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33040 Bildung Erziehung Sozialisation (Fach) / Grundbegriffe (Lektion)
Fernuni Hageen Bildungswissenschaft Modul 1A
Diese Lektion wurde von Himmelskind erstellt.
- Geschichte der Bildungswissenschaft -seit der Antike war Pädagogik ein Teilbereich der philosophischen Fächer - 1779 – Gründung des Universitätsfaches Pädagogik in Halle – erster Lehrstuhl: Ernst Christian Trapp - Bis 1933 – Pädagogik im Rahmen der Lehrerausbildung – die Professuren meist mit Philosophie, Psychologie oder Philologie (Sprach- und Literaturwissenschaften) gekoppelt. - Während der nationalsozialistischen Herrschaft werden viele Professoren aufgrund ihrer jüdischen Herkunft entlassen. - Ab den 1960er Jahren - das Fach als Einzeldisziplin an den Universitäten. - Der Begriff Pädagogik - seit Ende 18. Jahrhundert bis zur Wende von 19. zum 20. Jahrhundert. - Der Begriff Erziehungswissenschaft – setzt sich in den 1960er Jahren durch – die Erforschung der Erziehungswirklichkeit mit primär empirisch-analytischen Methoden - Im Jahre 1984 sind 1000 Professorinnen und Professoren im Fach Pädagogik/Erziehungswissenschaft tätig. Es bildet das sechststärkste Fach an deutschen Universitäten.
- Teildisziplinen der Bildungswissenschaft - Allgem. Pädagogik - Empirische Bildungsforschung - Sozialpädagogik - Berufs- und Wirtschaftspädagogik - Schulpädagogik - Erwachsenenbildung - Sonderpädagogik - Pädagogik der frühen Kindheit - Interkulturelle Pädagogik - Freizeitpädagogik - Medienpädagogik - Friedenspädagogik - Sexualpädagogik
- Was ist eine Wissenschaft? Wissenschaft ist eine an allgemeinen Aussagen orientierte Deutungsweise von Mensch und Welt. Wissenschaft nutzt eine eigene, möglichst differenzierte Sprachform. Wissenschaft will die Phänomene und Zusammenhänge der Welt für den Menschen verstehbar und erklärbar machen, dabei begründet sie Gewissheiten und stiftet Ordnung. Sie versucht die Wirklichkeit zu erfassen (Wahrnehmung) und zu erklären (Deutung). Wissenschaft arbeitet methodisch z.B. mit empirischen und hermeneutisch-kritischen Methoden. Gewissheiten und Ordnungen werden im Laufe der wissenschaftlichen Entwicklungen brüchig und durch neue Annahmen ersetzt So führen Revisionsprozesse zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung hin zu neuen Theorien. Verschiedene wissenschaftliche Konzepte und Annahmen konkurrieren miteinander. Welche Deutung sich durchsetzt, ist auch von soziokulturellen Faktoren abhängig und auch eine Frage von Geltungskriterien, Machtpraktiken und Anerkennung. Ein wissenschaftlicher Ansatz, der sich durchsetzt wird zu einem Paradigma – einem maßstabsetzenden Muster, dem alle Ergebnisse und Denkansätze einer Wissenschaft fortan einverleibt werden. (ein gemeinsames Credo?) Radikale Veränderungen in der Wissenschaft führen zu Paradigmenwechsel. Rahmen und Ordnungen des Wissens geraten aus den Fugen und alles muss neu überdacht und umgedacht werden. Deutungen der Wissenschaft sind gebunden an ihre Zeit und Kultur Das derzeitige Paradigma der Bildungswissenschaft dürfte im Wesentlichen in der Orientierung an einer säkularisierten Weltdeutung und eines kritisch aufgeklärten Ethos bestehen.
- Was ist eine Theorie? Theorien schaffen einen Zusammenhang von Vorstellungen und ihren Begründungen. Mit Theorien deuten und erkennen wir unsere Welt, stiften Sinn und Zusammenhänge. Theorien geben Auskunft darüber, wie etwas ist und wie es sich verhält. Theorien dienen der Beschreibung, der Erklärung und der Vorhersage von Phänomenen. (MoBiWi) „Als Theorien lassen sich mehr oder weniger systematisch geordnete Aussagen über Sachverhalte in der Erziehungswirklichkeit verstehen, die sich auf solche Grundbegriffe [Erziehung, Bildung und Sozialisation] beziehen und diese zueinander in Beziehung setzten.“ (Koller 2010, S. 20) Es gibt keine theorielose Welt, denn „was wir ein Faktum nennen, muss immer schon in irgendeiner Weise theoretisch orientiert“ (Cassirer 1929/1954, S.477) sein. Die Welt ist geordnet und interpretiert mit Begriffen und Vorstellungen. Theorien haben in der Bildungswissenschaft die Funktion, etwas in einem Zusammenhang zu erkennen, was ohne sie schlichtweg nicht gesehen würde. Bildungswissenschaftler sehen durch ihre Theorien etwas, was kein anderer Wissenschaftler sieht. Sie haben eine „fachspezifische Brille“ auf, die es ihnen erlaubt, die Dinge ihrer Wissenschaft klarer, deutlicher und vor allem komplexer, vielschichtiger und kritischer zu betrachten, als es andere tun können. Sie können Phänomene voneinander abgrenzen und in ihrer pädagogischen Dimension verstehen.
- Wissenschaftliches Wissen Wissenschaft beschreibt die Summe eines geordneten und begründeten Wissens. Das aus den Methoden gewonnene Wissen muss intersubjektiv (für mehrere Betrachter gleichermaßen erkennbar und nachvollziehbar sein) begründet sein. Somit ist Wissen auf die subjektive Anerkennung der wissenschaftlichen Gemeinschaft angewiesen. Meinen = selbst nicht ganz sicher, ob sich etwas in bestimmter Weise verhält Glauben = die feste, eigene subjektive Überzeugung, dass sich etwas in bestimmter Weise verhält ohne den Anspruch zu stellen, dass jedermann die Art der Überzeugung teilen muss. Wissen = nicht nur die subjektive Überzeugung, dass sich etwas in bestimmter Weise verhält, sondern der objektiv gewisse Anspruch, dass jedermann es genauso sieht.
- Bildungswissenschaftliche Wissensformen: Wissenschaftliches Wissen, Professionswissen, Alltagswissen Pädagogisches Alltagswissen ist durch die eigene Sozialisation, durch Familie, Medien, Freunde usw. begründet. Es kann widersprüchlich sein. Sein Geltungskriterium ist nur, dass es irgendwie zur Bewältigung des Alltags beiträgt. Dem Professionswissen liegt die Ausbildung, ein Studium an der Universität oder Fachhochschule zugrunde. Es entwickelt sich im Berufsalltag im Austausch mit Kollegen und versucht Probleme mit Hilfe wissenschaftlich begründeter Konzepte zu lösen. Wissenschaftliches Wissen wird mit der Beschäftigung mit der Wissenschaft von Bildung erworben. Wissenschaftliches Wissen ist die Grundvoraussetzung für Professionswissen. Mit Hilfe der professionellen Standards, Beurteilungsschemata und Relevanzkriterien kann Professionswissen bewertet und weiterentwickelt werden. Das wissenschaftliche Wissen, das in Theorien erworben wird, hat die Aufgabe, diejenigen Distanzen zu schaffen, die für eine reflektierte Sicht der Praxis notwendig sind.
- Bildungswissenschaftliche Grundbegriffe Ein Begriff beschreibt und erfasst möglichst präzise ein Phänomen. Ein Begriff ist Teil einer Ordnung, die seine Bestimmung und Abgrenzung erst erlaubt. Begriffe erhalten ihren Sinn erst durch Theorien und Ordnungen, die mit diesem Begriff arbeiten. Grundbegriffe bilden einen Grund, von dem ausgegangen wird. Sie sind zentrale Ordnungskategorien der Theoriebildung. Grundbegriffe lassen sich mit einer Achse vergleichen, um die sich die Wissenschaft mitsamt ihrem Wissen, ihren Theorien und Begriffen dreht.
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