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Einführung in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Fach) / Industrielle Revolutionen (Lektion)
Spezifiziert auf verschiedene Regionen und Länder
Diese Lektion wurde von Schaschka erstellt.
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- Wie würden Sie den Begriff "Industrielle Revolution" definieren? Bezeichnet den rapiden und sozial spannungsreichen Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft, der durch das Zusammenspiel institutioneller, gesellschaftlicher und technischer Faktoren bewirkt wurde. Umfasst im wieteren Sinne die Periode der Intensivierung und Vernetzung innovativer Komponenten, die ein nachhaltiges Wachstum und die Veränderung der Gesellschaftsstruktur herbeiführten.
- Was verstehen Sie unter der Industriellen Revolution? Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft Strukturwandel --> alle Vorgänge die mit dem Aufkommen und der Durchsetzung des Fabriksystems zusammenhängen
- Was machte die I.R. möglich? Demografischer Übergang: -> Drastisches Bevölkerungswachstum + Verbesserung der medizinischen Versorgung, mehr Hygiene Aufklärung --> Höherer Bildungsstand(Einführung der Schulpflicht) Wachstum des sekundären Sektors(Güterverarbeitung also Industrie) Aufhebung der Leibeigenschaft Agrarrevolution und Protoindustrialisierung
- 4. In welchen Verhältnis stehen Protoindustrialisierung , Agrarrevolution und Industrialisierung? Agrarrevolution ist wesentliche Grundlage/ Voraussetzung für I.R. Protoindustrialisierung ist Vorläufer der I.R.
- 5. Nennen Sie wesentliche Komponenten der industriellen Revolution! Stand der vorindustriellen Entwicklung: Ansammlung von Humankapital in der Bevölkerung (Know-how, Fertigkeiten, Realbildung) Dichtes Netz marktlicher Verflechtungsbeziehungen (Multiplikatoreneffekte, sich selbst tragendes Wachstum) Nicht zu ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung (Verhinderung des Abflusses kaufkräftiger Nachfrage ins Ausland) D.h. es gibt Pfadabhängigkeiten von der alten Entwicklung in die Zukunft hinein Eröffnung von Wegen hin zu extensivem Wachstum Übergang von extensivem in intensives Wachstum Zunehmend produktive Nutzung überschüssiger Ressourcen Beispiele: Land in den USA, Arbeitskraft in Europa und Japan Ausbau des Bildungs- und Ausbildungswesens Entwicklung der Fähigkeit zu Imitation und Adaption bzw. catching up (Aufholen) Gewährleistung freier Unternehmerinitiative Etablierung von Kreditinstituten Zunahme der Kapitalintensität Keine direkten Interventionen von Seiten des Staates (Staat als Nachtwächter) Die jeweilige Vorgeschichte ist stark zu berücksichtigen; die Industrialisierung knüpft demnach an alte Traditionen an; man spricht auch von der Historizität des Gewerbes
- 6. Durch was lässt sich die Industrielle Revolution charakterisieren? Begann in England um 1760 und umfasste seitdem fast alle Staaten der Welt Kein stufenartiger Prozess, sondern ein paralleler, anhaltender Prozess = "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" auch heute noch gibt es in Schwellenländern erste Industrielle Revolutionen z.B. noch bis heute existieren Manufakturen Dynamik ist am stärksten ausgeprägt in dieser Zeit Fabrik tritt allmählich neben die Manufaktur und ersetzt diese teilweise (zuerst in Textilindustrie, ab der zweiten Hälfte des 19. Jhd. auch in anderen Industriezweigen) Beschleunigung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Sektoraler Strukturwandel → Anteil der Landwirtschaft (Primärsektor) geht zurück, Anteil der Industrie(Sekundärsektor) steigt an Als Kern wird generell die Entstehung der modernen, verarbeitenden Industrie angesehen Geht in der Regel mit einem Anstieg der landwirtschaftlichen Produktivität einher Begriff meint aber nicht nur die Umstellung in der Industrie, sondern spricht die gesellschaftlichen Veränderungen im Ganzen an → gesamthistorisches System → man spricht daher auch von der "Industrialisierung des Lebens"
- 7. Welche Rolle spielte der Staat im Rahmen der frühen Industriellen Revolution? spiet überragende Rolle Gestaltet Institutionen (Regeln, Gesetze, etc.) Ist Nachfrager von Gütern und DL verantwortlich für Vertrauen in Stabilität des institutionellen Arrangements ⇒ Kann den Industrialisierungsprozess begünstigen durch: Hohe Freiheitsrechte/ Liberalismus Wenig Protektionismus (d.h. wenig Handelshemmnisse) Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsraums Keine Zünfte Förderung des Unternehmertums Förderung des technischen Fortschritts Kapitalistische Wirtschaftsideologie ⇒ Staat kann den Industrialisierungsprozess aber ebenso hemmen
- 8. Welche Rolle spielte der technische Fortschritt im Rahmen der Industriellen Revolution? zentrale Bedeutung für das Wirtschaftswachstum
- 9. Welche Konzepte/ Theorien zur Industrialisierung sind Ihnen bekannt? Hannah Schissler: Transformationskonzept Kommerzialisierung der Landwirtschaft → an Märkte angesetzt Übergang von feudaler zu kapitalistischer Gesellschaft Walt Withman Rostow: fünf Stadien Theorie Phase 1: Traditionelle Gesellschaft Phase 2: vorindustrielle Phase - Weltmarkt bildet sich heraus Phase 3: Take off-industrielle Revolution, mehr Innovation, mehr Nachfrage, Städte wachsen, Kommerzialisierung der Landwirtschaft Phase 4:Reifephase Phase 5:Zeitalter des Masssenkonsum (nur noch Konsum von Massenprodukten)
- 10. Wie verlief die Bevölkerungsentwicklung zu Beginn der so genannten Industriellen Revolution? Geburtenrate: zunächst ziemlich gleichbleibend, später abfallend Sterberate: auch abfallend → aber wesentlich stärker FAZIT: "Öffnen der Schere" führte zu drastischer Bevölkerungszunahme ="demographischer Übergang"
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- 11. Durch welche Produktionseinheit wurde die Manufaktur fast vollständig ersetzt? Vergleichen Sie die Einheiten! Durch die Fabrik Manufaktur: stand in der Zeit des Merkantilismus im Vordergrund Beibehaltung der Handwerkstechnik Geringere Arbeitsteilung Geringe Kapitalitensität Geringere Produktionsmengen Vorwiegend gelernte Arbeitskräfte Fabrik: steht in der Zeit der Industrialisierung im Vordergrund Einsatz von Maschinen Ausgeprägte Arbeitsteilung Hohe Kapitalitensität Massenproduktion Vorwiegend an- und ungelernte Arbeitskräfte →FAZIT: deutliche Unterschiede hinsichtlich des Produktionsfaktors Arbeit!
- 12. In welchen Bereichen setzte in der Regel die Maschinisierung zuerst ein? Baumwollindustrie Textilindustrie Eisenindustrie
- 13. Welche Faktoren konnten/können hinderlich für einen Prozess wie die Industrielle Revolution sein? fehlendes oder gar negatives Bevölkerungswachstum (durch Geburtenrückgang, hohe Sterblichkeit oder auch Städteflucht) Zurückhaltendes Konsumverhalten Niedriger Bildungsstand Gewerbebeschränkungen Zurückhalten von Inventionen Fehlende Marktverflechtungen (verschiedene Binnenzölle, verschidene Währungs- und Maßgrößen,...) Ungleiche Einkommensverteilung Zu viel staatliche Beschränkung (zu starkes "juristisches Korsett")
- 14. Wann und wo begann die Industrielle Revolution? 1760 in England
- 15. Wieso beginnt die Industrielle Revolution in England? Welche Merkmale weist die Industrielle Revolution Englands auf? Hinsichtlich Infrastruktur, Territorium und Gesellschaft Gesellschaftliche Bedingungen: Bemerkenswert rasanter Bevölkerungszuwachs gegen Ende des 18. Jhd. (kein anderes europäisches Land erreichte einen derartigen Anstieg) Begleitet von einem zunehmenden Lebensstandard (Zunahme des Pro-Kopf-Einkommens) Territoriale Bedingungen: Relativ einheitliches Territorium Besaß vielfältige Ressourcen: Kohle, Einsenerz, Wolle und Besaß z.B. die größten westeuropäischen Kohlevorkommen Gute Infrastruktur: bis etwa 1830 wurde Verkehrswesen erheblich verbessert (angeregt durch das ständig zunehmende Wachstum der Städte und die damit verbundenen steigende Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln und Kohle) → durch (Aus-)Bau von Flüssen, Kanälen und Straßen dadurch erhebliche Verbesserung der Transport geschwindigkeiten, Transportsicherheit und der Transportkosten Gleichzeitig Erweiterung der bestehenden Dock- und Hafenkapazitäten
- 15. Wieso beginnt die Industrielle Revolution in England? Welche Merkmale weist die Industrielle Revolution Englands auf? Hinsichtlich wirtschaftlichem, wipo. und politischem Wirtschaftliche Bedingungen: Effizienter Agrarsektor → solide Kapitalbasis Bereits um 1750 gab es einige blühende Industriezweige (Wollindustrie, Schiffbau, Eisenverhütung) Einzigartiger Status als Seemacht und damit Handelsmacht Faktische Monopolstellung in den überseeischen Kolonien Arbeitsteilige Produktionsweise war bereits relativ verbreitet Hohe Gewerbedichte Gab "Leading sectors" (innovative und wachstumsstarke Industriezweige, die auf andere Gewerbe ausstrahlen) Wirtschaftspolitische Rahmendbedingungen: Ausrichtung der gesamten Außenpolitik nach ökonomischen Zielsetzungen Unterstützung des freien Unternehmertums seitens der Regierung, d.h. England verfügte über eine freie, private Unternehmerschaft Keine Zünfte England billigte seiner Wirtschaft und Gesellschaft im 18. Jhd. einen höheren Freiheitsgrad zu, als andere europäische Länder; d.h. gewisse Passivität des Staates Zwischen 1760 und 1850 wurden viele der restriktiven staatlichen Regelungen entschärft oder ganz aufgehoben → Tendenz zum Abbau der tarifären Handelshemmnisse (Zölle etc.) FAZIT: lieberales Wirtschaftssytem ohne gravierende institutionelle Restriktionen Politische Bedingungen: Stabiles, demokratisches und vetrauenswürdiges politisches System Parlamentarische Monarchie →Krieg gegen Frankreich: massenhafter Bedarf an Waffen, Munition, Uniformen usw. trugen unmittelbar zu technologischen Neuerungen und Industrialisierung bei →Kontinentalsperre 1806: England machte aus der Not eine Tugend und eroberte die überseeischen Märkte (insbesondere Lateinamerika und Westindien)
- 16. Welche Gründe sprechen für die Verwendung des Begriffs im Plural ("Industrielle Revolutionen")? Verwendung des Plurals, weil: Man spricht von mehreren Industriellen Revolutionen, die alle jeweils durch eine oder ein ganzes Bündel von wachstumsgenerierenden Basisinnovationen geprägt sind: 1. Industrielle Revolution: Dampftechnik 2. Industrielle Revolution: neue Wissenschaftsindustrien (Chemie, Elektrotechnik, Motoren, etc.) 3. Industrielle Revolution: Prozessinnovationen 4. Industrielle Revolution: digitalisierte Elektrotechnik (Kommunikationsrevolution) 5. Industrielle Revolution: biochemische und gentechnische Innovationen Von Land zu Land sowie von Region zu Region traten unterschiedliche Industrialisierungsmuster auf, d.h. eine Vielzahl regional höchst unterschiedlicher industrieller Ausprägungen (=räumliche Cluster) Die erste Industrielle Revolution setzte in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein (=zeitliche Cluster) →"Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen"
- 17. In welchem Land begann die Industrielle Revolution Kontinentaleuropas? Schildern Sie kurz das Industrialisierungsmuster des Landes? In Belgien
- 21. Skizzieren Sie die Ausgangsbedingungen der Industriellen Revolution Deutschlands! Ansammlung von Humankapital (Know-how, Fertigkeiten, Realbildung) Dichtes Netz marktlicher Verflechtungsbeziehungen Gute und breite Vermögensverteilung Nutzung überschüssiger Ressourcen Ausbau des allgemeinen Bildungswesens Rechtssicherheit Kreditinstitute bilden sich Staat interveniert nicht
- 22. Was verstehen Sie unter "Bauernbefreiung"? Welche konkreten Abhängigkeitsverhältnisse wurden damit aufgehoben? = Auflösung von Grundherrschaft/ Gutsherrschaft und den damit verbundenen Lasten und Pflichten, d.h. die leib- und zehntherrlichen Beziehungen sowie die Patrimonialgerichtsbarkeit wurden aufgehoben Allen gutsuntertänigen Bauern wurde das Recht zugestanden, sich aus der Leibeigenschaft freizukaufen, d.h. sie geben Teile ihres Landes ab, werden aber dafür zu Eigentümern Bauer war jetzt vollberechtigter Staatsbürger → keine Tribute (Dienste und Abgaben) mehr an Lehnsherren, aber dafür auch Entlassung aus Sicherheit (er trägt allein volles Risiko) Gleichzeitig auch Aufhebung der alten Flurverfassung + Neugliederung des Nutzlandes
- 23. Wann wurde der Deutsche Zollverein gegründet? Was waren seine Vorläufer? Welchen Nutzen hatte er? Gründung: 01.01.1834 (1835 kamen Baden und Nassau dazu; 1836 noch FFM) Vorläufer waren regionale Zollvereine, z.b.: 1818 - preußische Zollgesetze 1824 - Württembergisch-Hohenzollern Zollgesetze 1828 - Bayrisch-Württembergisch-Hohenzollern Zollgesetze 1828 - Preußisch-hessische Zollgesetze 1828 - Mitteldeutscher Handelsverein Nutzen: Einigung/Zusammenschluss eines komplizierten Geflechts territorialer Splitterstaaten und Teilinteressen zu einer Zollunion Die Regierungen der meisten deutschen Staaten verzichteten freiwillig auf Teile ihrer Rechte im Interesse der Gemeinschaft Ermöglichte gemeinsame Wirtschaftspolitik → einheitliche Maße, Gewichte,... → inländischer Handel war viel leichter und günstiger möglich
- 24. Die deutsche Industrialisierung wurde im Wesentlichen vom Eisenbahnbau getragen, wer finanzierte denselben? Bürger (private Geldgeber) Firmen Staat (Banken) >>> Merke: In der ersten Hälfte des 19. Jhd. gab es noch kaum Kreditinstitute (sie entstanden erst im Laufe der Ind. Rev.), deshalb stellte zu Beginn die Selbstfinanzierung aus dem Gewinn (Thesaurierung) dar!!!<<<
- 25. Warum setzte die Ind. Rev. erst relativ spät in den USA ein? weil Amerika erst 1776 seine Unabhängigkeit erlangte, war die Industrie noch nicht so weit fortgeschritten wie im alten Europa
- 26. Was verstehen Sie unter push-and-pull-Faktoren? Push: = Faktoren, die die Menschen von einer Stadt/einem Gebiet wegdrücken z.B.: Hungersnöte, Arbeitslosigkeit, hohe Lebenshaltungskosten, zahlreiche REstriktionen, niedriger Lebensstandard, Diskriminierung Pull: = Faktoren, die die Menschen zu einer Stadt/einem Gebiet hinziehen z.B.: gute Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten, hoher Lebenstandard, zahlreiche Freiheiten, gutes Wirtschafts-, Bildungs- und Gesundheitssystems
- 27. Welche Rolle kommt dem Technologietransfer im Rahmen der Ind. Rev zu? Sorgte für gleichmäßige, sehr schnelle Entwicklung in den überragenen Ländern
- 28. Die Ind. Rev. wird oft als Fundamentalzäsur bezeichnet. Positionieren Sie sich zu dieser Aussage! Ein fundamentaler Einschnitt: Urbanisierung Technologisierung (Von Handwerk zu maschinellen Fertigung) Abschaffung der Leibeigenschaft Schwerpunkt von Landwirtschaft auf Industrie