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Klinische I (Fach) / psychodymanische Therapien (Lektion)

MF 6

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  • Welche Differenzierungen gibt es bei der psychodynamischen Psychotherapie? -       Oberbegriff f. versch. Therapieformen, die alle aus PA (Freud) hervorgegangen sind o   PA o   analytische PT o   tiefenpsycholog. fundierte PT o   psychodynamische Kurzzeittherapie -->„Ein-Personen-Psychologie“: geschlossenes, intrapsychisches System im Fokus (Triebtheorie, Ich-Psychologie) --> „Zwei-Personen-Psychologie“: Beziehungserfahrungen im Fokus (Selbstpsychologie, Objektbeziehungstheorie) --> intersubjektive Wende (Paradigmenwechsel Ende 80er) o   Selbst ≠ intrapsychische Struktur o   Selbst = Resultat v. wechselseitiger „intersubjektiver Bezogenheit“ o   entsteht im Hier und Jetzt --> wiss. Beirat PT (WBT): trotz d. Differenzierung anhand theoretischer Annahmen bieten bestehende Unterschiede keine wiss. Grundlage, die versch. Verfahren als unterschiedlich anzusehen & werden deswegen als ein Verfahren angesehen!
  • Wie sieht Geschichte & Grundlagen bei der Ein-Personen-Psychologie aus? -       Begründer d. PA: Nervenarzt S. Freud (1856-1939) -       Freuds Weg & Werk: o   von Hypnose zu PA o   kontinuierliche Weiterentwicklung d. PA o   mehrere Fassungen v. Konzepten o   kein in sich geschlossenes & widerspruchsfreies Gesamtwerk o   im Zentrum steht Konzept d. Unbewussten mit Anwendung auf: normale Entwicklung d. gesunden Seele Psychopathologie PT (Aufklärung verborgener Krankheitsprozesse) Sozial- & Kulturtheorie o   seit 1905 („Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“): Entdeckung d. infantilen Wurzeln d. Neurosen --> Triebtheorie (=psychoanalytische Entwicklungstheorie) ABER: handelt sich um Schlussfolgerungen aus psychoanalytischen Behandlungen v. Erwachsenen à rekonstruktive Entwicklungstheorie
  • Wie sieht der psychische Apparat bei der Ein-Personen-Psychologie aus? topografisches Modell („Die Traumdeutung“, 1900): -        Lustprinzip: Funktionsprinzipien d. Unbewussten -        Realitätsprinzip: Funktionsprinzipien d. Bewussten 3 Instanzen-Modell („Das Ich & das Es“, 1923): o   Annahme: Erleben, Handeln & denken wird v. unbewussten & dynamischen psychischen Kräften beeinflusst Es = Triebe; instinktive Bedürfnisse Ich = Denken, Wahrnehmung, Steuerung, Abwehrmechanismen Über-Ich = elterliche & gesellschaftliche Werte, Ge- & Verbote, Moralvorstellungen
  • Welche entwichlungsspezifischen Konflikte gibt es bei der Ein-Personen-Psychologie? Phase: oral Alter: bis 18 Monate dominanter Trieb: oral Ziel: orale Triebbefriedigung Objekt: Mutter Störung: durch geringe Triebbefriedigung, durch zu starke Triebbefriedigung Störungsbilder: Süchte, Depr., Schizophrenie Phase: anal Alter: 18 Monate - 3 Jahre dominanter Trieb: anal Ziel: Triebbefriedigung durch Abgabe/Zurückhaltung d. Ausscheidung (libidinös, destruktiv) Objekt: Mutter Störung: durch geringe Triebbefriedigung, durch zu starke Triebbefriedigung Störungsbilder: Zwänge, Perversionen, PkS Phase: phallisch Alter: 3-7 Jahre dominanter Trieb: genital Ziel: libidinöse Triebbefriedigung (Jungen wünschen Mutter als Liebesobjekt, Mädchen wünschen Vater als Liebesobjekt) Objekt: das andere Geschlecht (Vater, Mutter) Störung: durch Konflikte mit dem anderen Elternteil, durch Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil (Ödipuskonflikt) Störungsbilder: Neurosen (Ängste, Phobien, Hysterie) Phase: Latenzphase Alter: ab 7/8 Jahren Phase: genital Alter: Adoleszenz
  • Wie sieht die Zwei-Personen-Psychologie aus? (von z.B. Kohut) -       Interesse weg v. Trieblehre (=psychosex. Entwicklung d. Kindes & dessen innerseelische Konflikte, z.B. Ödipuskomplex) -       stattdessen hin zu frühen zwischenmenschl. Beziehungserfahrungen: o   von Trieben motiviert o   zeichnen sich in inneren Objekten ab (Basis f. Entwicklung d. Selbst) -       Fokus: Entwicklung d. Struktur d. Selbst (=selbstreflektierter Teil d. Ich) -       Ziel: narzisstische Homöostase (=stabiles Selbstwerterleben; kohärentes, autonomes Grundgefühl v. eigenen Selbst & dessen Wert) -->mütterl. Empathie als Voraussetzung f. Entwicklung v. gesundem Selbstgefühl
  • Wie sieht die Objektbeziehungstheorie von Klein & Kernberg aus? -       zentrale Idee: Beziehungen als Zentrum des seelischen Erlebens -       Postulat: psychische Strukturen entwickeln sich als Folge & Ergebnis v. internalisierten Objektbeziehungen: o   jede reale Begegnung mit Objekt wird verinnerlicht o   pathologisch verinnerlichte Objektbeziehungen à seelische Störung
  • Welche gemeinsamen Grundlagen psychodynamischer Behandlungsverfahren gibt es? -       psychischer Determinismus = unbewusste Bedürfnisse einer Person beeinflussen Wahrnehmung, Gefühle & Verhalten mit -       Einzigartigkeit = scheinbar gleiches Symptom bei untersch. Personen kann jew. andere psychodynamische Ätiologie haben -       fließender Übergang zw. Gesundheit & Pathologie = Kontinuum v. Gesundheit & neurotischer Pathologie o   Unterschied ist quantitativ o   jeder kann sich unter best. Bedingungen über kurz oder lang auffällig verhalten -       Abwehrmechanismen = Anwendung, um schmerzhafte, unangenehme Gefühle v. Bewusstsein fernzuhalten o   unbewusst ablaufender Prozess o   gewährleistet psychisches Gleichgewicht -       innerpsychischer Konflikt = durch gegensätzliche Forderungen ausgelöster Konflikt o   kann großen Einfluss auf Seelenleben haben o   „neurotische Symptombildung“ als Folge v. nicht hinreichender Fernhaltung d. Konflikte vom Bewusstsein durch Abwehrmechanismen -       Symptom = entweder Lösungsversuch v. unbewusstem innerpsychischem Konflikt oder Ausdruck von strukturellem Defizit - Kindheit
  • Welche Abwehrmechanismen gibt es? Verdrängung (erschwert bewusstes Erinnern) Verleugnung (nicht d. Wunsch wird abgewehrt, sondern ein Ausschnitt d. Realität wird verzerrt wahrgenommen) Spaltung (inkompatibles Verhalten wird auf versch. Personen oder Situationen verteilt) Projektion (eigene Impulse werden dem Gegenüber zugeschrieben) Rationalisierung (intellektuell-analytische Erklärung für unbewusste Impulse) Identifikation mit dem Aggressor (bei traumatischen Erfahrungen wird Angreifer als Modell & als berechtigt schädigend erlebt)
  • Wie sieht die Entwicklung & die Verfahren der psychodynamischen Diagnostik aus? -       lange Zeit grundsätzlicher Verzicht auf „objektive Methoden“ -       aktuell: Bevorzugung weniger strukturierter Vorgehensweisen o   ermöglicht dem Pat. d. Gesprächsverlauf („Szene“) unbewusst zu gestalten dem Therapeuten die subjektive Realität d. Pat. & dessen Beziehungsgestaltung zu erfassen (àfür Diagnostik relevante Infos) -       Richtungsänderung: operationalisierte psychodynamische Diagnostik (OPD, 1996)
  • Was ist die OPD? o   entwickelt zur strukturierten Erfassung d. psychodynamischen Diagnostik o   zunehmender Einsatz als psychodynamische Ergänzung zu deskriptiven/phänomenologischen Diagnosemanualen (ICD-10; DSM-V) o   2006 erschienene 2. Version (OPD-2) ist kein rein diagnostisches Instrument mehr, sondern zusätzlich dienlich für unmittelbare Therapieplanung Ressourcenerfassung Veränderungsmessung o   5 Achsen d. OPD:  1. Krankheitserleben & Behandlungsvoraussetzungen 2. Beziehung 3. Konflikt 4. Struktur 5. psychische & psychosomatische Störungen gemäß ICD-10
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  • Welche Arten von Konflikten gibt es bei der OPD? -       Individuation vs. Abhängigkeit (Autonomie vs. Geborgenheit) -       Unterwerfung vs. Kontrolle (Hingabe vs. Macht) -       Autarkie vs. Versorgung (Passivität vs. Aktivität/Selbstständigkeit) -       Selbstwertkonflikt (Idealisierung anderer Selbstentwertung & Minderwertigkeit) vs. kompensatorische Selbstidealisierung -       Schuldkonflikt (Schuldannahme vs. Ablehnung v. Schuld) -       ödipal-sexuelle Konflikte -       Identitätskonflikt (Empfindung vs. Überspielen v. Identitätsunsicherheit)
  • Welche psychodynamischen Therapieverfahren gibt es? -        Psychoanalyse -        analytische PT -        tiefenpsychologisch fundierte PT -        psychodynamische Kurzzeittherapie
  • Welche gemeinsamen Bestrebungen haben die versch. psychodynamischen Therapieverfahren? -       Ziel untersch. psychodynamisch orientierter Ansätze: o   Herstellung v. sinnvollem Zus.hang zw. vergangenen Erfahrungen & ggwärtigem Erleben o   Förderung d. Einsicht d. Pat. in seine Gefühle, Erlebens- & Verhmotive, um Verständnis f. akt. Schwierigkeiten zu entw. à Selbstakzeptanz -       Fokus d. Behandlung: o   Aufdeckung d. unbewussten Hintergründe, die ursächlich für Symptomausbildung sind (oft nicht Symptom selbst) -       angewandte Methodik: Hermeneutik (=deutendes & interpretierendes Vorgehen)
  • Wie geht man bei der Psychoanalyse vor? -       Frequenz, Dauer & Sitzungsanzahl unbegrenzt; Setting: im Liegen -       Ziel: Veränderung d. Persönlichkeitsstruktur d. Pat. -       Basis: Aufbau v. intensiver emotionaler Beziehung zw. Analysand & Analytiker -       Aktivierung, Wiedererleben & Korrektur vergangener Beziehungserfahrungen & Konflikte durch die Beziehung zum Analytiker („Übertragung“: emotional korrigierende Erfahrung) -       Fokus: subjektives Realitätserleben d. Pat. o   Regressionsprozess zentral (=zeitlich begrenzter Rückzug auf frühere psychische Entwicklungsstufen) o   Funktion d. Liegeposition:  Abschirmung v. Einflüssen d. Analytikers Förderung d. Regression durch Verringerung d. Selbst- & Fremdkontrolle
  • Welche psychoanalytischen Techniken zur Bewusstmachung gibt es? -       freie Assoziation: Grundregel d. PA-Behandlung: kein Gedanke d. Analysanden soll unausgesprochen bleiben à ermöglicht, unbewusste Motive auszudrücken -       Klären (=klarifizieren): nachfragen, zusammenfassen & ordnen d. Materials, um Klarheit über subjektiv erlebte Realität d. Pat. zu erhalten -       konfrontieren: Hinweis auf widersprüchliche Aspekte, Widerstand, etc. -       deuten: Übersetzung d. Produktionen d. Pat. in ihre unbewussten Vorläufer mit dem Ziel, Zus.hang zw. manifestem Erleben & Verhalten & unbewussten Motiven, Wünschen herzustellen -       Übertragung: Wiedererleben vergangener Beziehungserfahrungen in der Beziehung zum Analytiker -       Gegenübertragung: bewusste & unbewusste Reaktionen d. Analytikers auf Analysanden & dessen Übertragung
  • Wie geht man bei der analytischen Psychotherapie vor? = Form d. PA, die den Rahmenbedingungen d. Versorgungssystems Rechnung trägt -       Fokus stärker auf Bewältigung d. Symptome & Störungen -       Prozess weniger tiefgreifend, trotzdem Anstreben v. „struktureller Änderung“ & nicht lediglich Symptomreduktion -       Techniken mit PA vergleichbar -       Dauer: 1-3 Jahre -       Sitzungsanzahl: 80 bis 240 und max. 300 Sitzungen
  • Wie geht man bei der tiefenpsychologisch fundierten PT vor? -       Fokus: aktuelle Lebensbelastungen & aktuelle soz. & interpersonelle Beziehungen (aktuelle psychosoz. Konflikte) -       am häufigsten eingesetzte Form d. dynamischen PT (weniger intensiv & aufwändiger als PA): o   Frequenz & Dauer werden Bedürfnissen d. Pat. angepasst o   Sitzungszahl: 25 bis max. 100 (jeweils 50 Minuten) o   Setting: im Sitzen -       Position d. Therapeuten wesentlich aktiver: o   Interventionen können emotional unterstützend oder problemlösungsprozessfördernd sein o   fokussierteres Vorgehen o   nur eingeschränkt Nutzung v. Regression, Deutung, usw.
  • Wie geht man bei der psychodynamischen Kurzzeittherapie vor? -       Fokus: Behandlung eines klar definierten Problems, in kurzem, festgelegtem Zeitraum: o   Identifizierung der inneren unbewussten Konflikte in der Anfangsphase, die dem spez. zu behandelnden Problem zugrunde liegen o   therapeutische Interpretationen insb. auf die ggwärtigen Lebensumstände & das Patientenverhalten bezogen -       Frequenz & Dauer abhängig v. Absprache zwischen Therapeut & Patient -       Sitzungszahl: 8-25; Setting: im Sitzen
  • Wie sieht die psychodynamische Versorgungsrealität aus? -       in Dtld: psychotherapeutische Ärzte mehrheitlich psychodynamisch ausgebildet -       PP/KJP mehrheitlich VT -       psychodynamische Therapie sind sog. Richtlinientherapien & als solche kassenfinanziert -       Auseinandersetzungen derzeit um psychodynamische Langzeittherapie
  • Wie sieht die empirische Bewährung von psychodynamischen Verfahren aus? -       praktisch keine Belege für Wirksamkeit psychodynamischer Langzeittherapien o   2 Gründe: §  jahrzehntelange Verweigerung gg Outcome-Forschung §  Probleme mit Goldstandard: mind. KG-EG, Reliabilität/Validität -       Fazit nach Shedler: o   Belege, dass Pat. sich in psychodynamischen Kurzzeit-Therapien vergleichbar zu KVT verbessern o   Besserung dauert an o   Vermutung: Wirksamkeit anderer Therapien nicht theoriespezifisch, sondern Wirksamkeit beruht auf impliziter Psychodynamik
  • Welche Erklärungsmodelle der therapeutischen Wirksamkeit gibt es? -       Wirkfaktoren sind Beziehungsfaktoren -       Qualität d. therapeutischen Beziehung -       vertrauensvolles Klima -       empathische Haltung d. Therapeuten -       Vermittlung v. Zuversicht -       Glaubwürdigkeit d. Therapeuten -       Überzeugtheit d. Therapeuten v. Wirksamkeit d. Methoden
  • Wie sieht die empirische Bewährung von psychodynamischen Persönlichkeitsmodellen aus? -       Belege für Unbewusstes -       keine Belege für Triebtheorie & Entwicklungstheorie -       Persönlichkeitsmodelle nicht validierbar