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Literaturwissenschaft (Fach) / Einführung in die Liwi (Lektion)
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- Mögliche Funktion von Literatur Kompensation Unterhaltung ‚literarische Bildung‘; Teilhabe an gehobener literarischer Kommunikation Repräsentation; kulturelles Statussymbol => verschiedene Rezeptionsmodi, bei denen jeweils „sehr unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich des Werts und der Funktion von literarischer Kommunikation“ dominieren. (vgl. Schneider 2013, S. 20)
- Dreikreisschema nach Jost Schneider „Ein literarischer Text ist eine Abfolge von Sprachlauten und/oder Schriftzeichen, die fixiert und/oder sprachkünstlerisch gestaltet und/oder ihrem Inhalt nach fiktional ist.“
- fixiert, fiktional, aber nicht künstlerisch z.B. Schemaliteratur (Trivialliteratur), Beispiele und Textaufgaben aus Schulbüchern
- fixiert, aber nicht fiktional und nicht künstlich Fachtexte, Rezepte, Telefonbuch
- fixiert und künstlich, aber nicht fiktional Essays, Reiseberichte
- künstlich, nicht fixiert, nicht fiktional improvisierte Festansprachen, Reimspiele von Kindern, Wortspiele in Alltagskommunikation
- fiktional, künstlich, aber nicht fixiert Alltagserzählungen, Poetry Slam, Impro-Theater
- fiktional, nicht künstlich, nicht fixiert erzählte Träume, Fantasien, Wünsche
- fixiert, fiktional, künstlich Großteil des "Höhenkamms" (Hochliteratur), Kanons
- Poetizität (künstlerische Sprachverwendung) bezeichnet die besondere Verwendung der Sprache in der Dichtkunst. Ihr zufolge gibt es sprachliche Formen und Ausdrücke, die eine poetische Wirkung auf den Leser besitzen.
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- Hermeneutischer Zirkel Wer einen Text verstehen will, vollzieht immer ein Entwerfen. Er wirft sich einen Sinn des Ganzen voraus, sobald sich ein erster Sinn im Text zeigt. Ein solcher zeigt sich wiederum nur, weil man den Text schon mit gewissen Erwartungen auf einen bestimmten Sinn hin liest. Im Ausarbeiten eines solchen Vorentwurfs, der freilich beständig von dem her revidiert wird, was sich bei weiterem Eindringen in den Sinn ergibt, besteht das Verstehen dessen, was dasteht.
- Merkmale methodischen Vorgehens Selbstreflexion und Selbstkritik: „Ein Verstehen, das Methode hat, wäre eines, das sich selbst durchsichtig ist, das weiß, welche Operationen es vollzieht, welche Risiken dabei auftreten und welchen Geltungsanspruch es für sein Ergebnis erheben kann“ (ebd., S. 118f.) Theoretische Fundierung: „Methodisch kann das Verstehen werden, wenn es über sich selbst theoretisch aufgeklärt ist.“ (Ebd., S. 119)
- Editionswissenschaft • früher: Hilfs-/Teilwissenschaft der Philologie, heute: selbstständige philologische Disziplin• Aufgabe: Rekonstruktion der Textgeschichte literarischer Werke– Präsentation und Kommentierung der Überlieferung verschiedener Textfassungen– Kritischer Vergleich der Varianten• Ziel: Bereitstellung (Edition) von zuverlässigen Textausgaben (lat. editio = Herausgabe, Ausgabe)
- Historisch-kritische Ausgabe bietet kritisch erarbeiteten Text inkl. editorischem Bericht Textgenese und Textvarianten werden offengelegt Material zu Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte
- Studienausgabe für breiteres Publikum wissenschaftlicher Anspruch: basiert oft auf historisch-kritischen Ausgaben
- Leseausgabe - beliebiger Textabdruck ohne weitere Erläuterungen
- Rhetorische Figuren und Tropen - in antiker Rhetorik als "ornatus" (Schmuck, Stilmittel) wichtiger Teil der "elocutio" (sprachlicher Ausdruck) einer Rede
- Anapher „O Täler weit, o Höhen, / O schöner grüner Wald,“ (aus: J. v. Eichendorff: Abschied)
- Epipher „Sir Mortimer, Ihr überrascht mich nicht, erschreckt mich nicht.“ (aus: F. Schiller: Maria Stuart)
- Parallelismus „Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht`“ ( aus: H. Heine: Belsazar)
- Chiasmus „Ich weiß nicht, was ich bin; ich bin nicht, was ich weiß.“ (aus: Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann); „Ach Gott! Die Kunst ist lang; und kurz ist unser Leben. “ (aus: J. W. v. Goethe : Faust I) Aufeinanderfolge zweier Ausdrücke mit gleichen/ähnlichen sprachlichen Einheiten, deren Reihenfolge im zweiten Ausdruck vertauscht wird
- Polyptoton „Flog durch die stillen Lande,/ als flöge sie nach Haus“(aus: J. v. Eichendorff: Mondnacht) die Wiederholung eines Wortes bzw. des Wortstammes mit Abwandlung der Flexionsform
- Figura etymologica An mir ist minder nichts / das lebet / als mein Leben. / […]
- Paranomasie Die Zeit ist / was ihr seyd / und ihr seyd /was die Zeit
- Tropen - Ausdrucksweisen uneigentlichen Sprechens - für bildliche und im übertragenen Sinn gebrauchte sprachliche Wendungen
- Metapher - Sprungtrope - Ersetzung eines Ausdrucks durch einen anderen aufgrund semantischer Ähnlichkeit
- Bildung von Metaphern durch Prädikation (Julia ist die Sonne, Du bist der hellste Stern…) Verbindung von Substantiv und Verb (Der Wagen läuft gut; den Computer hochfahren) Verbindung von Substantiv und Adjektiv (helle Begeisterung, bunter Abend, fröhliche Wolken, donnernde Stimme) Verbindung von zwei Substantiven: durch Apposition (Endstation Altersheim; die Welt, ein Jammertal)oder mittels Genitivattribut (Strom des Lebens) Komposita (Fliederhauch, Mordsucht)
- Besondere Formen von Metaphern •kühne Metapher (z.B. Oxymoron): Hassliebe, schwarze Milch, stummer Schrei•Synästhesie: „Süßer die Glocken nie klingen…“•Personifikation: „die Sonne lacht“, „der schwarze Fürst der Schatten“ (= der Tod)
- Allegorie Text/Textpassage mit zwei Bedeutungen - einer wörtlichen (sensus litteralis) und einer allegorischen (sensus allegoricus) - die auf beiden Ebenen gelesen werden können Abbildung des Allgemeinen (Tod) im Besonderen (Sensenmann)
- Symbol •beziehungsreiches bedeutungstiefes sprachliches Bild, das über sich selbst hinaus auf geistige Zusammenhänge verweist•mehrfacher Sinn: Teil der Sach- und Handlungsebene, zugleich symbolische Bedeutung•oft kulturell codiert und tradiert (Herz Liebe, Taube Frieden, Sonne Leben, Hyazinthe Trauer, Kugel Schicksal…)
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- Metonymie und Synekdoche Verschiebungstropen - im Unterschied zur Metapher findet zwischen Bildspender und Bildempfänger keine Übertragung sondern eine nachbarschaftliche Verschiebung statt - dienen weniger der Erweiterung des Bedeutungsfeld eines Textes als vielmehr der Abkürzung
- Synekdoche Zwischen Bildspender und Bildempfänger findet eine quantitative Verschiebung statt (Allgemeines <-> Spezielles)•Teil steht für Ganzes (pars pro toto)–ein kluger Kopf, unter einem Dach •Ganzes steht für Teil (totum pro parte)–„Wir sind Papst“, die Polizei macht eine Razzia, Genuss ohne Chemie Rohstoff – Endprodukt: das Silber polieren Singular – Plural: Wie geht’s uns heute?Art – Gattung; Art – Exemplar etc.
- Jedes Gedicht hat folgende beide Eigenschaften: - mündliche oder schriftliche Rede in Versen, also durch zusätzliche Pausen von der normalen Alltagssprache abgehoben - kein Rollenspiel, also nicht auf szenische Aufführung hin angelegt
- weitere Merkmale von Gedichten •relative Kürze•Liedhaftigkeit•grammatische Abweichung von Alltagssprache (Reim, Metrum, klangliche Besonderheiten)•Selbstreflexivität•unvermittelte, strukturell einfache Redesituation (suggestive Nähe des Sprechenden zum Autor)•unmittelbarer Adressatenbezug/Leseransprache, Direktheit der literarischen Kommunikation (Personalpronomina!)•verdichteter Wortgebrauch (Wiederholungen, Leitmotive, Bildlichkeit)
- Merkmale der Versstruktur andersartige Segmentierung (Zerlegung einer komplexen sprachlichen Einheit) Setzung zusätzlicher Pausen Anomalie im Druckspiegel Bedingung sind mindestens zwei Verse
- Kreuzreim abab
- Paarreim aabb
- Blockreim abba
- Schweifreim aabccb
- Haufenreim aaabbbccc
- Stellung von Reimen im Vers •Endreim•BinnenreimIhm ist, also ob es tausend Stäbe gäbe,und hinter tausend Stäben keine Welt (R.M. Rilke: Der Panther)•Eingangsreim (≠ Anapher!) Was unten tief dem ErdensohneDas wechselnde Verhängnis bringt (F. Schiller: Das Lied von der Glocke)
- Assonanz - abgeschwächte Form des Reimes, Gleichklang der betonten Vokale "Blumen, kühne Wunderblumen" "Duftig bunt und hastig regsam"
- Gattungstrias nach Klausnitzer (Narrative, Lyrische, Dramatische Texte) –Narrative Texte: erzählende Instanz, ungebundene Rede, Darstellung eines Geschehens als Zustandsveränderung–Lyrische Texte: Einzelsubjekt (‚lyrisches Ich‘ besser: artikuliertes Ich), gebundene Rede, Ausdruck von Zuständen, Emotionen, Einstellungen–Dramatische Texte: Figur auf der Bühne (‚Dramenfigur‘), gebundene oder ungebundene Rede, Appell (an Dialogpartner), etwas zu tun
- Was bringt uns eine Analyse der Kommunikationssituation des Gedichts? •wir strukturieren das Geschehen•hilft beim Verständnis der geschilderten Situation•kann Grundlage für Interpretationshypothesen sein•wir erarbeiten die Befindlichkeit und Situation der Sprecherinstanz
- Kommunikation im Gedicht Wer spricht, steuert, produziert? Wer spricht? artikuliertes (lyrisches) Ich Wer steuert? Textsubjekt Wer produziert das Gedicht? empirischer Autor
- artikuliertes Ich –eigenständiges Subjekt innerhalb des Gedichts–Element, dass von einer übergeordneten Instanz dem Text-Subjekt strukturierend gesetzt wird.•Autor selbst taucht im Gedicht nicht auf•Aber: der Gestaltungsimpuls des Autors hat Pendant im Text (Text-Subjekt)
- Wie ändert sich der Status des Redenden durch Verwendung von „Wir“? •nur Gegenüber kann eingeschlossen werden (Identifikation und Gemeinschaft stiften)•ein Andere ausschließendes Wir•ein für alle offenes Wir (Schillers: Ode an die Freude selten, vorwiegend in Hymnen oder Gesellschaftsliedern)
- Dritte Person: Über wen wird gesprochen? objektivierende Darstellungen erzählende Gedichte Welche Genre-Bsp. gibt es ? Balladen Lehrgedichte Landschaftsgedichte Dinggedichte (Mörikes. Auf eine Lampe, Rilke. Das Karussell) Tiergedichte (Rilke: Panther)
- Metrik = Wissenschaft von den Regeln des Verses wichtig für Formanalyse, Beschreibung der formalen Eigenschaften des Verses
- Metrum = Versmaß (bestimmt die Struktur des Verses)