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sozialstrukturanalyse (Fach) / 14-lebenslauf und alter (Lektion)
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- Opportunitätsstruktur Soziales Handeln findet also unter objektiv gegebenenRahmenbedingungen statt - die Opportunitätsstruktur. Siebesteht aus:– Gelegenheiten (Opportunitäten)– Behinderungen (Restriktionen)– Anforderungen• Die Opportunitätsstruktur beeinflusst, wie Akteure handelnkönnen und sollen; Beispiele:– Erreichbarkeit potentieller Partner (Partner- und Heiratsmarkt)– Erreichbarkeit sozialer Positionen (Arbeitsmarkt)• Dynamisches Modell: Mehrebenenmodell wird„hintereinandergeschaltet
- Mikro- Makro • Makroebene: Sozialstruktureller Wandel der Gesellschaft inhistorischer Zeit• Mikroebene: Handeln von Akteuren im Lebenslauf• Da Makro- und Mikroebene eng verknüpft sind, ändern sich mitdem sozialstrukturellen Wandel auch Lebensläufe
- Lebenslaufansatz: Drei Interdependenzen (1) Mikro-Makro-Interdependenz:– Lebensläufe vollziehen sich im Kontext verschiedener Ebenen vonHandlungsbedingungen und wirken auf diese zurück. Dazu gehören:gesellschaftlicher Kontext, soziale Einbettung in Gruppen, Organisationen,Netzwerke, Paar- und Familienbeziehungen(2) Interdependenz der Lebensbereiche:– Lebenslauf ist mehrdimensional: Lebensbereiche beeinflussen sichwechselseitig (Familie, Arbeit, Freizeit, Wohnen; individuelle Entwicklung)(3) „Vorher-Nachher-Interdependenz“:– Pfadabhängigkeit – frühere Erfahrungen, Handlungen und Entscheidungenprägen zukünftige Interessen und Handlungsmöglichkeiten; antizipierteEntwicklung des Lebenslaufs wirkt auf aktuelle Entscheidungen zurück
- Stammesgesellschaften: – Soziale Ordnung orientiert sich an leicht erkennbaren Merkmalen(Abstammung, Geschlecht, Lebensalter)– Altern ist eine Sequenz von Lebensphasen, die typischerweise primäran physisch definierten Merkmalen wie Pubertät, Menarche, Vater- undMutterschaft, Tod des Familienoberhaupts u.a. festgemacht werden– Wechsel von Lebensphasen ist ein Statuswechsel, eine Statuspassage– Der durch Geschlecht und Lebensphase determinierte Status bildet dieStruktur der gesamtgesellschaftlichen Ordnung
- Moderne Gesellschaften:Alter – Kulturelle Voraussetzung des Altersbegriffs ist die Zeitrechnung– Auch hier: Frühe Konzeptualisierungen von Zeit orientieren sich annatürlichen Zyklen (Tag, Nacht, Mondphasen, Jahreszeiten u.ä.)– Entwicklung zur verallgemeinerten Zeitrechnung, die arithmetischeOperationen ermöglicht (Jahr, Monat, Tag, Stunde, Minute,Sekunde)– Im 14. Jh. entsteht der Julianische Kalender, ein Zeitgerüst, dasarithmetische Operationen zulässt: Die gesellschaftliche Ordnungder Zeit wird zur zeitlichen Ordnung der Gesellschaft, Lebensläufewerden mit dem Geschehen einer bestimmten Gesellschaft(administrativ, geschichtlich, alltagspraktisch) verbunden.– „Alter“ meint chronologisches Alter
- „Alter“ als chronologisches Alter – Alter wird durch den Zeitpunkt der Geburt in einem bestimmtenJahr bestimmt– Mit dem Alter lässt sich rechnen: ein Sechzigjähriger ist doppelt soalt wie ein Dreißigjähriger– Subjektives Alter löst sich vom gesellschaftlich kodierten Alter, wieauch das subjektive Zeiterleben von der physikalischen Zeit– Daraus resultieren Irritationen über den Begriff des Alters
- Generationen und die Institutionalisierung des Lebenslaufs • Chronologisches Altersverständnis bestimmt administrative Routinen(Amtliche Statistik, wohlfahrtsstaatliche Einrichtungen)• Staatliche Vorschriften mit Altersbezug normieren unser Leben(Schuleintritt, Jugendschutz, Altersgrenzen der Erwerbstätigkeit etc.)• Soziologie: Institutionalisierung des Lebenslaufs– „Die Institutionalisierung des Lebenslaufs in der Moderne besagt, dassdurch kollektive, meist in Gesetzen fundierte Definitionen Personen einsich mit dem Alter verändernder Fundamentalstatus zugesprochenwird“ (121)– Besonders einschneidend: Mündigkeits- und Ruhestandsregeln, diedrei große Altersgruppen definieren („Kinder und Jugendliche“,„Erwachsene im Erwerbsalter“, „Alte“ bzw. Personen im Ruhestand)– Diese drei Altersgruppen stehen im Mittelpunkt der Sozialpolitik– Begriff der Generation
- Alter als gesellschaftliche Konstruktion und als soziale Zuschreibung • Unterschiedliche Lebensalter werden nicht primär an individuellenMerkmalen festgemacht, sondern sie sind gesellschaftlicheKonstruktionen und vermitteln einen sozialen Status, d.h. Rechte undPflichten• Neben altersorientierten Rechtsnormen gibt es „weichere“Altersnormen, z.B.: „Wer über 45 ist, hat bei uns keine Chance“• Solche Altersstereotype tragen z.B. dazu bei, dass ältere Arbeitsloseals „schwer vermittelbar“ eingestuft werden• Ruhestandsgrenzen haben sich so verallgemeinert, dass von Älterenkeine entgeltliche Arbeit mehr erwartet wird (dennoch sind sieveränderbar)
- Gesellschaftliche Altersproblematik • Alten Menschen ist es materiell, rechtlich und gesundheitlich noch nieso gut gegangen wie in den letzten Jahrzehnten• Familienbeziehungen sind noch eng, aber großzügigeAlterssicherungssysteme haben zu Ehe- und Kinderlosigkeit geführt:– Vorteile einer ununterbrochenen Erwerbstätigkeit für dieAlterssicherung, Erwerbschancen von Müttern sind beeinträchtigt– Polarisierung bei jüngeren Geburtsjahrgängen (lebenslangeKinderlosigkeit versus Familiengründung)• Niedrige Geburtenraten senken die volkswirtschaftlichen Kosten fürKinder, Kostenanstieg für den wachsenden Altenanteil schlägt erstetwa 40 Jahre später zu Buche: Generation der heute 50- bis 80-Jährigen lebt „in der besten aller Welten“
- Die wirtschaftlichen Perspektiven der Alten von morgen sind ungünstiger als für die Alten von heute – Zunahme des Altenanteils, aber kein größerer Anteil am Volkseinkommen– Ungleiche Erbschaften führen zu wachsender Ungleichheit unter den Alten– Polarisierung der privaten Lebensformen in solche mit Kindern undKinderlose (Ersatz durch andere soziale Beziehungen?)
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- Einfluss des demographischen Altern auf Politik? – Zunehmende Macht der Alten unter den Wählern– Zunehmender Einfluss der Alten in einflussreichen politischen Positionen– Aufkommen von Generationskonflikten• Kaufmann sieht keine gravierenden Auswirkungen auf dieLeistungsfähigkeit des politischen Systems
- Alter und demographisches Altern Kaufmann • Für die wirtschaftlichen Perspektiven ist weniger die “Überalterung“bedeutsam, sondern die „Unterjüngung“• „Humanvermögen“ (Leistungspotentiale auf dem Markt, in Familien,Vereinigungen und Parteien u.ä.) geht zurück,• daher wird das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt, ferner• Mentalitätsveränderungen, weniger Bereitschaft zu Innovationen (weilzu wenig Junge in den Arbeitsmarkt streben, die den EtabliertenKonkurrenz machen können) • Es ist unklar, welche Erwartungen und Leitbilder für die älterenMenschen relevant sind• Zusammenfassend: Das Interesse am Thema „Alter“ wird durch sozialeAmbivalenzen und Irritationen stimuliert– Spannung zwischen chronologischem Alter und Variabilitätsubjektiver Alterserfahrungen– Unschärfen beim Generationsbegriff (einerseits aufeinanderfolgendeGeburtskohorten mit spezifischer Prägung, andererseits die zueinem gegebenen Zeitpunkt Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Alte)– Unbehagen an Altersstereotypen– Aktuell günstige Lage der Alten im Vergleich zur erwartetenschlechten Lage der zukünftigen Alten– Politische Herausforderungen durch zunehmenden Altenanteil;problematisch ist aber der fehlende Nachwuchs, nicht derwachsende Anteil alter Menschen an der Bevölkerung