23

Wahrnehmung und Kognition (Fach) / Langzeitgedächtnis (Lektion)

Beispiele, Unterschied STM&LTM, Gedächtnis

Diese Lektion wurde von nwiertel erstellt.

Lektion lernen

Anzeige
  • LTM alles, das nicht mehr im STM ist, aber trotzdem erinnert werden kann  Inhalte, die 5min, 5h, 5 Tage oder 5 Jahre zurückliegen können  umfasst Wissen und Erinnern (Tulving)
  • Unterscheidung LTM & STM; Serielle Positionskurve Material: Liste von 20 Wörtern Aufgabe: Merken & Wiedergeben  Vorgehen: Liste wird einmal verlesen (1Item/s), dann sofort wiedergeben  Ergebnis: Items aus der Mitte der Liste eher schlecht gemerkt; Items von Beginn und Ende gut (Primacy & Recency Effekt) Interpretation:  Recency Effekt: reflektiert STM (letzten 6 Items noch im "Loop") Primacy Effekt: reflektiert LTM (besser Enkodierung der ersten Items) Doppeldissoziation: Entweder LTM intakt und STM nicht oder andersrum
  • Doppeldissoziation bei neurologischen Patienten H.M. erhielt eine experimentelle OP zur Kontrolle der Epilepsie  bilateral der mediale TL ink. Hippocampus entfernt  konnte keine neuen Erinnerungen mehr formen, nur Faktenwissen bei praktisch intaktem STM K.F. SHT nach UNfall mit 27 mit links-parietalem Hämatom (Epilepsie mit 19) Gedächtnisspanne von 2 Items und Recency Effekt von einem Wort  ansonsten keine Gedächtnisprobleme und eine unauffällige Neugedächtnisbildung 
  • Kodierung LTM & STM STM kodiert vor allem visuell-auditiv, auch wenn semantisch möglich ist  LTM kodiert vor allem semantisch, auch wenn sensorisch möglich ist  Beispiel: von Texten merkt man sich Inhalt, nicht genauen Wortlaut 
  • Formen des LTM Tulving: Episodisches Gedächtnis ist phänomenologisch gekenntzeichnet durch:  Mentale Zeitreise (mental time travel) sowie Selbstwissen, Erinnern Semantisches Gedächtnis phänomenologisch gekennzeichnet durch Wissen (knowing) Neurophysiologische Fallstudien:  K.C. erinnert sich nach SHT an keine persönlichen Ereignisse mehr, Faktenwissen intakt  "Italian woman" erkrankt an Encephalitis, hat keinen Zugriff auf Fakten und Wortbedeutungen, konnte aber detailliert wiedergeben, was sie am Tag gemacht hat 
  • Beziehung zwischen episodischem & semantischem Gedächtnis Hypothese: alles semantische Wissen war mal episodisches Wissen  Argumente:  Source Amnesia: anfangs wissen wir bei Fakten, wann und wo wir sie gelernt haben. Irgendwann sind nur noch Fakten erhalten,während Quelle (Source) verloren ist  Persönliches Wissen: Fakten mit persönlichem Bezug lassen sich leichter lernen  Hypothese: ohne semantisches Wissen gibt es kein episodisches. Semantisches beeinflusst Verarbeitung von Ereignissen und damit ihre Enkodierung  Expertise: Experten erinnern viel detaillierter als Laien, denn sie verfügen über mehr Differenzierungen und Kategorien 
  • Explizites und implizites Gedächtnis explizit: beim Abruf, wissen wir, dass wir und erinnern (leichter Abruf; sprachlich) implizit: Wissen wirkt "implizit" in der Leistung (innerhalb der Tätigkeit) Priming (Bahnung): Antwort auf Reiz wird schnell/genauer, wenn der gleiche oder ähnliche Reiz kürzlich verarbeitet wurde  Prozedurales Gedächtnis: Skills (Radfahren); Patienten mit Amnesie bleibt dies oft erhalten (gehen, sprechen, essen, etc.); auch neue Skills erwerbbar, aber keine Erinnerung an Training  Konditionierung: S-S Lernen 
  • Wie kommt die Info ins LTM? Levels of Processing ( Craik&Lockhart): Verarbeitung kann unterschiedlich "tief" sein. Wort nur hören (oberflächlich); Bedeutung verstehen ist "tief" Experiment (Craik & Tulving): Aufgaben induzieren verschiedene Tiefen der Verarbeitung  unerwarteter Gedächtnistest (Wiedererkennen oder freier Abruf)
  • Wirklich Tiefe der Verarbeitung? Oder Passung zwischen Lernen und Abruf? (Morris, Bransford & Franks) Transfer-Angemessene Verarbeitung:  Enkodierung: (Craik & Tulving)  "Passt das Wort in den Satz...(Bedeutung)" oder "Reimt sich das Wort...(Klang)" Abruf: Standardtest oder Reimtest Ergebnis: Bedeutung > Klang im Standardtest; Klang > Bedeutung im Reimtest Interpretation: Gedächtnisleistung wird verbessert, die auch geübt wurde  Implikation: Aufgaben beim Lernen = Aufgaben beim Test entsprechen 
  • weitere Aktivitäten während der Enkodierung, die die Leistung verbessern Elaboration: Inhalte mit anderen kombinieren, neue Verknüpfungen  Organisation: Inhalten in Ordnung bringen  eigene Aktivität: aktiv neue Verknüpfungen schaffen oder Orga finden 
  • Anzeige
  • Elaboration #1: Interaktive Visualisierung Visualisierung: Bower & Winzenz Aufgabe: Wortassoziationen lernen (Cue-Target) Trainingsbedingungen:  Wiederholen  im Satz lesen  Satz generieren  Interaktion visualisieren  Test: Cued Recall  Ergebnis: Wiederholen < Satz lesen < Satz generieren < Visualisieren 
  • Elaboration#2: Selbstreferenz (Rogers) Aufgabe: siehe Craik & Tulving:  Frage, Gedächtnisantwort, Antwort (j/n) 4 Bedingungen (Struktur, Phonetik, Semantik, Selbstreferenz) Unangekündigter free recall test  Ergebnis: Wörter, die mit Frage "Describes you?" gekoppelt waren, besonders gut erinnert  Interpretation: Selbstbeschreibungen unterstützen in besonderer Weise Elaboration, weil das Selbst einen stabilen und differenzierten Anker bildet 
  • Organisation#1: Bower et al. Beobachtung: (Jenkins&Russel): beim freien Abruf werden Wörter spontan nach Kategorien organisiert (Gruppierung: Clustering) Frage: Wie wirkt sich Clustering beim Lernen aus? Material: 122 Wörter (28x4 Themen) die in Bäumen gruppiert werden  Aufgabe: Wortliste studieren und möglichst viele Wörter wiedergeben  Manipulation: echte Orga vs. Pseudoorga  Ergebnis: Echte Orga besser als Pseudoorga (73 vs. 21 Items beim 1. Abruf) Nebenergebnis: Nutzung der Orga sehr explizit (Mineralien/Metalle/Selten...) Interpretation: Orga, die beim Enkodieren beachtet wird, kann beim Abruf als Abrufhinweis genutzt werden 
  • Organisation#2: Bradford & Johnson Ziel: Demo des Einflusses einer sinnvollen Orga auf das Gedächtnis  Material: Texte & Cartoons  Vorgehen: Cartoons wurden entweder vor oder nach dem Lernen des Textes gegeben  Ergebnis: Cartoons vor dem text führten zu einer viel besseren Leistung  Implikation: Förderung der Orga während der Enkodierung ist essentiell 
  • Aktive Verarbeitung "Generierungseffekt" (Slameka&Graf) Aufgabe: Wortpaare lernen, das Targetwort später wiedererkennen  Bedingungen:  Lesen: Wortpaar vorlesen: König - Krone Generieren: Wort ergänzen: König - Kr___ Ergebnis: Lesen schnitt schlechter ab als Generieren  Interpretation: Aufwand beim Lernen wirkt positiv auf Lernergebnis 
  • Abruf: Abrufhinweise (Retrieval Cues); Tulving&Pearlstone Abrufhinweise helfen beim Abruf auf dem Gedächtnis  Material: Wortlisten, die aus wenigen Kategorien zusammengestellt waren. Die Wörter einer Kategorie folgen hintereinander. Beim 1. Mal  Lesen wurden die Kategorienamen gesagt. Es wurde betont, dass nur die Wörter geprüft werden. Dann erfolgte der 2. Durchgang, in dem nur Wörter verlesen wurden Test: freier Abruf vs. Cued Recall  freier Abruf: so viele Wörter wie möglich  Cued Recall: Vorgabe der Kategorien  Ergebnis: freier Abruf: 40 Wörter; Cued Recall: 75 Wörter  Interpretation: Abrufhinweise - hier Kategorienamen - helfen beim Erinnern 
  • Unglaubliche Wirkung von selbstgenerierten Abrufhinweisen (Mäntylä) Material: 600 Nomen lernen  Aufgabe: 3 Assoziationen zu jedem Wort aufschreiben (Banane - gelb, krumm, Staude) Surprise Memory Test: Vorgabe der drei Assoziationen: 90%  Alternativerklärung: vielleicht kann man Wort aufgrund der Hinweise erraten? Kontrollbedingungen (ohne Lernphase) bekam die von anderen VPn generierten Hinweise: nur 17% Interpretation: Retrieval Cues können sehr wirksam sein  
  • Enkodierungsspezifität (Tulving & Thomson) Info wird so abgerufen wie sie enkodiert wurde. Die Gedächtnisspur - und somit auch die Abrufhinweise - wird durch die Operationen bestimmt, die beim Enkodieren ausgeführt werden  Enkodierungsspezifität & Abrufhinweise: Jede Info, die bei Enkodierung vorhanden war, kann als Hinweis beim Abruf dienen 
  • Abruf: Enkodierungsspezifität (Godden&Baddeley) Jeder Reiz, der beim Lernen vorlag, kann beim Abruf helfen  Untersuchung mit Tauchern Aufgabe: Lernen unter oder über Wasser. Abruf unter oder über Wasser  Ergebnis: Leistung besser, wenn Lernen & Abruf unter ähnlichen Bedingungen  Enkodierungsspezifität = Unter Wasser ist ein Hinweisreiz, der beim Lernen vorliegt, daher beim Abruf hilfreich 
  • Abruf: Zustandsabhängiges Lernen (Eich&Metcalfe) = Enkodierungsspezifität, nur mit internen statt externen Reizen  Tag 1: Stimmungsinduktion 15-20min; (1) fröhliche Gedanken bei netter Musik (2) deprimierende Gedanken bei trauriger Musik  dann lernen einer Wortliste  Tag 2: Stimmungsinduktion, dann Test  Ergebnis: wenn gleiche Musik beim Lernen und beim Test, dann sehr gute Ergebnisse  Interpretation: auch interne Zustandsreize können Cues sein 
  • Biologie des Lernens: Synaptische Sicht "What fires together, wires together" - Donald Hebb  synaptisches Lernen ist Korrealtionsdetektion: wenn 2 Neuronen zugleich aktiv sind, dann wird die Synapse zwischen ihnen gestärkt. Nicht benutzte Synapsen dagegen verkümmern  Die Hebb-Regel kann in künstlichen neuronalen Netzen eingesetzt werden  typischerweise wird aber Delta-Regel oder ähnlicher Lernalgorithmus eingesetzt 
  • Gehirnanatomische Sicht viele Experimente & Fallstudien aus Neuropsychologie zeigten, dass MTL (medialer Temporallappen) von herausragender Bedeutung für Gedächtnis ist  gilt nur solange die Info nicht komplett konsolidiert ist  Annahem erklärt den Gradienten (Zeitpunkt vor Unfall) in der retrograden Amnesie. Retrograde Amnesien drücken sich häufig so aus, dass kürzliche Erinnerungen besonders stark betroffen sind und ältere wenig (Ribot´sches Gesetz)
  • Standardmodell der Konsolidierung Erlebnis besteht neuronal aus Aktivierung in verteilten Kortexarealen  diese Areale haben (für das Erlebnis) noch keine Verbindungen miteinander  Komponenten beim Abruf  koordinieren → Hippokampus  mit der Zeit entstehen Verknüpfungen zwischen kortikalen Arealen, der Hippokampus wird nicht mehr benötigt