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Sozialpsychologie (Fach) / 9. Gruppen Normen (Lektion)

Gruppen Normen

Diese Lektion wurde von MarienkEva erstellt.

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  • Konformität – oft synonym mit Mehrheitseinfluss– allgemeiner: Anpassung an die Position anderer– nach Smith, Mackie, & Claypool: Das Konvergieren derGedanken, Gefühle oder des Verhaltens von Individuen auf einesoziale Norm hin
  • Norm – allgemein anerkannter Standard ("was man tun sollte" = präskriptive Norm) oder– allgemein zu beobachtende Praxis ("was die meisten tun" = deskriptive Norm)– beides oft deckungsgleich: das, was die meisten tun, wird als angemessen betrachtet
  • Wie beeinflusst Gruppenkonsens das Urteil einzelner? Konformität mit Gruppennorm / sozialer Einfluss durch die Gruppe zeigt sich bei mehrdeutigen und bei scheinbar eindeutigen Urteilsaufgaben. private Konformität: Akzeptieren der Gruppennorm als korrekt öffentliche Konformität: Anpassung an Gruppennormen, die P nicht wirklich akzeptiert Stärkere Konformität in kollektivistischen als in individualistischen Kulturen  Effekt verstärkt durch Unsicherheit
  • Bezugsgruppen - Wir erwarten nicht, mit beliebigen anderen über alles Mögliche übereinzustimmen.- Bezugsgruppen sind Gruppen, mit denen wir urteilsrelevante Merkmale teilen.- V.a. bei subjektiven Urteilen dienen ähnliche Andere als Bezugsgruppe (Gleichaltrige, Familie, Parteifreunde etc.)- Einfluss über oberflächliches Akzeptieren oder systematische Verarbeitung je nach Bedeutsamkeit des Themas- Studie von Ziegler & Diehl (2003): Vpn lassen sich von identischen mittelmäßigen Argumenten eines Politikers eher überzeugen, wenn dieser ihrer präferierten Partei angehört (Stoiber vs Schröder) . Schröder)
  • • Kompromissbildung – Manchmal konvergieren Gruppen bei Meinungsdifferenzen auf eine mittlere Position hin• Kompromiss zwischen den Ausgangspositionen der Mitglieder, v.a. bei gleicher Verteilung der Ausgangspositionen (pro – contra)• Beispiel: Sherifs Studie zum autokinetischen Effekt (1936)
  • Gruppenpolarisierung – Position der Gruppe wird als Ergebnis von Diskussion und sozialem Einfluss noch extremer als die Ausgangspositionen der Mitglieder (Stoner,1961)• Beispiele: Personalentscheidungen; Geschworene
  • Erklärungen für polarisierte Normbildung – Mehrere Prozesse: Wenn eine Mehrheit zu Beginn eine bestimmte Position favorisiert, entsteht Polarisierung als Resultat von Oberflächlicher Verarbeitung (man übernimmt die Meinung der anderen)• Mehrheitsposition als Heuristik• Zunächst unentschiedene Mitglieder schließen sich der Mehrheit an → Gruppenposition wird insgesamt extremer• Bewegung auf extreme Position hin, um "ein besonders guter Repräsentant der Gruppe zu sein" Systematischer Verarbeitung (man denkt intensiv über die Argumente der anderen nach)• Gruppendiskussion enthüllt nicht nur die Positionen der anderen, sondern auch deren Beweggründe und Argumente• Die Mehrheit ist auch bei systematischer Verarbeitung im Vorteil, denn ihre Argumente …– sind zahlreicher– werden intensiver diskutiert (Vorteil von "shared information" gegenüber "unshared information": Stasser, Taylor, & Hanna,1989)– erscheinen überzeugender (unabhängige Quellen haben gleiche Argumente)– werden mit mehr Überzeugung vorgetragen (Bassili, 2003: "minority slowness effect")
  • Konformitätsdruck • Vertrauen auf Konsens...– erlaubt uns normalerweise, zutreffende Urteile zu bilden (mastery) und Beziehungenaufrechtzuerhalten (connectedness),…– kann aber auch zu verzerrten und fehlerhaften Urteilen führen.• Konsens muss auf die richtige Art und Weise erreicht werden. Problematisch:– Konsens ohne Nachdenken– Konsens ohne Unabhängigkeit– Konsens ohne privates Akzeptieren
  • Konsens ohne Nachdenken • Wenn Personen gedankenlos einen Konsens übernehmen (diesen als Heuristik nutzen), dann fehlt ihnen die Sicherheit, die sich aus der Abwägung unterschiedlicher Standpunkte ergibt.– Studie von Axsom, Yates & Chaiken (1987):Studierende, denen das Thema einer Rede (Nutzen von Bewährungsstrafen) nicht wichtig ist,• bilden ihre Einstellung aufgrund von Reaktionen des Publikums (Beifall oder Buhrufe)• ignorieren die Qualität der vorgebrachten Argumente– Alltagsbeispiel: manipulierte "Umfrageergebnisse"
  • Konsens ohne Unabhängigkeit • Konsens ist aussagekräftig, wenn vielfältige unabhängige Sichtweisen konvergieren.• Wenn aber viele Gruppenmitglieder derselben Urteilsverzerrung unterliegen, wird Konsens bedeutungslos.• Paradox:– Wir erwarten mit anderen übereinzustimmen, die uns ähnlich sind,– aber Konsens ist dann am aussagekräftigsten, wenn unterschiedliche Personen übereinstimmen.• Lösung: Wir nehmen Mitglieder der Eigengruppe (im Vergleich zu Mitgliedern einer Fremdgruppe) als uns selbst ähnlich wahr, aber auch eher als unterschiedlicheIndividuen (Wilder 1990)
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  • Konsens ohne privates Akzeptieren Kollektivistischer Fehlschluss • Wenn Konsens nur aus öffentlicher Konformität besteht, dann repräsentiert er nicht die Konvergenz unabhängiger Sichtweisen.• Öffentliche Konformität kommt häufig vor, weil Gruppen Abweichler schlecht behandeln (Schachter, 1951).• Kollektiver Fehlschluss ( pluralistic "pluralistic ignorance ): "):– Alle stimmen öffentlich mit einer Position überein, die keiner privatakzeptiert.– Aber alle glauben, nur sie selbst würden abweichen, da sie dieKonformität der anderen mit privater Akzeptanz gleichsetzen.– Beispiel: Studierende nehmen Normen zum Alkoholkonsum alsextremer wahr, als diese wirklich sind.
  • Streben nach Konsens mit schlimmen Folgen: "Groupthink" • Der Wunsch, um jeden Preis Konsens zu erreichen, führt oft zu katastrophalen Fehlentscheidungen.• Das geschieht in hoch kohäsiven (zusammenhaltenden) Gruppen, die unter Entscheidungsdruck stehen.– Beispiele: Schweinebucht-Invasion; Challenger-Explosion Ursachen/Symptome • Janis (1972): Kohäsion, Entscheidungsdruck• Weitere Randbedingungen / Symptome:– Konsens wird erzielt, ohne alle relevanten Fakten zu berücksichtigen (Selbstzensur; "mindguards").– Konsens ist "kontaminiert" durch den gemeinsamen Hintergrund der Gruppenmitglieder (keine unabhängigen Standpunkte).– Konsens wird erzielt durch öffentliche Konformität anstattprivate Akzeptanz (besonders dann, wenn mächtige Gruppenmitglieder ihre Meinung sagen, noch bevor eine Diskussion beginnt). Maßnahmen gegen Groupthink• "Advocatus diaboli" einsetzen• Heterogene Zusammensetzung der Gruppe• Öffentlichen Konformitätsdruck minimieren (z B durch geheime Abstimmungen)• Führungsposition abschwächen• All diese Maßnahmen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Minderheitspositionen berücksichtigt werden• Beispiel: US-Präsident Kennedy hat nach dem Schweinebucht Desaster die obigen Maßnahmen bei Beratungen zur Kubakrise eingesetzt.
  • Minderheitseinfluss Minderheit muss alternativen Konsens anbieten Konsistenz als entscheidende Variable bestätigt Minderheitseinfluss nicht nur auf der öffentlichen Ebene, sondern private "Änderung der Norm" Neue Interpretation von Befunden im Asch-Paradigma zur sozialen Unterstützung: auch dort Konsistenz bedeutsamer als numerische Stärke Rigidität schadet dem Anliegen der Minderheit. gemäßigt formulierte Minderheitsbotschaften wirksamer als rigide / kompromisslos formulierte. Minderheit muss sich erst Glaubwürdigkeit erarbeiten – durch Konsens mit der Gruppe  Minderheitsposition zu Thema X ist einflussreicher, wenn die Minderheit bei anderen Themen (Y, Z …) mit der Mehrheit übereinstimmt (Distinktheit über Themen hinweg) Mehrheit vs Minderheit– Parallele zu Zweiprozesstheorien der Persuasion: Verarbeitung eher oberflächlich (bei Mehrheitseinfluss) oder eher aufwändig und systematisch (bei Minderheitseinfluss)– Aber: Prozesse bei Minderheits- und Mehrheitseinfluss unterscheiden sich nicht generell; beide können zu systematischer Verarbeitung anregen.– Mehrheiten bewirken oft öffentliche Konformität und private Akzeptanz (z B .B. Sherif, 1936)– Minderheiten und Mehrheiten bieten verschiedene externe Anreize zur Übernahme ihrer Position– Mehrheit: gutes Teammitglied; verantwortungsvoller Bürger– Minderheit: unabhängiger Geist; offen für Innovation; risikobereit– Überprüfung erfordert Erfassung von Effekten auf verschiedenenEbenen, z.B.• öffentlich – privat (vgl. Moscovici, Lage & Naffrechoux, 1969)• direkt – indirekt (z.B. Einstellung zu einem Zielthema und einemideologisch verwandten Thema; Alvaro & Crano, 1997)• sofort – zeitversetzt• in Anwesenheit – in Abwesenheit der Einflussquelle
  • Minderheitseinfluss bei Gericht • Entscheidung des U.S. Supreme Court 1972: Bundesstaatenkönnen entscheiden, ob 2/3 Mehrheit der Geschworenenausreicht (vs. einstimmiges Urteil)--> Einfluss auf Qualität der Entscheidungen?• Bei 2/3 Regel: Diskussion wird beendet, sobald Mehrheit erreicht ist• Bei Einstimmigkeit: höhere Wahrscheinlichkeit, dass Minderheitsmeinung berücksichtigt wird; erhöht Qualität der Entscheidung vor allem bei gemischter Evidenz ( , vor allem bei gemischter Evidenz (Devine, 2012)• Nemeth (1977): Wenn einstimmiges Urteil erforderlich ist, wird länger diskutiert, mehr Evidenz erinnert, intensiver nachgedacht, sorgfältiger überlegt • Aber: Zwang zur Einstimmigkeit natürlich wertlos, wenn es nurzu öffentlicher Konformität führt