14

Wirtschaftspolitik I (Fach) / Block III - Wirtschaftsordnungen (Lektion)

...

Diese Lektion wurde von Ben2607 erstellt.

Lektion lernen

Diese Lektion ist leider nicht zum lernen freigegeben.

Anzeige
  • Definition einer Wirtschaftsordnung Gesamtheit aller wirtschaftlich relevanten Institutionen  Informelle Institutionen wie z.B. Gewohnheiten, Gebräuche, Traditionen und ethische Regeln Formelle Institutionen wie z.B. Verfassungen und staatliche Gesetze  Formelle Kontrollstrukturen wie z.B. exekutive und judikative Staatsorgane und private Institutionen 
  • Take Home Messages Wirtschaftsordnungen lassen sich grundsätzlich anhand der Kriterien des Allokationsverfahrens und der Eigentumsrechte kategorisieren.  Das Allokationsproblem kann dezentral über Märkte oder über zentrale Planung gelöst werden. Euckens konstituierende und regulierende Prinzipien stellen Bedingungen dar, unter denen eine dezentrale Allokation über Märkte eine vorteilhafte Wirkung entfaltet.  Im Vergleich zu einer Idealvorstellung weisen reale Marktwirtschaften Schwächen auf. Die Erwartung, diese Schwächen könnten nur mittels zentraler Planung im Rahmen einer Zentralverwaltungswirtschaft beseitigt werden, wurden nicht bestätigt.
  • Sozialismus Praktiziert seit der russischen Oktoberrevolution 1917  Politische Vertreter beriefen sich auf Karl Marx (1867/1885/1894): Das Kapital  → Marxisten versuchen mit den Methoden der Ökonomen zu arbeiten → Zentrum ihrer Theorie: fixe Austauschverhältnisse ( Grenzprodukte der AN wären Null, daher nicht relevant, aber Trend geht in diese Richtung), Gegenbeispeil: Cobb-Douglas (dynamische Austauschverhältnisse)
  • Freie Marktwirtschaft Praktiziert vor allem während der industriellen Revolution  Abschätzige Bezeichnungen „Manchester-Kapitalismus“ oder Laissez-Faire-Liberalismus  Politische Vertreter beriefen sich auf Adam Smith (1776): Wealth of Nations
  • Allokationsproblem Die Lösung des Allokationsproblems (Verteilungsproblem) kann dezentral über Märkte oder zentral durch Planung koordiniert werden: Dezentral über Märkte Dezentrale Markttauschhandlungen verursachen Kosten bei der Erstellung, Durchführung und Überwachung bilateraler Tauschverträge  Preisschwankungen beeinträchtigen Planung und Wohlfahrtsgewinne  Beispiel: Börse  Zentral durch Planung Aufbau institutioneller Regeln der Planung von Produktion und Konsum ist mit Transaktionskosten verbunden Erfassung der verfügbaren Ressourcen Erfassung der Arbeits- produktivitäten Organisation und Kontrolle des geplanten Gütertausches  Beispiel: Großkonzerne wie VW  → Fixe Pläne können nicht auf kurzfristige Veränderungen reagieren → Durch voranschreitende Digitalisierungen sind diese jedoch flexibler geworden
  • Ordoliberalismus skizziert eine Wirtschaftsordnung, in welcher sowohl die Macht des Staates als auch die Macht von privaten Akteuren durch Wettbewerb begrenzt werden  Erhard(*1897 †1977) Bundeswirtschafts- minister 1949-1963 Gilt als Vater des Wirtschaftswunders 
  • Soziale Marktwirtschaft im ordoliberalen Sinne Ablehnung totalitärer Systeme und der damit verbundenen allumfänglichen staatlichen Macht  Ablehnung einer nicht regulierten Marktwirtschaft und der damit verbundenen Konzentration von Macht weniger privater Akteure, welche u.a. zum Ausschluss von Wettbewerb genutzt wird  Befürwortung eines „starken Staates“ zur Aufrechterhaltung der Marktwirtschaft  Das Soziale wird in dem durch die Marktwirtschaft garantierten sozialen Fortschritt gesehen (Erhard: „Wohlstand für Alle“) und Sozialpolitik soll marktkonform sein
  • Arten von Eigentums- und Verfügungsrechten beeinflussen den Wert eines Gutes  Ökonomische Handlungen bedeuten die Übertragung von Eigentums- und Verfügungsrechten an Gütern  Das Recht an der Nutzung des Gutes (usus)  Das Recht, ein Gut zu verändern (abusus)  Das Recht an den Erträgen, die sich aus der Nutzung des Gutes ergeben (usus fructus)  as Recht, die Nutzungsrechte an andere zu transferieren (venditio)  → Property Rights Theorie Derjenige der Macht hat, entscheidet, wer in Notsituationen das Sagen hat
  • Aktienmarktsozialismus/Acemogul / Robinson (2012) 51 % des Kapitals der Großunternehmen soll in öffentlichem Eigentum stehen und von einem Bundesaktionär verwaltet werden (Giancamo Corneo, FU Berlin ) Acemogul / Robinson (2012) vertreten die These, dass wirtschaftlicher Erfolg wesentlich von inklusiven Institutionen abhängt : Wirtschaftliche Erfolg hängt primär von inklusiven (einbeziehenden) wirtschaftlichen und politischen Institutionen ab (z.B. einem demokratischen und pluralistischen Rechtsstaat). In extraktiven (ausschließenden) Systemen (z.B. Autokratien) müssen Bürger und Unternehmen die herrschende Klasse fürchten, so dass es an Anreizen zur für die Wohlstandsschaffung nötigen Investitionen und Innovationen fehlt. Die Eliten fürchten eine schöpferische Zerstörung, da diese neue Gruppen schafft, welche mit der Elite um die Macht konkurrieren und damit deren alleinigen Zugang zu den wirtschaftlichen und finanziellen Ressourcen des Landes gefährden. 
  • Theorie unvollständiger Verträge → Dienstleistungen privat vs. Diensleistungen öffentlich Bestimmte Innovationen sind in langfristigen Verträgen nicht darstellbar. Diese müssen daher mit dem Eigentümer abgestimmt werden.  → bei perfekten Verträgen spielen Eigentumsrechte keine Rolle, da ich alles in diesen festhalten/regeln kann → Wenn etwas unvorhergesehenes passiert, erlangt der Eigentümer die Entscheidungshoheit Verfahrensinnovationen, welche Kosten sparen, aber evtl. auch die Qualität senken  Qualitätsinnovationen 
  • Anzeige
  • Privateigentum in der Theorie unvollständiger Verträge Produktionsprozess im Eigentum des Managements (to) Das Management entscheidet frei über die Investition in Verfahrensinnovationen (t1) Das Management entscheidet frei über die Investition in Qualitätsinnovationen (t1) Qualitätseinbußen durch Verfahrensinnovationen betreffen nur den Staat. Diese finden in den Nachverhandlungen daher keine Berücksichtigung (t2) Der Staat profitiert von Qualitätsverbesserungen. Der Staat kann drohen, keinen Preisaufschlag zu zahlen. Das Management kann drohen das Humankapital nicht einzusetzen, wodurch dem Staat das ganze Humankapital verloren ginge. Daher werden die Gewinne hälftig zwischen Staat und Management aufgeteilt (t2)
  • Staatseigentum in der Theorie unvollständiger Verträge Produktionsprozess im Eigentum des Staates  Der Staat muss einer Investition in Verfahrensinnovationen zustimmen  Der Staat muss einer Investition in Qualitätsinnovationen zustimmen  (Verfahrensinnovationen) Die Durchführung bedarf der Zustimmung des Staates. Daher wird der Gesamteffekt in den Nachverhandlungen berücksichtigt.Der Staat kann drohen, einen Manager zu entlassen, wodurch dem Staat allerdings nicht das gesamte Humankapital verloren ginge. Aufgrund des höheren Drohpotentials kommt dem Management in den Nachverhandlungen weniger als die Hälfte des Nettonutzens zu.  (Qualitätsinnovationen) Die Durchführung bedarf der Zustimmung des Staates. Der Staat kann drohen, einen Manager zu entlassen, wodurch dem Staat allerdings nicht das gesamte Humankapital verloren ginge. Aufgrund des höheren Drohpotentials kommt dem Management in den Nachverhandlungen weniger als die Hälfte des Nettonutzens zu.
  • Transformation Die ökonomische Transformationsforschung stellt den Wandel der Eigentumsrechte und des Allokationsverfahrens in den Vordergrund  Umgestaltung der Gesamtheit der privaten und staatlichen Institutionen bzw. der Planungs-, Koordinierungs- und Eigentumsregeln in einer Volkswirtschaft  Privatisierung von Eigentumsrechten  Schaffung dezentraler Märkte zur Lösung des Allokationsproblems 
  • Kritikpunkte an der Marktwirtschaft Der Markt ist blind für Verteilungsfragen  kein gesellschaftlicher Konsens über Verteilungsfragen dieser könnte mittels Variation der Anfangsausstattungen erreicht werden Perfekte Märkte sind eine Utopie Marktversagenstheorie: Individuell rationales Verhalten führt nicht zu einem kollektiv rationalen Ergebnis (Beispiel: neues Produkt, zu viele Marktteilnehmer) Der Markt verschwendet Ressourcen Wettbewerb als Entdeckungsverfahren