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Psychiatrie FA (Fach) / F4 (Lektion)
Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
Diese Lektion wurde von Jogger_EM erstellt.
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- Was ist den neurotischen Störungen gemeinsam? Eine psychische und/oder körperliche Symptomatik liegt vor, die nicht primär durch eine organische oder eine andere psychische Erkrankung erklärt werden kann. In der Regel ist die Realitätswahrnehmung ungestört und die Pat. empfinden ihre Beschwerden als krankhaft.
- F4 - alte Bezeichnungen Angstneurose Zwangsneurose Hysterische Neurose
- Was sind Belastungsstörungen? Akute Belastungsreaktion F43.0 Posttraumatische Belastungsstörung F43.1 Anpassungsstörungen F43.2
- Wie treten Belastungsstörungen auf? Sie treten als direkte Folge eines belastenden Lebensereignisses bzw. Traumas oder einer kontinuierlichen Traumatisierung auf.
- Was sind somatoforme Störungen? Somatoforme Störungen gehen mit anhaltenden körperlichen Beschwerden einher, für deren Ausmaß sich trotz umfangreicher somatischer Abklärung, keine ausreichende organische Erklärung finden lässt. Die Beschwerden betreffen häufig unterschiedliche und wechselnde Lokalisationen und können in ihrer Intensität stark fluktuieren.
- Auf welchen Ebenen zeigt sich das Phänomen Angst? Die vier Ebenen der Angst. Auf emotionaler, vegetativer, kognitiver und motorischer Ebene:emotional: das Gefühl in der Falle zu sitzen.vegetativ: über eine durch den Sympathikus vermittelte Erregung =>körperliche Erscheinungen wie Schweißausbrüche, Herzklopfen, schnelles flaches Atmen oder Mundtrockenheit.kognitiv: die Aufmerksamkeit ist auf die Gefahrensituation eingeengt und die kognitive Leistungsfähigkeit reduziert (Prüfungsangst)motorisch: Erhöhung des Muskeltonus bis zur Inhibition motorischer Reaktion (vor Angst erstarrt)
- Welche Typen gehören zu den Phobien (Angsthysterie nach Freud)? Agoraphobie mit und ohne Panikstörung (F40.0) Soziale Phobie (F40.1) Spezifische (isolierte) Phobie (F40.2)
- Ätiologie der Angststörungen auf biologischer Ebene: es besteht eine zumindest teilweise bedingte genetische Vulnerabilität auf psychosozialer Ebene: bspw. können traumatische Ereignisse in der Kindheit diese Anfälligkeit verstärken, bspw. auch Ausbruch durch belastende life-events.
- Was ist das Zwei-Faktoren-Modell der Angst (nach Mowrer)? 1. Faktor: klassische Konditionierung: ein eigentlich neutraler Reiz wird durch das gleichzeitige Auftreten einer objektiv bedrohlichen Situation zum konditionierten Stimulus. 2. Faktor: operante Konditionierungsprozesse: Vermeidung der Situation führt zunächst zum Nachlassen der Angstsymtomatik. Die Vermeidung führt dann allerdings zu einer Reizgeneralisierung d. .h nicht nur die urspüngliche sondern auch andere Situationen werden angstauslösend.
- Was gehört zu den frei flottierenden Ängsten (nach Freud)? Panikstörung (F41.0) Generalisierte Angststörung (F41.1)
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- Wann kann eine Angststörung neben einer depressiven Störung diagnostiziert werden? Depressionen gehen fast immer mit Ängsten einher, dann meist nur F3-Diagnose Eine Angststörung sollte nur dann zusätzlich zur Depression diagnostiziert werden, wenn die Angstsymptomatik auch längere Zeit unabhängig von der affektiven Symtomatik besteht, also dass die Angststörung nicht nur ausschließlich mit der affektiven Symptomatik auftritt und mit deren Remission auch abklingt.
- Unterscheidet sich pathologische Angst von realer Angst? In der Qualität unterscheidet sie sich nicht von realer Angst, allerdings tritt sie in Situationen auf, in denen keine reale Bedrohung oder Gefahr besteht. Der Pat. empfindet seine Angst oft als irritional oder übersteigert, dennoch fühlt er sich seinen Ängsten ausgeliefert.
- Therapie bei Angsterkrankungen? In der Behandlung der Panikstörungen oder Agoraphobie wird die KVT (kognitive Verhaltenstherapie) eingesetzt, deren zentrale Elemente sind: Exposition in sensu und in vivo Modifikation dysfunktionaler Kognitionen. Die Therapien können einzeln oder in Gruppen erfolgen.Die KVT ist in der Wirksamkeit bei der Agoraphobie mit Panikstörung belegt. Bei chronifiziertem Verlauf sind die Ansprechraten geringer.
- Prognose des Verlaufs unbehandelter Angststörungen? Spontanheilungen nur in 20% Chronische Symptomatik bei 40-50% Oft späte Diagnosestellung, je nach Typ 5-15 Jahre
- Medikamentöse Behandlung von Angststörungen? Antidepressiva in Dosis wie bei depressivem Syndrom: 1. Wahl bei Agoraphobie mit Panikstörung: SSRI (alle wirksam, aber Citalopram, Escitalopram und Paroxetin sind zugelassen)außerdem Venlafaxin (SSNRI) und Clomipramin (TZA) Achtung: Angstsymptomatik kann sich zu Beginn verstärken, Wirkeintritt gelegentlich erst nach 2-4 Wochen. Akutbehandlung mit Benzodiazepinen (Cave: Abhängigkeit!) Alprazolam, Clonazepam, Diazepam und Lorazepam sind zugelassen.
- Lebenszeitprävalenz der Angst? 15-25% am häufigsten sind die Phobien die Komorbidität mit anderen psychischen Erkrankungen ist erhöht Lebenszeitprävalenz der Phobien: zwischen 5 und 13% Lebenszeitprävalenz der Angst-/Panikstörungen: zwischen 3 und 5%
- Komorbiditäten bei Panikstörungen und Agoraphobien Komorbidität bei Angsterkrankungen: mit weiteren Angststörungen, mit depressiven Syndromen, mit Suchterkrankungen und mit Substanzmissbrauch
- Entstehungsmodell der Angst? Vulnerabilitäts-Stress-Modell:Man unterscheidet zwischen prädisponierenden Faktoren auslösenden Bedingungen aufrechterhaltenden Bedingungen
- Einschränkungen durch Angsterkrankungen: Spezifische Phobien haben in der Regel einen geringen Einfluss auf die persönliche Lebensführung. Agoraphobie, Panikstörung, soziale Phobie und generalisierte Angststörung haben große Konsequenzen bei der Alltagsbewältigung:Einengung des persönlichen Radius v. a. durch Vermeidung Angst auslösender Situationen, Aufgabe vieler Aktivitäten, sozialer Rückzug, reduziertes Selbstwerterleben, Beziehungen werden durch die Schwere der Vermittelbarkeit der Beschwerden stark belastet.
- Diagnostik bei Angststörungen: Anamnese: Exploration der Angstentstehung (wann, wo, wie lange, episodisch oder persistierend, spontan oder situationsbedingt)Medikamente oder Drogen?Körperliche Erkrankungen?PPB: Panikattacken oder diffuse Ängste im Rahmen einer depressiven Episode? Oder im Gegenteil entwickeln Menschen mit Panikstörungen häufig eine depressive Episode.Zusatzuntersuchungen:Labor, apparative Untersuchungen
- Definition einer Agoraphobie Hierunter versteht man die Angst vor öffentlichen Situationen mit weiten Plätzen, geschlossenen Räumen oder Menschenansammlungen. Für die Störung ist das Vermeidungsverhalten der Pat. typisch. Die Agoraphobie kann mit (F40.01) und ohne Panikstörungen (F40.00) auftreten. Ein klassisches Symptom ist die "Angst vor der Angst" (=Erwartungsangst)
- Definition der Panikstörung Das wiederholte Auftreten anfallsartiger Angstzustände (=Panikattacken), die sich nicht auf spezifische Situationen, Gegenstände oder Tiere beziehen und die für den Betroffenen völlig unerwartet auftreten.Der Pat. erlebt ein intensives Angstgefühl, das von zahlreichen körperlichen Symptomen und Befürchtungen begleitet ist.
- DD: Psychische Erkrankungen als Ursache für Angstsymptome? Affektive Störungen, insbesonder edepressive Episoden Schizophrenie (auch als Prodromi der psychotischen Symptomatik) Zwangsstörungen Anpassungsstörungen Posttraumatische Belastungsstörungen Persönlichkeitsstörungen (besonders: ängstlich-vermeidend, dependent) Essstörungen Somatoforme Störungen Substanzgebrauch/-abhängigkeit (Gebrauch, Intoxikation, Entzug)
- DD: Körperliche Symptome, die zu Angstsymptomen führen können: Kardiale Angstsyndrome? KHK Herzinsuffizienz HRS Myokardinfarkt
- DD: Körperliche Errkankungen, die zu Angstsymptomen führen können: Metabolische Angstsyndrome? Hypoglykämie Hypokaliämie
- DD: Körperliche Erkrankungen, die zu Angstsymptomen führen können: Zerebrale Angstsyndrome? Zerebrale Anfallsleiden ED Zerebrale Vaskulitiden dementielle Erkrankungen Morbus Parkinson Chorea Huntington
- DD: Körperliche Erkrankungen, die zu Angstsymptomen führen können: Pulmonale Angstsyndrome? Asthma bronchiale COPD
- DD: Körperliche Erkrankungen, die zu Angstsymptomen führen können: Endokrine Angstsyndrome? Hyper- und Hypothyreose Hyperparathyreoidismus Phäochromozytom Karzinoidsyndrom Cushing-Syndrom
- Beschreibung des "Teufelskreises der Angst" = Negativspirale der Angst bei Panikanfällen und Agoraphobie Äußerer Reiz => 1. Wahrnehmung2. kognitive Verarbeitung: "GEFAHR"3. emotionale Verarbeitung: "ANGST"4. physiologische Reaktionen: "STRESS"5. körperliche Empfindungen
- Begriff der Neurose in der Psychoanalyse Die Entstehung dieser Störungen beruht aus tiefenpsychologischer Sicht auf ungelösten (und unbewussten) Konflikten der Kindheit. Die neurotische Symptomatik stellt quasi eine Kompromisslösung zwischen Trieben und Bedürfnissen (ES), den kontrollierenden Instanzen (ÜBER-ICH), der äußeren Realität und dem vermittelnden ICH dar.