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Einführung in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Fach) / Nachkrieg bis 1948 und BRD (Lektion)
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- 1. Welche Bestimmungen hinsichtlich des Kriegsverlierers Deutschland wurden auf der Potsdamer Konferezn von den Alliierten getroffen? Enthielt politische und wirtschaftliche Forderungen → Entschädigungen in Form von Reparationen und Produktionsbeschränkungen Sah Rückstufung in ein Agrarland vor Entflechtung der Konzerne Strenge Kontrollen und Herstellungsbeschränkungen bei Metallen, Chemikalien, Maschinenbau ⇒ Die deutsche Industrie sollte nicht mehr in der Lage sein, Kriegsmaterial zu produzieren Bestimmungen: DL als wirtschaftliche Einheit behandeln DL wird zunächst unter alliierter Kontrolle gestellt Das dt. Volk erhält die Möglichkeit zum Wiederaufbau Geplante Maßnahmen: Politik des "Ent-"&"De-" Entmilitarisierung Entnazifizierung Poltische Dezentralisierung Wirtschaftliche Entflechtung Entindustrialisierung
- 2. Mit welcher Zielsetzung wollten vor allem die Amerikaner Deutschland nach 1945 rekonstruieren? Rekonstruktion Deutschlands und Europas im Sinne der Marktwirtschaft Westintegration
- 3. Was beinhaltet der so genannte "Industrieplan"? Endgültige Überwindung der Vorstellungen des Morgenthau-Plans Obergrenze für Entwickung der dt. Wirtschaft (max. 65% des Niveaus von 1936) Verbot von Rüstungsindustrien (Luftfahrt, Kugellager, Ammoniak,...) Produktionsbeschränkungen für rüstungsnahe Industriezweige Keine Beschränkung bzw. Förderung für soche Industriebereiche, die auch der Entwicklung der westeuropäischen Länder diente z.B. Steinkohlebergbau Konfiskation des deutschen Auslandsvermögens Die entschädigungslose Übergabe der deutschen Kriegs-, Luft- und Handelsflotte als Kriegsbeute Die Durchführung der Demontage von Industrieanlagen Die Entflechtung und Dezentralisierung der dt. Volkswirtschaft
- 4. Wann und warum komt es zur "Bizone"? Bizone = USA & Großbritannien verschmelzen ihre beiden Zonen zu einem wirtschaftlichen Ganzen 1946/47 Grund: um den kommunistischen Einfluss in Europa einzudämmen + die Versorgungslage in Deutschland zu verbessern 1949 wird durch den Anschluss Frankreichs aus der Bizone eine Trizone
- 5. Mit welchen, vor allem wirtschaftlichen, Problemen mussten sich die Alliierten im Nachkriegsdeutschland befassen? Politisch und wirtschaftlich war DL am Boden Volksvermögen, Verkehrsanlagen, Wohnraum und Produktionsmittel waren zerstört ("Stunde Null") Zurückgestaute Inflation → Geldüberhang Vertrauensverlust in die Währung Ernährungsprobleme, da kaum Konsumgüterindustrie vorhanden Mangelwirtschaft → blühender Schwarzmarkthandel Arbeitslosigkeit
- 6. Nennen Sie einige Komponenten des Colm-Dodge-Goldsmith-Plans (CDG-Plan)! Offenlegung der monetären Folgen von Krieg und Zusammenbruch Erhöhung des Arbeitsangebots + Wiederherstellung der Arbeitsdisziplin Wiederherstellung der Sparwilligkeit Verhinderung des Schwarzmarkthandels Steigerung der Verkaufsbereitschaft bei Bauern und anderen Produzenten Wiederherstellung funktionierender Geldwirtschaft Erhöhung der Produktion Liquidation der finanziellen Interessenschaften des Krieges + Förderung einer friedlichen, demokratischen dt. Wirtschaft & Gesellschaft
- 7. Wie gestalteten sich die alliierten Interessenlagen im Hinblick auf eine deutsche Währungsreform? Frankreich: Zunächst Ablehnung einer radikalen Währungsreform: DL soll unter Inflation ebenso leiden wie Frankreich DL soll nicht vollständig von Staatsverschuldung befreit werden (wie gemäß CDG-Plan vorgesehen) Großbritanien: keine radikale Reform Kontrolle der deutschen Wirtschaft muss möglich sein Keine zu starken Eingriffe in das Privateigentum Inflation (hohe Geldmenge - steigende Preise) in DL bringt britischem Außenhandel Vorteile Sowjetunion: Sonderwunsch nach Druckorten bei Zahlungsmitten (Berlin und Leipzig) Wunsch nach eigener Währungsreform Auszug aus dem alliierten Kontrollrat am 20. März 1948 USA: CDG-Plan: Befürwortung der Währungsreform Hilfe für Deutschland (ERP-Programm, Marshall-Plan) Konklave für Rothwesten Operation "Bird dog"
- 8. Was verstehen Sie unter der Operation "Bird dog"? = Geheime Gelddruckaktion in Washington Auslöser: Gerücht, dass die Sowjets bereits in Lpz Banknoten für neue Währung drucken lassen Daraufhin wurde Geld in USA gedruckt und nach FFM transportiert
- 9. Was wurde auf dem Konklave von Rothwesten besprochen? Währungsfragen Richtlinien vom Wirtschaftsausschuss für Wirtschaftsrat Durchsetzung des Homburger Plans Einheitlichkeit deutscher Stellungnahme trotz strittiger Punkte Enge Verbindung zwischen Währungsreform und Lastenausgleich
- 10. Welche konkreten Maßnahmen beinhaltet die gemeinsame Währungsreform der drei Westzonen im Juni 1948? Streichung der Verbindlichkeiten des Deutschen Reichs Erlöschen der Nostro-Guthaben der Geldinstitute Abwertung der Forderungen und Verbindlichkeiten im Verhältnis von 10:1 (bzw. 10:0,65) für Einlagen Einbußen durch Wertminderungen von Hypotheken auf zerstörte oder beschädigte Grundstücke Verlust der Verfügungsmöglichkeit über Aktiva außerhalb des Währungsgebietes, insbesondere der sowjetischen Besatzungszone und der verlorenen Ostgebiete Stark Reduzierung des Debitorenbestands der GEldinstitute, da die Schuldner die Zeit des flüssigen Geldes vor der Währungsreform zur Rückführung ihrer Reichsmarkkredite nutzten Entstehung neuer Verbindlichkeiten der Notenbanken und Landeszentralbanken dadurch, dass Bevölkerung, Wirtschaft und öffentliche Hand mit neuem Geld ausgestattet und entsprechende Guthaben in Deutsche Mark eingeräumt werden mussten
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- 11. Welche Gesetze wurden im Rahmen der Währungsumstellung erlassen? 20. Juni 1948: Währungsgesetz Regelung des Umtauschs von RM in DM im Verhältnis 1:1 Übergangshilfen 20. Juni 1948: Emissionsgesetz Ausschließliches Recht der Notenausgabe für die Bank deutscher Länder Begrenzung des Umlaufs an Noten und Münzen auf 10 Mrd. DM 27. Juni 1948: Umstellungsgesetz Regelungen der Altguthaben & -forderungen - Umtausch im Verhältnis 10:1 Davon 50% freigegebenen Mittel erhalten doe Geschäftsbanken Gutschriften in Höhe von 15 DM pro 100DM Sichteinlagen und 7,50 DM pro 100DM Termin- und Spareinlagen Bezüglich des Restes: Ausgleichsforderungen Festkontengesetz: Streichung von 70% des gebundenen Guthabens
- 12. Vom 23. Juni 1948 bis zum 11. Mai 1949 kam es zur Berlin Blockade. Welche Gründe gab es dafür? Von wem wurde die Blockade initiiert? Initiator: Sowjetunion als Reaktion auf Währungsreform Ursache: Angst vor Ost-WEst-Schmuggel (offiziell: BRD vor ostdeutschen Plünderern schützen) + kalter Krieg Stalin blockiert alle Versorgungswege + alle Energieleitungen wurden gekappt
- 13. Erklären Sie den Begriff "Ausgleichsforderungen"! Buchforderungen gegen den Staat Geldforderungen (Schuldtitel) gegen die öffentliche Hand Entstehung: In Kriegszeit fehlten alternative Anlagemöglichkeiten im kurz-, mittel- und langfristigen Bereich → dadurch waren Kreditinstitute praktisch gezwungen ihre Finanzmittel in Reichswerten anzulegen Geichzeitig fehlte es an Nachfrage nach Krediten und Hypothekendarlehen → KI's müssen aber trotzdem die laufenden Zinsen bezahlen und brauchten für diese Zinszahlungen Gegenposten → stellten also dem Deutschen Reich Mittel zur Verfügung
- 14. Welchen Zweck hatten die so genannten "Ausgleichsforderungen"? Zweck = Finanzausgleich (Ausgleich der Bilanzen der Finanzinstitutionen/Banken) Lücke auf der Vermögensseite wurde durch den Posten der Ausgleichsforderungen geschlossen
- 15. Hatte die Währungsreform von 1948 einen Zäsurcharakter? Hoch kontroverse Diskussion Standpunkt 1 Kein Zäsurcharakter Bedeutung der Währungsreform darf nicht überbewertet werden Bereits 1946/47 hatte ein beträchtliches Wirtschaftswachstum eingesetzt Wirtschaft folgte nur einem trendmäßigen Wachstumspfad Standpunkt 2 Zäsurcharakter Erst die konsequente Wirtschaftspolitik hat das Wirtschaftswunder bewirkt Außerdem kam damit die Teilung Deutschlands offen zum Ausdruck
- 16. Welche wirtschaftspolitischen Vorstellungen hatte die "Freiburger SChule"? Wer zählte zu diesem Kreis? Gewährleistung einer freiheitlichen Wettbewerbsordnung Soziale Ausrichtung einer Wirtschaftspolitik Schaffung marktwirtschaftlicher Grundlagen Staat sollte für Aufstellung und Einhaltung von Spielregeln (Wirtschaftsgesetzen) sorgen Staat gibt Ordnungsrahmen vor trotzdem besteht Vertragsfreiheit = Ordoliberalismus Vertreter: Walter Eucken, Franz Böhm
- 17. Erläutern Sie die Ordnungsidee von Alfred Müller-Armarek! Bindung an eine Wirtschaftsordnung Theorie der sozialen Marktwirtschaft Grundsätzlich ähnlich zu Idee der Freiburger Schule, baut darauf auf Geht aber von einer stärkeren Integration von Staat und Gesellschaft in das wirtschaftspolitische Blickfeld aus Ordnungsidee: wenn man sich für ein Wirtschaftssystem entscheidet, muss man mit all seinen Konsequenzen dahinter stehen Variables Preis- & Rechnungssystem Freier Wettbewerb Wohlstand für alle Korrektur der Einkommensverteilung Geistige und politische Freiheit Das soziale in Marktwirtschaft vom Staat zu stellen und zu steuern
- 18. Welche Vorstelungen hatte Alfred Müller-Armarch von der Sozialen Marktwirtschaft? Kommt nicht von allein Soziale Marktwirtschaft ist nicht nur eine Ordnungsform, sondern ein System, das nach sozialen, geistigen und ethnischen Gesichtspunkten ausgestattet werden kann
- 19. Was beinhaltet der sog. Marshall-Plan? Hilfe beim Wiederaufbau für Europa im Sinne der Westintegration: Darlehen (teils ohne Rückforderungsanspruch) amerikanischer Banken Sachleistungen Bedingung: Nutznießer mussten sich wirtschaftlich und politisch liberalisieren Ziele: Steigerung der Industriellen und landwirtschaftlichen Produktion in Europa Stabilisierung der europäischen Währungen und öffentlichen Finanzen Förderung des Außenhandels und Beseitigung der Handelsschranken Einleitung der Westintegration Deutschlands ⇒Beeinflussung wirtschaftlicher Prozesse in Europa
- 20. Was ist das Soziale ander Sozialen Marktwirtschaft? (Bezug: Freie Marktwirtschaft) Damit keine zu großen sozialen Ungerechtigkeiten entstehen, greift der Staat durch bestimmte Regeln in die freie Marktwirtschaft ein - Der Staat verhält sich anders als in der freien Marktwirtschaft nicht passiv, sondern greift aktiv in das Wirtschaftsgeschehen ein, "z.B. durch konjunktupolitische, wettbewerbspolitische und spzialpolitische Maßnahmen (z.B. gesetzliche Kündigungsfristen, Kartellverbote)" die Freiheit der Marktwirtschaft wird da eingeschränkt, wo sie unsozial ist, wo sie nur den Starken dient und den weniger Starken schadet Idee: die Vorteile einer freien Marktwirtschaft, insbesindere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die hohe Güterversorgung zu realisieren, gleichzeitig aber Nachteile wie zerstörerischer Wettbewerb, Ballung wirtschaftlicher Macht und unsoziale Auswirkungen von Marktprozessen zu vermeiden Ziel der Sozialen Marktwirtschaft ist größtmöglicher Wohlstand bei bestmöglicher sozialer Absicherung
- Zusatz:Vergleich freie & soziale Marktwirtschaft Freie Marktwirtschaft: Staat sorgt für innere und äußere Sicherheit, greift aber nicht in das wirtschaftliche Geschehen ein Privateigentum ist uneingeschränkt Gewerbefreiheit(U's können produzieren, was sie wollen) Völlige Vertragsfreiheit(Jeder kann Verträge schließen, so wie er es möchte.) Soziale Marktwirtschaft: Staat greift in wirtschaftliches Geschehen ein, um auch soz. Ziele zu erreichen(Mutterschutz/Kündigungsschutz) Privateigentum grundsätzlich geschützt(Aber wenn um Sicherheit des Staates geht kann Enteignung statt finden) Staat greift in Gewerbefreiheit ein, bei gefährlichen Produkten! Vertragsfreiheit ist eingeschränkt(Gesetze gegen Wucher/Verbraucherschutz und Kündigungsschutz)
- 21. Charakterisieren Sie die einzelnen Phasen der Wirtschaftsentwicklung der BRD in der Zeit vom Wiederaufbau bis zur Wiedervereinigung! 1945 - 49 = Unmittelbare Nachkriegssituation (Wiederaufbau, Nachkriegsregelungen) 1949 - 51 = Wirtschaftsaufbau (Steuerreformen, Marshall-Plan, Korea-Krise) 1951 - 59 = Deutsche Trennung (Berlin-Blockade, 2 Währungen, Berliner Mauer) 1959 - 66 = Hochkonjunktur u. voranschreitender Neoliberalismus 1966 - 89 = Globalsteuerung (Ölpreisschock, "Grüne Welle", Übergang zum Monetarismus, Stabilitätsgesetz)
- 22. Was verstehen Sie unter Globalsteuerung? = die wirtschaftspolitische Lenkung makroökonomischer Größen zur Stabilisierung der Wirtschaft Vorassetzung: gute Empirie (Erkennung der Probleme) Auch präventive und begleitende Maßnahmen