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Wirtschaft- und Sozialgeschichte (Fach) / Försternbilder (Lektion)

Vorlesung 13

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  • Das Försterbild im Wandel der Zeit - Quellenstudium ->  Perspektiven berücksichtigen -> Herkunftsvielfalt
  • Definitionen - Foris (lat.): Wald außerhalb der freien Nutzung der Untertanen;gebannter Wald für die königliche Jagd- Förster: vom Begriff Forst abgeleitet; mittelhochdeutsch „forstaere“;spätalthochdeutsch (forestari); mittelniederdeutsch „Vorstere“
  • Hypothesengeleiteter wissenschaftlicher Forschungsansatz 1. Das historische und aktuelle Försterbild eines Einzelnen wurde bzw. wird durch eine Vielzahl von Parametern der Wahrnehmung beeinflusst.2. Die gesellschaftliche Einstellung zum Tätigkeitsbereich des Försters wird durch eine zeitliche, soziale und räumliche Dimension geprägt.3. Die verschiedenen Försterbilder der sozialen Gesellschaftsgruppen spiegeln deren jeweilige Akzeptanz gegenüber den gegebenen Interessen der Macht wider.-> Der Förster steht im Konfliktfeld zwischen Hoheit und Bevölkerung.
  • Mittelalter - Karolingerzeit: „forestarii“ nehmen Waldaufsicht wahr, Dienstanweisung Karl des Großen im Jahr 795-> Amtman -> Förster -> Forstknechte - 9. Jhd.: Bezeichnung „Forstmeister“ - 14. Jhd.: Rechte des Forstmeisters (Jagdhoheit, forstpolizeiliche Aufgaben), Amt des Forstmeisters lehensfähig und erblich (d. h. richterliche, polizeiliche und hoheitliche Gewalt)
  • Neuzeit - Beginn 16. Jhd.: Ansätze der geregelten Forstwirtschaft• Forstmeisterstellen durch landesherrliche Diener besetzt d. h. Beamte in öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis (Adelige), Besoldung und Beteiligung an Forststrafgebühren und Anweisgeldern• Forstknechte: Entlohnung hpts. durch Anweisgelder und Strafgebühren- 16. Jhd.: Abschaffen von Anweisgebühren ->  korruptes Verhalten der Förster
  • Barock/Absolutismus (17. und 18. Jh.) - 17. Jhd.: Forstordnungen:„Waldhut“ = Verbote, Einschränkungen, Strafregister, Regelungen der Waldpflege und Wiederaufforstungen etc.- Jagd gewinnt zunehmend an Bedeutung (Jägerlehre)- Forststellen werden mit „hirschgerechten Jagdlakaien“ besetzt (Wild vor Wald)- Ende des 18. Jahrhunderts gewinnt Forstwirtschaft an Bedeutung- Forderung nach „holzgerechten Jägern“ (Wald vor Wild)- „Holznot“ stärkt die Position der Förster- Dienstkleidung: Forstmeister und Förster erhalten militärähnliche Uniformen und Abzeichen
  • Französische Revolution (1789) - Negatives Image des Försterstandes (ausführendes Organ der Obrigkeit) - Bauernwiderstand -> Förster im Visier
  • Vormärz und 1848er Revolution - Einsatz der Forstpolizei (staatliche Interessen) - Widerstände der Bevölkerung gegen forstliche Steuerung (Forstgesetze, Forststrafen, Waldbewirtschaftung, Aufforstungskonzepte etc.)- „Kriminalisierung der Bevölkerung“ (Holzdiebstahl und Wilddieberei)- Aufhebung des fürstlichen Jagdregals (1848)- Preußisches Jagdpolizeigesetz (07.03.1850)
  • Industrielle Revolution (Biedermeier) bis Wilhelminische Ära - Problem der Wilddieberei bleibt ungelöst
  • Wilhelminische Ära – Ende Nationalsozialismus (1880 – 1945) - Staatliche Steuerungsinstrumente im forstlichen Bereich-> Staat -> Monarchie, Republik, Diktatur = Macht - Monarchie -> Gesetze, Erlasse, Finanzielle Mittel, Inwertsetzung -> Forstverwaltung -> Richtlinien und Beratung an Forstliche Ausbildungsstätten
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  • Wilhelminische Ära – Weimarer Republik - Positive Aufwertung des Försterbildes- Wilhelminische Ära: Förster wird zum Traumberuf- Überfüllung der akademischen Laufbahnen
  • Nationalsozialismus - Symbolische Aufwertung des Deutschen Waldes     • Ewiger Wald – ewiges Volk     • Waldhygiene – Volkshygiene     • Durchforstungen – Verfolgung von Minderheiten     • Forstpflanzenzüchtung – Rassenlehre- Stärkung der Forstwirtschaft als kriegswichtige Ressource- Deutscher Förster ist natürlicher Bruder des deutschen Soldaten
  • Nachkriegszeit (Materialismus) - Romantisches Försterbild der Nachkriegsgeneration (unbestechlich, heimatverbunden, durchsetzungsfähig, aufrecht)- Förster wird Traumberuf und Traummann- Zeitgenössische Literatur verstärkt das positive Försterbild
  • Postmaterialismus (Ende 1970er und 1980er Jahre) - Waldsterben (Förster und Jäger auf dem Prüfstand)
  • Ende 20. und Beginn 21. Jahrhundert - Der Förster der Nation – ein Klischee wird verfilmt- Überlieferte negative Klischees aus der Vergangenheit sind mit aktuellen Försterbildern präsent (Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen)