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Datenerhebung (Fach) / VL 5 & 6 (Lektion)

Vl 5&6

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  • Wissenschaftstheorie Rationalismus z.B. Descartes (auch Spinoza, Leibniz): Radikaler Zweifel an allem; Denken des Einzelnen/Selbstbewusstsein als Ausgangspunkt •  Lösung: „Cogito ergo sum“: „fundamentum inconcussum“ aller Erkenntnis Intuitive Einsichten als Basis des Wissens: sind klar und einsichtig •  Sinneserfahrungen fehlbar, unsicher, vage Verstand als Basis unseres Wissens: funktioniert auch ohne Erfahrung •  Struktur Welt und Verstand ähnlich: Besinnung auf Verstand --> Welterkenntnis Wie könnte ein Rationalist auf Molyneux‘ Frage antworten? Mögliche Antwort: Konzept der Kugel und des Würfels im Verstand vorhanden •  Empfindungen werden mit Verstandeskonzepten abgeglichen •  Funktioniert für alle Sinnesmodalitäten, inkl. derjenigen, die neu hinzukommen à jetzt sehender Blinder kann zwischen beiden Objekten unterscheiden
  • Wissenschaftstheorie Empirismus z.B. John Locke (auch Francis Bacon, David Hume) •  Alle Erkenntnis beginnt mit der sinnlichen Erfahrung (Sensualismus) -  Sinnesempfindungen und deren Gedächtnisspuren •  „Nihil est in intellectu, quod non antea fuerit in sensu.“ (v. Aquin, Locke) (dt. „Nichts ist im Geist, was nicht vorher in den Sinnen war.“ Wie hat Locke auf Molyneux‘ Frage geantwortet? Ich stimme der Antwort zu, die jener Denker, den ich mit Stolz meinen Freund nenne, auf diese Frage gibt. Auch ich bin der Meinung, dass der Blinde auf den ersten Blick nicht mit Sicherheit würde sagen können, welches die Kugel, welches der Würfel sei, solange er sie nur sähe, obwohl er sie nach erfolgter Berührung untrüglich namhaft machen und infolge der Verschiedenheit der erfühlten Gestalt mit Sicherheit unterscheiden könnte. (Locke, Essay Concerning Human Understanding) 
  • Induktivismus Grundannahme: Theorie ist eine Konsequenz gegebener Tatsachen, wird aus Tatsachen gewonnen und durch Tatsachen bestätigt Wann ist ein induktiver Schluss gerechtfertigt? – Drei Bedingungen 1, Verallgemeinerungen müssen auf großer Anzahl von Beobachtungen beruhen 2, Beobachtungen unter großer Vielfalt von Bedingungen wiederholt 3, Keine Beobachtungsaussage steht im Widerspruch zu entsprechendem allg. Gesetz A(1) ist B A(2) ist B ... Alle A sind B
  • Das „Kuchenmodell“ des klassischen Theoriekonzepts Abstrakte Theorien Theoretische Gesetze Empirische Verallgemeinerungen Tatsachen Wissenschaft •  Wissenschaftl. Fortschritt: Übergang zu Theorien mit höherem Erklärungsvermögen •  Klare empirische Grundlage •  Wissenschaft nimmt tendenziell einheitlichere Struktur an •  Kumulativer Fortschritt, lineare Entwicklung
  • Probleme des Induktivismus 1) Anzahl an Beobachtungen •  Zu unklar: wie viele? •  In manchen Fällen unangemessen: wie häufig Hand ins Feuer? 2) Was ist große Vielfalt an Bedingungen? Bsp. Führt Mitleid zu prosozialem Verhalten? •  Unterschiedliche Typen von Personen (Geschlecht, Kultur, Alter) à ja •  Unterschiedliche Wochentage à nein  Problem: Bauen auf Wissen zur Identifikation relevanter Aspekte (infiniter Regress) 3) Fast nichts ohne Ausnahmen •  Also gibt es fast keine gerechtfertigten Theorien? 4) Großer Teil der Erkenntnis beruht auf Nicht-Beobachtbarem (z.B. Protonen, Gene, DNA-Moleküle) à Wissenschaftliche Erkenntnis über Nicht-Beobachtbares nicht durch Induktivismus erlangbar? 5) Viele wiss. Gesetze bestehen in exakter, mathematischer Form Aber: Messungen wenig exakt •  Fehlerbehaftete Messungen als Prämissen induktiver Argumente ---> Wie können exakte Gesetze wissenschaftlich gerechtfertigt werden? 6) Induktionsproblem: Induktion selbst ist nicht rechtfertigbar •  Weder durch Logik: à Induktiver Schluss ist nicht zwingend (vgl. Popper) •  Noch durch Empirie: Infiniter Regress
  • Probleme des Induktivismus: Die Paradoxe der Bestätigung Ausgangspunkt: Induktion durch Aufzählung •  Hypothesen werden durch positive Einzelfälle bestätigt •  Durch negative Einzelfälle entkräftet 1) Das Rabenparadox (Hempel, 1943) 2) Das „blün“-Paradox (Goodman, 1973)
  • Positivismus und Induktivismus Das Rabenparadox (Hempel, 1943) Ausgangshypothese: Alle Raben sind schwarz. Exkurs: Kontraposition Aus A folgt B. Aus nicht B folgt nicht A. Hypothese: Alle Raben sind schwarz. ist logisch äquivalent mit Alle nichtschwarzen Dinge sind Nichtraben. Folge: alles, was weder schwarz noch ein Rabe ist, ist ein positiver Einzelfall (und bestätigt beide Hypothesen, da sie äquivalent sind). Paradox: Alles, was nicht schwarz und kein Rabe ist (z.B. ein roter Turnschuh), bestätigt ebenfalls die Hypothese, alle Raben seien schwarz.
  • Positivismus und Induktivismus Das „blün“-Paradox (Goodman, 1973) Typischer Induktionsschluss als Ausgangspunkt: Alle vor einem bestimmten Zeitpunkt t untersuchten Smaragde sind grün. Ergo: Alle Smaragde sind grün. Alternatives Prädikat „blün“: Trifft auf alle vor t untersuchten Dinge genau dann zu, wenn sie grün sind, auf andere Dinge (d.h. nach t) dagegen genau dann, wenn sie blau sind. Hypothese 1: Alle Smaragde sind grün. Hypothese 2: Alle Smaragde sind blün. Paradox: Alle Einzelfälle, die H(1) bestätigen, bestätigen auch H(2).
  • Der logische Empirismus des Wiener Kreises Wiener Kreis: Gruppe von Philosophen und Wissenschaftlern im frühen 20. Jahrhundert 1, Sachverhalt, der „durch unmittelbares Erlebnis konstatiert“ (Schlick) Wiener Kreis: Gruppe von Philosophen und Wissenschaftlern im frühen 20. Jahrhundert (u.a. Moritz Schlick, Otto Neurath, Rudolf Carnap) •  Bezeichnungen: Logischer Empirismus, logischer Positivismus, Neopositivismus •  Versuch der Verwissenschaftlichung der Philosophie: Logik und Empirie als Basis •  Empiristisches Sinnkriterium: zur Abgrenzung gegen Metaphysik (= sinnloses) Sinnkriterium: Verifikationsprinzip Empirische Sätze dann sinnvoll, wenn verifizierbar Worin besteht der Akt der Verifikation (als Basis objektiver Wissenschaft)? 1, Sachverhalt, der „durch unmittelbares Erlebnis konstatiert“ (Schlick) --> Sinnvolle Aussagen müssen auf Erlebnisse beruhen (Phänomenalismus) Probleme: •  subjektives Erleben keine stabile Basis •  subjektive Wahrnehmung <-> Wahrheit
  • Der logische Empirismus des Wiener Kreises 2, Beobachtungssätze / Protokollsätze 2, Beobachtungssätze / Protokollsätze •  Jede sinnvolle Aussage muss sich auf physikalische (Beobachtungs-) Begriffe zurückführen lassen (Physikalismus) •  Auch Sprache der Psychologie ohne Bedeutungsverlust in physikalische Begriffe übersetzbar; „Psychologie ist ein Zweig der Physik“ (Carnap, 1932/1933) -->  Programm der Einheitswissenschaft: Jede Aussage jeder Wissenschaft soll sich in physikalische Ausdrücke übersetzen lassen Zentrale Begriffe •  Empirismus: Jede wiss. Aussage (außer Logik, Mathematik) empirisch fundiert •  Verifikationismus: Empirische Sätze – durch von jedermann beobachtbare Aussagen zu verifizieren •  Reduktionismus: alle wiss. Begriffe auf einf. Begriffe mit Beob. Charakter reduzieren 
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  • Der logische Empirismus des Wiener Kreises Problem: roblem: sprachliche Äußerung (≠ Erlebnis) korrigierbar, intersubjektiv nachprüfbar •  keine unabänderliche Basis •  „Übersetzung“ des sinnlich Gegebenen in sprachliche Darstellung = „Protokollsatzdebatte“ / „Basisproblem der Erfahrung“ Wilfrid Sellars (1956) „The myth of the given“ (Mythos des rein Gegebenen) Protokollsatz fließt nicht aus dem reinen Erleben, sondern ist ein Entschluss Nicht einzelner Entschluss, sondern Rückhalt in einer Gruppe von Peers -->  Wissenschaftliche Erkenntnis an ihrer Basis ein soziales Unternehmen? „Es gibt kein Mittel, um endgültig gesicherte saubere Protokollsätze zum Ausgangspunkt der Wissenschaft zu machen. Es gibt keine tabula rasa. Wie Schiffer sind wir, die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus besten Bestandteilen neu errichten zu können.“ (Neurath, 1932/33)
  • Was ist eine Tatsache? Aktiv (nicht passiv): werden generiert, stellen sich nicht ein; Prozeduren; Prüfverfahren -  Veränderungen über Zeit: techn. Fortschritt; Wissenszuwachs; irrelevant aufgrund Weiterentwicklung  Öffentlicher Prozess (nicht privat): Prüfung, Kritik durch andere --> Arrangement v. Situationen, um relevante Tatsachen hervorzubringen (--> Experiment) Daraus folgt à Tatsachen können fehlbar, Gegenstand von Korrekturen sein à   Veränderung dessen, was als beobachtbare Tatsache angesehen wird à   Keine theoriefreie(n) Beobachtungssprache / Tatsachen Bsp. „Die Erde bewegt sich nicht.“ Bsp. „Die Größe der Venus verändert sich im Jahresverlauf nicht.“
  • Kritischer Rationalismus Verhältnis Empirie-Theorie: Wissenschaft baut nicht auf die Wahrnehmung des rein Gegebenen, sondern beginnt mit kühnen Theorien. Grundlegende Differenz: Logischer Empirismus und Kritischer Rationalismus •  Schlick (1934): Wissenschaft soll auf Fels errichtet werden, „welcher vor allem Bauen da ist und selber nicht wankt“. •  Popper (1989): Wissenschaft ruht auf Pfählen, die sich von oben in einen Sumpf senken, ohne einen letzten Grund zu erreichen. --> Vorrang theoretischer vor empirischen Aussagen „es gibt überhaupt keine Sinnesdaten oder Wahrnehmungen, die nicht auf Theorien beruhen“ (Popper, 1974) •  keine theoriefreie Beobachtung, keine theoriefreie Sprache •  kein klarer Gegensatz zwischen empirischen und theoretischen Sätzen
  • Kritischer Rationalismus: Poppers Ausgangspunkt Poppers Ausgangspunkt: Auseinandersetzung mit Marxisten und Freudianern •  interpretieren Geschichte / menschliches Verhalten (post-hoc) durch ihre Theorien •  diese Theorien niemals falsch, immer bestätigt à  Kritik Poppers: Theorien können nichts erklären, da sie nichts ausschließen können
  • Kritischer Rationalismus Falsifizierbarkeit als Kriterium guter Theorien •  Falsifizierbarkeit: Existenz logisch möglicher Beobachtungsaussagen, die mit Hypothese unvereinbar •  Hypothese ist aussagekräftig, hat Informationsgehalt
  • Kritischer Rationalismus Positives Gegenbeispiel Eddingtons Überprüfung von Einsteins Relativitätstheorie •  Einstein (1911, 1916): Lichtstrahlen krümmen sich in der Nähe massiver Objekte •  Beobachtungen durch ein Team um Arthur Eddington während einer Sonnenfinsternis 1919 ---> Spektakuläre Bewährung von Einsteins Theorie
  • Kritischer Rationalismus Deduktive Begründung der Wissenschaft Deduktion: Wahrheit wird von Prämissen auf Konklusion übertragen Falschheit einer Konklusion wird auf Prämissen zurückübertragen Zentral: Per Deduktion werden aus allgemeinen (theoretischen) Sätzen singuläre Sätze (Basissätze) abgeleitet, die empirisch geprüft werden. •  Falsifikation des singulären Satzes führt zur Falsifikation des allg. Satzes •  Zentrales Vorgehen der Wissenschaft: kritisches Prüfen von Theorien ≠ Sammeln von immer mehr bestätigenden Belegen (Logischer Empirismus) •  Theorie vorläufig bewährt, wenn sie Falsifikationsversuchen standgehalten •  Positivität („Bestätigung“) unseres Wissens ist nicht möglich Dabei: Alle Sätze (auch Basissätze) sind als Hypothesen auffassbar à  Alle Sätze können durch Falsifikation ihrer Folgesätze falsifiziert werden à  All unser Wissen besteht aus (noch) nicht widerlegten Hypothesen
  • Kritischer Rationalismus „Testeinsicht“ (Lambert & Brittan, 1991) 1682: Edmond Halley beobachtet einen Kometen Unterlagen über andere Kometensichtungen 1530/1531 und 1606/1607 Annahme, dass alle drei Beobachtungen auf demselben Kometen beruhen Test der Newtonschen Gesetze: Vorhersage des Wiederauftauchens (Dezember 1758) à Kritischer Testfall für die Newtonsche Theorie Newton (1643-1727) Halley (1656-1742) Stärke des Befundes lag in seiner Unwahrscheinlichkeit („Testeinsicht“) •  Geringe Wahrscheinlichkeit des Befundes •  Hohe Falsifizierbarkeit -->  Theorien mit geringer Wahrscheinlichkeit sind stark falsifizierbar und daher informativer für die Wissenschaft
  • Kritischer Rationalismus „Testeinsicht“ (Lambert & Brittan, 1991) 1682: Edmond Halley beobachtet einen Kometen Unterlagen über andere Kometensichtungen 1530/1531 und 1606/1607 Annahme, dass alle drei Beobachtungen auf demselben Kometen beruhen Test der Newtonschen Gesetze: Vorhersage des Wiederauftauchens (Dezember 1758) à Kritischer Testfall für die Newtonsche Theorie Newton (1643-1727) Halley (1656-1742) Stärke des Befundes lag in seiner Unwahrscheinlichkeit („Testeinsicht“) •  Geringe Wahrscheinlichkeit des Befundes •  Hohe Falsifizierbarkeit -->  Theorien mit geringer Wahrscheinlichkeit sind stark falsifizierbar und daher informativer für die Wissenschaft
  • Kritischer Rationalismus Bessere Theorien •  Je umfassender, desto größer die Möglichkeiten sie zu falsifizieren (größerer Informationsgehalt) •  Eindeutig und exakt aufzustellen, genaue Aussagen Ziel der Wissenschaft: hoch falsifizierbare Hypothesen aufzustellen und hartnäckige Versuche, diese zu falsifizieren „Ich will daher gerne zugeben, dass Falsifikationisten wie ich es vorziehen zu versuchen, ein interessantes Problem durch eine kühne Hypothese zu lösen, statt einen Katalog von irrelevanten Binsenwahrheiten zusammenzustellen, auch dann, wenn der Versuch sich als schwierig erweist, oder geradezu als ein Fehlschlag. Wir ziehen das vor, weil wir glauben, dass dies der Weg ist, um aus unseren Fehlern zu lernen; und dass wir durch die Entdeckung, dass unsere Vermutung falsch ist, viel über die Wahrheit gelernt haben und ihr nähergekommen sind.“ (Popper, 200
  • Kritischer Rationalismus Charakteristische Elemente   Kühne und spekulative Vermutungen (aber falsifizierbar), Pluralität an Theorien --> Alles-oder-Nichts ≠ behutsames, induktivistisches Vorgehen •  Entstehung d. Theorien (quid facti) ist unwichtig, zentral ist Geltung (quid juris) •  Theorie niemals wahr •  Ggü anderen Theorien überlegen, da sie den Überprüfungen standhielt, die die anderen falsifiziert haben (vorläufig bewährt) •  Wissenschaft geht von Problemen aus: Aufstellung von Hypothesen •  Kritische Prüfung: scheidet Hypothesen aus •  Falsifikation einer Hypothese, die bisher bestand hatte •  Neues Problem, das aber bereits weiter vom Ausgangspunkt entfernt •  Neue Hypothesen --->  Unendlicher Prozess    Approximative Theorie der Wahrheit - „Fortschritt“ statt „Wahrheit“
  • Raffinierter Falsifikationismus (Chalmers, 2007) Problem der Ad-hoc-Modifikationen Problem der Ad-hoc-Modifikationen •  Ausgangspunkt: Weiterentwicklung von Theorien •  Ad-hoc Motivationen: Modifikationen der Theorie, die lediglich dazu dienen, Theorie gegen Falsifikationen zu schützen à sind abzulehnen ß Akzeptable Modifikationen müssen zu überprüfbaren Konsequenzen führen Bsp. Aussage „Brot ist nahrhaft“ •  Aber: Beobachtung - Menschen in Dorf XYZ erkranken an Brot •  Ad-hoc Modifikation: „Brot, mit Ausnahme dieser bestimmten Menge an Brot, die in diesem Dorf produziert wurde, ist nahrhaft.“ Ø  Modifizierte Theorie auf keine andere Art überprüfbar als die urspr. Theorie •  Bessere Modifikation: „Brot ist nahrhaft bis auf Brote, die durch Schimmelpilzen verunreinigt sind.“ Ø  Führt zu neuen unabhängigen Überprüfungen
  • Raffinierter Falsifikationismus (Chalmers, 2007) Bsp: Entdeckung des Neptuns (1846) Bsp. Entdeckung des Neptun (1846) •  Mitte des 19. Jhdt: Unregelmäßigkeiten in der Bewegung des Uranus -  Nicht vereinbar mit Newtons Theorie •  Schlussfolgerungen? -  (ad-hoc) Annahme eines anderen Planeten, der die Abweichung erklärt ---> Kurz darauf: Entdeckung des Neptun
  • Raffinierter Falsifikationismus (Chalmers, 2007) Kritik an Popper – Falsche Einschätzung bedeutsamer Fortschritte  Kritik an Popper – Falsche Einschätzung bedeutsamer Fortschritte 1) Durch die Bewährung kühner Vermutungen •  Bringt etwas neues, das wir zuvor nicht wussten/für unwahrscheinlich hielten 2) Durch die Falsifikation von behutsamen Vermutungen •  Was bisher unproblematisch Wahrheit, ist falsch Weniger interessant: Bestätigung behutsamer Vermutungen o. Falsifikation kühner Vermutungen Neuartigkeit und Hintergrundwissen Hintergrundwissen: Gesamtheit der wissenschaftlichen Theorien, die zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte allgemein anerkannt und gut begründet •  Kühne Vermutung: angesichts des Hintergrundwissens unwahrscheinlich -  Bsp. Astronomie des Kopernikus im Jahr 1543 à Bewährung kühner Hypothesen: problematisieren unser Hintergrundwissen
  • Probleme des Falsifikationismus 1, Fehlen normierter Ablehnungsverfahren 2, Duhem-Quine-These 3, Bewährung vs Bestätigung 4, Probleme des falsifikationistischen Abgrenzungskriteriums
  • Probleme des Falsifikationismus 1, Fehlen normierter Ablehnungsverfahren 1, Fehlen normierter Ablehnungsverfahren •  Selbst bei falsifizierenden Belegen wird Theorie nicht direkt abgelehnt •  In Ermangelung alternativer Hypothesen zögern Wissenschaftler, gut etablierte Theorien preiszugeben Bsp. Entdeckung des Neptun (1846) •  Mitte 19. Jhdt: Unregelmäßigkeiten in der Bahn des Uranus Ø  Nicht vereinbar mit Newtons Theorie •  Schlussfolgerungen? -  Entkräftet Newtons Theorie à Falsifikation, Verwerfen der Theorie -  Einschränkung des Geltungsbereiches des Gravitationsgesetzes -  Annahme anderer Entitäten, die Abweichung erklären à  Mehrheit der Wissenschaftler neigte nicht dazu, Newtons Theorie zu verwerfen à hätten sie das nicht eigentlich tun müssen?
  • Probleme des Falsifikationismus 2, Duhem-Quine-These •  Hypothesen werden nie isoliert getestet -  Immer unter Zuhilfenahme weiterer Hypothesen -  Immer im Zusammenhang mit Ausgangs- und Randbedingungen à  Negatives Resultat sagt nicht, welche Hypothese/Bedingung problematisch Kritischer Rationalismus Hypothesen H1, H2, H3,… Randbedingungen A1, A2, A3,… ------------------------------------------- Prädizierter Sachverhalt E Mögliches Problem: Theorie wird vor Falsifikation bewahrt, indem Falsifikation auf andere Bereiche des komplexen Netzwerkes von Annahmen gelenkt wird Probleme des Falsifikationismus Ein positiver Einzelfall bestätigt alle Hypothesen & Bedingungen, ein negativer Einzelfall falsifiziert nicht alle Hypothesen & Bedingungen, aus denen er folgt.
  • 3, Bewährung vs Bestätigung Kritik an Poppers Annahme, dass Theorien höchstens vorläufig bewährt sind •  Theorien werden nie ein für allemal schlüssig bewiesen, aber sie können durch empirische Befunde bestätigt werden (Lambert & Brittan, 1991) -  Je vielfältiger die bestandenen Prüfungen, desto besser bestätigt -  Bsp. Halley: hat Newtons Theorie nicht nur getestet, sondern letztlich auch bestätigt à  Wissenschaft unterscheidet zwischen Befunden, die etwas bestätigen, und Befunden, die etwas entkräften à  Kritik: Poppers Sicht konfligiert mit wissenschaftlicher Praxis Was denken Sie? - Bestätigung oder Bewährung von Theorien?
  • 4, Probleme des falsifikationistischen Abgrenzungskriteriums Falsifizierbarkeit: Abgrenzung zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft: <-> Aber: auch astrologische Behauptungen (teilweise) falsifizierbar (und falsifiziert) Anpassung Kriterium: wissenschaftlich = falsifizierbar & nicht falsifiziert <-> Aber: viele wissenschaftliche Theorien habe Probleme, stehen im Widerspruch zu manchen Beobachtungen, z.B. •  Unregelmäßigkeiten Uranus <-> Newtons Theorie •  Turmargument <-> Kopernikus (heliozentrisches Weltbild) --> Oftmals fruchtbar, an Theorien festzuhalten, die eigentlich falsifiziert Problem: Wie dann Wissenschaft von Pseudo-Wissenschaft abzugrenzen?