34

Klipsy Grundlagen (Fach) / 3. Vorlesung (Lektion)

25.04.

Diese Lektion wurde von Amalaswinthaa erstellt.

Lektion lernen

Anzeige
  • Klassifikation Forschung: DSM-5 Klinik: ICD-10 Unterschiede nicht mehr so deutlich Klassifikationssysteme (allgemein) -> Oberkategorien, Unterkategorien, Subgruppe, Einzelne Exemplare Probleme: Mehrere Kategorien möglich (z.B. Panikstörungen) Klassifikationssysteme sollen klar und eindeutig sein
  • Pro Klassifikation Kommunikation (einheitliche Nomenklatur) Organisation und Reduktion von Informationen  Ökonomische Informationsvermittlung Grundlage für Wissensakkumulation (Praxis, Forschung) Handlungsanleitung für Diagnostik und Therapie  Explizite Klassifikation besser als implizite
  • Contra Klassifikation Informationsverlust durch „Etiketten“ Stigmatisierung Gefahr der Reifikation künstlicher Einheiten = Vergegenständlichung eines Konzeptes (Depression nur noch als Konstrukt, jedoch nicht eindeutig fassbar) Gefahr der Verwechslung von Deskription und Erklärung Typologien können zugrunde liegende Dimensionen verschleiern Klassifikation führt zu kategorialem Ansatz (Man hat Depression oder nicht)
  • Wie gut gelingt Klassifikation, Reliabilität und Validität? Realibilität gegeben, wenn mehrere das gleiche messen Validierung psychischer Störungen schwierig Alles nur theoretische Konstrukte Kein „Außenkriterium“/ kausale Ursache für Störungen möglich Keine Vergleichsgruppe vorhanden, bei der man 100% sagen kann, dass die Störung vorliegt
  • Rosenhan-Experiment Vorbereitungen Rosenhan und seine Probanden putzten sich mehrere Tage weder die Zähne, noch rasierten oder wuschen sie sich Mit schmutzigen Kleidern in der Klinik und sagen Stimmen zu hören, die leer, hohl und dumpf sagen, baten um Aufnahme in die Klinik Nach der Aufnahme völlig normales Verhalten Aufgabe der Probanden: aus eigener Kraft aus der Klinik zu kommen, in dem sie das Personal von ihrer Gesundheit überzeugten Ziel des Experiments: Was unterscheidet Gesunde von Kranken? Gibt es „normalsein und Irresein?“
  • Rosenhan Experiment Behandlung 12 Scheintabletten erhielten insgesamt 2100 Tabletten 11 Patienten erhalten Diagnose Schizophrenie Krankengeschichte wurde unabsichtlich so verzerrt, dass sie zur Diagnose passte -> Bestätigungsdiagnostik  Jedoch beachten, dass jeder Mensch zu Heuristiken neigt Normales Verhalten wurde übersehen oder fehlintepretiert -> anfangs Forschungstagebuch im Geheimen geführt, später nicht mehr nötig, da das Personal nicht drauf achtet Patienten wurden entmündigt
  • Rosenhan Experiment In der Klinik ·      Alle Scheinpatienten befürchteten entlarvt zu werden à nie passiert ·      Alle wieder entlassen, aber erst nach 3 Wochen mit der Diagnose „Schizophrenie in Remission“, nicht als geheilt ·      Drittel der anderen Patienten durchschaute das Spiel
  • Rosenhan Experiment Gefahren während des Experiments ·      Wurden Rosenhan erst während des Experiments bewusst ·      Einige Scheinpatienten befürchteten, geschlagen oder vergewaltigt zu werden – Rosenhan merkte, dass er keine Möglichkeit hatte, seine Leute notfalls aus der Klinik zu holen ·      Stellte einen Rechtsanwalt bereit ·      Hinterlegte Anweisungen für den Fall seines Todes, da kaum jemand vom Experiment wusste
  • Rosenhan Experiment Nach dem Experiment Kritik: Methodische Mängel & „Schizophrenie in Remission“ ist so gut wie gesund Niemand hat versucht zu reproduzieren Eine Klinik behauptete, bei ihnen wären die Fehldiagnosen nicht vorgekommen Rosenhan kündigte an, in den nächsten 3 Monaten eine oder mehrere Scheinpatienten vorbei zu schicken, damit die Klinik ihr Können unter Beweis stellen kann Klinik nahm 193 Patienten auf, 19 als Scheinpatienten identifiziert Kein Scheinpatient wurde geschickt
  • Rosenhan Experiment Schlussfolgerungen und Konsequenzen ·      Schubladendenken in der psychiatrischen Diagnostik ·      Rosenhan Klassifikation psychischer Störungen für uneindeutig und schlimmstenfalls schädlich ·      Seine Studie gab wichtigen Anstoß für moderne operationalisierte Diagnostik ·      (Interrate-) Reliabilität garantiert nicht Validität (keine Validität gegeben)
  • Anzeige
  • Klassifikationssysteme Altersungebunden ·      internationale Klassifikation von Krankheiten, ICD (weltgesundheitsorganisation, WHO) ·      Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen, DSM (American Psychiatric Association, APA)
  • Klassifikationssysteme Spezifisch für Kinder und Jugendliche ·      Multitaxiales Klassifikationsschema für psychiatrische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter (MAS; Remschmidt, Schmidt und Poustka) ·      Zero to Three (National center for Infants, Toddlers and Families) à Störungen von 0-3 wie Regulations- oder Bindungsstörungen aus der Pädiatrie
  • Ziele von DSM-III und Nachfolgern und ICD-10 Braucbar für Therapie und Administration unter verschiedenen klinischen Bedingungen Hinreichende Reliabilität Annehmbar für Praktiker und Forscher verschiedener theoretischer Orientierungen Verzicht auf unbewiesene theoretische Annahmen Konsens über zuvor widersprüchliche verwendete klinische Begriffe Verzicht auf überlebte Begriffe (z.B. Neurose) Übereinstimmung mit Forschungsergebnissen zur Validität diagnostischer Kategorien Brauchbar für die Kennzeichnung von Probanden in Forschungsstudien
  • Merkmale von DSM-II und Nachfolgern und ICD-10  Deskriptiver Ansatz  (weitgehend atheoretisch): Störungsdefinition durch klinische Merkmale Darstellung klinischer Merkmale auf möglichst niedrigem Niveau von Schlussfolgerungen Gliederung von Störungen ohne bekannte Ätologie augrund gemeinsamer klinischer Merkmale  Modernes Konzept psychischer Störungen Klassifikation von Störungen, nicht Individuen Einführung spezifischer inhaltlicher und zeitlicher Diagnosekriterien (Operationalisierung) Betonung offen erfassbarer Verhaltensweisen Detaillierte und systematische Beschreibung der einzelnen diagnostischen Kategorien Konzept multipler Diagnosen statt Störungshierarchien (Komorbidität zugelassen) Konzept der Multiaxialität
  • Hauptursachen unreliabler und unvalidierter Diagnosen Schilderung der Beschwerden durch den Patienten Häufig, dass Patienten „kleine Symptome“ unterschlagen, die wichtig wären, Rückversicherung nötig Abhängig von der Stimmung des Patienten unterschiedliche Berichte Standardisierung nötig, bzw. immer die gleichen Fragen stellen Vergleich zu anderen nötig, um klinisch einordnen zu können Klassifikationssystem Erfassung durch Diagnostiker Bestätigungsdiagnostik Übersehen von Komorbidität (Heutzutage 2-3 Störungen gleichzeitig normal)
  • Bessere Reliabilität durch standardisierte Befunderhebung ·      50er Jahre: Selbst- und Fremdbeurteilungsskaen reliabler als frühere ICD- oder DSM-Diagnosen ·      70er Jahre: Halbstrukturierte diagnostische Checklisten und Interviews ·      80er Jahre: Einführung expliziter Diagnosekriterien im DSM-III ermöglichte standardisierte Befunderhebung durch Kliniker mittels genau ausformulierter Fragen ·      Heute: strukturierte und standardisierte Interviews
  • Geschichte der operationalisierten Klassifikationssysteme DSM (Diagnostic and statistical Manual of Mental Disorders) 1952 DSM-I: Glossar zur Beschreibung psychischer Krankheiten 1972 erstmals systematische und operationalisierte Regeln für psychiatrische Diagnosen („Feighner-Kriterien“) 1977 alternative operationalisierte Kriterien: „Research Diagnostic Criteria“ (Spitzer et al.) 1980 modifizierte Feighner-Kriterien als Grundlage des DSM-III: radikale Abwendung von traditionellen Lehrbüchern und Glossarbeschreibungen idealtypischer Symptome 1994 neueste Fassung: DSM-IV 2015 DSM-5
  • Geschichte der operationalisierten Klassifikationssysteme ICD (International Classification of Diseases, WHO) ·      1949 ICD-6: erstmals Kapitel über psychische Krankheiten ·      1992 ICD-10: erstmals mit operationalisierten Kriterien ·      Seit 2007 Vorbereitung der ICD-11 ·      2017 geplante Publikation der grundlegenden 11. Revision der ICD
  • Geschichte der operationalisierten Klassifikationssysteme DSM-5 Überarbeitungsprozess 2 2006-2012: intensive Entwicklungsphase Literatur Überblicksarbeiten Sekundäranalysen Publikation von Forschungsberichten in Fachzeitschriften Entwicklung erster Entwürfe von Diagnosekriterien Bekanntgabe der Entwürfe über eine DSM-5 Homepage, um öffentliche Diskussion / Debatte zu stimulieren Durchführung von Feldversuchen Revision und Finalisierung
  • Geschichte der operationalisierten Klassifikationssysteme 4 Prinzipien der Überarbeitung 1.     DSM-5 ist primär für Kliniker, Revisionen müssen im klinischen Alltag umsetzbar sein 2.     Veränderungen sollten empirisch abgesichert sein 3.     Wann immer möglich sollte Kontinuität mit früheren Auflagen aufrecht erhalten werden 4.     Keine a priori Beschränkungen in Bezug auf Ausmaß der Veränderungen von DSM4 zu DSM5
  • Geschichte der operationalisierten Klassifikationssysteme DSM-5 Veränderungen (nicht so spezifisch wissen) Störungen teilweise im störungsspezifischen Teil, nicht mehr in der Sektion Störungen im Kindes- und Jugendalters (Entwicklungspsychopathologischer Ansatz: Eher Kontinuität von psych. Störungen vom Kindesalter bis ins Erwachsenenalter) Multiaxialen Diagnostik wurde aufgegeben  - Zuvor Verschiedene Achsen für verschiedene Aspekte spezifiziert wie z.B. Intelligenz oder Aktivitätsniveau - Aufgegeben, da Persönlichkeitsstörungen auf Achse II waren, und dadurch evtl. weniger Beachtung erhalten haben Neue Diagnose: Affektive Dysregulation: Disruptive Mood Dysregulation Disorder, DMDD Neue Forschungsdiagnosen: Nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten, Suizidale Verhaltensstörung Veränderungen - Neu: Autismussspektrumstörung - Reaktive Bindungsstörung neu bei Stress- und Traumastörungen - Soziale Angststörung Veränderung von Kriterien: Störung mit Trennungsangst (auch im Erwachsenenalter), ADHS (Beginn vor dem 12. Lebensjahr) Binge-Eating-Disorder eigenständige Diagnose
  • Die diagnostischen Kategorien des DSM-5 Störungen der Neuronalen und Mentalen Entwicklung Intellektuelle Beeinträchtigung (Intellektuelle Entwicklungsstörung) Kommunikationsstörungen Autismus-Spektrum-Störung Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung Spezifische Lernstörungen Motorische Störungen Ticstörung 
  • Die diagnostischen Kategorien des DSM-5 Schizophrenie-Spektrums- oder Andere Psychotische Störung Bipolare und Assoziierte Störungen Depressive Störungen Angststörungen Zwangsstörung und Verwandte Störungen Trauma- und belastungsbezogene Störungen Dissoziative Störungen Somatische Belastungs- und Verwandte Störungen Fütter- oder Essstörung Störungen der Ausscheidung Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus Sexuelle Funktionsstörungen Geschlechtsidentitätsstörung Disruptive, Impulskontroll- und Sozialverhaltensstörungen Störungen im Zusammenhang mit Psychotropen Substanzen und Suchtstörungen: Großes Kapitel mit Untergruppen nach Substanzart Neurokognitive Störungen (z.B. Delirium, Alzheimer) Persönlichkeitsstörungen (3 Cluster) Paraphile Störung (z.B. Voyeurismus, Exhibitionismus) Andere Psychische Störungen Medikamenteninduzierte Bewegungsstörung und andere unerwünschte Medikamentenwirkung Andere Faktoren im Fokus klinischer Aufmerksamkeit (Kodierungen, z.B. Eltern-Kind-Problem, Missbrauch) 
  • Aufbau der DSM- Diagnosekriterien Kriterium A: Hauptmerkmal der Störung Weitere Kriterien zur Beschreibung der Störung (z.B. Alter bei Erstmanifestation, Entwicklungsstand, Zeitkriterium, Verlauf, Schweregrad wie Anzahl Symptome oder Symptomausprägung) ( B-G) à Operationalisierungsinfos Klinisch bedeutsamer Leidensdruck/ Beeinträchtigung Ausschluss medizinischer Krankheitsfaktor oder direkte Wirkung einer Substanz Differntialdiagnostisches Auschlusskriterium - Subtyp und Verlaufsbestimmung möglich - Ätiologische Gesichtspunkte sollen bei der diagnostischen Klassifikation nach DSM und ICD keine Rolle spielen (atheoretischer Ansatz)
  • DSM-5: 300.29 – Spezifische Phobie Ausgeprägte Furcht oder Angst vor einem spezifischen Objekt oder einer spezifischen Situation (z.B. Fliegen, Höhen, Tiere, eine Spritze bekommen, Blut sehen). --> Beachte: Bei Kindern kann sich die Furcht oder Angst durch Weinen, Wutanfälle, Erstarren oder Anklammern ausdrücken. Das phobische Objekt oder die phobische Situation ruft fast immer eine unmittelbare Furcht oder Angstreaktion hervor. Das phobische Objekt oder die phobische Situation wird aktiv vermieden bzw. nur unter starker Furcht oder Angst ertragen. Die Furcht oder Angst geht über das Ausmaß der tatsächlichen Gefahr durch das spezifische Objekt oder die spezifische Situation hinaus. Sie ist unverhältnismäßig im soziokulturellen Kontext. Die Furcht, Angst oder Vermeidung ist anhaltend, typischerweise über 6 Monate oder länger. Die Furcht, Angst oder Vermeidung verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen. Das Störungsbild wird nicht besser durch Symptome einer anderen psychischen Störung erklärt. Dies schließt Furcht, Angst und Vermeidung von agoraphoben Situationen, die mit panikartigen Symptomen oder anderen bedrohlich erscheinenden beeinträchtigenden Symptomen assoziiert sind (wie bei Agoraphobie); Objekten oder Situationen, die mit Zwangsinhalten verbunden sind (wie bei Zwangsstörung); Erinnerungen an traumatische Ereignisse (wie bei Posttraumatischer Belastungsstörung); Trennungen von zuhause oder Bezugspersonen (wie bei Störung mit Trennungsangst); oder sozialen Situationen (wie bei Sozialer Angststörung)  
  • DSM-5: 300.29 – Spezifische Phobie Spezifikationen 300.29 (F40.218) Tier-Typus (z.B. Spinnen, Insekten, Hunde). 300.29 (F40.228) Umwelt-Typus (z.B. Höhen, Stürme, Wasser). 300.29 (F40.23x) Blut-Spritzen-Verletzungs-Typus (z.B. Nadeln, invasive medizinische Verfahren);  Kodierhinweis: Wähle die spezifische ICD-10-CM Kodierung wie folgt: F40.230 Furcht vor Blut; F40.231 Furcht vor Spritzen und Transfusionen; F40.232 Furcht vor Anderen Medizinischen Behandlungen; oder F40.233 Furcht vor Verletzungen 300.29 (F40.248) Situativer Typus (z.B. Flugzeuge, Fahrstühle, enge, geschlossene Räume). 300.29 (F40.298) Anderer Typus (z.B. Situationen, die zu Ersticken oder Erbrechen führen könnten; bei Kindern z.B. laute Geräusche oder kostümierte Figuren). Kodierhinweis: Wenn mehr als ein phobischer Stimulus vorliegt, kodiere alle ICD-10 Kodierungen, die zutreffen (z.B. für die Furcht vor Schlangen und dem Fliegen, F40.218 Spezifische Phobie, Tier-Typus, und F40.248 Spezifische Phobie, Situativer
  • ICD-10 ICD-10: Spezifische Störungen für Kindes- und Jugendalter Intelligenzminderung Entwicklungsstörungen Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend Hyperkinetische Störungen Störungen des Sozialverhaltens  Emotionale Störungen Störungen sozialer Funktionen (Mutismus, Bindungsstörung) Ticstörungen Keine weiteren Achsen
  • Altersgebundene Klassifikationssysteme Multitaxiales Klassifikationsschema für psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter, MAS Achse I: Klinisch-psychiatrisches Syndrom -> Hyperkinetisches Syndrom Achse II: Umschriebene Entwicklungsrückstände, z.B. Entwicklungsstörung der Sprache und des Sprechens Achse III: Intelligenzniveau Achse IV: Andere Krankheiten (aus anderen ICD Kapiteln), z.B. Krankheiten des Urogenitalsystems Achse V: Abnorme psychosoziale Umstände Achse VI: Globalbeurteilung des psychosozialen Niveaus 1969 erstmals von Rutter et al. publiziert 1977 erste deutsche Version von Remschmidt & Schmidt publiziert
  • Altersgebundene Klassifikationssysteme Diagnostic Classification 0-3 „Zero to Three“ (DC 0-3) Zur Unterstützung von DSM und ICD Multiaxial Achse I: Primäre Diagnose der psychischen Störung Achse II: Beschreibung der Eltern-Kind-Beziehung Achse III: medizinische und neurologische Probleme Achse IV: psychosoziale Stressoren Achse V: Funktionsniveau der emotionalen Entwicklung Neue Konstrukte: Regulationsstörungen, Multisystem Entwicklungsstörungen
  • Altersgebundene Klassifikationssysteme Drei Grundprinzipien für Definitionen von Störungen 1.     Kindliches (psychisches) Befinden entfaltet sich im Kontext von Beziehungen 2.     Individual Unterschiede in Temperament und konstitutionelle Stärken/Vulnerabilitäten spielen eine wichtige Rolle dabei wie Kinde Ereignisse wahrnehmen und verarbeiten 3.     Der familiäre Kontext ist bedeutsam für das Verständnis der kindlichen Entwicklung
  • Anzeige
  • Altersgebundene Klassifikationssysteme DC 0-3 Achse I: Klinische Störungen  100 Posttraumatische Stressreaktion 200 Affektstörungen 300 Anpassungsstörungen 400 Regulationsstörungen 500 Schlafverhaltensstörungen 600 Essverhaltensstörungen 700 Störungen der Bezogenheit und der Kommunikation Kritik: Zu früh abgestempelt werden -> Daher in DSM und ICD nicht vorhanden
  • Altersgebundene Klassifikationssysteme Achse II: Klassifikation der Beziehung Qualität der Eltern-Kind-Beziehung Interaktion, Gefühlsausdruck, gefühlsmäßige Verbundenheit Verschiedene Untergruppen sowie globale Schweregradeinschätzung 901 Überinvolvierte Beziehungsstörung 902 Unterinvolvierte Beziehungsstörung  903 Ängstlich-vermeidend 904 zornig-feindselig 905 gemischte Beziehungsstörung 906 missbrauchende Beziehungsstörung
  • Altersgebundene Klassifikationssysteme Achse V: Funktionell-emotionale Entwicklung Durch Beobachtung des Kindes in Interaktion mit den Eltern Erfassung des Entwicklungsstandes des Kindes (affektiv, interaktiv, kommunikativ, kognitiv, motorisch, sensorisch) wird mit dem erwarteten Niveau abgeglichen Aufmerksamkeit (jedes Alter) Bindung (3-6 Mo) Absichtliche und reziproke Interaktion (6-8 Mo) Affektive Kommunikation (+18 Mo) Elaboration (+30 Mo) Vorstufe der späteren Intelligenzdiagnostik
  • Werden mit DSM und ICD die gleichen Kinder identifiziert? DSM-Forschung wird auf ICD-diagnostizierte Kinder angewendet Je nach Störung gute oder schlechte Übereinstimmung Trennungsangst bspw. hohe Übereinstimmung Bei spezifischen Angststörungen werden „unterschiedliche Kinder“ identifiziert  Hohe Übereinstimmung beim Ausschluss (-/-) DSM-IV vergibt häufiger Angststörung & ADHS als ICD-10 (+/-) Etwas bessere Übereinstimmung von DSM-IV und Kindersektion (F9) von ICD-10 ICD-10: Erwachsenensektion (F4) und Kindersektion (F9) klassifizieren unterschiedliche Kinder