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sozialstrukturanalyse (Fach) / 11-Sozialkapital (Lektion)

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  • Bourdieu (1983): Kapital • Kapital ist akkumulierte Arbeit – in materieller oder verinnerlichter Form• Kapital ist eine Kraft, die dafür sorgt, dass nicht alles gleich möglich ist;– Gesellschaft funktioniert nicht wie ein Roulette (das würde bedeuten: vollkommene Konkurrenz,Chancengleichheit, keine Trägheit, jeder Augenblick ist unabhängig von allen vorangegangenen)(183)• Kapitalstrukturen haben ein Beharrungsvermögen, da sie durch Institutionenreproduziert werden. Diese sind ihrerseits auf Kapitalstrukturen abgestimmt.• Verteilungsstruktur von Kapital entspricht der Struktur der Gesellschaft.
  • • Drei bedeutsame Formen des Kapitals Boudieu 1) Ökonomisches Kapital (z.B. Vermögen)- Unmittelbar in Geld konvertierbar, Institutionalisierung: Eigentumsrechte2) Kulturelles Kapital (z.B. Bildung, Bücherbesitz)- Unter bestimmten Voraussetzungen in Geld konvertierbar, Institutionalisierung: z.B. schulische Titel3) Soziales Kapital (z.B. soziale Verpflichtungen oder Beziehungen)- Unter bestimmten Voraussetzungen in Geld konvertierbar,Institutionalisierung: z.B. Adelstitel
  • Drei Formen des kulturellen Kapitals, Bourdieu (1) verinnerlicht (inkorporierter): „Bildung“ – erfordert Zeit, körpergebunden, kanndeshalb nicht einfach weitergegeben werden, klassengebunden und Teil desHabitus,(2) Objektiviert: Schriften, Gemälde, Bücher etc., übertragbar materiell und durchEigentumsrechte, Aneignung setzt kulturelle Fähigkeiten voraus,(3) Institutionalisiert: schulische oder akademische Titel etc., sanktionieren,anerkennen oder garantieren kulturelles Kapital • Kulturkapital wird in Schule und Familie übertragen (u.a. Kritik amHumankapitalkonzept)
  • Def. Sozialkapital Bourdieu „Das Sozialkapital ist die Gesamtheit der aktuellen und potentiellenRessourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes oderAnerkennens verbunden sind; (…) es handelt sich dabei umRessourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen“.
  • Sozialkapital Bourdieu • Sozialkapital ist Mittel zur Erlangung persönlicher Ziele (instrumentelleFunktion des Sozialkapitals) • Das Gesamtkapital der Gruppenmitglieder dient allen als Sicherheitund verleiht ihnen Kreditwürdigkeit (191)• Sozialkapitalbeziehungen existieren auf Grundlage von materiellenund/oder symbolische Tauschbeziehungen• Sie werden auf unterschiedliche Weise gesellschaftlich anerkannt odergarantiert (Institutionalisierung). Beispiele:– Gemeinsamer Name (kennzeichnet Zugehörigkeit zu einer Familie, Klasse,Partei u.ä.)– Bestimmte Institutionalisierungsakte (prägen die Beteiligten undinformieren über Sozialkapitalverhältnisse, z.B. die Heirat) • Umfang des Sozialkapitals hängt ab von:– der Ausdehnung des Netzes von Beziehungen, die mobilisierbar sind– dem Kapitalumfang derjenigen, zu denen eine Beziehung besteht (191)• Profite, die sich aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ergeben, sind zugleichGrundlage für die Solidarität, die wiederum diese Profite ermöglicht (192).• Beziehungsnetze erfordern Institutionalisierungs- oder Beziehungsarbeit, z.B.durch Institutionalisierungsriten: gegenseitiges Kennen und Anerkennen (192)
  • Bourdieu (1983): Kapitalumwandlungen • Kapitalumwandlungen– Kulturelles und soziales Kapital können mit Hilfe von ökonomischem Kapitalerworben werden (195)– Dafür ist Transformationsarbeit nötig, z. B. Investitionen in Beziehungen– Ökonomisches Kapital liegt allen anderen Kapitalarten zugrunde, beiKapitalumwandlungen muss dies z.T. „verborgen“ werden (196)• Reproduzierbarkeit (Übertragbarkeit) von Kapital– Risiken bei Reproduktion von Sozialkapital: „Undankbarkeit“, Schuldverpflichtungenwerden nicht anerkannt (197)
  • Definitionen von „Sozialkapital“: Coleman • Ähnlich wie Bourdieu argumentiert Coleman, dass Sozialkapitalindividuellen und kollektiven Akteuren zur Durchsetzung ihrerInteressen dient. Er betont aber, dass daraus kooperative Beziehungenund Vertrauen entstehen können und Sozialkapital deshalb nicht nurfür Individuen, sondern auch für die Gemeinschaft positive Folgen hat.– Definition von Coleman (1990: 302): „Social capital inheres in thestructure of relations between persons and among persons“
  • Putnam (2000): Wirkungen des Sozialkapitals • Grundidee: Soziale Netzwerke haben (wie andere Kapitalformen) einen Wertund erhöhen die Produktivität von Individuen und Gruppen/Kollektiven:• Putnam betont u.a.,– dass Sozialkapital die Effizienz (d.h. Einsatz von Mitteln im Verhältnis zumErgebnis) von Gesellschaften erhöhen kann, weil es Kooperationen fördert.– dass Netzwerke für staatsbürgerliches Engagement bedeutsam sind.
  • Putnam (2000): Sozialkapital als privates und öffentliches Gut • Sozialkapital kann privates oder öffentliches/kollektives Gut (private or publicgood) sein. Öffentliche Güter sind Güter, von deren Konsum niemandausgeschlossen werden kann.– Privat: Personen unterhalten soziale Beziehungen, weil sie ihnen nützenund ihren Interessen dienen (z.B. „networking“, um einen Job zu finden).– Öffentlich/kollektiv: Sozialkapital erzeugt auch „Externalitäten“, die dieweitere Gruppe/Gemeinde betreffen: „(…) a well-connected individual in apoorly connected society is not as productive as a well-connectedindividual in a well-connected society. And even a poorly connectedindividual may derive some of the spillover benefits from living in a wellconnectedcommunity“
  • Putnam (2000): Reziprozität • Sozialkapital oder Netzwerke beinhalten gegenseitigeVerpflichtungen und fördern die Entstehung von Reziprozität:– Spezifische Reziprozität: „I‘ll do this for you if you do that for me“– Generalisierte Reziprozität: „I‘ll do this for you without expectinganything specific back from you, in the confident expectation thatsomeone else will do something for me down the road“ (Putnam 2000:21).• Häufige Interaktion zwischen Menschen führt zu generalisierter Reziprozität.Eine Gesellschaft ist effizienter, wenn sie durch generalisierte Reziprozitätund Vertrauenswürdigkeit gekennzeichnet ist (im Gegensatz zu einerGesellschaft, in der man sich misstraut) (Putnam 2000: 21).
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  • Putnam (2000): Positive und negative Folgen des Sozialkapitals • Sozialkapital hat in der Regel positive Folgen für diejenigen, die zumNetzwerk gehören, es kann aber negative externe Effekte haben:– Personen handeln auf „Druck“, tun etwas, was sie alleine bzw. von sichaus nicht getan hätten (21)– Jugendgangs oder Machteliten können antisoziale Ziele verfolgen– Sektierertum (Angehörige einer Sekte, „Abweichler“), Korruption,Ethnozentrismus u.a.
  • Putnam (2000): Typen des Sozialkapitals Typen des Sozialkapitals• Sozialkapital kann formal (z.B. Parent-Teacher Association, Vereine mitSatzungen, Mitgliedsstatus etc.) oder informell konstituiert werden(„zusammengewürfeltes“ Basketballspiel außerhalb eines Vereins)• Sozialkapital kann also entlang verschiedener Dimensionen variieren. Einewichtige Unterscheidung bezeichnet bridging versus bonding:
  • Bridging:  Netzwerkbeziehungen zwischen Personen, die verschiedenenGruppen angehören; fördert Zugang zu externen Gütern und die Diffusionvon Informationen
  • Bonding:  Netzwerkbeziehungen zwischen Menschen innerhalb dereigenen sozialen Gruppe; verstärkt exklusive Identität und homogeneGruppenbildung. Bonding fördert spezifische Reziprozität, Unterstützungund Solidarität
  • Egozentrierte Netzwerke • Egozentrierte Netzwerke betrachten Ausschnitte einesGesamtnetzwerks, nämlich Beziehungen der untersuchtenPerson (ego) zu anderen Personen (alteri).
  • Soziale Netzwerke Soziale Netzwerke bestehen aus Personen und deren ein- odergegenseitige Beziehungen