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Psychologie Fetchenhauer (Fach) / 9 (Lektion)
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- Gender Similarity Hypothesis Männer und Frauen unterscheiden sich auf den meisten Persönlichkeits- und Fähigkeitsdimensionen wie Big Five oder Intelligenz nicht
- Worin unterscheiden sich Männer und Frauen? 5 Nachweisliche Unterschiede bestehen in den Bereichen Empathie und Fürsorglichkeit Ehrgeiz und Kompetivität Selbstbewusstsein und Assertivität Aggressivität und Gewalt Risikobereitschaft
- Empathie und Fürsorglichkeit 3 Frauen engagieren sich viel stärker als Männer in der Kindererziehung und der Pflege der Eltern und anderer Angehöriger Dieser Geschlechtsunterschied ist weitestgehend unabhängig von gesellschaftlichen Normen Beispiel: Kibbuz-Bewegung in Israel Größere Fürsorglichkeit von Frauen ist verbunden mit einem höheren Maß an Empathie
- Ehrgeiz und Kompetitivität 3 Männer sind eher an Wettbewerb und sozialem Statusinteressiert als Frauen Männer engagieren sich im Wettbewerb selbst dann, wenn sie wissen, dass sie vermutlich verlieren werden (in einer Studie entschieden sich 75 % der Männer aber nur 35 % der Frauen für den Wettbewerb (unabhängig davon ob sie davor gewonnen oder verlohren hatten) Die unterschiedliche Wettbewerbsorientierung spiegelt sich auch in den Karrierewegen wider
- Selbstbewusstsein und Assertivität (Fähigkeit seine Interessen durchzusetzen) 3 Menschen neigen dazu, eigene Erfolge eigenen persönlichen Fähigkeiten, eigene Misserfolge dem Pech oder dem Zufall zuzuschreiben. Bei Männern ist diese Tendenz stärker als bei Frauen Männer sind eher als Frauen bereit, ihre eigenen Belange offensiv zu formulieren Frauen vermeiden Wettbewerb mit anderen selbst dann, wenn sie in diesem gute Chancen hätten, zu gewinnen
- Aggressivität und Gewalt Männer sind aggressiver als Frauen (Mörder, Selbstmordattentäter, Amokläufer) Kriege wurden zu allen Zeiten vor allem von Männern geführt
- Risikobereitschaft Männer sind risikobereiter als Frauen (Autofahren, Geldanlage, Sex) Als Folge dieser geringen Risikoaversion sind Männer häufiger Opfer von Verkehrs- und anderen Unfällen sowie von Straftaten
- Unterschiede in der Varianz 3 Männer sind in ihrem Wesen extremer als Frauen Das heißt der Mittelwert von Frauen und Männern ist bei den meisten Persönlichkeitsmerkmalen gleich groß Die Varianz ist bei Männern größer
- Sozial-konstruktivistische Erklärungen für Geschlechterunterschiede 6 Vertreter des sozialen Konstruktivismus behaupten, dass es keine objektive Realität gibt Denken über Geschlechterunterschiede habe keine objektive Grundlage, sondern sei das Ergebnis einer gesellschaftlichen Konstruktion solcher Unterschiede Alice Schwarzer: Gebärfähigkeit ist der einzigeUnterschied zwischen Männern und Frauen „Nature is a political strategy of those committed tomaintaining the status quo of sex differences“ (Money, 1987) Tatsächlich werden einige Merkmale von Frauen undMännern vollkommen arbiträr zugeordnet Es gibt aber eine Vielzahl von universellen oderannähernd universellen Geschlechterunterschieden Die geschlechtliche Identität eines Menschen ist in allenKulturen ganz überwiegend vom biologischen Geschlechtdeterminiert
- Evolutionspsychologische Erklärungen für Geschlechterunterschiede 4 Aus evolutionspsychologischer Perspektive sind Geschlechterunterschiede durch unterschiedliche Reproduktionsstrategien zu erklären bleiben auch in Zunkunft bestehen Männer im intrasexuellen Wettbewerb um Reproduktion (Agressiver, assertiver und Wettbewerbsoriertierter ⇒hoher sozialer Status bringt viele Nachkommen), mehr Risiken weil sie dadurch stärke und reproduktive Fittness beweisen können Frauen durch Kinder empatischer, soz. Netzwerk für Kinder wichtig, keine Risiken eingehen um Kinder großzuziehen
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- Die bio-soziale Theorie von Eagly und Wood 4 Verknüpfung des sozial-konstruktivistischen mit dem evolutionspsychologischen Erklärungsansatz, Körperliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern bedingen eine natürliche Arbeitsteilung Um die Aufgaben adäquat zu erfüllen, werden sie in bestimmte Geschlechterrollen sozialisiert Dies führt zu Entwicklung typisch weiblicher bzw. typisch männlicher Eigenschaften
- Worin unterscheidet sich die Theorie von Eagly und Wood? 4 Im Gegensatz zu sozial-konstruktivistischem Ansatz sind Geschlechterunterschiede nicht arbiträr Sie entspringen den funktional vorgegebenen Geschlechterrollen in archaischen Gesellschaften Im Gegensatz zum evolutionspsychologischen Ansatz sind Geschlechterunterschiede nicht genetisch bedingt Sie werden durch gesellschaftliche Rollenerwartungenvermittelt
- Welche Prognosen lassen sich aus der bio-sozialen Theorie ableiten? 4 Bei Veränderungen gesellschaftlicher Rahmenbedingungen nehmen Geschlechterunterschiede ab In modernen Gesellschaften gibt es nur noch wenige funktionale Notwendigkeiten, an den überkommenen Geschlechterrollen festzuhalten Männer haben wenig Interesse daran, zu einer Nivellierung von Geschlechterrollen beizutragen. Dies hat verschiedene negative Konsequenzen für Frauen Letztlich aber werden sich die gesellschaftlichen Positionenvon Männern und Frauen angleichen
- Wie lässt sich überprüfen, welche der Theorien zutreffend ist? 2 Studien bzw. Forschungsansätze, die es ermöglichen verschiedene Theorien gegeneinander zu testen Empirische Ergebnisse dürfen nicht schon vorher bekannt sein Die verschiedenen Theorien müssen unterschiedliche Ergebnisse vorhersagen
- Wie lässt sich überprüfen, welche der Theorien zutreffend ist? 3 Es gibt einige Studien, die diese Kriterien genügen Geschlechterunterschiede in der Furcht vor Kriminalität Einfluss des Menstruationszyklus auf die weibliche Psyche Partnerwahlpräferenzen und weibliche Teilhabe an der Macht
- Geschlechterunterschiede in der Furcht vor Kriminalität Power control Theory 2 Machtunterschiede zwischen Vätern und Müttern führen zu unterschiedlichen Sozialisationsstilen gegenüber Jungen und Mädchen Hypothese: In traditionellen Familien sollten die Furchtunterschiede viel höher sein als in nichttraditionellen
- Kriminalitätsfurchtparadox Obwohl Männer häufiger Opfer von Gewalt und Aggressionwerden, haben Frauen mehr Angst davor
- Geschlechterunterschiede in der Furcht vor Kriminalität Mögliche Erklärung durch die Evolutionspsychologie Hypothese: Frauen sollten generell furchtsamer sein als Männer Frauen: Flucht / Furcht adaptiv (Schutz) Männer nicht adaptiv (jagd, wettstreit, reproduktion)
- Überprüfung des Kriminalitätsfurchtparadox 7 Beträchtliche Geschlechterunterschiede in der Furcht der befragten Jugendlichen Mädchen gaben an, eine potentielle Viktimisierung durch die genannten Ereignisse als „schlimmer“ zu erleben als Jungen Mädchen schätzten hinsichtlich aller Ereignisse die Wahrscheinlichkeit, Opfer dieses Ereignisses zu werden, als deutlich höher als Jungen Einklang mit beiden Ansätzen Auswirkungen von innerfamiliärer Machtverteilung, wie Arbeitszeiten der Eltern, Ausbildungsniveau, Wahrnehmung des Rollenverhaltens Keiner der Indikatoren beeinflusste den Geschlechterunterschied in der Furchtsamkeit Der evolutionäre Erklärungsansatz wurde (mittels der Falsifikation der Alternativerklärung) damit bestätigt
- Der Einfluss des Menstruationszyklus auf die weibliche Psyche, Partnerwahl 2 Evolutionspsychologisch gesehen stehen Frauen bei der Wahl eines Sexualpartners vor dem Dilemma, da sie die Wahl zwischen zwei „Partnertypen“ haben Typ I: Körperlich attraktive Partner mit „guten Genen“, die sexuelle Beziehungen mit vielen Frauen unterhalten und häufig nicht gewillt sind, sich fest an eine Frau zu binden Typ II: Partner, die Zeit und Ressourcen in die Kindererziehung investieren werden Frauen können ihre reproduktive Fitness erhöhen, indem sie eine „gemischt reproduktive Strategie“ verfolgen Für kurzfristige Affären bevorzugen sie die attraktiven „Machos“, von denen sie geschwängert werden könnten Als Langzeitpartner bevorzugen sie den „guten Zuhörer“ und „fürsorglichen Vater“, der die Kinder, die er für seine eigenen hält, großziehen wird
- Der Einfluss des Menstruationszyklus auf die weibliche Psyche Evolutionspsychologische Hypothesen In der Mitte des Menstruationszyklus bevorzugen Frauen „Machos“ Zu allen anderen Zeitpunkten bevorzugen Frauen die „netten Versorger“ Wenn sich diese Hypothesen als richtig herausstellen, wäre dies ein Beweis für die Gültigkeit der Evolutionspsychologie ein Widerspruch zu sozial-konstruktivistischen Theorien ein Widerspruch zur bio-sozialen Theorie von Eagly und Wood ein Beispiel für neue gute Hypothesen, da sie sowohl bereits bekannte Phänomene erklären, wie auch Vorhersagen über bislang unbekannte Tatsachen treffen Die Theorie der gemischt reproduktiven Strategie lässt sich tatsächlich empirisch bestätigen Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass Frauen in der Mitte ihres Zyklus bei Männern maskulinere Gesichter und Stimmen bevorzugen eine Präferenz für den Geruch symmetrischer Männer zeigen stärker als zu anderen Zeiten versuchen, die sexuelle Aufmerksamkeit von Männern zu erregen
- Partnerwahlpräferenzen 7 Studie von David Buss: Frauen und Männern aus 37 verschiedenen Kulturen wurden gefragt, was ihnen bei einem potentiellen Heiratspartner wichtig sei Ergebnisse Männer bevorzugten jüngere Frauen Frauen bevorzugten ältere Männer Für Frauen war es wichtiger als für Männer, dass ihr Partner über hohes Einkommen verfügt Was bedeutet dies? Kulturuniversale Befunde wurden zunächst als Bestätigung der evolutionspsychologischen Erklärung ewertet Eagly und Wood wiesen jedoch darauf hin, dass diese Befunde auch ihre bio-soziale Theorie stützen Eagly und Wood wiesen zusätzlich auf die Unterschiede in der Stärke der Geschlechterunterschiede zwischen den Kulturen hin
- Partnerwahlpräferenzen und weibliche Teilhabe an der Macht 3 Weitere Studie: Analyse der Korrelation von kulturellen Geschlechterunterschieden mit dem Ausmaß der gesellschaftlichen Teilhabe von Frauen Präferenzen von Frauen und Männern unterscheiden sich umso stärker, je niedriger der Grad der Gleichberechtigung in einem Land Diese Ergebnisse stützen die bio-soziale Theorie
- Wie können alle drei theoretischen Ansätze miteinander verknüpft und integriert werden? 7 Jede Theorie kann auf empirische Evidenz verweisen Manches typisch Männliche oder typisch Weibliche beruht tatsächlich auf arbiträren Festlegungen Manche Geschlechterunterschiede sind unabhängig von den kulturellen Rahmenbedingungen Manches geschlechterspezifische Denken, Handeln und Fühlen ist von sozioökonomischen Bedingungen abhängig Baumeister (2005): Verknüpfung von Evolutionspsychologie und bio-sozialer Theorie durchdas Konzept der Reaktionsnormen Reaktionsnormen = Bereitschaft eines Organismus, auf bestimmte Umweltreize in Abhängigkeit von seinen genetischen Prädispositionen zu reagieren Inwiefern es zu diesem Rollenwandel kommt, ist immer auch eine Frage der Ziele, auf die sich eine Gesellschaft verständigt