Sozialpsychologie (Fach) / 3. Personenwahrnehmung (Lektion)

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Personenwahrnehmung

Diese Lektion wurde von MarienkEva erstellt.

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  • Cue sichtbarer Hinweizreiz
  • Physisches Erscheinungsbild "Was schön ist, ist auch gut."− Attraktivität ist bester Prädiktor für Sympathie und Zufriedenheit in Dating-Studie (Walster et al., 1966).− Attraktive Angeklagte erhalten oft mildere Strafen (Stewart, 1980).− Auch andere Merkmale als Schönheit:z.B. Todorov et al. (2005): Kurze Darbietung der Gesichter von unbekannten polit. KandidatInnen –"Wer ist kompetenter?" Antwort ist guter Prädiktor für tatsächlichen Wahlerfolg.
  • Nonverbale Cues − Menschen, die ihre Gefühle bereitwillig nonverbal zeigen, werden oft eher gemocht, also solche, die das nicht tun.− Stimmen geben viel Information über einen Menschen (und wie wir ihn beurteilen)− Emotionaler Ausdruck ist eine (fast) universale Sprache− Lügendetektion im Alltag: V.a. nonverbale Körpersignale sind "verräterisch", aber Menschen nutzen spontan eher Inhalt und Gesichtsausdruck (Zuckerman et al., 1981).e)− Unter Ablenkung ist ein Eindruck oft zutreffender als bei Zuwendung voller Aufmerksamkeit (s.u.Schlüsselstudie)
  • Mere Exposure Effect Vertrautheit --> Andere werden sympathischer, je öfter wir sie sehen (auchohne Interaktion): Mere Exposure Effect (Zajonc, 1968).
  • Augenfälligkeit (salience) Die Fähigkeit eines Cues Aufmerksamkeit in seinem Kontext auf sich zu ziehenWas anders ist, fällt auf: KontrastSvenja geht gern ins Kino und sammelt lebende Spinnen.KontextEin 2,10 m großer Mann auf dem Basketballfeld oder in derStraßenbahn
  • Sämtliche Cues (5) Physisches Erscheinungsbild Nonverbale Cues Vertrautheit Persönliche Umgebung Verhalten
  • Interpretation von Cues (2) Cues werden interpretiert im Kontext unseres gespeicherten Wissens über Personen, Verhalten, Charaktereigenschaften und soziale Situationen.Assoziationen= gelernte Verbindungen zwischen kognitiven Repräsentationen− z.B. lügen => Unehrlichkeit          helfen => Freundlichkeit − oft automatische Aktivierung:"Stefan verirrte sich in seinem eigenen Haus." – Ihr Eindruck von Stefan? Kognitive Zugänglichkeit− Wichtig bei mehrdeutigen Cues"Tanja beschwert sich lauthals beim Verkäufer über die schlechte Qualität der Ware." – Ist Tanja schlecht gelaunt oderberechtigterweise unzufrieden?− Einflussfaktoren: Stimmung, Erwartung, Situation
  • Priming = erhöhte Zugänglichkeit durch kurz zurückliegende Aktivierung
  • Studie von Higgins, Rholes & Jones (1977) Priming − Vpn lesen mehrdeutige Personenbeschreibung:− "By the way he acted one could readily guess that Donald was well aware of his ability to do manythings well." (selbstbewusst / eingebildet)− "Donald spent a great amount of his time in search of what he called excitement. … perhaps, hewould do some skydiving or maybe cross the atlantic in a sailboat." (abenteuerlustig /verantwortungslos)− Zuvor Priming: Begriffe versteckt in "Gedächtnisaufgabe",− 4 Bedingungen:1. anwendbar, positiv (selbstbewusst, abenteuerlustig ...)2. anwendbar, negativ (eingebildet, verantwortungslos …)3. nicht anwendbar, positiv (dankbar, gehorsam …)− Ergebnis: Priming beeinflusst soziale Urteile, wenn die dadurch zugänglichen Kategorien auf dieUrteilsaufgabe anwendbar sind.− Bewusste Wahrnehmung der Primes ist nicht notwendig für derartige Effekte: Auch subliminalpräsentierte Primes wirken (Bargh & Pietromonaco, 1982).
  • Korrespondierende Schlussfolgerung Wir schließen direkt von beobachtetem Verhalten auf Eigenschaften (= Dispositionen) der Person.Beispiel: finsterer Gesichtsausdruck => Person ist aggressiv-> das nennt man korrespondierende Schlussfolgerung Oberflächliche Verarbeitung! Wann gerechtfertigt?– Wenn die Person frei entscheiden konnte.– Wenn das Verhalten wenige spezifische Effekte hat.– Wenn das Verhalten unerwartet oder atypisch ist.• Korrespondierende Schlussfolgerungen sind häufigunzutreffend.
  • Korrespondenzverzerrung Korrespondenz = Entsprechung („correspondence bias“) oder "fundamentaler Attributionsfehler" Die Tendenz, von beobachtbarem Verhalten auf den Charakter zu schließen, selbst wenn eine solche Folgerung ungerechtfertigt ist, weil es andere mögliche Gründe für das Verhalten gibt. Ausmaß des Fehlers ist abhängig von– Aufmerksamkeitsfokus– kulturellen Einflüssen (stärker in "individualistischen" Kulturen).
  • systematische Verarbeitung Informationen werden mehr genutzt und eingehender geprüft.– Erfordert Motivation und Fähigkeit.
  • Kausalattributionen = Urteile über die Ursachen von Verhalten oder Ereignissen Beispiel für mehr oder weniger systematische Verarbeitung -->  Kelleys Kovariationsmodell der Attribution
  • Harold H. Kelley (1921 – 2003): Kovariationsmodell der Attribution (1973) Hypothese von Kelley: man schaut nach einem einem potentiellen Grund, der zutrifft, wenn das Verhalten auftritt und abwesend ist, wenn das Verhalten nicht auftritt.− Drei Arten von Information bestimmen das Urteil:1. Konsensus: Reagieren andere Personen in dieser Situation in gleicher Weise?2. Konsistenz: Reagiert P auf dieses Objekt bei anderen Gelegenheiten in gleicher Weise?3. Distinktheit: Reagiert P nur auf dieses Objekt in gleicher Weise?
  • Muster für Attribution auf die Person: Subjekt ist Grund für Verhalten. • Konsensus niedrig Nur Paul tritt Linda beim Tanzen auf die Füße.• Konsistenz hochPaul tritt Linda immer auf die Füße.• Distinktheit niedrigPaul tritt allen beim Tanzen auf die Füße.
  • Muster für Attribution auf das Objekt: Objekt ist Ursache des Verhaltens. • Konsensus hoch Fast jeder tritt Linda beim Tanzen auf die Füße.• Konsistenz hoch Paul tritt Linda immer auf die Füße.• Distinktheit hochPaul tritt niemand anderem auf die Füße.
  • Muster für Attribution auf die "Umstände": Umstände sind Ursache des Verhaltens. • Konsensus niedrigNur Paul tritt Linda auf die Füße.• Konsistenz niedrigPaul tritt Linda meistens nicht auf die Füße.• Distinktheit hochPaul tritt niemand anderem auf die Füße.
  • Konsensus Reagieren andere Personen in dieser Situation in gleicher Weise? Hoch = Jeder tut das Niedrig = Nur S. tut das
  • Konsistenz Reagiert S auf dieses Objekt bei anderen Gelegenheiten in gleicher Weise? Hoch: S verhält sich bei O. immer so Niedrig: S verhält sich bei O. sonst nicht so
  • Distinktheit Reagiert P auf andere Objekte in gleicher Weise? Hoch: S verhält sich nur O. gegenüber so Niedrig: S verhält sich allen gegenüber so
  • Dan Gilbert: 3 Stufen der Verarbeitung: 1. Identifikation des Verhaltens (z.B. als "nervös")2. Dispositionale Schlussfolgerung (z.B. "P ist ängstlich")3. Ggf. Situative Korrektur (z.B. "P wartet auf eine schwierige Prüfung, da wäre jeder nervös.") Gilberts Hypothese: Stufen 1 und 2 laufen automatisch ab; die dritte Stufe erfordert kognitive Anstrengung (=systematische Verarbeitung). Solange wir nicht darauf angewiesen sind, bleiben wir bei unserem ersten Eindruck, nur wenn es einen Grund gibt, kommt auch die dritte Stufe (-> Konservatismus)
  • Schlüsselstudie: Gilbert, Pelham & Krull (1988) Einen Gesamteindruck bilden – Vpn sehen ein Video ohne Ton, in dem eine Frau interviewt wird und sich nervös und ängstlich verhält.– Später sollen sie angeben, ob die Zielperson eine ängstliche Person ist (AV).– Die Interviewthemen sind als Untertitel eingeblendet. UV 1 - Thematik!• angstauslösende Themen• entspannende Themen UV 2 - Ablenkung• keine Ablenkung: das Verhalten der Frau genaubeobachten ("one task")• Ablenkung: sich zusätzlich die Untertitel genaumerken ("two tasks") – Hypothesen:• Ablenkung verhindert situative Korrektur => Korrespondierende Schlussfolgerungen, auch dann, wenn die Situation sich als Erklärung für das Verhalten anbietet.• Ohne Ablenkung wird der Situationseinfluss berücksichtigt.
  • Einflüsse auf Gesamteindruck anderer Personen (4) Personen erwarten, dass positive bzw. negative Eigenschaften gemeinsam auftreten (implizite Persönlichkeitstheorien) Integration: Verhaltensweisen, die auf ähnliche Disposition schließen lassen, werden zusammen abgespeichert. Negative Verhaltensinformation erhält größeres Gewicht, da sie meist diagnostischer ist. Gesamteindruck kann durch Motive verzerrt sein (Wunschdenken / Selbstwertschutz)
  • Akteur-Beobachter Verzerrung – Verhalten anderer Personen wird dispositional (veranlagt) attribuiert, eigenes Verhalten wird situativ attribuiert– Mögliche Erklärungen:• Perzeptueller Fokus• Unterschiedliche Informationsmenge
  • false consensus effect Verzerrung durch falschen Konsens Ausmaß an Übereinstimmung der eigenen Verhaltensweisen mit denen anderer wird überschätzt
  • Self-handicapping Selbstdienliche Verzerrung Schon vor einem Ereignis öffentlich externale Attributionen für evtl.folgendes Versagen / schlechte Leistung machen• „Ist ja kein Wunder, wenn ich die Klausur nicht bestehen sollte, ichhabe letzte Nacht wegen der Party der Nachbarn auch extrem schlechtgeschlafen.“
  • Belief in a just world Selbstdienliche Verzerrung • Glauben daran, dass die Welt gerecht ist und gute Dinge guten Menschen passieren und schlechte Dinge schlechten Menschen• Allgemeines Attributionsmuster, bei dem Opfer verantwortlich gemacht werden
  • Effekte von Eindrücken (6) Kommunikation eines ersten Eindrucks kann die Erinnerung des Senders beeinflussen Der erste Eindruck erzeugt Erwartungen. Weiteres Verhalten wird im Licht dieser Erwartungen interpretiert. Erste Eindrücke sind resistent ("Perseveranzeffekt"). Eindrücke als "sich selbst erfüllende Prophezeiungen" Eindrücke werden mit der Zeit komplexer (wichtig: verschiedene Kontexte!) Eindrücke können sich auch fundamental ändern
  • Umgang mit inkonsistenter Information – Erhöhter Verarbeitungsaufwand bei Beobachtung unerwarteten Verhaltens.– Erklärungsversuche (Attribution)– Beides führt zu besserer Erinnerung an inkonsistentes Verhalten.
  • Perseveranzeffekt Erste Eindrücke sind resistent Anwendungsbeispiel "unzulässige Beweismittel": Wenn ein Beweismittel erst einmal eingeführt ist, gelingt es Juroren nicht, es nachträglich zu ignorieren (Loftus, 1974).