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organisationssoziologie (Fach) / Meyer, Rowan, DiMaggio, Powell und Folgestudien (Lektion)

Formalstrukturen als Mythen und Zeremonien

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  • Weswegen bleiben formale Strukturen ein Mythos? - in Organisationen gibt es formale Strukturen, die nicht oder nur sehr begrenzt mit ihrer Leistungsfähigkeit erklärt werden können - Organisationen repräsentieren sozial wertgeschätzte Ideen und Prinzipien: Gleichheit vor Gesetz, Wohlstand, Sicherheit, Frauenrechte, Minderheitenrechte, Umweltschutz - Organisationen repräsentieren diese Prinzipien in formalen Strukturen, ohne sie aber jeweils faktisch durchzusetzen -> Rechte, Werte und Prinzipien bleiben daher Mythos -> je mehr solche Mythen existieren, desto irrationaler die Organisation -> da sie die Leistungsversprechen nicht einlösen können
  • Wie lauten die vier Schritte der Moderinisierung und Umwelterwartungen? 1. Schritt: Rechte, Werte und Prinzipien enthalten weitverbreitete Auffassungen darüber, wie die soziale Realität beschaffen sein soll. Sie entstehen in der Organisationsumwelt - Erwartungen an Umwelt sind vielgestaltlich/widersprüchlich 2. Schritt: im Zuge der gesellschaftlichen Modernisierung (Mechanismen: Verdichtung und Verrechtlichung sozialer Beziehungen) werden immer mehr Rechte, Werte und Prinzipien formuliert: die Anzahl der Mythen wächst beständig3. Schritt: in Reaktion auf Rechte, Werte und Prinzipien entstehen formale Strukturen, entweder in Form ganz neuer Organisationen oder im Sinne der Ausdifferenzierung formaler Strukturen in vorhandenen Organisationen 4. Schritt: Aufbau formaler Strukturen verschafft Organisationen Legitimität in ihrer Umwelt, aber sie sind von der Umsetzung der Rechte, Werte und Prinzipien häufig entkoppelt -> Bestand in einer sich ständig wandelnden Umwelt soll gesichert werdenAber: Organisationen würden kollabieren, wenn sie sich zu stark in verschiedenen Rechten einsetzen würden -> Einrichtung von Büros/Zentralräten -> signalisiert Umwelt, dass sich gekümmert wird (ohne diese umzusetzen)
  • Entkopplung, Fassaden und Zeremonien? - Rechte, Werte und Prinzipien sind häufig nicht oder nur schwer kompatibel Beispiel Krankenhaus: betriebswirtschaftliches Gewinnprinzip vs. sozialpolitisches Fürsorgeprinzip - Organisationen reagieren auf inkonsistente/widersprüchliche Umwelterwartungen mit der Entkopplung von Formal- und Handlungsstruktur:1. Reduzierte oder mehrdeutige Zielformulierungen: Abschwächung von Zielformulierungen, z.B.: "Kranke werden behandelt" aber nicht :"Wir heilen Kranke"2. Abwälzung von Konsistenzerfordernissen auf informale Rollen: Ernennung von Schlichtern, ohne einen herausgehobenen formellen Status zu verleihen (würde man dies nicht tun, würde es ständig zu Konflikten/Streit kommen)3. Verwendung von Fiktionen und Versprechen von Reformen: Wege um widersprüchlichen Erwartungen auszuweichen - Organisationen reagieren auf inkonsistente Umwelterwartungen mit Fassaden und Zeremonien, z.B. ritualisierte Evaluation zur Vermeidung effektiver Kontrollen 
  • Wie bemisst sich die Rationalität von Organisationen? - die Rationalität von Organisationen bemisst sich in Relation zum Modernisierungsgrad ihrer Umwelt, weswegen ein negativer Zusammenhang zwischen dem Modernisierungsgrad der Gesellschaft und der Möglichkeit für Organisationen besteht, die im Zuge der Modernisierung gemachten Leistungsversprechen auch tatsächlich einzulösen - es ist für Organisationen im Sinne der Erreichung von Legitimität und zur Akquisition von Ressourcen rational, formale Strukturen auszubilden, die keine Steigerung von Effektivität und Effizienz bringen und zudem hohe Kosten verursachen, Anlass zur Einrichtung dieser Strukturen sind Umwelterwartungen
  • Was ist die Rationalität erster Ordnung? - an Weber (u. Chandler) orientierter Gedankengang Zu finden: in weniger entwickelten Gesellschaften (Bürokratie ist für Weber eine Errungenschaft der Gesellschaft, als sie noch wenig modern waren)Gründung/Etablierung von Organisation: schwierig, wenn nur unter staatlichem Schutz Rationalität: hoch, weil von der Umwelt keine hohen Erwartungen an sie gerichtet werden
  • Was ist die Rationalität zweiter Ordnung? - von Meyer aufgedeckt, Dinge, die sich durch die 1. Ordnung nicht erklären lassen Zu finden: in entwickelten/modernen Gesellschaften Gründung von Organisation: relativ einfach und unabhängig/außerhalb vom StaatRationalität: begrenzt, müssen aufgrund von Modernisierung und hohen Erwartungen Leistungsversprechungen machen, die nur zusätzliche Kosten verursachen aber nicht für die Steigerung der Effizienz und Effektivität sorgen -> Erstellen einer Organisation ist einfach, sobald sie gegründet ist, wird sie aber "bombardiert"
  • Was ist unter "Umwelt von Organisationen" zu verstehen? Zur Umwelt von Organisationen gehören: andere Organisationen, die zusammen ein organisationales Feld bilden:-> aus Interaktionsverdichtungen (zwischen Organisationen) bilden sich Strukturen, welche sich zu einem Feld formen -> Organisationen, die sich im Feld befinden, werden ähnlicher und ahmen sich nach
  • Welche Mechanismen sind dafür verantwortlich, dass sich bestimmte formale Strukturen innerhalb eines organisationeln Feldes ausbreiten? Drei außerwettbewerbliche Mechanismen führen zu isomorphen Formalstrukturen in Organisationsfeldern:- Zwang: staatliche Akteure entwickeln gesetzlich bewehrte Normen, die von den Untergebenen eingehalten werden müssen- Normativer Druck: Professionen entwickeln Standards, denen sich, in einem Organisationsfeld befindliche, Akteure nicht enziehen können - Imitation: Erfolgreiche Organisationen werden von anderen Organisationen nachgeahmt bzw. kopiert Beispiel: Eisenbahnen
  • Zwang, normativer Druck und Imitation in der Gesellschaft Zwang: Organisationen werden sich immer ähnlicherNormativer Druck: wenn man sich gegen den Zwang erhebt, steigt der normative Druck -> je mehr Organisationen eines Feldes mit staatlichen Einrichtungen interagieren, umso ähnlicher sind sie -> je umfänglicher die Beteiligung von Organisationseliten in Professionen, umso ähnlicher sind die Organisationen eines Feldes -> Angleichungsprozess, durch z.B. gleiche Prozedur bei Antragsstellung (Hochschulkontext: Anträge stellen)-> je mehrdeutiger die Ziele von Organisationen sind, umso eher orientieren sie sich an erfolgreichen Organisationen des Feldes
  • Worin liegt das Interesse der Folgestudien? (Edelman et al.) Das Interesse der Folgestudien: Wie kommt es dazu, dass die gesetzliche Vorschrift der Gleichbehandlung überhaupt umgesetzt werden kann? - Autoren überprüfen, inwiefern die gesetzlich verbriefte Gleichbehandlung am Arbeitsplatz ein Mythos der Arbeitswelt ist
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  • Welchen Ausgangspunkt hatte die Analyse? Inwiefern stellen Edelman et al. eine Erweiterung von Meyer/Rowan dar? -> Gesetze und Verordnungen sind häufig nicht präzise genug formuliert, um daraus konkrete Handlungsanweisungen zur Rechtsbefolgung ableiten zu können Erweiterung: Gesetze stehen nicht einfach als externe Instanz Organisationen gegenüber und regulieren deren Verhalten von außen
  • Was bedeutet "Endogenität des Rechts"? Die Auslegung von Gesetzen wird vielmehr durch das Handeln von Akteuren innerhalb eines Organisationsfeldes geprägt und erwächst mehr oder weniger direkt aus der Praxis des organisationalen Feldes
  • Womit wird die Gleichbehandlung in Organisationen formalisiert? Entstehung & Etablierung? - Gleichbehandlung wird mithilfe einer formalen Organisationsstruktur abgebildet: dem organisationsinternen Beschwerdeverfahren - Entstehung (des rationalen Mythos) dauerte etwa 20 Jahre: Vorstellung wurde etabliert, dass organisationsinterne Beschwerdeverfahren der Intention des Gesetzes am besten entsprechen - Gerichtliche Anerkennung durch Supreme Court: Beschwerdeverfahren werden als gesetzeskonforme Lösung von innerbetrieblichen Konfliktfällen in einem Grundsatzurteil anerkannt -> Klagen wegen Unzufriedenheit nicht erfolgreich
  • Weswegen segnen Juristen/Gerichte Beschwerdestellen ab? Wieso richten Unternehmen interne Beschwerdeverfahren ein? - Überlastung des Gerichts, winken Verfahren ab, damit sich zuerst die Organisationen damit beschäftigen (empirisch falsch) - Unternehmen richten interne Beschwerdeverfahren ein, um sich vor Klagen ihrer Mitarbeiter zu schützen -> hiermit sollen teure Zahlungen umgangen werden (Mitarbeiter sollen sich zuerst an die Beschwerdestelle wenden, bevor sie das Unternehmen verklagen)
  • Welche Ergebnisse konnten von Edelman et al. nachgewiesen werden? (Bezug zu DiMaggio/Powell u. zu Meyer/Rowan) Bezug zu DiMaggio/Powell:- Edelman et al. weisen nach, dass Organisationseliten (Professoren, Personalmanager, Juristen etc.) aktiv den Mythos konstruieren, dass Unternehmen durch die Etablierung interner Beschwerdeverfahren ihre Gesetzestreue demonstrieren können und dadurch vor externen Klagen geschützt sind (normativer Druck)- nach gerichtlicher Sanktionierung durch den Supreme Court kommt es zu einer großangelegten Isomorphie im organisationalen Umfeld (Zwang) -> Isomorphie: alle großen Unternehmen der USA haben zu der Zeit Beschwerdestellen Bezug zu Meyer/Rowan:- Edelman et al. zweifeln an, dass durch interne Beschwerdeverfahren der gesetzlich geforderte Grundsatz der Gleichbehandlung effektiv umgesetzt wird -> es kommt zu einer Entkopplung von Formal- und Aktivitätsstruktur
  • Folgestudie: Was untersucht Jang? Autor untersucht, welche Faktoren die Gründung von Wissenschaftsministerien erklären können Erkenntnis: je mehr NGO Bildungen, umso mehr Ministerien wurden gegründet-> Hypothesen empirisch überprüft (DiMaggio/Powell)Imitation: weniger entwickelte Länder ahmen erfolgreiche Nationalstaaten nachNormativer Druck: Isomorphie durch Imitation durch globalen Diskurs rationaler Wissenschaft überlagert