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sozialstrukturanalyse (Fach) / 6-Bildung (Lektion)

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  • Def. Bildung Hradil – „Darunter ist die Vermittlung von Werthaltungen,Einstellungen, Wissensbeständen und Fertigkeiten zuverstehen, die Menschen benötigen, um ihre sozialen Rollenals Erwachsene in einer Gesellschaft ausüben zu können“– „Ausbildung“ für spezifische Berufe eingeschlossen
  • Rössel Bildungseffekte, direkt – Direkte Effekte (Braun/Müller 1997: what pupils and students learn):- Erwerb allgemeiner Fähigkeiten (Lesen, Schreiben etc.)- Erwerb spezifischer Wissensgehalte (Fremdsprachen, Computernutzung etc.)- Erwerb von Faktenwissen- Sozialisation: Internalisierung/Lernen von Normen, Werten, Verhaltensformen
  • Rössel Bildungseffekte, indirekt Indirekte Effekte (Braun/Müller 1997: consequences of education that aremore indirect or mediated by other social experiences)- Soziale Bedeutung des Bildungserwerbs, insbesondere von Bildungszertifikaten- Bildung wirkt sich auf (Bildungs-)Aktivitäten in anderen Lebensbereichen aus
  • Def: (Huinink/Konietzka 2007: 190 f.) • „Sozialisation“: „Sozialisation bezeichnet den Prozeß, in dessen Verlauf sich dermit einer biologischen Ausstattung versehene menschlicheOrganismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet,die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mitden Lebensbedingungen weiterentwickelt.“
  • Def. Huinik Erziehung Erziehung ist ein (...) dem Begriff Sozialisation untergeordneterBegriff, der die Handlungen und Maßnahmen bezeichnet, durch dieMenschen versuchen, auf die Persönlichkeitsentwicklung andererMenschen Einfluß zu nehmen, um sie nach bestimmtenWertmaßstäben zu fördern.“
  • Fkt / leistung des Bildungssystems 4 Vermittlung von Bildung, SozialisationVermittlung von Werten, Orientierungen, Kenntnissen, FähigkeitenLeistungsmessung Individuell erbrachte Leistungen ermitteln und bestätigen; leistungsfremde Merkmale dabei ausschließenSelektion, AusleseBildungssysteme sollen nach Leistung auslesen: Ausschluss von Schülern von weiterführender Bildung, wenn sie Leistungsanforderungen nicht entsprechen; Auslese durch das Bildungssystem ist immer auch soziale Auslese Platzierung Auch Statuszuweisungsfunktion: Vergabe von Beschäftigungs- und Sozialchancen; Zuweisung eines sozialen Status;
  • Bildungsexpansion Rössel • „Darunter kann man die Steigerung des aus öffentlichen und privatenMitteln finanzierten Angebots von Positionen im Bildungssystemeinerseits und der Nachfrage nach diesen Positionen von Familien,Kindern und Jugendlichen andererseits verstehen“
  • Bildung in vorindustriellen Gesellschaften – Bauern sind in der Bevölkerungsmehrheit– Bildung findet statt in Familien und an Arbeitsstätten– Mehrheit der Bevölkerung kann nicht rechnen, lesen und schreiben– Bildungseinrichtungen: Klosterschulen, Universitäten– Bildungseinrichtungen sind offen für adelige Kinder, zukünftige Geistliche,später auch für Kinder des Bürgertums
  • Bildung in der Industriegesellschaft Zwischen 1870 und 1914 (Beginn der Bildungsexpansion):– Etablierung nationaler Bildungssysteme unter staatlicher Kontrolle, Zurückdrängungder Kirche– Allgemeine elementare Schulbildung (Volksschule), Überwindung desAnalphabetismus– Einführung und Ausdehnung der gesetzlichen Schulpflicht, Entstehung derSchulbürokratie
  • Bildung zw den Weltkriegen – Weiterführende Schulbildung erfasst immer weitere Bevölkerungskreise– Aufhebung des parallelen Verlaufs von niederen und höheren Schulen (statt„Vorschulen“ nun „Volksschulen“ für alle)
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  • Bildung in der postindustriellen Gesellschaft ( nach 2. WK) – Wachsender Zustrom auf weiterführende Schulen und Hochschulen vonden 1960er bis zu den 1980er Jahren (Hradil 2004: 140); Öffnung derhöheren Schulen, Bildungsdauer nimmt weiter zu, es werden immer höhereBildungsabschlüsse absolviert– Übergang von der „Elite-“ zur „Massenuniversität“– Zunehmende Differenzierung des Bildungswesens, auch desHochschulwesens (Erweiterung der Hochschultypen, Differenzierung derFächerstruktur)
  • Erklärungen der Bildungsexpansion: Makrotheorien (Hradil • Modernisierungstheorien – Funktionale Erfordernisse moderner Gesellschaften erfordernBildungsexpansion, eine immer kompliziertere Gesellschaft und komplexereArbeitstechniken erfordern höhere Bildung (bei Geißler 2014: 342:„Zunehmender struktureller Bedarf an Bildung“, „Wissensgesellschaft“)– Bildungsexpansion fördert Chancengleichheit, Leistungspotentiale bislangbenachteiligter Gruppen werden überproportional ausgeweitet– Steigender Wohlstand ermöglicht Besuch weiterführender Schulen
  • Erklärungen der Bildungsexpansion: Makrotheorien (Hradil 2004: Konflikttheorie (bei Geißler 2014: 342: „Eigendynamik durch Statuskonkurrenz“)– Bildungsexpansion Folge davon, dass statushohe Gruppen den Erhalt ihrer Positionanstreben und an ihre Kinder weitergeben wollen– Es wird nicht mehr Chancengleichheit geschaffen, sondern von der Bildungsexpansionprofitieren vor allem statushöhere Schichten• Gründe:– Bildung: wichtigstes Zuweisungskriterium für gesellschaftliche Vorteile– Diese Vorteile können nur dann auf Kinder übertragen werden, indem sie hoheBildungsabschlüsse erlangen– Bildungserfolge bislang benachteiligter Gruppen gefährden Privilegien– Höhere Schichten setzen die Bildungshürden daher so hoch, dass privilegierendeBildungsabschlüsse vor allem von Kindern höherer Schichten erreichbar sind- zusätzliche Bildungszertifikate und/oder höhere Anforderungen für die Erlangung dieser Zertifikate- Weitergabe von ökonomischen und kulturellen „Kapitalien“ trägt zur Erlangung höhererBildungsabschlüsse bei (Boudon, Bourdieu)– Ein hohes Bildungsniveau kann vor allem von Kindern aus höheren Schichten erreichtwerden: es gibt weiterhin einen starken Effekt der sozialen Herkunft auf dieBildungschancen
  • Erklärungen der Bildungsexpansion: Mikrotheorien (Hradil 2004: 134 ff.) • Bildung als Konsumgut (ökonomische Konsumtheorie) • Bildung als Konsumgut (ökonomische Konsumtheorie)– Bildung ist mit „Genuss“ (z.B. Wissenserwerb) verbunden– Geringes Einkommen: primäre Bedürfnisse werden gedeckt– Hohes Einkommen: Nachfrage nach Bildung nimmt zu
  • Erklärungen der Bildungsexpansion: Mikrotheorien (Hradil 2004: 134 ff.) Humankapitaltheorie Ökonomische Investitionstheorie, Humankapitaltheorie– Bildung: Investition, um Einkommenserträge, Aufstiegschancen zuerzielen– Je höher die Bildung, desto höher die Arbeitsproduktivität– Es wird so lange in Bildung investiert, wie die zu erwartendenErtragszuwächse höher sind als die Bildungs- undOpportunitätskosten– Bildungsexpansion hält an, so lange sich Investitionen in Bildung„rentieren“
  • Erklärungen der Bildungsexpansion: Mikrotheorien (Hradil 2004: 134 ff.) • Siebungs- und Signaltheorie • Siebungs- und Signaltheorie– Schule dient nicht der Qualifikation, sondern der Auslese undEinstufung– Bildung: Signal an Arbeitgeber beim Wettbewerb um Arbeitsplätze,Zeugnisse sind Prognoseinstrumente– „Warteschlangen“ bei Jobs nach Maßgabe der Bildung– Bei Überangebot an Bildung und sinkenden Löhne fürHochqualifizierte gehen Bildungsanstrengungen nicht zurück (wie beider ökonomischen Investitionstheorie), sondern Bildungsexpansiongeht weiter, um günstige Plätze in Warteschlangen zu erreichen
  • Thesen zu den Folgen der Bildungsexpansion Wirtschaftswachstum, mehr Wohlstand (Geißler 2014: 343)• Demokratisierungsdruck und individuelle Selbststeuerung; u.a. mehrWissen über Politik, unkonventionelle Formen politischer Partizipation(Geißler 2014: 343)• Mehr Offenheit gegenüber Migranten, weniger Fremdenhass (Geißler2014: 343 f.)• Weniger Ungleichheit zwischen Geschlechtern (Geißler 2014: 344)• „Bildungsmoratorium“, Postadoleszenz (Geißler 2014: 344)• Wertewandel: Individualisierung, Postmaterialismus (Geißler 2014: 344)• Differenzierung der Lebensformen, z.B. späte Heirat, Kinderlosigkeit(Geißler 2014: 344)• Aufwertung (Bildungstitel werden immer wichtiger) und Entwertung derBildungsabschlüsse (hohe Bildungsabschlüsse werden immer zahlreicher)• Verlust der sozialen Platzierungsfunktion von Bildung• Hauptschule als „Verlierer“ der Bildungsexpansion
  • Funktionalistische Theorie (z.B. Davis/Moore) Bildung – In allen Gesellschaften gibt es Positionen unterschiedlichergesellschaftlicher Wertigkeit– Diese Positionen erfordern bestimmte Begabungen undFertigkeiten, das Bildungssystem vermittelt die Fertigkeiten– Begabte Personen benötigen einen Anreiz, um eine Ausbildung zuabsolvieren, denn eine Ausbildung verlangt Opfer (z.B.entgangenes Einkommen); dieser Anreiz besteht z.B. inentsprechend hohen Einkommenserwartungen
  • Konflikttheorie Bildung – Reproduktion der Klassenstruktur durch die Herrschenden– Weitergabe des sozialen Status zwischen den Generationen erfolgtnicht mehr durch Vererbung, sondern durch das Bildungssystem– Schule erfüllt diese Funktion durch schichtspezifische Sozialisation– Bildungssystem reproduziert soziale Ungleichheit
  • Diagnosen des Bildungssystems • Zeitdiagnosen:– Schelsky (1956): Schule als soziale Dirigierungsstelle für weitereLebenschancen und als bürokratische Entscheidungsapparaturüber Sozialansprüche der Familie; weist universalesAufstiegsstreben der Familie zurück– Picht (1964): Deutsche Bildungskatastrophe, Lehrermangel,Bildungsnotstand ist wirtschaftlicher Notstand, mehr Investitionen inBildung– Dahrendorf (1965): Bildung ist mehr als eine Magd derWirtschaftspolitik, Bildung ist Bürgerrecht und dient Demokratie undFreiheit• Die „Zeitdiagnosen“ basieren nicht auf gründlichen empirischenUntersuchungen.
  • Stratifizierung Bildung – Selektivität ist um so höher, je weniger Personen eines Jahrgangs denhöchsten Schulabschluss erreichen– Je höher Selektivität, desto eher sorgt Schule für Allokation auf demArbeitsmarkt, desto schneller Übergänge zwischen Bildungssystem undArbeitsmarkt und desto geringer die Schichtmobilität, wenige Jobwechselam Beginn
  • Standardisierung von Bildungssystemen – Existenz landesweit einheitlicher Ausbildung, Curricula– Arbeitgeber können sich auf Bildungszertifikate eher verlassen, schnellereZuordnung von Personen zu Positionen möglich
  • • 1960er Jahre in Westdeutschland: Vier Faktoren, die Bildungschancen reduzieren (Peisert 1967): – Arbeiterkind– Mädchen– Ländliche Region– Katholische Konfession• Gründe (Dahrendorf): Distanz der Eltern vor Bildungseinrichtungen,traditionelles Denken, „Modernisierungsrückstand“• Empirisch nur teilweise abgesichert, dennoch wurdeBildungsexpansion zum großen Reformprojekt• Durch Mobilisierung von Bildungsreserven und mitReformmaßnahmen sollte soziale Ungleichheit bei derBildungsbeteiligung abgebaut werden
  • Kann Bildungsexpansion die soziale Ungleichheit bei der Bildungsbeteiligung reduzieren? • Müller (1975) zeigt in einer ersten umfassenden empirischenStudie, dass für die Platzierung im Erwerbssystem die sozialeHerkunft wichtiger ist als die Bildung• Studien aus den 90er Jahren:– Abbau der Ungleichheit der Bildungschancen zwischen Geschlechtern,Konfessionen, weitgehend auch zwischen Stadt und Land– Kontroverse: Ist auch die Ungleichheit der Bildungschancen nach dersozialen Herkunft zurückgegangen?- Einige Studien haben eine unveränderte Ungleichheit der Bildungschancennach sozialer Herkunft ermittelt- Es gibt Studien, die eine reduzierte Ungleichheit der Bildungschancen nachsozialer Herkunft ermittelt haben (von Müller favorisiert).- Aber: Einfluss sozialer Herkunft auf die Bildungschancen immer noch hoch.
  • Chancengleichheit, meritokratisches Modell • Meritokratisches Modell: leistungsbezogene Chancengleichheit(Leistungsgerechtigkeit), d.h. nur erbrachte Leistungen werdenbewertet (Noten, Zeugnisse), unabhängig von leistungsfremdenFaktoren (Geschlecht, Herkunft); alle Schüler erhalten für gleichgute Leistungen gleiche Noten.• Voraussetzungen– Leistung ist keine Frage der Herrschaftsverhältnisse. Sie muss sichauf Kenntnisse/Fähigkeiten beziehen, die im allgemeinen Interesseder Gesellschaft liegen und nicht nur in bestimmten sozialenGruppen einen hohen Stellenwert haben.– Leistung muss „objektiv“ messbar sein
  • Chancengleichheit, erweitertes meritokratisches Modell • Erweitertes meritokratisches Modell: Gleiche Chancen derLeistungsentwicklung; Schüler haben unterschiedlicheVoraussetzungen, leistungsfähig zu werden.Leistungsgerechtigkeit besteht erst dann, wenn jeder die gleicheChance hat, seine Begabungen so weit zu entwickeln, wie es ihroder ihm möglich ist• Voraussetzungen– Angleichung sozialer Lebensbedingungen oder späterer Ausgleich (inVor- und Grundschulen); denn keine gesellschaftliche Gruppe solldurch soziale Faktoren in ihrer Leistungsentwicklung behindertwerden– Letztlich ist Chancengleichheit erst dann gegeben, wenn individuellhinderliche Umstände keine Folgen für Leistungsentfaltung haben
  • Chanchengleichheit, proportional Proportionale Chancengleichheit (vgl. Proporzmodell bei Rössel 2009:186): auf allen Bildungsstufen sind gesellschaftliche Gruppen in demMaß wie in der Bevölkerung vertreten• Voraussetzungen– Leistungsgerechtigkeit und gleiche Entwicklungschancen– gleiche Begabungen zwischen gesellschaftlichen Gruppen– Leistungsbereitschaft und Begabung der Eltern verschiedener Schichtenwerden weder sozial noch biologisch auf Kinder übertragen (dieses istjedoch teilweise der Fall).
  • Ergebnisgleichheit Ergebnisgleichheit: alle erhalten den gleichenBildungsabschluss unabhängig von Leistung (Rössel 2009: 186)
  • Geschlechtsspezifische Bildungschancen • Frauen haben in den letzten 40 Jahren von Stufe zu Stufe desBildungssystems mit Männern gleichgezogen; Chancengleichheit beiallgemeiner Bildung ist erreicht (auch proportionale Chancengleichheit).• Im Sekundarbereich haben Frauen die Männer überholt.– 1967: etwa ein Drittel der Abiturienten sind Frauen; 2000: etwa 55%– 2000: in Westdeutschland etwa die Hälfte der Studienanfänger undHochschulabsolventen sind Frauen (DDR: seit Mitte 70er Jahre)– Schulleistungen von Mädchen/Frauen sind durchweg besser als von Jungen/Männern• Vorsprung der Männer besteht noch bei höheren akademischen Stufen(Frauenanteil 2009 bei den Professuren: 18,2%)• Nachteile für Frauen (Rössel 2009: 191 f.)– Frauen beginnen seltener als Männer eine Ausbildung im dualen System ;– geschlechtsspezifische Segregation bei Ausbildungsberufen und Studienfächern
  • Schichtspezifische Chancenungleichheit der Bildung Bildungsexpansion hat die Bildungsbeteiligung von Kindern allersozialer Schichten erhöht, aber Kinder aus unteren Schichtenhaben davon nicht überproportional profitiert.– Kinder aus den unteren Schichten haben von einem verstärkten Zugang zuden Realschulen profitiert (Hradil 2004: 152).– „Bedenklich ist, dass die Bildungsbeteiligung der Arbeiter- undAngestelltenkinder seit den 1980er Jahren an Gymnasien und seit den 1990erJahren auch an Universitäten stagniert (Hradil 2004: 154).– „Die Bildungsungleichheiten zwischen den Kindern der einzelnen sozialenSchichten haben sich (…) eher vergrößert als verkleinert“ (Hradil 2004: 154).
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  • • Bildungsexpansion hat sich je nach Schultyp unterschiedlich auf die schichtspezifischen Bildungschancen ausgewirkt: Vom Ausbau der Realschulen profitierten zwischen 1970 und 1989vor allem Kinder von Arbeitern, Landwirten und von ausführendenDienstleistern. „Auf der Ebene des mittleren Bildungsniveaus sindalso die Chancen zugunsten der benachteiligten Schichtenumverteilt worden“ (283)– Vom Ausbau der Gymnasien haben Kinder (vor allem Töchter) desnichtlandwirtschaftlichen Mittelstands, der höherenDienstleistungsschicht sowie Kinder der mittleren Angestellten undBeamten profitiert. Arbeiterkinder und Kinder der einfachenDienstleister haben von dieser Entwicklung nicht profitiert. „BeimWettlauf um die höheren Bildungsabschlüsse haben sich alsodie Chancenabstände zwischen privilegierten undbenachteiligten Gruppen vergrößert“ (285)
  • Ethnische Ungleichheit der Bildungschancen: Schulabschlüsse von Migrantenkindern Bildungschancenvon Kindern ausMigrantenfamilienhaben sichverbessert,sind aber immernoch deutlichschlechter alsvon Kindern auseinheimischenFamilien
  • Ressourcentheorie, ungleiche Bildungschancen Schüler benötigen kulturelle Ressourcen, um weiterführende Schulenerfolgreich besuchen zu können (z.B. Leistungsmotivation,Sprachfertigkeiten, Selbstvertrauen)– In oberen Schichten werden diese Ressourcen im Zuge der Sozialisation inbesonderer Weise vermittelt
  • Humankapitalansatz, ungleiche Bildungschancen – Geringes Familieneinkommen: direkte Kosten und die indirektenLohnausfälle von Bildungsinvestitionen wiegen relativ schwer, außerdemwird Schulerfolg oft skeptisch eingeschätzt;– Hohes Familieneinkommen: Bildungsinvestitionen werden eher getätigt,zukünftige Erträge werden als sicher eingeschätzt
  • Erklärungen ungleicher Bildungschancen (Hradil 2004: 138 ff.) • Theorie der primären und sekundären Effekte (Boudon – Verbindet Ressourcen- und Humankapitaltheorie– Primäre Effekte: Wirksamkeit kultureller Ressourcen, vermittelt durchElternhaus; je größer die Ressourcen, desto wahrscheinlicher sind guteschulische Leistungen– Sekundäre Effekte: Betrifft Bildungsentscheidungen, Erträge vonBildungsinvestitionen sind um so größer, je höher die soziale Position derFamilie ist. Privilegierte haben Statusverlust zu befürchten, wenn Kinderkeine höheren Bildungsabschlüsse erreichen; bei niedrigeren Schichtenführt ein niedriger Bildungsabschluss der Kinder nicht zum Statusverlust.
  • • Gründe für die schlechteren Bildungschancen von Kindern aus Migrantenfamilien: – Kulturelle Faktoren: unzureichende Sprachkenntnisse– Sozioökonomische Faktoren: Migranten gehören häufiger den unterenSchichten an als die einheimische Bevölkerung– Unzureichende Unterstützung der Migrantenkinder durchBildungssystem
  • Buldungsmessung • Bildungsjahre (Anzahl der Jahre im Bildungssystem)– Wenig geeignet, da mit derselben Anzahl von Bildungsjahrenunterschiedliche Abschlüsse erzielt werden können• International Standard Classifikation of Education (ISCED)– Von UNESCO entwickelt, um Bildung international vergleichbar zumachen;– Vier Bildungsstufen: Vor-, Primar-, Sekundarschule, tertiäreAusbildung– Problem: Vergleichbarkeit schwierig, sofern innerhalb der Stufenallgemeinbildende und berufsbildende Einrichtungen existieren• Projekt: Comparative Analysis of Social Mobility inIndustrial Nations (CASMIN)– Wurde bei Volkszählung 1970 und bei Mikrozensuserhebungeneingesetzt– Innerhalb der Bildungsstufen wird nach allgemeiner und beruflicherBildung unterschieden
  • Rückgang der Verwertungschancen von Bildungsabschlüssen These: Verwertungschancen des Abiturs sind in den 80er und90er Jahren gesunken - wird von Müller (1998) unterstützt.• Auch Hradil (2004: 160) stellt fest: „(…) die Bildungsexpansionführte dazu, dass mit gleicher Bildung (z.B. dem Abitur) imJahre 2000 deutlich weniger erreichbar war als noch in den1970er Jahren“– Verdrängungswettbewerb (Verlierer sind vor allem Hauptschüler)– Kriterien außerhalb von Qualifikation und Leistung gewinnen wiederan Bedeutung
  • Bildungsexpansion + Wert der Bildung • Geißler: Bildung ist infolge der Bildungsexpansion als Ressourcefür soziale Platzierung aufgewertet worden, es gab also keineBildungsinflation, besser Qualifizierte verdrängen schlechterQualifizierte. Beispiele:– Leitende Angestellte haben immer häufiger einen Hochschulabschluss– Unterschiede im „Bildungskapital“ führen im historischen Zeitablauf zuähnlichen Einkommensabständen– Armutsrisiken sind immer noch eng mit Bildungsniveau verknüpft– Möglichkeiten individueller Lebensgestaltung existieren vor allem imAkademikermilieu– Es haben sich nicht nur höhere Bildungsabschlüsse vermehrt, sondernin ähnlichem Umfang auch die mittleren und höheren Berufspositionen
  • Bildungsystem + Arbeitsmarkt Rössel (2009: 213 ff.):– Es ist nicht zu einer Entkopplung von Bildungszertifikaten undBerufspositionen gekommen– Berufsausbildung ist weiterhin Schutz vor Arbeitslosigkeit– Keine Bildungsinflation bei Hochschulabsolventen, dagegen eineleichte Bildungsinflation bei Abiturienten– Abnahme der Bildungsrenditen (vor allem bei Mittlerer Reife undAbitur)
  • Sortierwirkung des Bildungssystems • Untere Bildungsgruppen sind zu einer sehr selektivenPopulation geworden, die oberen Gruppen sind jedochheterogener geworden• Durch die Bildungsexpansion segmentiert das Bildungssystemdie Absolventengruppen in differenzierter Weise in denArbeitsmarkt, vor der Bildungsexpansion konzentrierten sich dieAbsolventen relativ undifferenziert auf den Hauptschulabschluss
  • Empirische Befunde, bildung, müller • „Insgesamt zeichnen die Befunde ein Bild, das weder Begriffevon Bildungsinflation oder von Entkopplung zwischen BildungsundBeschäftigungssystem rechtfertigt noch die Vorstellung vonStrukturbrüchen oder Zäsuren (Müller 1998: 95)
  • Entkoppelung von Bildungsabschluss und Arbeitsmarkt – Überfluss von Qualifikationen führt dazu, dass andere Kriterien als Bildungden Zugang zu vorteilhaften Positionen sichern– Hinzukommen müssen „Auftreten“, „Beziehungen“, „Sprachfähigkeit“,„Loyalität“– Statuszuteilungsfunktion des Bildungssystems wurde in die betrieblichenPersonalabteilungen bzw. –chefs verlegt
  • Müller (1998: 92 f): Bildungsinflation, mehr Bildung als der Arbeitsmarkt verlangt – Unflexible gesellschaftliche Positionshierarchie, die besten Positionen kannnur erreichen, wer in den Warteschlangen seine Mitkonkurrenten übertrifft– Das sicherste Mittel ist Bildung, wovon immer mehr benötigt wird– Verdrängungswettbewerb von oben nach unten setzt ein und damit eineÜbernachfrage nach Bildung
  • Ressourcentheorie frühkindliche Bildung • „Je unsensibler die Mütter mit ihren Kindern umgehen, je weinigerAufmerksamkeit sie deren Signalen schenken, destü kleiner ist späterder IQ der Kinder, desto geringer das Vermögen, sich einer Sachekonzentriert zu widmen“ (34)• Bamberger BiKS-Studie:– Bereits bei 3-Jährigen große Unterschiede in den Fähigkeiten, selbst derbesuch einer Kita kann Kompetenzlücken nicht schließen (eher gilt der„Matthäus-Effekt“)– Besonders wichtig: das kulturelle Kapital der Familie (Bildung der Mutter,besitz von Büchern etc)– Umfassenderes Konzept: Home-Learning-Environment – nicht nurKulturkapital, sondern auch, auf welche Weise Eltern mit ihren Kindernspielen, wie sie vorlesen oder mit ihnen sprechen– Trotz starker individueller Förderung kann auch Schule die Defizite nicht(immer) ausgleichen
  • Messung der Chancengleichheit • Prozentsatzdifferenz oderChancenabstand  • Prozentsatzdifferenz– 1969=24 Prozentsatzpunkte– 2000=46 Prozentsatzpunkte • Prozentsatzverhältnis oderChancenproportionen (relativeChancenunterschiede)• Prozentsatzverhältnis– 1969=27/3 : 73/97 = 11,96– 2000=53/7 : 47/93 = 14,98 • Prozentsatzverhältnis = Odds ratio• Odds ratio = Verhältnis zweier Odds, ein Zusammenhangsmaß• Odds = Wahrscheinlichkeit (Ereignis)/Wahrscheinlichkeit (keinEreignis); Beispiel für 1969:– Wahrscheinlichkeit, dass Beamtenkind Uni besucht: 27/100– Wahrscheinlichkeit, dass Beamtenkind Uni nicht besucht: 73/100– Wahrscheinlichkeit, dass Arbeiterkind Uni besucht: 3/100– Wahrscheinlichkeit, dass Arbeiterkind Uni nicht besucht: 97/100• Odds ratio = Odds (Beamte)/Odds (Arbeiter)– 27/73 : 3/97 = 27/73 x 97/3=11,96