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Sozialpsychologie (Fach) / 13 Freundschaft und Liebe (Lektion)

s.o.

Diese Lektion wurde von MarienkEva erstellt.

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  • Herausforderungen der Forschung • Fast immer nicht-experimentelle Designs; Korrelation ≠ Kausalität– z.B. Personen, die in ihrer Beziehung glücklich sind, haben häufiger Sex• Langzeitstudien– z.B. Befragung von frisch Verheirateten zu bestimmten Themen und Kodierung derAntworten konnte vorhersagen, wer nach 5 Jahren noch verheiratet war (Carrere et al.,2000)
  • Wie entstehen Beziehungen zwischen Menschen? • In Kulturen, die freiwillige Beziehungen betonen, hängt interpersonelle Anziehung von drei Faktoren ab:– Physische Attraktivität: Wir mögen Menschen, die gut aussehen.– Interaktion / Nähe: Wir mögen Menschen, mit denen wir zusammen sind und interagieren.– Ähnlichkeit: Wir mögen Menschen, die uns ähnlich sind.
  • Wie wirkt physische Attraktivität? 1.Das Attraktivitäts-Stereotyp: Attraktiven Menschen werden positive Eigenschaften zugeschrieben (z.B. freundlich, herzlich, selbstbewusst, sozial kompetent)– Häufig innerhalb von Millisekunden– Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Telefongespräch mit "attraktiver" oder "unattraktiver" Partnerin beeinflusst deren Verhalten (Snyder, Tanke & Berscheid, 1977). 2.Was macht attraktiv?– Körper und Gesicher, die symmetrisch sind (Zeichen von Gesundheit; Stärkerer Effekt, wenn zuvor mit Krankheit geprimt; Über alle Kulturen hinweg)– Körper und Gesichter, die Zugang zu Ressourcen reflektieren z.B. Größe; Gewicht (je nach Zugang zu Ressourcen; Kulturelle Unterschiede/ Erfahrungen)• Mere exposure• Zuneigung beeinflusst auch Attraktivität 3. Wer achtet auf Attraktivität?– Personen mit hohem "self-monitoring"– Männer mehr als Frauen• unabhängig vom Geschlecht des Partners_der Partnerin– Frauen in Abhängigkeit vom Menstruationszyklus• Hinweis auf biologische Dimension
  • Interaktion / Nähe: Wir mögen Menschen, mit denen wir zusammen sind und interagieren.• Nähe bedingt häufige Interaktion• Personen, die uns nah sind, …– …sind uns vertraut– …helfen uns, Probleme zu bewältigen, liefern Information, bieten soziale Vergleichsmöglichkeiten (Motiv der Kontrolle)– …lassen uns emotionale Wärme und Akzeptanz erleben (Motiv der Verbindung mit anderen) • Vertrautheit allein (ohne Interaktion) führt zu positiveren Einstellungen – "mere exposure effect" (Zajonc, 1980; Moreland & Beach, 1992)• Interaktionen können auch negativ sein – dann führen Nähe und Interaktion zu weniger Sympathie– kommt aber seltener vor
  • Ähnlichkeit: Wir mögen Menschen, die uns ähnlich sind. Freunde sind einander ähnlich (hinsichtlich Alter, Familienstand, Intelligenz usw.; Hays, 1988).•Einstellungsähnlichkeit besonders wichtig (Byrne, 1971)•Wie wirkt Ähnlichkeit auf Anziehung?– Ähnlichkeit fördert Interaktion; wir meiden Interaktionen mit unähnlichen Anderen (Rosenbaum, 1986).– Erwartung: Wir erwarten, dass ähnliche andere uns mögen.– Soziale Validierung unserer eigenen Einstellungen – Einstellungsähnlichkeit ruft positive Gefühle hervor, die auf den Träger der Einstellung übertragen werden. • Suchen Menschen gezielt nach ähnlichen Partner_innen für Freundschaften und Beziehungen?– "Ja" sagen Vertreter des "matching principle": Unattraktive Vpn wählen weniger attraktive Partner_innen bei "Computer Dating" (Berscheid et al., 1971).– "Nein" sagen Kritiker: "Matching" nicht Ursache, sondern Ergebnis. Alle suchen maximal attraktive PartnerInnen, aber weniger attraktive Personen werden von attraktiveren Zielpersonen eher zurückgewiesen.• Evidenz aus Computersimulationen (Kalick & Hamilton, 1986)• "Pairing Game" (Ellis & Kelley, 1999)
  • Wie entstehen länger andauernde Beziehungen? • Übergang von Sympathie, die sich auf individuelle Merkmale (wie z.B. Attraktivität) gründet, … • … zu Freundschaft, die sich auf die spezifische Geschichte der Interaktion zwischen zwei Personen – d.h. deren Beziehung – gründet.– gegenseitige Sympathie– Faktoren, die allgemein Anziehung bewirken, treten bei Beziehungen in den Hintergrund Art der Beziehung ändert sich im Verlauf• zu Beginn: Austauschbeziehung ("exchange relationship")– Ertrag soll proportional zur Investition sein (Equity-Theorie; Walster et al., 1966)• später: Übergang zu freundschaftlicher Beziehung ("communal relationship")– Hilfe für den Freund als Ausdruck der Wertschätzung ohne Erwartung von Gegenleistung
  • "Self-Disclosure" (SD) als Merkmal von Freundschaften • Definition: SD ist Kommunikation über intime Themen wie eigene Gefühle, Probleme• SD nimmt im Verlauf einer Beziehung zu• Effekte: SD (in Maßen) erhöht Sympathie; regt Partner seinerseits zu SD an (Derlega, Wilson & Chaikin, 1976) – Norm der Gegenseitigkeit• Geschlechtsunterschiede: SD bei Freundschaften zwischen Frauen und in heterosexuellen Beziehungen stärker ausgeprägt als bei Freundschaften zwischenMännern (Reis, 1986). • Aber: Männer setzen in frühen Phasen einer heterosexuellen Beziehung SD gezielt ein, um größere Intimität zu erreichen (Derlega et al., 1985).
  • Enge Beziehungen • Interdependenz = Gedanken, Gefühle, Verhalten des einen Partners beeinflussen den anderen (kognitive, affektive, Verhaltens-Interdependenz)• Enge Beziehungen sind definiert durch ausgeprägte und häufige Interdependenz inverschiedenen Lebensbereichen– nicht definiert durch positive Gefühle– Konflikte in engen Beziehungen können intensive negative Gefühle hervorrufen • Liebe = "Gedanken, Gefühle und Handlungen, die mit dem Wunsch verbunden sind, eine enge Beziehung mit einer bestimmten Person einzugehen oder aufrecht zu erhalten" (Aron & Aron, 1991)– Diese Definition schließt enge Freundschaften und verwandtschaftliche Beziehungen ebenso ein wie langfristige sexuelle Beziehungen
  • Kognitive Interdependenz • Partner_in wird "Teil des Selbst" – die üblichen Selbst-Fremd-Unterschiede in der sozialen Wahrnehmung verschwinden– Self-Disclosure: Man kennt die Gedanken und Gefühle des Partners_der Partnerin so gut wie seine eigenen– Wissensmenge: Man beobachtet den_die Partner_in in vielfältigen Situationen– Perspektive: Man denkt über Ereignisse vom Standpunkt des Partners_der Partnerin aus nach– Kontrolle: Man kann (aufgrund der Interdependenz) Handlungen des Partners_der Partnerin fast ebenso gut beeinflussen und steuern wie die eigenen • Kognitive "Verwechslungen" (Aron et al., 1991)– Vpn sollen am PC angeben, ob bestimmte Eigenschaften auf sie selbst zutreffen– Antworten langsamer bei Eigenschaften, die sie nicht mit Partner_in gemeinsam haben• Kognitive Verzerrungen (Agnew et al., 2001)– Die beiden Partner_innen stimmen zwar gut überein, sind aber weniger akkurat als Außenstehende– Freund_innen eines_r der Partner_innen konnten die Dauerhaftigkeit einer Beziehung besser vorhersagen als das Paar selbst 
  • Verhaltensbezogene Interdependenz • "Transformation" im Austausch von Belohnungen– Je enger die Beziehung, desto weniger steht der eigene individuelle Nutzen im Vordergrund– Studie von Aron et al. (1991): Vp teilt anonym Geldbetrag auf (a) zwischen sich und Freund_in oder (b) zwischen sich und fremder Person.Ergebnis: Bevorzugung der eigenen Person nur unter (b). • Der "gute Wille" zählt– Tatsächliches Verhalten des Partners_der Partnerin weniger wichtig als Attributionen hinsichtlich seiner_ihrer Motive– Attributionen in engen Beziehungen sind oft positiv verzerrt• Negatives Verhalten des Partners_der Partnerin wird mit situativen Einflüssen "wegerklärt",• positives Verhalten wird auf stabile und interne Ursachen (wie Liebe und Verständnis) zurückgeführt (Fletcher & Fincham, 1991)
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  • Affektive Interdependenz • Gefühle der Intimität ("intimacy") und Festlegung ("commitment")• Intimität = positive emotionale Bindung, die Verständnis und Unterstützung einschließt– zentrale Belohnung in engen Beziehungen– wächst mit der Zeit über positive Interaktionen (v.a. Self Disclosure) • Festlegung = Wunsch, die Beziehung lange aufrechtzuerhalten, und Stärke der emotionalen Bindung an Partner_in– wächst ebenfalls mit der Zeit– beinhaltet Vertrauen, sich auf Partner_in verlassen zu können• Festlegung hängt nach Rusbult (1983) ab von:– Zufriedenheit mit der Beziehung (aktuelle Belohnungen)– wahrgenommenen Alternativen (potentielle Belohnungen in anderen Beziehungen)– Hindernissen, die Beziehung zu verlassen (z.B. bisher investierte Zeit, Geld, gemeinsame Freunde) • Kognitive Verzerrungen tragen zu Festlegung bei  – Simpson et al. (1990): Studierende in fester Beziehung finden alternative Partner weniger attraktiv• Festlegung ist guter Prädiktor für die Dauer einer Beziehung
  • Investitionsmodell Commitment= Zufriedenheit mit der Beziehung + Hindernisse bei Trennung Zufriedenheit mit der Beziehung = Belohnung durch Beziehung + mögliche alternative Belohnungen Hindernisse bei Trennung = Mögl. verlorene Investments + Kosten einer Trennung
  • Individuelle Unterschiede im Bindungsstil • Personen unterscheiden sich hinsichtlich Streben nach Intimität und Vertrauen in Partner_in• Bindungsstile (Bowlby, 1969) = Grundlegende Orientierungen in engen Beziehungen. Basieren auf allgemeinen Vorstellungen von sich selbst und anderen• Ursprünge in der Kindheit, in frühen Beziehungen zu Pflegepersonen• Relativ stabil, aber Erfahrungen im Erwachsenenalter können Bindungsstil noch beeinflussen
  • Sicherer Bindungsstil fällt es relativ leicht, anderen gefühlsmäßig nahe zu kommen fühle mich wohl dabei, mich auf andere zu verlassen und wenn andere sich auf mich verlassen keine Sorgen über das Alleinsein keine Sorgen, dass andere mich nicht akzeptieren könnten.
  • gleichgültig-vermeidend (auch "ablehnend") Bindungsstil wohl ohne enge gefühlsmäßige Beziehungen sehr wichtig für mich, mich unabhängig und selbstständig zu fühlen bevorzuge es, wenn ich mich nicht auf andere verlassen muss und andere sich nicht auf mich
  • ängstlich-ambivalenter ( auch "besitznehmend") Bindungsstil möchte anderen gefühlsmäßig vollkommen nahe sein,  andere gegen soviel Nähe sträuben, wie ich sie mir wünschen würde. Ohne enge Beziehungen fühle ich mich unwohl, beunruhigt es mich, dass andere mich nicht so sehr schätzen wie ich sie.
  • ängstlich-vermeidender Bindungsstil unwohl dabei, anderen nahe zu kommen. wünsche mir gefühlsmäßig enge Beziehungen schwierig, anderen vollständig zu vertrauen oder mich auf sie zu verlassen. ich fürchte verletzt zu werden, wenn ich es mir erlaube, anderen zu nahe zu kommen.
  • Effekte des Bindungsstils auf Interaktionen in heterosexuellen Beziehungen (Simpson et al., 1992) • In bedrohlicher Situation suchten Frauen mit sicherem und ängstlich-ambivalentem BS eher soziale Unterstützung durch ihren Partner als Frauen mit vermeidendem BS• Männer mit sicherem BS boten am meisten Unterstützung an • Wenn Unterstützung angeboten wurde, dann war sie auch generell hilfreich, selbst wenn die Frau sie nicht aktiv gesucht hatte
  • Effekte enger Beziehungen • Enge Beziehungen sind Quellen sozialer Unterstützung (= Ressourcen zur Bewältigung von Stress und kritischen Lebensereignissen)• Soziale Unterstützung trägt deutlich zu physischer Gesundheit bei • Am wichtigsten: Emotionale Unterstützung (wichtiger als konkrete Problemlösungen)– Frauen bieten mehr emotionale Unterstützung an als Männer– Interaktionen mit Frauen sind daher der Gesundheit eher förderlich• Soziale Unterstützung verstärkt auch die Effekte positiver Erlebnisse
  • Effekte enger Beziehungen • Enge Beziehungen sind Quellen sozialer Unterstützung (= Ressourcen zur Bewältigung von Stress und kritischen Lebensereignissen)• Soziale Unterstützung trägt deutlich zu physischer Gesundheit bei • Am wichtigsten: Emotionale Unterstützung (wichtiger als konkrete Problemlösungen)– Frauen bieten mehr emotionale Unterstützung an als Männer– Interaktionen mit Frauen sind daher der Gesundheit eher förderlich• Soziale Unterstützung verstärkt auch die Effekte positiver Erlebnisse
  • Liebe und Sexualität • "Liebe" im Alltagsverständnis breites Konzept (Mutterliebe,freundschaftliche Liebe, platonische Liebe, Geschwisterliebe...)• Leidenschaftliche Liebe (engl.: "romantic love") =Beziehung, die (Wunsch nach) Sexualität beinhaltet• Liebe als Emotion: physiologische Erregung + situative Hinweise, dass Liebe die angemessene Interpretation ist(Berscheid & Walster, 1974)– Befunde zum Erregungstransfer stützen dieses Modell• Kulturelle Einflüsse– "Romantische Liebe" wird in individualistischen Kulturen höher bewertet– ... und in kollektivistischen Kulturen oft als sozial störend angesehen
  • Einstellungen zur Sexualität • Geschlechtsunterschiede in Verhalten und Einstellungen– Evolutionspsychologie:Männer --> Attraktivität, Frauen  --> Ressourcen– Männer als Initiatoren, Frauen als "gatekeepers"– Einstellungen zu unverbindlichem Sex (= Soziosexualität; Schmitt, 2005)• Männer -->  sexuelle Kurzzeitstrategien• Frauen  -->  langfristigen Beziehungen 
  • Sexualität im Kontext enger Beziehungen • Sexuelle Aktivität positiv korreliert mit Zufriedenheit in Beziehung – Aber: Kausalrichtung unklar• Zusammenhang nicht spezifisch für Sex: Zufriedene Paare tun auch viele andere positive Dinge häufiger gemeinsam• Geschlechtsunterschied: Für Frauen sind Intimität und emotionale Wärme wichtiger, für Männer abwechslungsreiche und häufige sexuelle Aktivität• Geschlechtsunterschiede nehmen mit zunehmendem Alter ab; Mehrheit der über 80-jährigen ist sexuell aktiv