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Klinische I (Fach) / Paar- & Familientherapie (Lektion)
MF 7
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- Wie sieht die geschichtliche Entwicklung der Paar- & Familientherapie aus? (nur durchlesen) - 40er/50er Jahre in USA: z.B. Bateson u.a. arbeiten mit Familien Schizophrener o Bowen, Lidz, Midelford beschrieben Familientherapie-Ansätze o Virginia Satir gilt als „Mutter d. Familientherapie“ - 60er Jahre: S. Minuchin & J. Haley arbeiten mit Familien mit psychosomatischen Kindern - Minuchin gründet „strukturelle Familientherapie“ - Haley gründet „strategische Familientherapie“ - H.E. Richter gründet in den 60er Jahren dt. Tradition d. Familientherapie - 1967 M. Selvini Palazzoli gründet „Mailänder Schule“ - H. Stierlin wird Hauptvertreter d. psychoanalytischen Familientherapie - VT-Ansätze z.B. v. R. Liberman oder K.Hahlweg - lösungsorientierte (nicht problemorientierte) Therapie: S. de Shazer
- Wie sieht die familientherapeutische Perspektive aus? - nicht Patient (=Indexperson IP) ist krank, sondern Interaktionen mit Mitgliedern d. Bezugssystems (Familie, Freunde, Arbeitskollegen, usw.) & Beziehungsstrukturen innerhalb d. Systems sind fehlerhaft à verursacht Symptome d. Patienten - Analyse v. Allianzen & Koalitionen - Ziel: Veränderung d. Familienstruktur & -kommunikation - zentrale Frage: Welche Rahmenbedingungen innerhalb d. Systems sind zu verändern/erneuern, um Entwicklung hilfreicher Kommunikations- & Verhaltensformen zu unterstützen? - Pat. ist „Symptomträger“, Symptom = Lösungsversuch - Veränderung darf nicht nur an einer Stelle ansetzen
- Welche theoretischen Grundlagen hat die Paar- & Familientherapie? - systemische Therapie“ als Sammelbegriff untersch. theoret. Interventionsansätze, denen die Fokussierung auf Wechselbeziehungen innerhalb familiärer Systeme gemein ist o Subsysteme erfüllen bestimmte Funktion - einzelnen Teile d. Systems sehen in ständiger Interaktion & werden im Gleichgewicht gehalten (Homöostase) - Verhalten d. Einzelnen ist stets Ursache als auch Wirkung (Zirkularität) - System gilt als Gesund, wenn Subsysteme ihre Funktion erfüllen - zentrale Funktionen: Alltagsbewältigung & Aufgabenerfüllung Rollenverhalten Intimität Emotionalität Kohäsion Entwicklung d. Einzelnen Kommunikation Aufrechterhaltung d. Ganzen Kontrolle
- Welche 3 funktionalen Subsysteme des Systems Familie gibt es? Subsystem Ehesystem Funktion: gemeinsame Interessen, gegenseitige Unterstützung, Sexualität Maßnahmen zur Stützung: Kommunikationstraining, gemeinsame Aktivitäten, ggf. Sexualtherapie Subsystem Elternsystem Funktion: Schulter-an-Schulter-System (auf gleicher hierarchischer Ebene), Versorgung d. Kinder, Vorbildfunktion Maßnahmen zur Stützung: Elterntraining, Verstärkung, gegenseitige Unterstützung fördern Subsystem Geschwistersystem Funktion: soz. Lernprozesse unter Gleichberechtigten, Bündnisse (z.B. gg Eltern) Maßnahmen zur Stützung: als Gruppe ansprechen, gemeinsames Spiel, Förderung v. vorübergehenden Konfliktsituationen (z.B. gemeinsam gg Eltern)
- Wie wird die Familien- & Paartherapie angewendet? - Konzept d. System-Umwelt-Grenzen à Welche Grenzen hat System nach außen? - Überprüfung d. Grenzen & ihre Angemessenheit in der Therapie - Partner oder Familie stellen häufig Bezugsrahmen dar, weshalb systemische Therapie oft im Familien-/Paarsetting angewandt wird - allerdings auch Einbezug anderer Bezugssysteme denkbar (z.B. berufl. Umfeld) - auch systemische Einzeltherapie möglich (Verh. & Denken d. Anderen ist dabei hypothetisch)
- Welche Kriterien zur Einschätzung von Systemen gibt es? Besetzung & Funktionalität d. Subsysteme (Wer gehört zu welchem System? Welche Funktion erfüllt Subsystem innerhalb d. Gesamtsystems? Grenzen (diffus (durchlässig) vs. starr (minimaler Infoaustausch zw. Subsystemen) Beziehungen (Triaden: stabil vs. instabil oder pervers (z.B. Triangulation, wenn Eltern & Kind sich gg anderes Elternteil verbünden) Hierarchie (funktional (kompetente Mitglieder treffen Entscheidungen & setzen sie durch) oder dysfunktional (inkompetente Mitglieder geraden über ES, Zwänge etc. „nach oben“, z.B. Kinder) Entwicklungsstand (Entwicklungsphasen: Verliebtheit, Beziehung, Haushalt, Eheschließung, Geburt d. Kinder, etc.)
- Was bedeuten Symptome in der systemischen Therapie? - Symptom als ineffektive Lösung eines Problems - Symptom als Schutzfunktion - Symptom verschafft Macht - Symptom als symbolischer Hinweise auf andere Familienprobleme
- Welche Indikationen zur Paar- & Familientherapie gibt es? - wenn Problematik im interpersonellen Bereich liegt, also wenn System relevant für Entwicklung & Aufrechterhaltung d. Störung ist - Einbezug nur relevanter Personen o Voraussetzung: Systemmitglieder sollten motiviert werden können, das Problem als gemeinsames anzusehen & umzuformulieren
- Welche Kontraindikationen gibt es zur Paar- & Familientherapie? bei klar abzugrenzenden intrapsychischen Konflikten wenn das System nicht bereit ist, teilzunehmen wenn Qualifikationen seitens d. Therapeuten fehlen wenn Gefahr besteht, dass Offenheit später mit Gewalt, Missbrauch oder Repressionen beantwortet wird
- Was ist die Besonderheit bei Diagnostik & Therapie bei Paar- & Familientherapie? - bilden eine Einheit; keine strikte Trennung zw. Explorations- & Interventionsphase - diagn. Methoden (zirkuläres Fragen, Familienskulptur) haben häufig schon therapeutische Wirkung - zirkuläres Fragen: kein direktes Erfragen, sondern über Dritte (z.B. „Was denken Sie, was er denkt?“) - versch. standardisierte & psychometrisch evaluierte Verfahren zur Diagnostik o standardisierte Beobachtungsverfahren o Familienidentifikations-Test (FIT) o symbolisch-metaphorische Verfahren (Genogramm, Familienskulptur) o Familien-Systemtest (FAST)
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- Welche systemischen Behandlungsmethoden gibt es? zirkuläre Fragen kein direktes Erfragen, sondern über Dritte Beziehungen & Sichtweise d. Personen übereinander erfassen Familienskulptur Beziehungen & Verh. v. Familienmitgliedern zueinander symbolisch darstellen systemisches Verständnis über sich selbst & die Beziehungen zu anderen entwickeln Genogramm best. Symbole liefern „harte Fakten“ (Namen, Daten, Berufe, Krankheiten) & „weiche Infos“ (Glaubenssätze, Atmosphäre, Streitthemen) übersichtliche Darstellung v. komplexen Infos über Familiensysteme, durch parallele Erzählungen weitere Hintergründe erfahren Reframing Umdeuten einer Sit./von Verh., „einen anderen Rahmen geben“ neue Sichtweisen entwickeln, Umdenken, einen anderen Sinn geben Kommunikationstraining Kommunikationsfertigkeiten trainieren, typische Fehler aufdecken & beheben mehr/bessere Verständigung, zielorientierte Diskussionen, konstruktive Gespräche Joining Therapeut bindet sich in bestehende Strukturen ein, anstatt sie „von außen“ verändern zu wollen kooperatives Arbeitsbündnis zw. Therapeut & Klienten, tragfähige Vertrauensbeziehung
- Wie ist die therapeutische Haltung bei der systemischen Therapie? - respektvolle Allparteilichkeit ggüber allen beteiligten Personen (Systemmitglieder) o unabhängig o nicht wertend - ressourcenorientiert (z.B. funktionale Beziehungen, Kompromissfähigkeit, Zugehörigkeitsgefühl, usw.)
- Welche Merkmale unzufriedener Paare gibt es laut Bodenmann? - häufige Negativität, geringe Positivität - lange Konfliktdauer, häufige & schnelle Konfliktbereitschaft, die schnell eskalieren - häufige Missverständnisse, Divergenz zw. intendierten & rezipierten Kommunikationsinhalten - Nähe-Distanz-Problem - geringe Selbstöffnung
- Wie sieht Paar- & Familiendiagnostik laut Bodenmann aus? (nur durchlesen) Paardiagnostik dyadische Kommunikation Partnerschaftsqualität Machtverteilung dyadische Problemlösung Partnerschaftszufriedenheit Rollenverteilung Bindung Sexualität Vertrauen in Partner Erwartungen an Partnerschaft Problembereiche Familiendiagnostik Kommunikation Problemlösung Machtverteilung Struktur (Regeln, Hierarchie, Grenzen innerhalb d. Familie) familiäre Kohäsion Flexibilität/Adaptivität Familiengeheimnisse familiäre Tradierungen (Stammbaum)
- Wie sieht das EPL & ähnliche familientherapeutische Interventionen nach Hahlweg aus? - präventives Trainingsprogramm o Grundsatz: „Geheimnis zufriedener Paare ist das Gespräch“ o Partnerzufriedenheit durch Gesprächstraining & -regeln - Verhaltensanalysen - Maßnahmen zur Steigerung d. pos. Reziprozität - Maßnahmen zur Reduzierung d. Rate an neg., eskalierenden Interaktionen - Konfliktlösung (à klarer Leitfaden) - Veränderung dysfunktionaler Kognitionen - Therapieevaluation
- Welche Maßnahmen & regeln gibt es für positive Reziprozität & Kommunikationsverbesserung? - gegenseitige Wahrnehmungsübungen - „Verwöhntage“ - Kommunikationsverbesserung --> 10 Gesprächsregeln d. EPL Regeln für Sprecher Ich-Gebrauch konkrete Situationen ansprechen konkretes Verhalten ansprechen beim Thema bleiben Selbstöffnung Regeln für Zuhörer aufnehmendes Zuhören zusammenfassen offene Fragen Verstärkung v. gutem Gesprächsverh. Rückmeldung d. ausgelösten Gefühls
- Wie sieht die Paartherapie nach Bodenmann aus? systematisches Einüben neuer Kommunikations- & Problemlösestrategien: - Sensibilisierung für das Problem - Wissensvermittlung - Schaffung v. Veränderungsmotivation - Aufbau erforderlicher Kompetenzen, Paarübungen (z.B. „kontrollierte Konfliktgespräche“) - Training d. Kompetenzen im Alltag (Transfer) - Maßnahmen zur längerfristigen Aufrechterhaltung (im Sinne von Rückfallprophylaxe) Verhaltenstherapie mit Paaren: - setzt gezielt an für unzufriedene Paare typischen Reaktionsmustern an (festgefahrene Verhaltensweisen behindern konstruktive Lösungen)
- Welche verhaltenstherapeutischen Techniken der Paartherapie gibt es? - Kommunikations-, Konfliktlöse- & Problemlösetrainings - Entwickeln v. Erklärungsmodellen - Hausaufgaben - Kontingenzverträge & Verstärkung - gelenkte Dialoge - Bilanzierung - Rollentausch - Reziprozitätstrainings (VT-Komm.training v.a. für Paare) - Triangulierung
- Wie sieht die empirische Fundierung von Paar- & Familientherapie aus? - VT-Studien bestätigen Wirksamkeit d. Ansatzes - viele familientherapeutische Ansätze in VT-Ansätze/Konzepte integrierbar - wirkt bspw. bei o Schizophrenie (klarer präventiver Effekt bzgl. Symptomatik, Rückfall, stationäre Aufnahmerate, Medikamenten-Compliance) § neben KVT bestes psycholog. Verfahren bei Schizophrenie o affektiven Störungen, ES, psychischen & soz. Faktoren bei somatischen Krankheiten, Abhängigkeit & Missbrauch --> sozialrechtl. Anerkennung wird aber abgelehnt wg. fehlender Breite (Angststörungen, somatoforme Störungen) --> ähnlich begrenzte Anerkennung im Bereich Kinder & Jugendliche
- Welche Risikofaktoren für pS gibt es bei Kindern? kindliche Faktoren (genetische Faktoren/Temperament) soz. Faktoren (ALO, schlechte Wohnverhältnisse, Mangel an finanz. & soz. Unterstützung) elterliche Faktoren (Mangel an liebevoller Zuwendung & Bindung; inkonsistentes Erziehungsverhalten; harte Bestrafungen (z.B. körperl. Gewalt)) familiäre Faktoren (Depression d. Mutter; Konflikte zw. den Eltern)
- Was gilt es bei der Prävention von pS bei Kindern zu beachten? - bekannte RF & kindliche Entwicklung berücksichtigen - wiss. überprüfte Erziehungskonzepte - evidenzbasiert - geringe Schwelle - Mütter & Väter erreichen - Hilfe zur Selbsthilfe bieten - günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis