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Wirtschaftspolitik (Fach) / II. Wirtschaftspolitische Bewertungskriterien als normative Grundlage (Lektion)

1. Messung der soz. Wohlfahrt 2. Krieterien zur Bewertung wipo. Maßnahmen 3. Wirkung eines existenzsichernden Mindestlohnes im ökonomischen Standardmodell

Diese Lektion wurde von Schaschka erstellt.

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  • Welche Werturteile werden in der Wipo bevorzugt? 1. Individualistisches Werturteil: Methodologischer Individualismus, d.h. es existiert kein "gesellshaftlicher Wille", die gesellschaftliche Wohlfahrt ist eine Aggregation der individuellen WohlfahrtKonsumentensouveränität u. FaktoranbietersouveränitätPaternalismusverbot: Präferenzen stehen nicht zur Dsiposition2. Paretianisches Werturteil: Die gesellschaftliche Wohlfahrt steigt, wenn die Wohlfahrt eines Individuums steigt und die aller anderen mindestens konstat bleibt.
  • Was ist und wzu dient eine soz. WF(SWZ)? SWF spiegelt das Niveau der gesellschaftlichen(bzw. sozialen) Wohlfahrt wieder SWF= W= W(z1,z2,z3,...,zn) mit W als Niveau der (gesellschaftlichen) sozialen WF und Zi als Einflussgrößen Suche nach einer Funktion W und den Variablen Zi, sodass die gesellschaftliche Werte angemessen widergespiegelt werden 2 Grundvarianten denkbar:  Kollektivistische und Individualistische Ermittlung
  • Erläutern Sie die zwei Ansätze die zur Ermittlung sozialer WF's und deren jeweiligen Kritikpunkte. 1. Ansatz !!! 1. Kollektivistische Ermittlung: Gesellschaftliche Wohlfahrt wird - ohne Rücksicht auf individuale Präferenzen - von einer zentralen Entscheidungsinstanz definiert diese entscheidet über die Determinanten des gesellschaftlichen Wohlstandes Zi und die Form der Funktion W Aggregation durch "wohlwollenden Diktator" = Kann nie alle Info's über Präferenzen der Individuen haben Problem: nur mit vollkommener Information eine realistische Abbildung individueller Präferenzen möglich
  • Erläutern Sie die zwei Ansätze die zur Ermittlung sozialer WF's und deren jeweiligen Kritikpunkte. 2. Ansatz !!! Teil 1 2. Individualistische Ermittlung(Bergson-Samuelson-Ansatz): SWF eine Funktion der individuellen Nutzenfunktionen:  - W=W(U1, U², U³,...,Un)(mit i=1,...,n) → individualistisches Werturteil 1. Ableitung der SWF nach Un >0 → Paretianisches Werturteil (Pareto-Kriterium) demokratisch organisierte Gesellschaft geht von unterschiedlichen Ausgestaltungen der SWF aus und kann daher "subjektive" Funktion(Wi=Wi(z1,z²,z³,...,zk) aufstellen, die den Vorstellungen jedes Indivuums i entsprechen kann Aggregation zu allg. SWF: W = W(W1,W²,W³,...,Wn) aus individuellen Nutzenfunktionen sollen gesellschaftliche Indifferenzkurven (für Präferenzstruktur) konstruiert werden
  • Erläutern Sie die zwei Ansätze die zur Ermittlung sozialer WF's und deren jeweiligen Kritikpunkte. 2. Ansatz !!! Teil 2 Grundidee: Individuen wissen selbst am besten, welche gesellschaftliche Wohlfahrt sie anstreben. Um diese gesellschaftliche Wohlfahrt zu erhalten, benötigt man eine Abstimmungsregel zur Aggregation der Präferenzen (Arrow-Ansatz) Diese Regel basiert auf 5 Axiomen, die alle erfüllt sein müssen(siehe 1.D) Probleme des Bergson-Samuelson-Ansatzes: Es gibt keine Entscheidungsverfahren, das alle diese Axiome gleichzeitig erfüllt Bei der Festlegung der Wohlfahrtsgewichte ist ein starkes Werturteil bzgl. der funktionalen Form der SWF nötig(Verteilung) Notwendigkeit interpersoneller Nutzenvergleiche und damit kardinaler Nutzenmessung - methodisch allerdings unmöglich/sehr problematisch Ergebnis wie "soz. Wohlfahrt = 1000" daher nicht möglich
  • Welche Schlussfolgerungen für staatliche Umverteilungspolitik lassen sich aus den Aussagen von Bentham, Rawls u. Bernoulli abgeleiteten SWF ziehen? 1. Bentham 1. Die Utilitaristische Variante:(Bentham 1789) "Das größte Glück der größten Zahl" Jedes Individuum trägt in gleicher WEise zur Gesamtwohlfahrt bei:W= U¹+U² Wohlfahrtsverteilung zw. den Individuen ist also egal → keine staatliche Umverteilung dU¹/dU²= -((dW/dU²)/(dW/dU¹)=-1/1=-1
  • Welche Schlussfolgerungen für staatliche Umverteilungspolitik lassen sich aus den Aussagen von Bentham, Rawls u. Bernoulli abgeleiteten SWF ziehen? 2. Rawls'sche Variante 2.Rawls'sche Variante (Rawls 1971): gesellschaftliche Wohlfahrt wird nur vom Nutzen der ärmsten Mitglieder bestimmt W=min(U¹,U²) Maximin Wohlfahrtsfunktion: Im Wohlfahrtsmaximum ist der Nutzen aller Individuen gleich(egalitäre Gesellschaft=Eine egalitäre Gesellschaft (franz.: égalité aus lat.: aequalitas „die Gleichheit“) bezeichnet eine soziale Gruppe, Gemeinschaft oder Gesellschaft, bei der grundsätzlich alle Mitglieder den gleichen Zugang zu den Ressourcen (Nahrungsmittel, Güter, Land usw.) haben und kein Mitglied dauerhaft Macht über Andere ausüben kann. ) totale staatlich Umverteilung--> keiner kann 0 haben
  • Welche Schlussfolgerungen für staatliche Umverteilungspolitik lassen sich aus den Aussagen von Bentham, Rawls u. Bernoulli abgeleiteten SWF ziehen? 3. BErnoulli-Nash SWF 3. Die Bernoulli-Nash SWF(Nash 1950): gesellschaftliche Wohlfahrt wird bei sehr geringem Wohlfahrtsniveau eines Individuums auch nur ein geringes Niveau annehmen. impliziert, im Vergleich zu Bentham, ausgeglicheneres individuelles Nutzenniveau im Optimum im gegensatz zu Rawls steigt die Wohlfahrt aber auch noch, wenn der Nutzen der Reichsten steigt W= U¹ x U² --> dU¹/dU² = - ((dW/dU²)/(dW/dU¹)) < 0 moderate staatliche Umverteilung
  • Erläutern Sie die Grundidee von Arrow's Unmöglichkeitstheorem und beschreiben SIe die zu Grunde liegenden Axiome! kein Wahlverfahren ermöglicht die Erfüllung aller 5 Axiome kein Wahlverfahren ist fähig, die Präferenzen der Bevölkerung konstistent zu aggieren 5 Axiome: 1.Unbeschränkter Definitionsbereich: Jede denkbare Konstellation individueller Präferenzen ist zugelassen, hieraus lässt sich eine transitive Rangordnung aller Alternativen bilden. 2.Pareto-Regel: Die individuellen u. gesellschaftlichen Bewertungen müssen korreliert sein(→Pareto-Regel): Steigt Wohlfahrt eines(+ aller anderen bleibt konst.), steigt die soz. Wohlfahrt 3.Paarweise Rangordnungsregel: Die gesellschaftliche Rangordnung zweier Wohlfahrtszustände muss gleich bleiben, wenn sich die individuelle Rangordnung der beiden Alternativen nicht ändert. Änderungen der Rangordnung der Alternativen dürfen hierauf keinen Einfluss haben. 4.Demokrati-Regel: Die Wohlfahrtsfunktion(Reihung der Alternativen) darf nicht durch einen Einzelnen(Diktator) festegelegt werden. 5.Bürgersouveränität: Die Wohlfahrtsfunktion darf nicht völlig unabhängig von den Präferenzen der Gesellschaftsmitglieder sein.
  • Welche monetären Wohlfahrtsindikatoren kennen Sie? Welche Fehlinterpretationen sind mit der Ermittlung verbunden? Nennen Sie und beurteilen Sie alternative Wohlfahrtsindikatoren! 1. Monetäre Wohlfahrtsindikatoren: Pro-Kopf-Einkommen, abgeleitet aus: → BIP(Y=C+Ib+G+X-M):Inlandskonzept → BNE(BIP+Saldo Erwerbs- u. Vermögenseinkommen mit Ausland) Volkseinkommen (BNE - D-T+Subventionen) Probleme: Eindimensionalität: Nur durch Geld bewertete Güter werden erfasst, obwohl nicht erfasste Größen Wohlfahrt erhöhen können(Hausarbeit, Barter Trade(Tauschhandel), Schwarzarbeit etc.)/ Verteilungsfragen oder institutionelle Regelungen(Ladenschlussgesetz) sowie Kaufkraft des Einkommens werden nicht berücksichtigt Faktoranbietersouveränität: unfreiwillige und freiwillige Arbeitslosigkeit reduzieren das Pro-Kopf-Einkommen , obwohl freiwillige Arbeitslosigkeit trotzdem höhere Wohlfahrt mit sich bringen kann. Externe-Effekte: Wirtschaftliche Aktivitäten können Umwelt belasten und die anschließenden Kosten zu Beseitigung der Umweltschänden(Umweltbelastung) reduzieren die Wohlfahrt. Selbst bei Einberechnung der Kosten, entstehen Rückgang der Artenvielfalt und Verschlechterung der Gewässer- und Luftqualität! Monetärer Einkommensindikator erfasst dies nicht!
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  • Nennen Sie und beurteilen Sie alternative Wohlfahrtsindikatoren! Korrekturansätze! Teil 1 Alternativvorschläge: "Net Economic Welfare": (Nordhaus und Tobin 1972) BIP+Schattenwirtschaft(nur "eigentlich legale Tätigkeiten--> Schwarzarbeit aber keine illegalen Also Drogenhandel usw.) + Leistungen in privaten Haushalten - Agglomerationskosten - Umweltschäden - Werbungskosten Problem: Bewertung der neuen Elemente Ergänzungsvorschläge bzw. gesellsch. Folgekostenrechn.: statt BIP durch alternativen Wohlfahrtsindikator zu ersetzen, werden wohlfahrtsmindernde Externalitäten(Folgen des wirtschaftl. Wachstums) quantifiziert wie z.B: → Folgekosten der Luftverschmutzung → Folgekosten im Verkehrsbereich → Folgekosten im Energieverbrauch Problem: Vernachlässigung der Opportunitätskosten(KFZ-Verkehr macht 60-100Mrd. € Kosten --> Abstellen dieses KFZ-Verkehrs bedeutet man hätte 60-100Mrd.€ Geld für andere sinnvollere Verwendungszwecke aber der Wohlfahrtseinbußen in Form mangelnder Mobilität wird nicht berücksichtigt!)
  • Nennen Sie und beurteilen Sie alternative Wohlfahrtsindikatoren! Korrekturansätze! Teil 2 (Soz. Indikatoren) Soziale Indikatoren: Bsp.: --> Standard of Living Index, Lebensstandardindex, Index of Sustainable Economic Welfare Lebensqualitäts-Atlas, enthält Einzelindikatoren für Umwelt, Wohlstand, Kultur, Sicherheit, Versorgung und Gesundheit Human Development Index(HDI): 1/3 BIP/por Kopf; 1/3 Bildungsstand; 1/3 Lebenserwartung Probleme: Werturteile bezüglich Auswahl der Indikatoren, Operationalisierung schwierig, Aggregation unterschiedlicher Indikatoren problematisch Glücksforschung: basiert auf Konzepten aus Psychologie und Philosophie Verwendet subjektive Wahrnehmung der eigenen Lebensumstände, deshalb methodisch schwierig(v.a. intertemporaler Vergleich: in der Rückschau werden Probleme als nicht mehr so gravierend wahrgenommen) Ermöglich dadurch aber, interpersonelle Nutzenvergleiche durchzuführen
  • Erläutern Sie das Pareto-Kriterium und nennen Sie deren Problematik in Hinsicht der Umsetzbarkeit als Bewertungsmaßstab für wipo. Maßnahmen! SWF & Empirische Wohlfahrtsmessung aus methodischen Gründen wenig geeignet Gesucht sind daher Kriterien zur Beurteilung der Wohlfahrtseffekte wipo Maßnahmen Pareto-Kriterium: Eine wohlfahrtssteigernde wipo. Maßnahme stellt kein Individuum schlechter, aber mindest eines besser. Pareto-Optimal: Eine Situation, in der niemand besser gestellt werden kann, ohne dass ein anderer sich schlechter stellt. Problem: praktisch keine wipo Maßnahme führt nicht zu einer Nutzenverschlechterung für einzelne Personen
  • Erläutern Sie die Idee der Kompensationskriterien und nennen Sie deren Problematik in Hinsicht der Umsetzbarkeit als Bewertungsmaßstab für wipo. Maßnahmen! Gewinner entschädigen Verlierer(Wohlfahrtsverbesserung, wenn dem Gewinner nach Entschädigung Nutzenverbesserung bleibt) a)Paretianische Kompensation: Entschädigung findet tatsächlich statt.Positiv: Hohe Akzeptanz und das Problem: Hohe administrative Kosten, Verzerrungen durch Redistribution b)Kaldor-Hicks-kompensation: Entschädigung wäre hypothetisch möglich,wird jedoch nicht durchgeführt. Distributionsfrage wird von Allokationsfrage getrennt. Hauptproblem der Kompensationskriterien: Interpersoneller Nutzenvergleich notwendig( nicht direkt möglich, da ordinales Konzept) 2 Lösungen: Solange der Optimalzustand noch nicht erreicht ist, sind Verbesserungen ink. Entschädigung mögl. Es wird versucht Nutzen/Schaden in "reale" Größen umzurechnen: kompensatorische bzw. äquivalente Variation
  • Erklären Sie "Quasi-Pareto-Optimalität" und das damit verbunden Krieterium der Generalkompensation! Kaldo-Hicks-Kompensation: ="Effizienzregime" Ist einem Verteilungsregime(Pareto-Kompensation) überlegen Betrachtet werden nicht mehr Individuen, sondern Wohlfahrtsperzentile 2 Varianten: 1. Kriterium der Quasi-Pareto-Optimalität im engeren Sinne(einzelne Maßnahmen) Führt wipol. Maßnahme A dazu, dass sich alle Wohlfahrtsperzentile besser stellen als bei Maßnahme B, ist Maßnahme A quasi-pareto-superior 2. Kriterium der Quasi-Pareto-Optimalität in weiteren Sinne(Maßnahmebündel) stellen sich alle Wohlfahrtsperzentile in Regime A besser als in Regime B, ist REgime A quasi-pareto-superior hierbei kommt es auf den kummulativen Effekt mehrerer Maßnahmen an. Die einzelnen Maßnahmen haben für einzelne Perzentile unterschiedliche positive und negative Effekte Implizit enthaltenes Kriterium der Generalkompensation
  • Kriterium der Generalkompensation Durch die Vielzahl der Maßnahmen werden die negativen Wirkungen einzelner Maßnahmen auf ein Perzentil ausgeglichen, da: Differentielle Gesamtwirkung aller Projekte: Im Effizienzregime werden mehr effiziente Einzelprojekte durchgeführt. Verlust eines Perzentils durch eine Maßnahme wird durch Gewinne bei vielen anderen Maßnahmen voraussichtlich kompensiert. Lebenseinkommensbetrachtung: verluste zu einem Zeitpunkt werden durch Gewinne zu späteren Zeitpunkten kompensiert. Wohlfahrtskomplementarität: Durchschnittliche Wohlfahrt im Effizienzregime steigt, daher vermutlich auch die Wohlfahrt jeden einzelnen Perzentils.