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Allgemeine Psychologie I (Fach) / Gedächtnis VL 9 Aufmerksamkeit (Lektion)
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- Funktionen von Aufmerksamkeit? Planen/Kontrollieren zur Vorbereitung einer kontrollierten, nicht automatischen Handlung Stetiges Überwachen der Umwelt (Daueraufmerksamkeit; Vigilanz), z.B. Autofahren – automatisches Erkennen Gefahrensituationen Selektion von relevanten Informationen
- Aufmerksamkeit als Selektionsprozess: Filtertheorie der Aufmerksamkeit - Frühe Selektion basierend auf den folgenden empirischen Befunden: Dichotisches Hören (Cherry, 1953; Broadbent, 1954) Psychologische Refraktärperiode (PRP; Welford, 1952)
- Aufmerksamkeit als Selektionsprozess Dichotisches Hören von Nachrichten (Cherry, 1953) Vpn hören über Kopfhörer gleichzeitig unterschiedliche Nachrichten auf dem linken und rechten Ohr.Instruktion: „Beachte nur die Information auf dem z.B. linken Ohr und spreche sie im Anschluss laut aus“ („Beschatten“, Shadowing) Nur Veränderungen physikalischer Eigenschaften der nicht beschatteten Information werden entdeckt. (z.b: Geschlecht / Ton) Vpn hören Abfolge simultaner Ziffernpaare, wobei beiden Ohren jeweils unterschiedliche Ziffern (Buchstaben oder Zahlen) präsentiert werden (M-H, R-S, W-P)Kritische Versuchsbedingung: Wiedergabe der Ziffern in Paaren Ergebnis: Wiedergabe erfolgt bevorzugt nach Ohr, nicht nach Ziffernpaar, also z.B. MRW oder HSP→ Bericht getrennt nach Quellen/Kanälen
- Aufmerksamkeit als Selektionsprozess Psychologische Refraktärperiode (Welford, 1952) Zwei Reize werden nacheinander, in kurzem zeitlichem Abstand dargeboten. Vpn sollen auf jeden dieser Reize so schnell wie möglich per Tastendruck reagieren Reaktionszeit auf den 2. Reiz (RT2) ist verlangsamt; je kürzer das Intervall zwischen Erscheinen des ersten und zweiten Reizes (Stimulus-OnsetAsynchrony; SOA), desto höher RT2 ⇒ Engpass im Verarbeitungssystem; Verarbeitung des ersten Reizes muss abgeschlossen sein, bevor die des zweiten Reizes beginnen kann (serielle Verarbeitung).
- Aufmerksamkeit als Selektionsprozess -Filtertheorie der Aufmerksamkeit (Broadbent, 1958) - Ort der Nachrichtenselektion ist früh- Selektion auf Basis physikalischer Reizmerkmale und nach Alles-oder-nichts-Prinzip- Es gibt nur einen seriellen, kapazitätslimitierten zentralen Prozessor (Einkanalhypothese)- Gefilterte Information wird bis auf Ebene der Bedeutung verarbeitet; nicht-gefilterte Information nur auf Ebene physikalischer Merkmale (Filterung geht Bedeutungsanalyse voraus)
- Aufmerksamkeit als Selektionsprozess -Filtertheorie der Aufmerksamkeit (Broadbent, 1958) - Ort der Nachrichtenselektion ist früh- Selektion auf Basis physikalischer Reizmerkmale und nach Alles-oder-nichts-Prinzip- Es gibt nur einen seriellen, kapazitätslimitierten zentralen Prozessor (Einkanalhypothese)- Gefilterte Information wird bis auf Ebene der Bedeutung verarbeitet; nicht-gefilterte Information nur auf Ebene physikalischer Merkmale (Filterung geht Bedeutungsanalyse voraus)
- Probleme der Filtertheorie: Bestimmte (unbeachtete) Information gelangt durch den Filter (z.B. eigener Name; Moray, 1959) --> Cocktail-Party Effekt Information aus ignoriertem Kanal beeinflusst Interpretation von Information („Dear Aunt Jane“ – Experiment; Gray und Weddeburn, 1960) Durch Übung kann das Entdecken von kritischer Information im ignorierten Kanal wesentlich gesteigert werden (z.B. Underwood, 1974)
- Aufmerksamkeit als Selektionsprozess Attenuationstheorie der Aufmerksamkeit - Nicht beachtete Informationen werden abgeschwächt, aber nicht komplett eliminiert (Mehr-oder-Weniger – Prinzip) - Hierarchie von Verarbeitungsstufen (physikalisch – semantisch); Erreichtes Analyseniveau abhängig von Verarbeitungskapazität - Attenuierte Information kann bei niedriger Aktivationsschwelle (z.B. eigener Name) aktiviert werden (Top down – Einfluss)
- Aufmerksamkeit als Selektionsprozess Theorie der späten Selektion (Deutsch und Deutsch, 1963) “… eine Nachricht erreicht dieselben perzeptuellen und diskriminativenMechanismen, ob ihr Beachtung geschenkt wird oder nicht; und die Informationen warden dann von diesen Prozessen gruppiert oder segregiert” (Deutsch und Deutsch, 1963, S. 83) Vollständige Analyse aller Eingangsreize Selektion erfolgt spät, nämlich nahe an der Reaktion Weiterverarbeitung nur von Reizen, die für die momentane Aufgabe wichtig sind; Gewichtung des Inputs nach Relevanz Erfordert effizienten Prozessor, der nicht mehr seriell arbeiten kann (parallele Verarbeitung)
- Frühe oder späte Selektion? „Frühe“ oder „späte“ Selektion? Auf die Frage, ob die Selektion früh oder späterfolgt, kann es keine singuläre Antwort geben (Allport, 1989).--> „Sowohl-als-auch!“ z.B. Perceptual - Load Theorie Situationale Bedingungen (Anforderungen an die Targetselektion) entscheiden über frühe oder späte Selektion (Lavie, 1995) Perzeptuell überschaubarere Aufgaben (niedriger perceptual load): späte Selektion (Kapazitäten nicht ausgelastet; Distraktoren werden verarbeitet) Perzeptuell anspruchsvolle Aufgaben (hoher perceptual load): frühe Selektion (keine Kapazitäten zur Verarbeitung von Distraktoren, d.h. Störreizen)
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- Aufmerksamkeit als Selektionsprozess Selektion: Aktivation und Inhibition? - Relevante Information bzw. die interne Repräsentation wird aktiv verstärkt (Aktivation)- Irrelevante Information wird aktiv unterdrückt (Inhibition) → umstritten!Evidenz pro Inhibition: Negatives Priming, Tipper (1985):
- 2 Arten von selektiver Aufmerksamkeit? 1. Ortsbasierte Aufmerksamkeit 2. Objektbasierte Aufmerksamkeit
- Arten von selektiver Aufmerksamkeit „Spotlight“ - Metapher der Aufmerksamkeit (Posner, 1978, 1980; Posner, Snyder, & Davidson, 1980) Aufmerksamkeit als Lichtkegel, der einen bestimmten Ort beleuchtet.Stimuli an einem attentionalilluminierten Ort weisen einen Verarbeitungsvorteil auf. Aber! Kontroverse um die Annahme eines konstant großen und sich kontinuierlich verlagernden attentionalenLichtkegels.
- Arten von selektiver Aufmerksamkeit Alternative: „Zoom-lens“ - Metapher der Aufmerksamkeit (Eriksen & James, 1986; LaBerge, 1983) Aufmerksamkeit kann entweder auf eine kleinen Bereich mit hoher „Auflösung“ eingestellt werden (fokussierte Einstellung) oder auf einen weiten Bereich mit geringerer Auflösung (unfokussierteEinstellung)
- Arten von selektiver Aufmerksamkeit Objektbasierte Aufmerksamkeit und was sind 2 Konsequenten der objekt-basierten Selektion? Das visuelle System segmentiert das visuelle Feld in Figuren (Objekt-Kandidaten) und Hintergrund.Die (objekt-basierte) Aufmerksamkeit wählt eine Figur für die weitere Verarbeitung aus.Konsequenzen der objekt-basierten Selektion:(1) Relevante und irrelevanten Merkmale des selegierten Objekts werden verstärkt weiter verarbeitet.(2) Nicht selegierte Objekt werden nicht (oder nur schwach) weiter verarbeitet.
- O‘Craven, Downing, & Kanwisher (1999) Vpn betrachten zwei übereinander projizierte Objekte (Gesicht und Haus). Ein Objekt wird bewegt. Es soll entweder das bewegte oder das unbewegte Objekt beachtet werden bzw. das Gesicht oder Haus. Mittels fMRI gemessene Steigerung der Hirnaktivität in Abhängigkeit des Aufmerksamkeitsfokus in welchen 3 Arelaen? Mittels fMRI gemessene Steigerung der Hirnaktivität in Abhängigkeit des Aufmerksamkeitsfokus:(1) Fusiform Face Area (FFA) →Gesichter(2) Parahippocampal Place Area (PPA) → Häuser(3) Area MT (Mediotemporal) → Bewegung
- Arten von selektiver Aufmerksamkeit Aufmerksamkeitsselektion bei (fast) identischen Objekten? ⇒ Dimensionsbasierte AufmerksamkeitAttentionale Gewichtung von Objektdimensionen (z.B. Farbe, Form, Größe, Bewegung).Limitierter Gesamtbetrag an Gewicht, das den unterschiedlichen Dimensionen zugewiesen werden kann (Limitation von Aufmerksamkeitsressourcen)z.B. bei Gewichtung Farbdimension: Farbverarbeitung für alle Objekte erleichtert und Verarbeitung anderer Objektattribute (z.B. Form) erschwert.
- Merkmals-basierte Aufmerksamkeit: Visuelle Suche a) Einfache Merkmalssuche (Feature Search): ein Merkmal„Suche eine horizontale Linie“b) Konjunktionssuche (ConjunctionSearch): „und“ Verknüpfung„Suche eine grüne horizontale Linie“
- Merkmals-basierte Aufmerksamkeit: Visuelle Suche Merkmalsintegrationstheorie der Aufmerksamkeit (feature integration theory; Treismam & Gelade, 1980) (1) Präattentive Phase:Merkmalsdetektoren kodieren einzelne Merkmale (Merkmalskarten) (2) Attentive Phase:Durch Fokussierung der Aufmerksamkeit werden separat kodierte Merkmale an höhere Objekterkennungs- und reaktionsvermittelnde Stufen weitergeleitet (Merkmalsintegration)
- Merkmals-basierte Aufmerksamkeit: Visuelle Suche Probleme und Grenzen der Merkmalsintegrationstheorie Probleme und Grenzen der Merkmalsintegrationstheorie:(1) Dichotomie zwischen paralleler Suche (Steigung < 10 ms/Reiz) und serieller Suche (Steigung > 10 ms/Reiz) ist zu einfach. → Große Variabilität von Suchfunktionen...... Geführte Suche(2) Thematisiert nur Eigenschaften des Zielreizes und die Ähnlichkeit von Zielreiz und Distraktoren. →Die Ähnlichkeit innerhalb der Distraktoren hat jedoch auch Einfluss auf die Suche...... Ähnlichkeitstheorie
- Merkmals-basierte Aufmerksamkeit: Visuelle Suche Theorie der gesteuerten Suche; was sind Ähnlichkeiten und Unterschiede zur Merkmalsintegrationstheorie? Ähnlichkeiten zur Merkmalsintegrationstheorie: Räumliche Hauptkarte steuert die fokale Aufmerksamkeit (Hauptkarte der Aktivationen)Fokale Aufmerksamkeit vermittelt Bindung der Objektmerkmale der am höchst aktivierten Karte Unterschiede zur Merkmalsintegrationstheorie: Suche erfolgt nicht „blind“, sondern nach „Prioritäten“ bzw. hypothesengleitetDie räumliche Hauptkarte enthält nicht nur Ortsinformation, sondern gewichtet die Reize nach „Priorität“
- Merkmals-basierte Aufmerksamkeit: Visuelle Suche Wie wir die "Prioritätenliste" für geführte Suche erstellt? (1) Bottom-up Mechanismus: Für jede Merkmalsdimension wird eine Karte der Unterschiedlichkeit (Salienz) berechnet.-> Je mehr sich ein Reiz von den übrigen Reizen in einer Dimension unterscheidet, umso höher ist seine Salienz in dieser Dimension.(2) Top-down Mechanismus: Wissensabhängige Aktivation bekannter Zielreizmerkmale.-> Derjenige Reiz, der die meisten Zielreizmerkmale auf sich vereint, erhält die höchste Salienz.
- Merkmals-basierte Aufmerksamkeit: Visuelle Suche Warum sind die Suchzeiten in der Konjunktionssuche länger als in der Merkmalssuche? (1) Die Aktivations-Differenz zwischen Zielreiz und Distraktoren ist für Konjunktionssuche kleiner als für Merkmalssuche.(2) Die Berechnung der Salienzen ist fehleranfällig:→ Distraktoren können höhere Aktivierungen zugewiesen bekommen als der Zielreiz.
- Merkmals-basierte Aufmeksamkeit: Visuelle Suche Ähnlichkeitstheorie; Grundannahmen? Grundannahmen:(1) Visuelle Suche ist immer parallel.(2) Die Effizienz (Geschwindigkeit) der Suche hängt von zwei Faktoren ab:- Ähnlichkeit zwischen Zielreiz und Distraktoren- Ähnlichkeit zwischen verschiedenen Distraktoren (1) Für alle Reize im Display erfolgt die Bindung der Merkmale zu Objekteinheiten parallel und prä-attentiv.(2) Die Objekteinheiten konkurrieren um Zutritt zum visuellen Kurzzeitgedächtnis (hat begrenzte Kapazität).(3) Den Objekteinheiten werden (top-down) Selektionsgewichte zugewiesen.→ Je ähnlicher eine Objekteinheit dem „Suchbild“, desto größer ist das zugewiesene Selektionsgewicht.→ Die Erhöhung des Gewichts für eine Einheit reduziert die Gewichte für die übrigen Einheiten.→ Die Erhöhung bzw. Reduktion des Gewichts einer Einheit erhöht/reduziert das Gewicht aller ähnlichen Einheiten.