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Corporate Governance (Fach) / Lektion 02 (Theoretische Grundlagen des CG-Diskurses) (Lektion)
CG
Diese Lektion wurde von Dennis1602 erstellt.
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- Property-Rights-Theorie - Verteilung und Gestaltung von Verfügungsrechten -> Wert eines Gutes = physische Eigenschaften + Verfügungsrechte - Wert eines Gutes ist umso geringer je stärker Rechte institutionell eingeschränkt und/oder auf verschiedene Akteure verteilt werden - Erwerb + Durchsetzung von Verfügungsrechten ist immer mit Kosten verbunden - Eigentümer geführte Unternehmen = optimale Allokation von Verfügungsrechten -> AGs sind ineffizient - Konzept des methodologischen Individualismus -> Ineffizienzen durch heterogene Zielsysteme innerhalb dieser Gruppe noch verschärft werden (so beispielsweise durch unterschiedliche Zeithorizonte bei der Realisierung ihrer Verzinsungserwartungen)
- Transaktionskostentheorie - Probleme bei Gestaltung und/oder Verteilung von Verfügungsrechten = Transaktion im Mittelpunkt der Analyse - Abwicklungsformen zwischen den Extremen Markt und Hierarchie - Transaktionskosten -> vor Vertragsabschluss = ex-ante Transaktionskosten -> nach Vertragsabschluss = ex-post Transaktionskosten - Verfeinerung des Problems durch Faktorspezifität, Unsicherheit und Häufigkeit von Transaktionen - Transaktionskostentheorie nützlich aus 2 Gründen: -- gibt Hinweise zu Möglichkeiten und Grenzen einer gesetzlichen Regulierung des CG-Problems -> nur dann sinnvoll, wenn die damit erzeugten Transaktionskosten niedriger sind als die einer marktlichen Koordination -- sensibilisiert mit Konzept der fundamentalen Transformation für die dynamischen Aspekte bei der Übertragung von Eigentumsrechten. Das damit angesprochene Problem erscheint bei einer chronologischen Betrachtung von Transaktionen ausgesprochen plausibel. - Übertragung von Eigentumsrechten vor Vertragsabschluss = Konkurrenzsituation im Sinne eines Polypols - Nach Vertragsabschluss = bilaterales Monopol -> bindet beide Parteien = Lock In Effekt - Beide Parteien müssen Investitionen tätigen = Quasi Renten - Hold-Up möglich = Versuche der Vertragspartner zur Vereinnahmung dieser Quasi- Renten - Plausibilität = opportunistisches Verhalten der Marktakteure - spezifische Investitionen nach Vertragsabschluss im Umgang mit solchen Perspektiven als Sunk Costs keine Entscheidungsrelevanz mehr besitzen - Phänomen der fundamentalen Transformation findest Ausdruck in zwei extremen Szenarien: -- Probleme werden von Akteuren antizipiert werden -> finden Ausdruck in spezifischen Investitionen auf nur suboptimalem Niveau -- Lock-in-Effekt ist durch eine eher asymmetrische Machtkonstellation der Vertragspartner geprägt, die in der Erpressung des schwächeren Partners kulminiert
- Principal-Agent-Theorie - Delegationsproblem und ökonomische Konsequenzen wenn Handlungen delegiert werden - Konflikt zwischen Auftragnehmer (Agent) und Auftraggeber (Principal) - Ursache des Kontrollproblems = Asymmetrische Risiko-, Informations- und Interessenverteilung -- Hidden Characteristics, Hidden Information, Hidden Action, Hidden Intention - daraus ergeben sich Agency Kosten -- Überwachungs- und Kontrollkosten (monitoring expenditures) = Vom Prinzipal getragen -> Kosten der Ausarbeitung eines Vertrages -- Gewährleistungskosten (bonding expenditures) = vom Agenten getragen -> Garantiversprechen die zu Entschädigungen führen -- Opportunitätskosten = Residual- bzw. Wohlfahrtsverluste = Differenz zwischen Handelsoptimum aus Sicht des Prinzipal und tatsächlichem Handlungsergebnis - Lösungsmechanismen der Principal-Agent Theorie -- Seiten des Prinzipals -> Screening und Mechanismen der vertikalen Integration -> Erstgenanntes Bezug auf informationslogistische Bemühungen zum Abbau Asymmetrien -> Zweitgenanntes fokussiert auf vertragliche Absicherung -- Seiten des Agenten -> Signaling -> Maßnahmen zur Erhöhung der Transparenz, so dass im Ergebnis vertrauensbildende Reputation erzeugt wird - Mechanismen zur Disziplinierung des Agenten: -- Pay for Performance Systeme (Entgeltformen, variable Beteiligung des Agenten am Ergebnis) -- Direkte Verhaltenssteuerung (kontrollfähige Verhaltensnormen, bei Verstoß Sanktionen) -- Effiziente Gestaltung von Informationssystemen (Berichts-, Dokumentations- und Rechenschaftspflichten, dadurch Erhöhung Transparenz und Erschwerung von Täuschungsversuche des Agenten)
- Verhaltensauffälligkeiten des Agenten - Empire Building = vom eigenen Einfluss- und Machtbereich Wachstumspolitik - Short Termisman = kurzfristigen Effekten ausgerichtete Führungsphilosophie - Quite Life = konfliktfreies Leben im Unternehmen, nicht durch kritische Entscheidungen beeinflusst - Hybris = Investitionsentscheidungen als unangemessen optimistisch erweisen - Herding = Tendenz zum Rückgriff auf Managementmoden, durch die das Erfordernis zur Entwicklung eigener kreativer Prozesse vermieden wird - Risikoarme Investitionspolitik = Tendenz zur Begrenzung von Verlusten, die im Fall einer Unternehmensinsolvenz für die eigenen Investitionen eintreten könnten - Consumption on the Job = Formen des privaten Konsums von Unternehmensressourcen
- Principal-Agent-Theorie in Bezug auf Shareholder Value Konzept - Übertragung der PAT auf das CG-Problem führt zu eindeutigen Schlussfolgerungen - Mittelpunkt = Interesse der Eigentümer -> Zielgröße = Rentabilitätserwartung der Eigenkapitalgeber, also der Shareholder-Value - starke Nähe zum Shareholder Value Konzept -> 1986 Creating Shareholder Value mit kapitalgeleiteter Sichtweise des Unternehmens -> Operationalisierung an Finanzwirtschaft gekoppelt - zentrale Steuerungsgröße der SHV orientierten Unternehmung -> Discounted Cashflow (DCF) unter Verwendung von Net-Present-Value-Berechnungen - Shareholder Value = über DCF errechneter Unternehmenswert – Marktwert des Fremdkapitals - Wertetreiber zur Steigerung -> Umsatzwachstum, Gewinnmarge, Nettoinvestitionen in Anlage- und Umlaufvermögen, Ertragssteuern, Kapitalkosten - Shareholder Value Added (SVA) als Instrument zur Bewertung des Einflusses einzelner betrieblicher Entscheidungen auf die Veränderung des SHV, zusätzlich geschaffener SHV - Kritik an finanzwirtschaftlicher CG -> Homogenisierung der Eigentümerinteressen - Institutionelle Investoren und private Investoren -> heterogene zeitliche Präferenzen - Arrow Theorem -> schwer aus individuellen Präferenzordnungen eine kollektive Präferenzordnung ableiten - Free Riding Prämisse folgt auf Kritik der Homogenitätsprämisse -> Shareholder Value Konzept abhängig von Governance Mechanismen -- Negative Charakterisierung des Agentenverhaltens + am Eigeninteresse und Nutzenoptimierung ausgerichtetes Menschenbild -- Ausblendung Interessen anderer -- wachsende Anzahl von Gegenwürfen zur theoretischen Fundierung des CG Konzeptes
- Stewardship-Ansatz der CG - Wurzeln in Psychologie und Soziologie - Kritik an finanzwirtschaftlichem Ansatz des Bild des Managers als opportunistischer Akteur - in allen Punkten exakte Gegenposition zur CG-relevanten Verhaltenslogik des Agenten/Managers - nicht im Widerspruch zum Prinzipal, sondern agieren freiwillig als gute Verwalter des Unternehmens - Verneinigung prinzipieller Interessengegensätze zwischen Prinzipalen und Agenten - Motivation -> intrinsisches Ziel der herausfordernden und verantwortungsvollen Tätigkeit - Menschenbild nicht neu -> korrespondiert mit Konzept des Self-Actualizing-Man (Argyris 1973) - 4 grundlegende Ansprüche: -- an Maslows Modell angelehnten Logik der Bedürfnisstruktur -- Wunsch nach Aufgabenbewältigung und der Suche nach Entwicklungschancen -- Dominanz von Selbstkontrolle und selbstbestimmten Handeln -- Harmonie von Selbstentfaltung und Leistungsfähigkeit - Steward handelt nach begrenzt rationalen Maßstäben folgt individueller Nutzenmaximierung -> private und unternehmensbezogene Interessen fügen sich in die indiv. Nutzenfunktion des Managers - fundamental andersartiges Menschenbild -> CG-Problem erfährt völlig andere Interpretation - Trennung von Eigentums- und Verfügungsrechten wird völlig anders bewertet - Trennung wird nicht negativ gesehen, sondern als positive Entwicklung in der Unternehmensführung - gleichermaßen fundamental ist die Handhabung mit dem CG-Problem -> Vertrauen anstatt Kontrolle - Vertrauen = Erwartung, dass die Person sich aktiv bemüht, getroffene Vereinbarungen einzuhalten und Möglichkeiten zum Opportunismus nicht auszunutzen - Misstrauen = Erwartung, dass Person sich nicht an Vereinbarungen hält und Opportunismus ausnutzt - Vertrauensebenen (Nippa/Grigoleit) -- Wissensbasiertes Vertrauen = Verlässlichkeit von Informationen, Eigenschaften, Intentionen und Verhaltensweisen des Kooperationspartner -- Beziehungsbasiertes Vertrauen = Bewusstsein um Verlässlichkeit des Kooperationspartners -- Institutionenbasiertes Vertrauen = Rechtsbewusstsein, soziale Normen und Kultur - Schlussfolgerungen -> Agency-Theorie steht im Widerspruch zum Vertrauenskonzept und kann als Treiber eines Milieus von Misstrauen zwischen Akteuren erachtet werden - aufgrund dessen wird eine Intensivierung oder Verschärfung der traditionellen Kontroll- und Überwachungssysteme abgelehnt - Forderung nach Implementierung von Mechanismen, die die intrinsische Motivation mit Betonung auf Stärkung sozialer und moralischer Normen - bilanzierende Beurteilung seines Einflusses auf das CG-Problem nur bedingt möglich - Ansatz basiert auf einseitigem Menschenbild - Offen bleibt Frage nach Wechselwirkungen zwischen Macht, Ideologien und Konflikten - trotz Defizite findet der Ansatz immer häufiger Erwähnung z.B. "Perspektivenverschiebungen in der CG (Lippert 2008) -> Wandel im Rollenverständnis der Aufsichtsgremien -> CG- Systeme scheinen sich vom PA-Modell zu entfernen und auf ein Stewardship-Modell hin zu bewegen
- Stakeholder-Ansatz der CG - Stakeholder gehen nur dann Kooperation mit Unternehmen ein, wenn sie eine Risikoprämie erhalten, die eine Wertminderung des Unternehmens erzeugt - Stakeholder Ansatz geht auf Überlegungen von Chester Barnard zurück - koalitionstheoretischer Ansatz von Cyert/March -> Unternehmen = Koalition verschiedener Anspruchsgruppen - Anreiz-Beitrags Theorie von March/Simon -> stellt bilaterale Austauschbeziehungen in d. Mittelpunkt - Im Kern beinhaltet der Stakeholder-Ansatz die Forderung, dass neben den Shareholdern auch die Interessen anderer Stakeholder zu berücksichtigen sind. Aufgabe des Managements muss es daher sein, die Maximierung des Wertes der Vermögenspositionen aller Stakeholder zu berücksichtigen sowie die Berücksichtigung von Kontrollrechten für diese anzustreben. - Stakeholder = interne und externe Anspruchsgruppen (MA, Anteilseigner, Investoren, Kunden) - aufgrund von Menge an Stakeholdern -> Frage nach Handhabung des Umganges mit vielfältigen Zielen und Zielkonflikten - Konzept zur Operationalisierung des Stakeholder Konzeptes noch nicht verfügbar - unmöglich Formalziel aufgrund der Vielzahl zu formulieren - Stakeholder Value Added scheitert in Aggregation zu einer zentralen Zielgröße - Berechnungsschemata eignen sich allenfalls für Vergleich der Stakeholderkosten mit anderen U. - Nur die spezifischen Investitionen bestimmter Stakeholder gewährleisten die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit - zwei aktuelle Beispiele: -- Theorie der Teamproduktion = Kriterium der Faktorspezifität von Investitionen jener Stakeholder wird legitimiert, deren Anspruch im CG Kontext ökonomisch fundiert ist -- Diskussion um Konzepte der CSR = Frage nach Maßstäben und Inhalten einer nachhaltigen und/oder sozialverantwortlichen Ausrichtung der Unternehmensführung wird immer mehr als CG-Problem interpretiert
- Ressourcenorientierter Ansatz der CG - Ursprung in Ressourcen-Abhängigkeits-Ansatz von Pfeffer/Salancik - Unternehmen = Systeme von Ressourcenannahme und -abnahmeprozessen - Ressourcen von sozialer, ideeller oder materieller Natur und auch Werte wie Personalkompetenz - Verfügbarkeit = zentrale Voraussetzung zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben -> Erfordernis zum Aufbau von Austauschbeziehungen -> geprägt von Abhängigkeit und Unsicherheit - Abhängigkeit -- führt beim ressourcenabhängigen Unternehmen zu Kontrollverlust -- ressourcengebende Instanz gewinnt an Einfluss und Macht -- Ausmaß in dem ein Unternehmen von extern Akteuren kontrolliert /beeinflusst werden kann -- ext. Akteure haben dann Macht über ein U., wenn sie über Ressourcen verfügen, die für das U. wichtig sind -- Wichtigkeit der Ressource = abhängig davon, in welchem relativen Ausmaß sie benötigt wird - Unsicherheit -- Ausmaß der existentiellen Gefährdung eines U. angesichts möglicher Beschränkungen in der Ressourcenfähigkeit -> 3 Faktoren -- Ausmaß der Ressourcenkonzentration -- Knappheit der Ressourcen -- Intensität und Anzahl der Verbindungen, die zur Mobilisierung dieser Ressourcen für das Unternehmen notwendig sind - Beiträge zum CG-Konzept des Ansatzes besteht vor allem in Sensibilisierung für Machtkalküle - Ressourcenansatz = CG Komplex wird in Beziehung zu Ursprüngen und Merkmalen betrieblicher Wettbewerbsfähigkeit gesetzt - Einsicht dass bestimmte Ressourcen wichtig sind beim Aufbau von Wettbewerbsfähigkeit = Kernkompetenzen - Ausgangspunkt = Prämisse unvollständiger Faktormärkte -> im Ergebnis von Heterogenität im Unternehmen begleitet - betriebl. Ressource korrespondiert mit Kernkompetenz bei bestimmten Eigenschaften VRIO Heuristik -- Value, Ressource muss wertvoll sein, so dass das U. seine Effizienz/Effektivität steigern kann -- Rareness, Ressource muss selten, schwer akquirierbar, nicht transferierbar und handelbar sein -- (difficult to) Imitate, Ressource darf nicht oder nur schwer imitierbar sein -- Organization, Ressource darf nicht substituierbar sein, so dass potenzielle Wettbewerber sie nicht oder zumindest nur mit großem Aufwand ersetzen können - die Ressourcen gelten im strat. Management als Quelle nachhaltiger Wettbewerbsvorteile -> generieren höheren Unternehmenswert - CG-System im U. muss dazu beitragen die dynamischen Fähigkeiten zu fördern (Lernprozess zum Aufbau organisationalem Wissen) - Verlangen nach Kontrollinstrumenten wird durch Ressourcenperspektive relativiert - Überwachungskompetenzen sind allenfalls eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Akteure in Kontrollinstanzen - größere Gruppen mit heterogenem Qualifikationsprofil als Ideal -> Gruppenproduktivität - theoretische Konzepte zum CG Problem sind populär, aber decken das gesamte Spektrum nicht ab - Vielzahl anderer Ansätze wie Kulturansatz, Machtansatz, kybernetischer Ansatz
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