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Vertiefung Kognition (Fach) / Psychologie der Zeit (Lektion)

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  • Psychologie der Zeit (ausgewählte Aspekte) • Wahrnehmung der Zeit • Prospektive versus retrospektive Zeitwahrnehmung • Attentional Gate Model (Was könnte ein Taktgeber sein?) • Contextual Change Model • Der Alterseffekt der Zeitwahrnehmung • Musik und Zeitwahrnehmung • Lebensgeschwindigkeit: Interkulturelle Unterschiede • Chronotypen
  • Welche Arten der Zeitwahrnehmung gibt es? Wofür sind sie wichtig? Stunden bis Tage (Zirkadiane Rhythmen):Schlaf-Wach-Zyklus, Appetit Sekunden bis Minuten: Zeitwahrnehmung Retrospektiv: Wie lange hab ich das letzte mal auf meine Freundin gewartet? Prospektiv: Wie lange warte ich gerade? Wie langweilig ist mir? Antizipatorisch: Schaffen wir es noch rechtzeitig ins Kino? Entscheiden und Planen (z.B. Belohnungsaufschub) Millisekunden: Millisekunden: Bewegung, Rhythmus, Sprache
  • Wie kann man Zeitwahrnehmung messen? • Schätzung: Angabe der Dauer in Zeiteinheiten (sec, min) • Produktion: Angabe von Anfang und Ende einer in Zeiteinheiten vorgegebenen Dauer • Reproduktion: Angabe von Anfang und Ende einer vorgegebenen erlebten Dauer • Zeitempfinden: Angabe auf einer Skala (kurz – lang, schnell – langsam)
  • Prospektive Zeitwahrnehmung In die Zukunft gerichtetes Zeitempfinden bzw. Zeitempfinden im „Hier & Jetzt“
  • Retrospektives Zeitwahrnehmung In die Vergangenheit gerichtetes Zeitempfinden; rückblickend
  • In die Vergangenheit gerichtetes Zeitempfinden; rückblickend Routine Nicht-Routine Prospektiv 161.7 (63.3) 118.2 (48.3) Retrospektiv 118.3 (43.0) 147.7 (41.1)
  • Modelle der Zeitwahrnehmung (Auswahl) Taktgeberfreie Modelle: - Neuronale Netzwerke - Spurenzerfall - Storage Size Model (Ornstein, 1969) - Contextual Change Model (Block & Reed, 1978) -> retrospektive Zeitschätzung Taktgeber-Modelle: - Scalar Expectancy Theory (Gibbon, 1977) - Attentional Gate Model (Zakay & Block, 1997) -> prospektive Zeitschätzung
  • Attentional-Gate Model (Zakay & Block, 1997) Prospektive Zeitwahrnehmung  siehe Folie
  • Attentional-Gate Model (Zakay & Block, 1997) Zwei Einflussfaktoren auf die Zeitwahrnehmung (1) Aktivierung  Taktgeber-Geschwindigkeit - hoch: mehr Takte in der selben Zeit  längere Zeitschätzung - niedrig: weniger Takte in der selben Zeit  kürzere Zeitschätzung (2) Aufmerksamkeit  „Aufmerksamkeitstor“ - Ablenkung der Aufmerksamkeit weg von der Zeit  weniger Takte werden gezählt  kürzere Zeitschätzung
  • Bekannter Beleg für Attentional Attentional Kürzere Zeitschätzung bei Ablenkung
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  • Was ist der Taktgeber? Die Herzfrequenz? (Schwarz, Winkler & (Schwarz, Winkler & Sedlmeier Sedlmeier, 2013) , 2013)  sie Folie
  • Schwarz, Winkler & Sedlmeier (2013) Result: The heart beat does not make us tick! CC: control condition; BH: breath-holding condition; ME: muscular exercise condition
  • Retrospektive Zeitwahrnehmung Taktgeber-Mechanismus ist hier unwirksam  Rekonstruktion der Zeitspanne aus dem Gedächtnis wird nötig
  • Retrospektive Zeitwahrnehmung Rekonstruktion Gedächtnisprozess: Anzahl der (kontextuellen) Veränderungen innerhalb der maßgebenden Zeitspanne, die erinnert werden soll Je mehr Veränderungen registriert und erinnert werden, desto länger die Zeitschätzung!
  • Routine-Experimente (Avni-Babad & Ritov; 2003) Prospektiv: Nicht-Routine  Kürzere Zeitschätzung (mehr Ablenkung) Retrospektiv: Nicht-Routine  Längere Zeitschätzung (mehr Gedächtnisinhalte)
  • Verändert sich die Zeitwahrnehmung im Laufe des Lebens? Alterseffekt der Zeitwahrnehmung: Je älter man wird, desto schneller scheint die Zeit retrospektiv zu vergehen. Wittmann & Lehnhoff (2005): 499 Befragte im Alter zwischen 14 und 94 Jahren • Wie schnell verging die Zeit in den letzten 10 Jahren? • Korrelation von .30 (p < .001) zwischen Zeitempfinden und Alter der Probanden • Ähnliche Ergebnisse auch bei Friedman & Janssen (2010) und Janssen, Naka & Friedman (2013)  Probanden aus Europa, Neuseeland und Japan • Ziemlich stabiles Phänomen, aber Ursachen noch unklar Verändert sich die Zeitwahrnehmung im Laufe des Lebens? Verändert sich die Zeitwahrnehmung im Laufe des Lebens?
  • Warum scheint die Zeit immer schneller zu vergehen? 1 Verbleibende Lebenszeit wird kürzer und Angst vorm Lebensende nimmt zu  die Zeit wird salienter und als schneller vergehend wahrgenommen 2 Mit zunehmendem Alter immer weniger neue Lebensereignisse  retrospektive Zeitschätzung basiert auf Anzahl (neuer) Erlebnisse  je mehr erinnerte Lebensereignisse, desto länger die geschätzte Zeitspanne 3 Mit zunehmendem Alter mehr Routinen im Leben  Zeitspannen in Routinetätigkeiten werden retrospektiv als kürzer eingeschätzt 4 Zunehmend mehr Menschen leiden unter Zeitdruck  weniger frei verfügbarer Zeit  Zeit wird als knapper und schneller vergehend wahrgenommen 5 Mit zunehmendem Alter selteneres Auftreten von Planungsfehlern (‘planning fallacies’), da mehr Erfahrungen mit der Dauer von Handlungen  als Kontrast-Effekt eines Planungsfehlers wird die Dauer einer Handlung rückblickend überschätzt Winkler & Sedlmeier (2011): Potentielle Erklärungen auf Basis von Vorbefunden der Zeitforschung
  • Warum scheint die Zeit immer schneller zu vergehen? Winkler, Fischer, Kliesow, Rudolph & Thiel (2015): Note: Error bars +/-1SE Note: Error bars +/-1SE Online-Umfrage zur Geschwindigkeit der Zeit sowie zu potentiellen Faktoren des Zeitempfindens: für die momentane Lebenssituation (‚current life situation‘) und rückblickend für vergangene Lebensspannen (‚past life periods‘) in 10-Jahres-Schritten Probanden: N = 601; Alter 15 – 80 Jahre; ♀ = 69%
  • Musik und Zeitwahrnehmung • 10 Musikstücke  je 22 sec lang • 5 Genres: Pop, Rock, German-Rock, Electro, Jazz ( je ein bekanntes und ein unbekanntes Stück) Mehrebenenanalyse: Regressionskoeffizienten β; p-Werte für einseitige t-Tests, df = 77
  • Interkulturelle Unterschiede in der „Lebensgeschwindigkeit“ „Lebensgeschwindigkeit“ und Herzerkrankungen Beziehung zwischen Lebensgeschwindigkeit und Anfälligkeit für Herzkrankheiten (CHD: Coronary Heart Disease) r = 0,51! : fast places attract fast people • (Rauchen und ungesunde Ernährung als mediierende Variablen?) • Beziehung davon abhängig, ob Schnelligkeit mit Feindseligkeit/Ärger gekoppelt ist (Zusammenhang bei Japanern deutlich geringer)
  • „Lebensgeschwindigkeit“: weitere Zusammenhänge Mögliche Gründe Mögliche Auswirkungen Internationale Studie: jeweils eine große Stadt pro Land (n = 28) - - „Lebensgeschwindigkeit“: weitere Zusammenhänge (
  • Bestimmen Ihres Chronotyps: https://www.bioinfo.mpg.de/mctq/core_work_life/core/introduction.jsp?language=d eu ??=??
  • Einflüsse des Chronotyps auf circadiane Rhythmen: Körpertemperatur Scatter plot of scheduled wake time vs. temperature minimum (Tmin) for the 172 subjects. The equation of the regression line is: Wake=(.67)(Tmin) + 5.4. Distribution of morningness–eveningness scores for the 172 subjects. Vertical lines separate the E-type, N-type and M-type subjects.
  • Vergleich der Temperaturkurven von „Lerchen“ und „Eulen“ 8 Uhr: geringe Körpertemperatur  wenig aktiviert, müde 8 Uhr: hohe Körpertemperatur  aktiviert, wach
  • Chronotyp und das Problem des „Social Jetlags“ Warum haben spätere Chronotypen mehr Probleme? (Absoluter Unterschied zwischen der Schlafmitte an freien und Arbeitstagen) Graue Punkte: N = 35000 Schwarze Punkte: aktuelle Studie, N = 501