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MedienKE (Fach) / V_8.3 (Lektion)
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- Validierung der Glaubhaftigkeitsbegutachtung Die Validierung der Glaubhaftigkeitsbegutachtung als Ganzes ist schwierig, da es sich um eine einzelfallabhängige Vorgehensweise handelt Merkmalsorientierte Inhaltsanalyse eignet sich aufgrund ihrer vorgegebenen Struktur besser zur Validierung, allerdings stellt sie nur einen Teil der Begutachtung dar Einschränkung: Auch die Bewertung der Merkmalsorientierten Inhaltsanalyse erfolgt in der Praxis einzelfallabhängig kein objektiver Schwellenwert für Erlebnisfundiertheit so dass der praxisrelevante Informationsgewinn kontrollierter Studien (mitdefinierten Kriterien für Erlebnisfundiertheit) begrenzt ist
- Validierung der Glaubhaftigkeitsbegutachtungen -- Fragestellung Lassen sich wahre von unwahren Aussagen mit Hilfe der Glaubhaftigkeitsbegutachtung (bzw. der Merkmalsorientierten Inhaltsanalyse) differenzieren?
- Validierung der Glaubhaftigkeitsbegutachtungen -- Methoden Feldstudien: Analyse von echten Sexualdeliktsfällen Problem: Wahrheit der Aussagen ist unbekannt und wird mittels anderer, fragwürdiger Indikatoren (Geständnis,Schuldspruch, Polygraphenergebnisse) beurteilt Laborstudien: Experimente, in denen die Teilnehmer bewusst wahre und falsche Aussagen generieren sollen Problem: Oft geringe ökologische Validität
- Die Validierung der Glaubhaftigkeitsbegutachtung -- Interrater-Reliabilität der MOI gut, außer für 2 u 14 Allgemeine MM: Ungeordnet sprunghafte Darstellung Motivations-bezogene Inhalte Spontane Verbesserungen der eigenen Aussage
- Merkmalsorientierte Inhaltsanalyse u Objektivität Objektivität bei der Kodierung scheint gegeben zu sein: Bis auf wenige Ausnahmen ergeben sich für alle Merkmale mehrheitlich mindestens gute Rater-Übereinstimmungen. Der Gesamtwert weist durchgängig eine sehr hohe Rater-Übereinstimmung auf (> 0,75).
- Differenzierung wahrer und falscher Aussagen -- Metaanalyse y-Achse: Anteil Studien, in denen das jeweilige Merkmal häufiger in der wahren Aussageauftrat x-Achse MM: Differenzierung wahrer und falscher Aussagen gut (> 50%) für 2: Ungeordnet sprunghafte Darstellung 3: Qantitativer Detailreichtum 4: Raum-zeitliche Verknüpfungen 6: Wiedergabe von Gesprächen Differenzierung wahrer und falscher Aussagen schlecht für Motivationsbezogene Merkmale (u inhaltliche Besonderheiten)
- Merkmalsorientierte Inhaltsanalyse -- Differenzierung wahrer und falscher Aussagen anhand der Qualitätsmerkmale: Am besten differenziert das Merkmal „Quantitativer Detailreichtum“ zwischen wahrenund falschen Aussagen Die Häufigkeit motivationsbezogener Merkmale ist kein guter Indikator für wahre Aussagen
- Klassifikation von Aussagen als wahr oder falsch mittels Merkmalsorientierter Inhaltsanalyse: im Durchschnitt wurden 73% der tatsächlich wahren Aussagen als wahr eingestuft im Durchschnitt wurden 72% der tatsächlich falschen Aussagen als falsch eingestuft
- Weitere Einflussfaktoren Einfluss des Alters Einfluss von verbalen Fähigkeiten Einfluss des Interviewstils
- Einfluss des Alters Jüngere Kinder (7-8 Jahre) produzieren weniger Qualitätsmerkmale beim Beschreiben wahrer und erfundener Vorfälle als ältere Kinder (10-11, 13-14 Jahre) In der jungen und mittleren Altersgruppe differenzieren weniger Qualitätsmerkmale zwischen wahren und falschen Aussagen als in der ältesten Gruppe Unterschiedliche Merkmale differenzieren in den verschiedenen Altersgruppen zwischen wahren und erfundenen Aussagen
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- Einfluss von verbalen Fähigkeiten Je höher die verbalen Fähigkeiten des Kindes, desto höher fällt der Summenscore der Merkmalsorientierten Inhaltsanalyse aus Der Effekt besteht auch bei Kontrolle der Altersvariable
- Einfluss des Interviewstils Der Interviewstil (sachlich-kühl vs. freundlich-ermutigend) beeinflusst die Auftretenshäufigkeit verschiedener Qualitätsmerkmale unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussage Die meisten dieser Merkmale treten häufiger bei einem sachlich-kühlen Interviewstil auf, vermutlich weil hier eher versucht wird, den Befrager mit Details zu überzeugen
- Weitere Einflussfaktoren Schlussfolgerungen Einflussvariablen wie Alter, verbale Fähigkeiten und Interviewstil müssen in der Begutachtung erfasst und berücksichtigt werden (Beurteilung der Aussagetüchtigkeit und Aussagezuverlässigkeit) Absolute Schwellenwerte zur Beurteilung der Erlebnisfundiertheit der Aussage sind sinnlos Sinnvoll sind dagegen beispielsweise intraindividuelle Vergleiche in der Schilderung wahrer und erfundener Ereignisse
- Alternativen zur Glaubhaftigkeitsbegutachtung Polygraph Aufzeichnung der üblicherweise mit Lüge assoziierten peripherphysiologischen Anzeichen von Erregung (Blutdruck, galvanischer Hautwiderstand, Atmung) Ereignis-korrelierte Potentiale P300-Komponente: Straftat-Wissen, das nur Täter haben können, führt bei Tätern zur Ausprägung einer P300, bei Unschuldigen ohne Tatwissen jedoch nicht fMRI Beim Lügen zeigt sich erhöhte fMRI-Aktivität in Regionen, die für exekutive Kontrolle verantwortlich sind (v.a. im präfrontalen Cortex und im anterioren Cingulum) Stilometrie Bei Erregung (z.B. aufgrund von Lügen) ändert sich der Sprachstil in charakteristischer Weise (z.B. erhöht sich das Verb/Adjektiv-Verhältnis mit dem Grad der Erregung). Reality Monitoring Erlebtes ist im Vergleich zu Vorgestelltem• klarer, lebhafter• detailreicher• enthält mehr perzeptuelle, kontextuelle & affektive Information Aussagen können hinsichtlich der Reality-Monitoring-Kriterien analysiert werden