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Sozialpsychologie (Fach) / Sozialer Einfluss (Lektion)
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- Was versteht man unter sozialem Einfluss? Unter sozialem Einfluss versteht man die Wirkung einer Person oder Gruppe auf die Gefühle, Gedanken und das Verhalten einer anderen Person oder Gruppe. Dabei kann die Wirkungsquelle eine tatsächlich anwesende, eine implizit anwesende oder nur eine vorgestellte Person sein.
- Was kann durch die Tatsache, dass man mit tatsächlich anwesenden, implizit anwesenden oder nur vorgestellten Personen konfrontiert ist, beeinflusst werden? Veränderung von Einstellungen, Überzeugungen, Meinungen, Werten bzw. Verhaltensweisen.
- Welche zwei grundlegenden Prozesse von sozialem Einfluss sind aus theoretischer Sicht zu unterscheiden und was versteht man darunter? Normativer sozialer Einfluss: Orientierung an der Gruppennorm.Eine Person schließt sich den Meinungen uns Verhaltensweisen einer Mehrheit an, um dadurch einen guten Eindruck bei der Gruppe zu machen. Informativer sozialer Einfluss: Gruppe als Informationsquelle.Ist man sich bzgl. eines Sachverhaltes unsicher, dient die Mehrheit der Gruppe als nützliche Informationsquelle. Dabei unterstellt man, dass die Gruppe richtig liegt.
- Welches Motiv liegt sowohl normativem als auch informativem sozialen Einfluss zugrunde? Das Streben nach sozialer Anerkennung, Akzeptanz und Sympathie.
- Wie ist die Definition von Normen? Normen steuern unser Verhalten ohne die Kraft von Gesetzen. Sie sind Ausdruck der gemeinsamen Erwartungen von Gruppenmitgliedern hinsichtlich typischer oder erwünschter Aktivitäten.
- Welche Funktion haben Normen? Geben Sicherheit durch angemessenes Verhalten Koordinieren individuelles Verhalten (z. B. Startzeit Meeting) Gerechte Verteilungsprozesse
- Was ist der autokinetische Effekt? Eine optische Täuschung, die immer dann auftritt, wenn das menschliche Auge keinen zweiten visuellen Referenzpunkt hat. Kleine fixierte Lichtquellen oder ein kurz dargebotener stationärer Lichtpunkt im Blickfeld werden in einer sonst dunklen Umgebung als bewegt wahrgenommen.
- Welches Experiment von Sherif basierte auf dem autokinetischen Effekt? Experiment zum informationalen sozialen Einfluss.
- Zu welchem Ergebnis kam Sherif in seinem Experiment zum informativen sozialen Einfluss? Aufgrund der Unsicherheit bzgl. des eigenen Urteils in der ersten Einzelphase diente die Gruppe in der zweiten Phase als Informationsquelle (informativer sozialer Einfluss).Die dabei entwickelten Gruppennormen wurden verinnerlicht (private Akzeptanz) und das abschließende Individualurteil wurde an dasjenige der Gruppe angeglichen.
- Was versteht man unter privater Akzeptanz (Conversion)? Man ändert seine Meinung, weil man tatsächlich von der Richtigkeit der Meinung anderer (z. B. der Mehrheit der Gruppe) überzeugt ist.
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- Was erklärt Moscovici mit seiner Konversionstheorie? Der Ansatz von Moscovici erklärt, warum eine Mehrheit nur eine oberflächliche Verhaltensanpassung (öffentliche Compliance) bewirkt und eine Minderheit eine echte Einstellungsänderung (private Akzeptanz) bewirkt:Persistierende, konsistente Minderheiten lösen bei uns einen kognitiven Konflikt aus und bringen uns dazu, tiefer zu elaborieren (»think twice«).
- Wie lauten die 5 Verhaltensstile nach Moscovicis Konversionstheorie? Autonomie: Formulierung eigenständiger Überzeugungen keine Beeinflussung durch den Gruppendruck Fairness: Rückstellen der eigenen Person Akzeptanz anderer Meinungen sachliche Argumentation Investition: hohes persönliches Opfer hohes Risiko Rigidität: sture / unveränderte Beibehaltung der eigenen Position flexibler, angepasster Verhandlungsstil Konsistenz: widerspruchsfreie Äußerungen stringente Argumentaion "eigener Linie treu bleiben"
- Beschreibe Aufbau, Aufgabe und Durchführung des Dia-Experiments von Moscovici. Aufbau und Aufgabe: 6 Versuchspersonen (4 Unwissende und 2 Eingeweihte) sollten die Farbe und Leuchtkraft von insgesamt 36 Dias beurteilen Alle Dias waren tatsächlich blau, nur die Leuchtkraft variierte Die beiden Eingeweihten bezeichneten entweder einen Teil der Dias oder alle Dias als grün Durchführung: Offene Urteilsabgabe in der Gruppe nach jedem gezeigten Dia Urteilsabgabe der beiden Eingeweihten entweder konsistent (alle 36 Dias wären angeblich grün) oder zufällig inkonsistent (24 Dias grün, 12 blau)
- Beschreibe das Ergebnis des Dia-Experiments von Moscovici. Bei konsistentem Urteil der Minderheit (die Eingeweihten bezeichneten alle 36 Dias als grün, obwohl alle blau waren):8,42% der Antworten der Mehrheit lauteten ebenfalls "grün". Bei inkonsistentem Urteil der Minderheit (die Eingeweihten bezeichneten in zufälliger Reihenfolge 24 Dias als grün, 12 als blau):Nur 1,25% der Antworten der Mehrheit lauteten "grün". => Der Verhaltensstil der Minderheit ist ausschlaggebend.
- Erläutere die Grundannahmen der Konversionstheorie nach Moscovici: Worin unterscheiden sich Art des Konfliktes, Prozess, Ergebnis und Urteilsebene bei Mehrheit und Minderheit? Worin unterscheiden sich der Einfluss von Mehrheiten und der von Minderheiten? Art des KonfliktsMehrheit: sozialMinderheit: inhaltlich ProzessMehrheit: sozialer VergleichMinderheit: Validierung ErgebnisMehrheit: AnpassungMinderheit: Konversion UrteilsebeneMehrheit: öffentlich, direktMinderheit: privat, indirekt EinflussMehrheit: oberflächlich und kurzfristig, oberflächliche AnpassungMinderheit: subtil und langfristig, internalisierte Einstellungsänderung
- Was ist das heutige Fazit zu Moscovicis Konversionstheorie? Sie beschreibt sehr gut den Einfluss auf gesellschaftlicher Ebene Aber auf individueller Ebene konnten die Annahmen zur Validierung und Konversion nur eingeschränkt bestätigt werden, da Minoritäteneinfluss nicht zu einer kognitiv hoch aufwändigen Validierung führt und auch nicht grundsätzlich einen kognitiven Konflikt auslöst Dilemma: Wirkt die konsequente Minderheit als zu unflexibel und starr, wird die Mehrheit ihre Meinung vermutlich nicht ändern. Wirkt sie flexibel und kompromissbereit, wird sie evtl. als zu wenig extrem angesehen. Dennoch ist die Konversionstheorie bis heute das einflussreichste Modell zum Minoritäteneinfluss geblieben.
- Welche Frage wollte Milgram mit seinem Experiment zum Thema Gehorsam und Autorität beantworten? Warum leisten Menschen den Anweisungen einer Autorität auch dann Folge, wenn sie im Widerspruch zu ihren eigenen ethischen Prinzipien stehen?Charakterfehler oder Situationen und Umstände?
- Welchen Befund brachte Milgrams Experiment zum Thema Gehorsam und Autorität (Stromstöße)? 60% der Versuchsteilnehmer gehorchten bis zum Schluss und hätten in Kauf genommen, dass die andere Versuchsperson durch einen tödlichen Elektroschock stirbt. Dieser Befund war relativ konstant über verschiedene Länder und Kulturen hinweg.Die Bereitschaft der Versuchsteilnehmer, bis zum Äußersten (450 Volt) zu gehen, war am höchsten, wenn ein "Wissenschaftler" körperlich anwesend war und Anweisungen erteilte und/oder sie das "Opfer" nicht sehen konnten. Gab es keine Anweisungen durch eine "Autoritätsperson" und/oder konnten die Versuchsteilnehmer das "Opfer" sehen, war die Bereitschaft dazu am niedrigsten.
- Wie sieht man das Ergebnis von Milgrams Experiment zum Thema Gehorsam und Autorität (Stromstöße) heute? Das Ergebnis basierte nicht auf einem Charakterfehler der Personen, sondern sie erlagen dem Druck der Versuchssituation.Eine spezifische Situation kann unser Verhalten extrem beeinflussen und auch gegen unsere Überzeugung, Einstellung etc. verändern (situativer Einfluss).
- Welche psychologischen Erklärungen können für das Ergebnis aus Milgrams Experiment zum Thema Gehorsam und Autorität (Stromstöße) herangezogen werden? Situativer Einfluss (Druck der Versuchssituation) Entrapment (Personen fühlen sich immer stärker dazu verpflichtet, der Autorität zu gehorchen, nur weil sie ihr vorher auch schon gehorcht haben. Eigene Verhaltensweisen werden häufig nicht beendet, obwohl deutlich wird, dass diese zu Nachteilen führen können. Man "tappt" durch sein eigenes Verhalten "in eine Falle") Sozialisierung zu Gehorsam (Gehorsam wird während unserer Sozialisierung belohnt, während Ungehorsam bestraft wird) Expertenheuristik (Experten haben immer recht und man kann ihnen vertrauen und gehorchen. Rechtfertigung und Verantwortungsabschiebung)
- Wie beeinflussen zugewiesene Rollen uns? Wer eine neue Rolle einnimmt (z. B. Teamleiter), ist bestrebt, diese Rolle nach den gesellschaftlichen Vorgaben auszufüllen Rollenverhalten kann die Einstellungen einer Person überlagern.
- Welchen 5 Faktoren schreibt Zimbardo einen starken Einfluss auf die Verhaltensweisen in seinem Gefängnis-Experiment zu? Anonymität und Deindividuation (Uniformen bzw. Gefangenenkleidung, Häftlinge hatten Nummern statt Namen) Macht der Regeln und Vorschriften (Rechtfertigung der Misshandlungen durch die Wärter mit dem Hinweis auf "die Vorschriften") Rollen und Verantwortung für Übertretungen (Menschen neigen dazu, rollengesteuertes Verhalten zu zeigen bzw. die Rolle zu verinnerlichen) Kognitive Dissonanz (kognitive Re-Interpretation, um Spannung abzubauen) Bedürfnis sozialer Billigung (Anpassung an Gruppennorm
- Wann spricht man beim Thema sozialer Einfluss von Compliance? Wenn die Zielperson eines Einflussversuches einer entsprechenden Bitte nachgibt.Oder wenn eine Person eine Norm erfüllt, ohne dass dieses Verhalten mit einer privaten Einstellungsänderung einhergeht.
- Welche drei Haupttechniken gibt es zur Compliance (absichtlicher sozialer Einfluss)? Door-in-the-Face-Technik:Erst extreme Bitte, die erwartungsgemäß abgelehnt wird, dann Rückzug auf eine maßvollere (eigentliche) Bitte, die dann oftmals erfüllt wird.Auch bekannt als Methode der "reziproken Konzessionen".Erklärung: Es ist normativ, auf das "Entgegenkommen" des Bittstellers entsprechend zu reagieren. Foot-in-the-Door-Technik:Erst kleinere Bitte, die fast immer erfüllt wird, dann Nachsetzen einer Bitte um einen größeren, damit zusammenhängenden, Gefallen.Erklärung: Konsistenz Den Ball flach halten:Auf erfolgreiche erste Bitte hin folgt eine weniger vorteilhafte Variante der gleichen Bitte.Erklärung: Zielperson empfindet eine nicht eigenlöste Verpflichtung.