweltschutz, Menschenrechte) -  NGOs konstituieren sich durch virtuose Nutzung moderner Kommunikationsmitteln -> hocheffiziente Organisation -> hohes Sanktionspotential ggü. Unternehmen durch Boykottmaßnahmen/Netzkampagnen - Greenpeacekampagne gegen Mineralölkonzern (Versenkung der Plattform) -> Aufmerksamkeit durch Besetzung der Plattform -> Boykottaktivitäten der Verbraucher bei Shell Produkten -> Shell musste Strategie ändern auf zu großem öfft. Druck
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  • Aufgaben von Kodizes & Global Compact erklären (L5) - Bedeutung des Social Accountability Ansatzes (SA 8000) als Zertifizierungsmaßstab bei Auditierung unternehmensethischer Aktivitäten - Überbetriebliche Kodizes und Konventionen im Blickpunkt -> haben große Bedeutung im Alltag - Funktionen von Kodices und Konventionen -- Ergänzungsfunktion -> ergänzen Fehlen von Gesetzten in bestimmten Ländern -- Interpretationsfunktion -> helfen bei Auslegung von unbestimmten Rechtsbegriffen/Grauzonen -- Verpflichtungsfunktion -> unterstreichen Bedeutung der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen -- Standardisierungsfunktion -> Vereinheitlichung von Maßnahmen guter ethischer UFührung -- Hilfefunktion -> Orientierung für aufgeschlossene Akteure und für die Praxis - viele der Kodices richten sich an internationale Unternehmen aufgrund bspw. Globalisierung - Global 8 (Regelsysteme, ILO-Konventionen, OECD-Leitsätze, UN Global Compact, ISO 14001, SA 8000) - SA 8000 -- Sozialstandard geht auf eine Initiative einer amerikanischen Verbraucherorganisation zurück -- Entwicklung in Multistakeholderprozess (unter Beteiligung von Vertretern versch. Branchen, Gewerkschaften, Verbänden, usw.) -- Sozialstandards stark von bestehenden Kodices/Konventionen geprägt (bspw. der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen) und zielen auf Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Produktionsprozess ab -- Verbote = Kinder- und Zwangsarbeit, Diskriminierung, Lohnkürzungen, körperliche Strafen -- Förderung= gesunde sichere Arbeitsbedingungen, Gewerkschaftsfreiheit, Mindestlöhne  - Global Compact -- formal etabliert auf Initiative des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan im Jahr 2000 -- ist nicht als ordnungspolitisches Instrument oder Verhaltenskodex zu verstehen, sondern als werteorientierte Plattform zur Förderung institutioneller Lernprozesse -- im Mittelpunkt das Ziel Unternehmen im Bereich von Menschenrechten, Arbeit, Umwelt und Korruptionsbekämpfung zu vorbildlichen Handeln anzuregen -- soll bewährte und gültige Verhaltensweisen/Grundprinzipien aufzeigen, Verbreitung ermöglichen -- Mittel der Durchsetzung -> Macht der Transparenz und des Dialogs -- Unternehmen, die dem Pakt beitreten, verpflichten sich zur Einhaltung der Prinzipien -- deutsche Teilnehmer organisieren sich seit 2001 im Deutschen Global Compact Netzwerk -- weist knapp 200 Unternehmen aus, die sich freiwillig verpflichtet haben -- 10 Prinzipien eingeteilt in 4 Kategorien (Menchenrechte, Arbeitsstandards, Umwelt, Korruption) jeweils Kategorien respektieren, ausbauen, anwenden, und nicht missachten, schlechte Dinge bekämpfen
  • Diskursive Unternehmensethik (Steinmann/Löhr) - Ansatz basiert auf Diskursethik (kommunikative Ethik, Dialogethik) und Konstruktivismus und setz ebenfalls an der Mesoebene an - unterstellte Notwendigkeit einer ethischen Selbstverpflichtung von U. ist aus den Steuerungsgrenzen des Rechts zu begründen, 4 Problemfelder: -- Time-lag-Problem (Rechtsnormen können nur verzögert auf Konflikte reagieren) -- Abstraktionsproblem (Vielzahl unbestimmter Rechtsbegriffe bieten oft keine Hilfestellung) -- Vollzugsproblem (durch Überlastung der Kontrollkapazitäten ist Einhaltung gelt. Rechts nicht immer möglich) -- Adressatenproblem (keine juristische Anklage der Unternehmensmitglieder aufgrund von intransparenten Entscheidungsstrukturen und hoher Arbeitsteilung) - Gewinnprinzip wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt -> es geht darum mit welchen Mitteln Gewinne erzielt werden -> situative Beschränkung des Gewinnsprinzips (bei ethischen Konflikten) - 3 Szenarien zur Einschränkung des Gewinnprinzips: -- Maßnahmen zur Gewinnerzielung haben explizite ethische Basis = Produktion umweltfreundlicher Produkte, nicht umweltfreundliche P. würden boykottiert werden -> Kein Konflikt zwischen Ethik und Gewinnprinzip -- Nicht alle effizienten Strategien erweisen sich als ethisch vertretbar = ethisch vertretbare Strategie wählen (Konflikt) -- Maßnahmen sind von der Entstehung negativer externer Effekte begleitet = ethisch nicht vertretbar (Konflikt) - „Unternehmensethik umfasst alle durch dialogische Verständigung mit den Betroffenen begründeten bzw. begründbaren materialen und prozessualen Normen, ...." - Prozessuale Normen: personen- & situationsabhängig z.B. die Bildung von Ethikkommissionen - Materielle Normen: inhaltliche Vorschriften z.B. Unternehmenskodizes, Leitlinien zur MA-Führung - bei konkreten Entfaltung dieses Dialogs sind die folgenden Argumentationsregeln zu beachten: -- Unvoreingenommenheit (Bereitschaft, Vorurteile in Frage stellen), Nicht-Persuativität (Bereitschaft auf Apelle), Zwanglosigkeit (Verzicht auf Sanktionen), Sachverständigkeit (Gründe werden so vorgetragen, dass sie auf Zustimmung stoßen können) - Unternehmen sind demnach aufgefordert, ihre Organisationsstrukturen so zu gestalten, dass Dialog zwischen allen am unternehm. Handeln Betroffenen ermöglicht wird, Teilnehmer müssen über Wissen verfügen (Aus- und Fortbildungsmaßnahmen vielleicht hilfreich) - Hemmnisse, die ethische Reflexion des Einzelnen verhindern: -- Starke Arbeitsteilung -> Akteure nicht individuelle Personen, sondern primär Rollenträger  -- Strenge Verhaltenserwartungen, starke Gruppenkohäsion, unklare Prioritäten  - Tendenz zur Abschottung nach Außen -- Individuelle Schuldzuweisungen, die ihren Ursprung in Wirkungszusammenhängen klassischer Befehlshierarchien haben  - große Bedeutung der Führungsethik -> FK müssen Erwartungen erfüllen -- zielgerechten Lösung von betrieblichen Problemen, Gewährleistung des Zusammenhalts einer Gruppe, unternehmerische Strategie kritisch in Frage stellen, Impulsgeber für ethische Reflexionen, führender Dialog im Konfliktfall
  • Ethikfreundliche Unternehmenskultur, ist UK steuerbar? - Unternehmenskultur manifestiert sich danach in der Summe der von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen erlernten, als selbstverständlich akzeptierten, weitergegebenen und im Unternehmensalltag praktizierten Grundannahmen. - Diese sind historisch gewachsen und entwickeln sich täglich weiter. - Sie prägen zum einen das Denken und Handeln in der unternehmensinternen und -externen Interaktion. - Zur weiteren Veranschaulichung von Unternehmenskultur genießt das Drei-Ebenen-Modell von Edgar Schein große Popularität. Hier wird deutlich, dass ein Großteil dessen, was zur Unternehmenskultur zählt, a priori nicht sichtbar bzw. nur schwerlich offenzulegen ist (Symbole -> Normen -> Grundannahmen). - Fragt man nach den Möglichkeiten (oder gar Grenzen) einer systematischen Gestaltbarkeit dieser Komponenten, so lenkt dies den Blick zunächst auf einen sehr wichtigen Aspekt, nämlich der Unterscheidung zwischen „starken“ und „schwachen“ Unternehmenskulturen. - Starke Unternehmenskulturen zeichnen sich in der Regel durch folgende Eigenschaften aus: -- Prägnanz, Verbreitungsgrad, Verankerungstiefe, Persistenz. - Kehrt man im Lichte solcher Befunde zu der Frage zurück, ob und inwieweit Unternehmenskulturen Gegenstand systematischer Aktivitäten sein können, selbige also als gestaltbar gelten können, so wird man in der Fachliteratur mit zwei Extrempositionen (dem „Variablen-Ansatz“ und dem „Metaphern-Ansatz“) konfrontiert. - Die integrative Perspektive vermittelt dabei zwischen diesen beiden Perspektiven. - Die Variablenperspektive geht von einer prinzipiellen Gestaltbarkeit der Unternehmenskultur aus. - Damit wird unterstellt, dass die Unternehmenskultur eine von vielen internen Organisationsvariablen verkörpert und deswegen eine instrumentelle Gestaltungsvariable des organisatorischen Handelns ist. - Typisch für diesen Zugang waren bzw. sind bis heute Versuche, das Konzept der Unternehmenskultur inhaltlich zu detaillieren. - Der Metaphernansatz der Unternehmenskultur nimmt zur Frage der Gestaltbarkeit von Unternehmenskulturen eine diametrale Position ein und verneint diese fast gänzlich. - Im Mittelpunkt steht dabei das Argument, dass eine Unternehmenskultur nicht wirklich existiert, sondern dass es sich hierbei um ein soziales Konstrukt handelt, dass auf sich selbst bezogen ist, sich selbst reproduziert und seine Identität nur durch innere Zusammenhänge aufrechterhält. - Mit der integrativen Perspektive wird schließlich eine vermittelnde Position zwischen diesen beiden Extremen bezogen. - Damit wird die Möglichkeit eines Managements von Unternehmenskulturen grundsätzlich bejaht, gleichzeitig aber auf die diesbezüglich geltenden engen Grenzen verwiesen.
  • Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship - Corporate Social Responsibility -- geistiger Vater Howard R. Bowen und dessen im Jahr 1953 veröffentlichte Publikation "Social Responsibilities of the Businessmen" -- thematisierte Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen -- mündet in Einsicht, dass Unternehmer auch für außerökonomische Konsequenzen Verantwortung übernehmen müssen (nicht nur für Generierung von Profiten) -- im Gefolge des wissenschaftlichen Diskurses wurde von Archie Caroll 1979 ein CSR-Konzept entwickelt, dass bis heute als CSR-Standardmodell gilt -- 4 aufeinander aufbauende Verantwortungsebenen eines Unternehmers - Profitabilität bildet zentrale Grundlage der Verantwortung von Unternehmen (Make Profit) -> Ebene Ökonomische Verantwortung - anschließende rechtliche Verantwortung verengt die ökonomische Handlungsgebote auf den Bereich des rechtlich Zulässigen (Obey the law) -> Ebene Rechtliche Verantwortung -  wegen bekannten Unzulänglichkeiten Erweiterung um eine ethische Ebene (alles was allgemein von der Gesellschaft über ökon. und rechtl. Erwartungen hinaus erwartet wird) (Be ethical) -> Ebene Ethische Verantwortung - Philanthropische Verantwortung an der Spitze des Modells = Handlungen die zur Förderung des Gemeinwohls beitragen -> also Aktivitäten, die im Ermessen des Unternehmens liegen und die Qualität des Lebens der Angestellten, usw. verbessern -> wird in einem ethischen oder moralischen Sinn nicht erwartet (Be a good citizen) - Konzept meist freiwillige Integration sozialer und ökologischer Belange innerhalb der Unternehmenstätigkeit - selbstverpflichtende Investition, die über die Einhaltung gesetzlicher Regelungen hinausgeht - Corporate Citizenship -- alle Aktivitäten, bei denen Unternehmen in das gesellschaftliche Umfeld investieren und dadurch eine gestaltende Mitverantwortung übernehmen (auch im ordnungspolitischen Bereich) -- meist in regionalen Projekten zusammen mit NGOs -> Aktivitäten außerhalb des betrieblichen Kerngeschäftes (beim CSR mehr im betr. Kerngeschäft) -> Ausbau von sozialem Kapital in Form von Projekten -- derartiges Engagement kann als Forderung nach einem neuen Gesellschaftsvertrag erklärt werden, der eine Neu- bzw. Umverteilung der Rechte und Pflichten von Bürgern, Staat, Unternehmen zum Gegenstand hat - In Abgrenzung zum Konzept der Corporate Social Responsibility, dessen Verantwortungsspektrum mehr im betrieblichen Kerngeschäft lokalisiert wird, steht der Begriff Corporate Citizenship für Aktivitäten außerhalb dieses Bereiches. - folgende Aktivitäten zählen zum Standardrepertoire des CC: -- Corporate Giving (freiwillige Spenden und Sponsoring) -- Corporate Volunteering (Days of Service / Freistellung von Mitarbeitern für gemeinnützige Organisationen) -- Community Roundtables (Bildung von runden Tischen, die als Basis zur gemeinschaftlichen lokalen Planung von Aktivitäten dienen) -- Corporate Foundation (Gründung unternehmenseigener Stiftungen mit gemeinnütziger Ausrichtung) -- vom Unternehmen ergänzte Mitarbeiterspenden (Employee Matched Giving) -- mit einem ethischen Zweck gekoppelte Produktwerbung (Cause Related Marketing) -- Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand (Public Private Partnership) -- denkbar ist außerdem der Einsatz von Kontakten (Social Lobbying) und die Auftragsvergabe an soziale Organisationen (Social Commissioning)