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sozialstrukturanalyse (Fach) / 5- Partnerschaft, Ehe, Familie (Lektion)
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- Wandel der Rolle der Frau Peuckert behandelt den Wandel der Rolle der Frau in Familie und Beruf.Er nennt einleitend eine Reihe von Gründen für den Wandel:– Ausbreitung unselbstständiger Erwerbsarbeit– Zunehmende außerhäusliche Erwerbsarbeit der Frau, die zu mehrfinanzieller Unabhängigkeit geführt hat– Wirtschaftliche Wandlungsprozesse, Bildungsexpansion der 1970erJahre und die Angleichung der Bildungschancen– Studentenbewegung und feministische Bewegung
- Individualisierung des weiblichen Lebenszusammenhangs – Westdeutschland, 1950er und 1960er Jahre: Verheiratete Frauen waren nur im finanziellen „Notfall“ erwerbstätig; große Mehrheit von Männern und Frauen befürworten „Hausfrauenehe“Ab Mitte 1960er Jahre, West-Deutschland:• Individualisierung betrifft auch Lebenslauf der Frauen• Wandel der Geschlechtsrollen (Beck-Gernsheim 1983: „Vom Dasein für Andere“ zum „Anspruch auf ein Stück eigenes Leben“);• Primäre Familienorientierung der Frauen wird aufgehoben • Aspekte/Bedingungen der Individualisierung der Frauen:– Demographische Freisetzung der Frauen (Dasein für das Kind ist vorübergehende Lebensphase, 30 Jahre „leeres Nest“ folgen)– Dequalifizierung der Hausarbeit (technische Rationalisierung, zunehmende Isolation der Hausfrau)– Aufhebung der gesetzlich fixierten Zuständigkeit der Frau für Hausarbeit durch Reform des Ehe- und Familienrechts 1976– Neuordnung des Scheidungsrechts (Geschiedene Frauen müssen für ihren Lebensunterhalt aufkommen, steigende Scheidungszahlen)– Verbesserte Planungsmöglichkeiten der Schwangerschaft– Studenten- und Frauenbewegung– Angleichung der Bildungschancen, qualifizierte Berufsarbeit und Erwerb eigenen Einkommens als Voraussetzung ökonomischer Selbständigkeit • Peuckert hebt hervor:– Frauen haben Männer im Bildungsniveau überholt– Frauen streben qualifizierte Ausbildung und eigene berufliche Karriere an (406 f.)– Beruf und Arbeit/eigene Familie mit Kindern/feste Beziehung werden gleich wichtig
- Veränderung der Arbeit (frauen) Erwerbstätigenquote von Frauen (Alter 15 - 64 Jahre) mit Kindernbetrug 1970 46% und 2009 65% (alte Bundesländer). Aber:– Anstieg insbesondere bei Teilzeitarbeit und geringfügiger Beschäftigung;Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern mit Kindern unter 3 Jahren ist inallen Bildungsgruppen seit 1970er Jahren gesunken (Kreyenfeld et al.2007: 442).– durchschnittlich geleistete Arbeitszeit und Arbeitsvolumen von Frauen(Erwerbstätigenzahl x Arbeitszeit) haben sich seit 1970er Jahrenverringert (Peuckert 2012: 409; Kreyenfeld et al. 2007: 440). Gründe:Verringerung der tariflich vereinbarten Wochenarbeitszeit, mehrTeilzeitarbeit und Arbeitslosigkeit, längere Ausbildungszeiten• Arbeitsmarkt: Frauen sind Männern noch nicht gleichgestellt
- Erwerbstätigkeit Erwerbstätig im Sinne des durch die EU konkretisierten Labour-ForceKonzepts der International Labour Organization ist jede Person im erwerbsfähigen Alter (15- bis unter 65-Jährige), die in einem einwöchigen Berichtszeitraum mindestens eine Stunde lang gegen Entgelt oder im Rahmen einer selbstständigen oder mithelfenden Tätigkeit gearbeitet hat,unabhängig davon, ob sie zum Beispiel arbeitslos gemeldet ist oder Altersrente bezieht. Ebenfalls zu den Erwerbstätigen werden Personen gezählt, die im Berichtszeitraum nicht gearbeitet haben, aber in einem formalen Beschäftigungsverhältnis stehen, das sie wegen Krankheit, (Sonder-)Urlaub oder Erziehungsurlaub nicht ausüben (Unterbrecher).
- Empirische Befunde Frau /Mann (Beruf) Einzelne empirische Befunde:– Egalitäre Einstellungen zur Rollenverteilung zwischen Mann und Frau haben in Ost und Westdeutschland zugenommen (ALLBUS 1982-2008); sind bei Männern und Frauen gleich; starke Unterschiede zwischen Altersgruppen (vgl. Tab. S. 416) – Diskontinuierliche Erwerbsverläufe haben zugenommen (Destandardisierung), es gibt keinenweiblichen „Normalerwerbsverlauf“
- Frauen in Führungspositionen • „Führungskräfte sind Angestellte ab 18 Jahren, die sich entweder in Tätigkeiten mit umfassenden Führungskräften befinden oder sonstige Leitungsfunktionen oder hoch qualifizierte Tätigkeiten ausüben.“(Peuckert 2012: 423) – Anteil Frauen in Westdeutschland: 21% (2001) – 26% (2008)– Anteil Frauen in Ostdeutschland: unverändert bei 30%• Generell: Je höher die Funktion in einem Unternehmen, desto geringerder Anteil der Frauen; Gründe:– Spitzenpositionen setzen helfen Partner voraus– Spitzenkarriere startet in einer Lebensphase, in der Frauen oft Familie gründen – Geschlechtsspezifische Sozialisation: Frauen neigen dazu, Probleme derVereinbarkeit zwischen Beruf und Familie zugunsten der Kinder zu lösen– Diskriminierungen männlicher Vorgesetzter– Männerdominierte Unternehmungskultur: Männer fördern Männer
- Gender Pay Gap • Unbereinigter GPG:– Deutschland: durchschnittlicher Bruttostundenverdienst der Frauen liegt 23%unter dem Verdienst der Männer– 2011: Westdeutschland: 25%, Ostdeutschland: 6%– Gründe u.a.: Berufswahl, Betriebszugehörigkeitsdauer, Stereotype,Erwerbsunterbrechungen, Belastungen durch Hausarbeit und Erziehung• Bereinigter GPG: Unter der Voraussetzung, dass Männer und Frauen– die gleiche Tätigkeit ausüben– eine äquivalenten Ausbildung haben– in einem vergleichbaren Unternehmen tätig sind (Größe, Region)– einer vergleichbarer Leistungsgruppe angehören– einen ähnlichen Arbeitsvertrag haben (befristet/unbefristet; mit/ohneTarifbindung; Altersteilzeit ja/nein; Zulagen ja/nein)– ähnliches Dienstalter, gleiche Berufserfahrung, Beschäftigung im gleichenUmfang (Vollzeit/Teilzeit)• … verdienen Frauen 8% weniger als Männer
- Doppelkarriere-Paare und Familienernäherinnen • These: Doppelkarriere-Paare leben in einer überdurchschnittlichegalitären Partnerschaft, doch tragen auch hier die Frauen einestärkere Verantwortung für das Gelingen der Vereinbarkeit vonBeruf und Familie (449)• Familienernäherinnen = df. Frauen in Paar- oderFamilienhaushalten, deren eigenes Nettoeinkommen mehr als60% des persönlichen Gesamtnettoeinkommens beider Partnerbeträgt• These: Die Familienernäherin ist mehrheitlich kein Pendant zummännlichen Familienernährer mit umgekehrten Vorzeichen;häufig handelt es sich um unfreiwillige, schwierige und fragileArrangements (44)
- Zusammengefasste Ehescheidungsziffer Die zusammengefasste Ehescheidungsziffer ergibt sich als Summe ehedauerspezifischerEhescheidungsziffern Sie entstehen, indem die im jeweiligen Jahr geschiedenen Ehen auf dieGesamtzahl der Ehen des Heiratsjahrgangs bezogen werden, dem die geschiedenen Ehenangehören. Addiert man diese ehedauerspezifischen Scheidungsziffern über einenbestimmten Zeitraum – üblich sind 25 Jahre – dann erhält man die zusammengefassteEhescheidungsziffer. Sie gibt an, wie viele Ehen geschieden würden, wenn die Scheidungshäufigkeit des jeweiligen Kalenderjahres über einen Zeitraum von 25 Jahren konstant bleiben würde.
- Ehescheidungsrisiko • Heiratsalter (Frühehe)• Konfession (ohne kirchliche Bindung, Protestantismus)• Wohnortgröße (alternative Partner?, selektive Wanderungen?)• Nationalität (binationale Ehen)• Frauenerwerbstätigkeit (z.B. „Unabhängigkeitseffekt“)• Einkommen (Frau hat höheres Einkommen als der Mann?)• Bildungsniveau (Höheres Bildungsniveau der Frau als der Mann?)• Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung (Familienernäherin?)• Kinderzahl und Alter der Kinder (Kinderlosigkeit)• Besitz/Eigentum (kein Unternehmer; kein Hauseigentum)• Stabilität der elterlichen Ehe (Eltern geschieden)
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- historischer Anstieg der Ehescheidungsraten? • Eigendynamik der Entwicklung– Antizipation des Ehescheidungsrisikos – Frauenerwerbstätigkeit – erhöhtesScheidungsrisiko– Antizipation des Ehescheidungsrisikos – Abnahme ehespezifischerInvestitionen – erhöhtes Scheidungsrisiko– Steigende Scheidungsraten – Chance der Wiederheirat (Kontexteffekt)– Steigende Scheidungsraten – abnehmende Stigmatisierung (Kontexteffekt)– Intergenerationale Transmission des Scheidungsrisikos• Aufkommen der Liebesehe, Emotionalisierung• Anstieg der Ansprüche an Partnerschaft/Ehe• Neue soziale Normen (Scheidung ist unter bestimmten Bedingungenunerlässlich)• Wertewandel: Betonung von Selbstentfaltungswerten, weniger PflichtundAkzeptanzwerte
- subjektive Trennungsgründe • Häufig: „langsamer Zerfall“, alltäglicher Stress eher Auslöser, nicht dieUrsache (nach Bodenmann)• „Untreue“: Ursache und Folge der Verschlechterung der Beziehung• Zwei Typen: „emotionale Devitalisierung der Partnerschaft“ und„Beziehungen mit hohem Konfliktniveau“
- Wo liegt das soziale Problem hoher Scheidungsraten? • Hohe Scheidungsraten sind nicht per se ein Problem• Wird die Institution der Ehe gefährdet?• Soziale Ungleichheit und Scheidungsrisiko• Scheidungsbetroffenheit der Kinder
- Grundlagen familiere Beziehungen • Familienökonomie (Becker): Familienbeziehungen werden durchAltruismus bestimmt; Familienmitglieder geben anderenFamilienmitgliedern von ihren Ressourcen ab, weil dies auch ihrenNutzen erhöht.• Austauschtheorie: Partner verhandeln, Gebot der Reziprozität;Ausgang der Verhandlungen hängt von deren Verhandlungsmacht ab.Prinzip of least interest: Derjenige hat mehr Einfluss, der aufgrundguter Alternativem zur existierenden Beziehung ein geringeresInteresse an der Aufrechterhaltung der Beziehung zeigt.• Rollentheorie: Handeln der Familienmitglieder folgt institutionellenVorgaben.
- Sozialisation und Erziehung • Sozialisation, zwei Phasen (Claessens):– Soziabilisierung: Emotionale Fundierung, erste Kategorien vonWeltverstehen und –vertrauen, erste Positionsbestimmungen– Enkulturation: Spezifische individuelle Formungen, sozio-kulturellePrägung, Vorbereitung auf Übernahme gesellschaftlicher Rollen
- Frauen in Führungsfähigkeiten 2 • Frauen in Führungspositionen leben genauso häufig in einerPartnerschaft wie Männer, aber häufiger in einer NEL oder LAT• Frauen in Führungspositionen sind (besonders) erfolgreich („softskills“, bessere Managementfähigkeiten)
- Aktuelle Scheidungsintensität in Dt • Querschnittsmaß (Summe der ehedauerspezifischen Scheidungsziffernbis zu einer Ehedauer von 40 Jahren): Im Jahr 2002 betrug diezusammengefasste ehedauerspezifische Scheidungsziffer 4333 auf10000 Ehen. 43% aller Ehen werden (zukünftig) geschieden, wenn diefür das Jahr 2002 gemessene Scheidungsintensität bestehen bleibt.• Längsschnittmaß (Anteil der geschiedenen Ehen nach der Ehedauer):Beim Heiratsjahrgang 1985 wurden bis zu einer Ehedauer von 25Jahren 35,8% der Ehen geschieden (einer der höchsten bislangbeobachteten Werte).• Auf mittelfristige Sicht wird sich das Scheidungsrisiko zwischen denQuer- und Längsschnittmaßen bewegen. Damit wird mehr als einDrittel aller Ehen geschieden werden.