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Einführung in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Fach) / Nationalsozialismus (Lektion)
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- 1. Gab es ein Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus? Nein, es gab in Wirklichkeit keins - Wirtschaftspolitik war für Hitler nur eines von vielen Hilfsmittel, um seine Ziele zu erreichen Man spricht in dieser Zeit von "gelenkter Wirtschaft" Zunächst gab es überhaupt kein in sich konsistentes, geschlossenes Wirtschaftsprogramm der NSDAP; auch im Parteiprogramm ist keine klare Konzeption in Bezug auf wipo. Fragen zu erkennen Bis 1932 galt Wirtschaftslehre von Gottfried Feder Unterscheidung zwischen schaffendem (=Industriekapital) & raffendem (=Handels-& Finanzkapital) Kapital Jüdisches Kapital wurde als das raffende denunziert Idee, staatliche Geldschöpfung zum Zwecke der REalisierung bestimmter Güter/Projekte zu betreiben Wurde dann abgelöst - neues Wirtschaftsprogramm durch Gregor Strasser entwickelt Die Arbeitsbeschaffung erhielt Vorrang ⇒Obwohl es keine umfassende Wirtschaftspolitik gab, lassen sich dennoch einige politische Grundsätze festmachen, die auch die Wirtschaftspolitik beherrschten: Streben nach Autarkie Gemeinnutz geht vor Eigennutz (Volksgemeinschaft hat immer Vorrang vor Individualinteressen) Schaffung (notfalls gewaltsamer) Erwerb von Lebensraum Wiederwehrhaftmachung des deutschen Volkes (Vorrang der Rüstungsindustrie vor allen zivilen Maßnahmen) = einseitige Orientierung der gesamten Volkswirtschaft
- 2. Unter welchem großen Primat stand die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten bis 1939? Primat der Politik Absolute Vorrangstellung der Interssen des Staates → alles wurde den politischen Belange untergeordnet D.h. Nationalsozialisten waren nicht bereit, die politischen Ziele den Erfordernissen der Währungs- & Wirtschaftsstabilität unterzuordnen Der Wirtschaft wurde eine ausschließlich dienende Funktion zugewiesen
- 3. Welche Maßnahmen wurden ab 1933 ergriffen, um die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu verringern? Stand Januar 1933: 6,014 Mio. Arbeitslose 1. Februar 1933 Ankündigung von zwei 4-Jahresplänen Ziel: Beseitigung der Arbeitslosigkeit + Sicherung der Ernährung In den ersten Monaten blieb die Regierung aber diesbezüglich eher passiv - beschränkte sich auf die Ausführung des Sofortprogramms Sofortprogramm (von Gereke & Schleicher) Zwischen Februar und Mai 1933 Eigentlich Ausrichtung auf wirtschaftliche Maßnahmen Aber mit Schwerpunkt auf rüstungswirtschaftliche Projekte 1. Juni 1933 erstes Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit(=Reinhardt-Plan) 1 Mrd. RM um Infrastruktur + Wohnungsbau zu steigern (in Form von Zuschüssen, Darlehen & Steuervergünstigungen) Kaum Einsatz von Maschinen (alte Maschinen wurden verschrottet) - Einsatz durch menschliche Arbeitskraft = Beschaffung vieler Arbeitsplätze → daher kurzfristig fast Vollbeschäftigung erreicht ⇒ Das Programm verband indirekte Stützungsmaßnahmen mit direkter staatlicher Auftragsvergabe ⇒ Mit diesem Programm keine Finanzierung militärischer Projekte (die Reichswehr hatte schon Mittel aus Sofortprogramm erhalten) 21. September 1933 Zweite Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit Instandsetzung der Wohnungen 500 Mrd. RM für Instandsetzungen an privaten Wohnbauten Steuererleichterungen für Landwirtschaft & privaten Wohnungsbau Ehestandsdarlehen(Siehe Frage 8) Autobahnprogramm Errichtung eines Unternehmens zum Bau der Reichsautobahn 3,5 Mrd. RM um in 6 Jahren 7000km Autobahn zu bauen Weitere Maßnahmen Ab 1935 Wiedereinführung des freiwilligen Arbeitsdienstes 1935 Einführung der allgemeinen Wehrpflicht Überproportionale Einstellungen im Partei- & Staatsapparat Aufhebung der KFZ-Steuer >>> Merke: jede öffentlich geförderte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurde zunächst unter dem Gesichtspunkt ihrer Notwendigkeit für die "Wiederwehrhaftmachung" beurteil, d.h. die gesamte Arbeitsbeschaffungspolitik bekam ein rüstungspolitisches Vorzeichen.
- 4. Was ist der "Reichsnährstand" (RNST)? Zwangsweiser Zusammenschluss des gesamten landwirtschaftlichen Sektors Umfasst alle landwirtschaftlichen Produzenten & Erzeuger (Grundbesitzer, Pächter, Verarbeiter, Großhändler, Einzelhändler,...)
- 5. Welche Funktion und Bedeutung hatte die Deutsche Arbeitsfront (DAF)? 1933 gegründet Bedeutung: Einheitsverband Arbeitgeber & Arbeitnehmer Funktion: Für gleichgeschaltete Arbeiterschaft sorgen Ausschaltung der Gewerkschaften Abschaffung des Streikrechts Integration der Arbeiter in den Nationalsozialismus Gründung Freizeitorganisation: "Kraft durch Freude"
- 6. Was ist die "KdF"? Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" Gegründet durch die dt. Arbeiterfront → als Unterorganisation Bot mannigfaltige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung Unterhielt eigene Ferienanlagen Hatte Flotte von Urlaubsschiffen Urlaubsprogramme für Arbeiterschafft D.h. nationalsozialistischer Einfluss auch im Privatleben Ziel: Volksgemeinschaft
- 7. Was hatte es mit dem KdF-Wagen auf sich? = der VW-Käfer KdF war bemüht um Volksmobilität → Wagen für unter 1000RM Nach Hitlers Versprechungen sollte jeder sich einen Wagen leisten können "Volkswagen-Sparen" = Bevölkerung konnte Sparmarken (je 5RM) kaufen; wenn Kaufsumme von 990 RM erreicht wurde, sollte Volkswagen übergeben werden → aber Sparplan, wurde nie eingehalten, stattdessen Zugriff des REgimes auf Kaufkraft der Werktätigen durch Abschöpfung des Sparkapitals → Einnahmen wurden in die Rüstungsindustrie gesteckt ="geräuschlose Kriegsfinanzierung" Über 250.000 betrogene KdF-Sparer Stadt Wolfsburg = "Stadt des KdF-Wagens"
- 8. Was war das Ehestandsdarlehen? Programm zur Förderung der Eheschließungen: Doppelverdienerkampagne gesetz zur Vermiderung der Arbeitslosigkeit, Abschnitt 5 1000RM zinsloses Darlehen in Form von Gutscheinen (Verwendung des Geldes war als vorgeschrieben) Bedingung: bei Heirat tritt Frau aus Beruf aus Darlehen konnte abgekindert werden - pro Kind wurden 250 RM erlassen Ziele/Erwartungen: Arbeitsplätze für Männer auf Kosten der arbeitsätigen Frauen schaffen Traditionelles Rollenbild wieder einführen Entwickung hin zu kleineren Familien entgegenwirken Bevölkerungswachstum stimulieren Wirkung: Programm war nicht so erfolgreich wie erwartet Sehr schwankende Zahlen hinsichtlich Eheschließungen & Geburtenzahl Teilweise gab es sogar rückläufige Entwicklungen (z.B. von 1934 auf 1935) Fazit: demografischer Trend (hin zu kleineren Familien) ließ sich nicht aufhalten
- 9. Welche finanzpolitischen Änderungen/Neuerungen wurden zwischen 1933-39 ergriffen? Investitionen im Rüstungsbereich Steuergutscheine, Steuerbefreiungen für Ersatzbeschaffungen Instrumentalisierung der Reichsbank Bankgesetznovelle - Bank muss jeden Kredit gewähren System der Vorfinanzierung mit Hilfe der Arbeitsbeschaffungswechsel und den MEFO-Wechseln Aufhebung der KFZ-Steuer Moderate Senkung einiger Steuern (z.B.: Umsatz- & Grundsteuer) Erlass von Steuerrückständen, wenn dafür neue Investitionen getätigt wurden ⇒ Bei allen Maßnahmen ging es darum, die Industriegüterindustrie zu stärken, der Konsum hingegen sollte eher eingedämmt werden
- 10. Wie entwickelte sich das Geld- und Bankwesen zw. 1933 und 1939? März 1933: Absetzung des Reichspräsidenten Hans Luther durch Hitler → Einsatz von H. Schacht Damit erhielt die Kreditpolitik andere Akzente - Schacht ermöglichte großzügige Kreditausweitung (deficit spending) D.h. neue Staatsschulden zur Finanzierung der Rücstungspolitik & ABMs 1933 Bankgesetznovelle Seit August 33: Mefo-Wechsel Keine Schatzanweisungen mehr (da schlechte Erinnerungen an Inflation + damit Ausmaß der Verschuldung nicht in der Öffentlichkeit bekannt wurde) Rollendes Verfahren: Gelder die sich in Kapitalsammelstellen anhäuften, abschöpfen und in die Reichsanleihen umwandeln 1939: Gesetz über deutsche Reichsbank (Entmachtung + Instrumentalisierung der Reichsbank) ⇒Geräuschlose Kriegsfinanzierung
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- 11. Welche Rolle spielte Hjalmar Schacht im Geld- und Bankensystem der Nationalsozialisten? Neuer Reichspräsident, eingesetzt durch Hitler Ermöglichte großzügige Kreditausweitung - Staatsschuldenausweitung (deficit spending) Mithilfe am "Neuen Plan": Lösen der Außenwirtschaftsproblematik ohne expansive Rüstungspolitik einschränken zu müssen Initiator der Mefo-Wechsel War an der Entmachtungsinstrumentalisierung der Reichsbank beteiligt
- 12. Worum handelt es sich bei den so genannten Mefo-Wechseln? Erläutern Sie! Wechsel = schuldrechtliches Wertpapier mit befristeter Zahlungsverpflichtung Mefo = Metallurgische Forschungsgesellschaft → Scheinfirma, die gegründet wurde, um Wechsel zu akzeptieren Mefo-Wechsel = als Warenwechsel getarnte, mittelfristige Finanzwechsel Gründer: Krupp, Siemens, Dt. Werke und Rheinmetall (4 Rüstungsfirmen) Auf die Scheinfirma zogen Unternehmen, die Anspruch auf eine Zahlung aus Rüstungsaufträgen hatten, einen Wechsel → dieser galt juristisch als Handelswechsel und wurde von der Reichsbank diskontiert D.h. Mefo verkaufte Wechsel an Banken (Waren wurden geliefert ohne dass tatsächliches Geld fließt) und tätige Wechsel im Wert von 12 Mr. RM obwohl sie nur 1 Mio. Startkapital hatten ⇒ War ein System zur Vorfinanzierung bzw. Rüstungsfinanzierung, bei dem die tatsächlich eingegangene Verschuldung verschleiert blieb ⇒ Auf diese Weise wurden 12 Mrd. RM für die Rüstung aufgebracht (=ca. 20% der gesamten Rüstungsausgaben)
- 13. Welche Maßnahmen beinhaltet der "Neue Plan" von Hjalmar Schacht? Verrechnungsabkommen Außenhandel ohne Devisen (Clearing) 25 Verrechnungsstellen Tauschabkommen Kompensationsgeschäfte Mengentausch D.h. Außenwirtschaft wurde bilateralisiert Einfuhrbeschränkung Strenge Kontrolle "lebensnitwendiger Rohstoffe" (Fette, Nahrungsmittel, etc.) durch staatliche Einfuhrstellen Exportsubventionen Bei Preisungleichheit zwischen Inland und Ausland - Errichtung von Preisprüfstellen Ausgleichskasse Exportzuschüsse 40-60 % finanziert über Ausfuhrbeförderungsumlage der gesamten Industrie Clearing Stellen Die Exporteurs bekommen dort für ihre zu exportierenden Güter kein ausländisches Geld mehr, sondern nur noch RM
- 14. Was besagte der Vierjahresplan von 1936? Göring = Beauftragter für den 4 Jahresplan In 4 Jahren ist Deutschland kriegsbereit Armee ist einsatzfähig Wirtschaft ist kriegsfähig → Zweck war also die Efüllung von Augenblicksforderungen und des Sofortbedarfs im Dienst totaler Kriegsvorbereitungen, stellt damit eine relative plan- nd ziellose Verfolgung verschiedenartiger Wirtschaftsvorhaben dar - ohne Rücksicht auf volks- oder einzelwirtschaftliche Belange → steht in Widerspruch zu Schachts Wirtschaftspolitik (strebte langfristige Wiedereingliederung der dt. Wirtschaft in die Weltwirtschaft an) es kam zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen beiden - dadurch wurde Effizienz des Plans beeinträchtigt
- 15. Welche ökonomischen Konsequenzen hatte die Verdrängung der Juden aus der deutschen Wirtschaft? Juden waren zuvor in vielen Bereichen des Handels, der Banken, Finanzen & DL überproportional stark vertreten → daraus war entsprechendes Vermögen entstanden Kam zur Umschichtung von Geld- & Sachkapital der Juden in Staatskapital Verlust kapitalstarker Bürger Es wird vermutet, dass durch die Liquidierung jüdischen Vermögens ein erheblicher TEil des Staatshaushalts ausgeglichen wurde + die Rüstung finanziert wurde
- 16. Wie gestaltete sich die wirtschaftliche Lage zu Beginn des Zweiten Weltkrieges? Autarkie weit voran getrieben (aber keine Vollautarkie möglich) → 89% der Lebensmittelversorgung gesichert Mangel an industriellen Rohstoffen (z.B. Mineralölen, Eisenerz und Textilien) Rationalisierung der Industrie: Typisierung, Normierung und optimale Betriebsgrößenwahl Produktionsgüterindustrie stark ausgebaut/ Kapazitäten gut ausgelastet (Konsumgüterindustrie zurück gestellt) Vorbereitung auf kurzen Krieg (alte Geräte, keine langfristigen Investitionen) → selber Fehler wie zu Beginn des 1.WK
- 17. Die Strategie des "Blitzkrieges" ist an bestimmte wirtschaftliche Voraussetzungen gebunden. Welche zählen dazu? Flexible Wirtschaftspolitik Großer einsatzbereiter Vorrat an Waffen und Munition Breitenrüstung Keine technischen Neuerungen und langfristige Investitionen → man muss auf jegliche Änderungen der Kriegsführung des Gegners schnell reagieren können
- 18. Ab wann beginnt die eigentliche Kriegswirtschaft im Deutschland des zweiten WEltkrieges? Zu welchen Neuerungen kam es im Bereich der Rüstungswirtschaft? Ab Frühjahr 1942 Mehr Einsatz von Soldaten Produktion wirde forciert → Zusammenschlüsse von Bereichen gleicher Fertigungszweige Neuorganisation der Rüstung durch zentrales Amt für Planung → Zusammenfassung + Organisation der Rüstngsaufträge
- 19. Was bedeutet "totale Kriegswirtschaft"? Sämtliche Staatseinnahmen fließen in die Rüstungsindustrie D.h. alles & Jeder produziert für den Krieg - auch Frauen und Kinder Breitenrüstung - nur Rüstungsproduktion, keine Zivilproduktion
- 20. Wie wurde der 2 WK von Deutschland finanziert? 2.WK hat insgesamt einen Geldbedarf von 657 Mrd. RM verursacht Nach dem Prinzip der geräuschlosen Finanzierung Hauptgläubiger waren: Reichsbank, KI's, Versicherungen 30 % aus Steuern, 14 % Einnahmen aus Besatzungsgebieten bzw. Kontributionen, 5,8% aus sonstigen EInnahmen, Rest durch Neuverschuldung →man wollte sich die Kosten der Kriegsvorbereitung und des Krieges von den Besiegten zurückzahen lassen →man riskierte bewusst den Ruin der deutschen Volkswirtschaft in der Hoffnung, sie durch Eroberungen wieder sanieren zu können
- 21. Was meint die "geräuschlose Finanzierung"? Kriegsfinanzierung von der die Bevölkerung nichts mitbekommt, geheim gehaltenes System der Rüstungsfinanzierung Kein öffentlicher Verkauf von Anleihen → Anleihen wurden den KI's zur Übernahme zugewiesen Siehe Fr. 7 + 10
- 22. Was meint "zurückgestaute Inflation"? Wie konnte es dazu kommen? Verdeckte Inflation → Preise & Löhne sind weiterhin verdeckt stabil gehalten worden Erst nach dem Krieg aufgedeckt = Form der Inflation, die nicht für jeden in der Bevölkerung sofort erkennbar ist, da das Preisniveau durch staatliche Eingriffe in die Preisbildung (Einführung von Preis- und Lohnstopps) unveränderlich gehalten wird und lebensnotwendige Güter, z.B. durch die Ausgabe von Bezugsscheinen, rationiert wurden. Durch solche Maßnahmen entstehen in der Regel Gütermängel an den offiziellen Märkten, dadaurch kommt es zur Entstehung von Schwarzmärkten, wo die offiziell nicht erhältlichen Güter angeboten werden.