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Psychologie (Fach) / Sprache (Lektion)
Spracherwerb
Kommunikationsmodelle
Sprachproduktion
Sprachverstehen, Schriftsprache
Diese Lektion wurde von maschl erstellt.
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- Vorsprachliches Mutter-Kind-Verhältnis Kind kommuniziert von Anfang an mit der Mutter Mutter und Kind verhalten sich synchron und befinden sich in einer gemeinsamen Lebenswelt. Angemessene Reaktionen der Mutter verleihen den Empfindungen des Kindes rückwirkend Bedeutung.
- Kopernikalische Wende, auch sozial-kognitive Revolution genannt (Tomasello) Im übertragenen Sinne wird der Ausdruck „kopernikanische Wende“ verwendet, um eine neue Theorie oder eine Wende im Denken (z. B. linguistische Wende, kognitive Wende) als revolutionär und folgenreich darzustellen (Paradigmenwechsel). Ontogenetisch betrachtet, tritt ein Kind primär mit seinem Körper (durch bewegen und bewegt werden, berühren und berührt werden, anschauen und angeschaut werden, Laute von sich geben und Laute hören) mit andern in Kontakt. Die primäre Intersubjektivität manifestiert sich in zwischenleiblichen Interaktionen. (mehr Bewegung in Bezug auf den andern Zwilling als allein, bereits im Mutterleib)
- Modell gegenseitiger Regulation, bzw. Reziprozität (relational beeing) Das Individuum ist eingewoben in ein Netzwerk von Beziehungen (Gergen). Das Selbst ist ein Wirbel in der sozialen Strömung und somit Teil dieser Strömung (Staemmler). Körperkontakt und Aktivität ist sehr wichtig für das Kind. Wenn die Aktivität behindert wird, kann Aggression entstehen
- Still-face-Experiment Die Mutter "friert" ihr Gesicht ein (Stern). Der Säugling versucht die Mutter mit kreativen Verhaltensweisen wiederzubeleben, indem er vokalisiert, lächelt, gestikuliert. Interpretation: Menschen beziehen sich von Anfang an intensiv auf andere (Beebe)
- Vom Sozialen zum Individuum (Wygotski) Die Entwicklung verläuft vom Interpersonalen zum Intrapersonalen. Die Interaktionsmuster werden zu Merkmalen, wie ein Mensch später mit sich selbst umgeht. Die eigene Identität hängt von dialogischen Beziehungen ab. Beispiel: Gestalttherapie: Perls setzt die psychischen Instanzen (der Eltern) und die Projektionen derselben direkt in den Dialog ein (Moser).
- Habituation- Dishabituationsmethode Es gibt Differenzen bei der Aufmerksamkeit /Wahrnehmung der Kinder. Sie wählen aktiv aus: Selektion, Zuwendung oder Abwendung. Stimulus wird wiederholt dargeboten bis die Aufmerksamkeit auf einen normalen Level zurückfällt (=Habituationsphase). Dann wird ein neuer Stimulus präsentiert. Ist die Zuwendungsreaktion deutlich länger als vorher, erkennt der Säugling, dass dies ein neuer Stimulus ist (=Dishabituation). Beispiel: 6 Monate alte Säuglinge unterscheiden lautliche Kontraste (Phoneme) in diversen Sprachen. Diese generelle Fähigkeit geht mit 10 Monaten verloren (nur noch Muttersprache, Mehler). Dies wurde mit der Saugrate gemessen. Säuglinge präferieren die Muttersprache. Sie können die versch. Fremdsprachen aber nicht unterscheiden.
- Entwicklung der Sprache Beim Spracherwerb (Entwicklung des Sprechens und Hörens) wird Gurren (lange, weiche Töne) und Lallen (Verdoppelung von Silben ab 6 Monaten, zweisilbig ab 1 Jahr) unterschieden. Zuerst Entwicklung der Laute: Kontrolle der Sprechwerkzeuge (Weinert & Grimm). Iteration= Wiederholte Anwendung des Gleichen. Bedeutung kommt dazu: Mama, Papa, Auto. Einwortsätze = Holophrasen: Ein Signifikant (Papa) schliesst mehrere Signifikate ein: Vater, Hut des Vater, grosser Bruder / wauwau: Hund bellt, Angst, möchte Hund haben...(Über- (alle jungen Frauen heissen wie das Kindermädchen) und Unterextension (nur meine Katze heisst Katze). Zweiwortsätze: Susi essen (1,5 Jahre), noch kein ich. Staemmler: Kinder haben zuerst ein Bewusstsein als Objekt! Interpretation: Das Kind lebt zuerst mehr in den andern als in sich selbst, später Distanz zur Umwelt, Entwicklung von Gefühlen.
- Phonem, Morphem Phonem: kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit (Buchstabe): Lippe-Rippe Morphem:kleinstes bedeutungstragendes Element: Bau/arbeit
- Frühes grammatikalisches Verständnis Voraussetzung: Zwei-Wortsätze Präferenzen (festgestellt durch die Dauer der Blickrichtung) bei der Wahrnehmung von Pausen, bei natürlich strukturierten Texten im Vergleich zu künstlichen Texten. Dies bedeutet: Die syntaktische Struktur (Satzbau) wird vom Kind wahrgenommen (Hirsh-Pasek). Überregulation: Flexionen von Verben: singte statt sang. Dieser Fehler ist eigentlich ein Fortschritt. Die richtigen Formen werden sich einspielen.
- Pivot-Grammatik (Braine) Telegrafische Sprache: Kombination von Wörtern, wobei die Wortanordnung nicht beliebig ist. Grammatik aus zwei Wortklassen: Pivot (mehr, zu, voll) steht entweder nur am Anfang oder nur am Ende. Der offene Begriff (Milch, Türe, Mama, Kuchen) hat keine festgelegte Position. Diese Theorie würde falsifiziert, falls die Kinder sagen würden: zu zu / Milch mehr / zu Türe /voll Milch. Auch wenn ein Adjektiv vor dem Pronomen käme: schön die... Kritik an Pivot-Grammatik (Miller): Es gibt falsifizierende Untersuchungen. Diese Theorie beschränkt sich auf die Syntax. Sie müsste sich aber auch auf die Semantik und Pragmatik beziehen. Diese Ausarbeitung ist allerdings sehr schwierig.
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- joint attention /Juxtaposition Lurija weist darauf hin, dass das Kind von Anfang an in einer gemeinsamen Sprachwelt mit den Erwachsenen zusammenlebt. Joint attention ist die gegenseitige Aufmerksamkeitsregulation zwischen Mutter und Kind. Eine Juxtaposition bedeutet eine enge Nachbarschaft, zum Beispiel zweier Hirnzonen oder zweier Befindlichkeiten (etwa „Lieb und Leid“). Beispiel: Das direkte Verbinden von zwei Wörtern zu einem neuen, z. B. Langeweile
- 3 zeichentheoretische Ansätze Strukturalistische Zeichentheorie nach De Saussure: Zeichen = Signifikat (Bezeichnetes, Vorstellung von etwas: Hundegebell, Verkehrszeichen, Kopfnicken) im Verhältnis zum Signifikanten (Bezeichnendes: HAUS, mehrere Signifikate für einen Signifikanten : BANK hat mehrere Bedeutungen) Semiotisches Dreieck nach Ogden & Richards: Symbol (Signifikant) - Referent (Signifikat) - Gedanke (muss dazwischen geschaltet werden) Triadische Zeichentheorie nach Peirce: Zeichenkörper (Signifikant) - Referent (Signifikat) - Interpretant. Der Ansatz ist nicht fundamentalistisch, sondern pragmatisch.
- 5 Kommunikationsmodelle Dreischritt: Hörmann und Foppa dialogischer Dreischritt: Vorgabe, Wiedergabe, Rückmeldung (verbal, paralingual, nonverbal) Kommunikatives Dreieck: Jenny & Schär: Einleitungsfrage (explizit, implizit) - Antwort - Kommentar- neues Thema oder Fortsetzungsfrage Dialogische Resonanz: auch Personale Resonanz oder Koresonanz genannt: Schmid: Gesprächspartner und sich selbst zentrieren. Präsenz - Resonanz - Konfrontation - Austausch. Selbstaufmerksamkeit (self awarness) - unmittelbares Erleben (experiencing): Selbstresonanz (Widerhall auf die eigenen Gefühle: beseite stellen!) - empathische Resonanz (konkordant, verbalisieren des Erlebten des Klienten: symbolisieren oder komplementär, Therapeut ergänzt, erweitert die Aussage des Klienten bei paralingualen oder nonverbalen Hinweisen: konfrontieren) - personale Resonanz: Austausch: Das Erleben beider (ich-du-ich-du) in der Beziehung! Organon- Modell: Werkzeug-Modell: Bühler Karl: Zeichen als Symbol (kraft seiner Darstellung von Gegenständen) als Symptom (oder Ausdruck des Senders, dessen Innerlichkeit es ausdrückt) und als Signal (Appell an den Empfänger, dessen Verhalten es steuert). Modell der zwischenmenschlischen Kommunikation: Schulz von Thun: Selbstoffenbarung, Beziehung, Sachinhalt, Appell. Kritik: Wechselseitige Verständigungsmöglichkeiten fehlen.
- Grundlagen der Zeichentheorie De Saussure: Sprache ist ein System von Zeichen, die Ideen ausdrücken: Lautbild, Wort, Vorstellung. Zeichen: z.B. Verkehrszeichen. Klassische Konditionierung (Pawlow): Reiz-Reaktion bei Tieren Verzögerung zwischen Reiz und Reaktion im Humanbereich: Wygotski: 3.Element, eine vermittelnde Instanz zwischen Reiz und Reaktion, ein externes Hilfsmittel, das vom Menschen selbst erzeugt wird oder von der Kultur entnommen wird.
- Linguistische Beziehungen Assoziative Zusammenhänge zwischen sprachlichen Elementen oder Zeichen. Zwei Beziehungen: syntagmatische (Aneinanderreihung von Worten, Satz, z.B. abreissen-zerreissen-durchreissen) und pragmatische (Relationen zwischen Wörtern, assoziativ, alles, was latent noch mitschwingt, auch Pausen, z.B. Belehrung-Unterricht-erklären) Diese Beziehungen wirken gleichzeitig: im Sprechfluss: syntagmatische Ergänzungen, in den Sprechpausen: "Hören" von pragmatischen Hinweisen
- Formale und inhaltliche Assoziationen inhaltlich: Verbindung der Signifikate, des Bezeichneten (Türe-Fenster) Experiment (Lupker): Primereiz (Aktivierungsreiz) - Targetreiz (Zielreiz): UV: Wörter mit enger (Katze-Hund) / nicht enger (Haus-Lohn) sematischer Beziehung / AV: Reaktionszeit: Wort ja oder nein? Schnelleres Entscheiden bei inhaltlich verwandten Wörtern (semantische Beziehung)! formale: Verbindung der Signifikanten, Bezeichnendes (Haus-Maus) Experiment: Bilder benennen, UV: Wörter, die gleich ausgesprochen werden wie das gesuchte Wort (Haus-Maus) oder nicht ( Haus- Mass) / AV: Reaktionszeit Schnelleres Entscheiden bei richtigen Hinweisen: Ähnliche Aussprache erleichtert die Benennung!
- Personenzentrierte Vorgehensweise nach Rogers Eine klientenzentrierte Vorgehensweise ist nach Rogers emotional zentriert / gebündelt. Es gibt drei Stufen: Zentrierung auf Äusserungen (paraphrasieren), Emotionen (negative oder positive Gefühle, die in der Aussage mitschwingen werden verbalisiert), Ambivalenzen (Widersprüche in der Aussage weisen auf Konflikte hin).
- Sprechen Überführung von Signifikaten in Signifikanten (Verstehen umgekehrt) assoziatives oder intensionales Sprechen Das assoziative Sprechen ist auch die Grundlage des intentionalen Sprechens.
- Connell: Bedeutungsvolle Umwelt Conwell konnte durch seine Wahrnehmungen und Vorbereitungen (Kennenlernen der Stadt und der Leute) im bedeutungsvollen Feld bei seinen Reden aus dem Vollen schöpfen. Es war dadurch eine unmittelbare Verbundenheit zwischen Redner und Adressaten vorhanden.
- Tot-Phänomen (Tip of the Tongue) Ein Wort liegt mir auf der Zunge, aber ich kann es nicht sagen. Dies ist eine Übergangsform zwischen dem Signifikat und dem Signifikanten. Norman liess bei Problemen verwandte Wörter suchen, die teilidentisch waren. Weitere Hilfe: Silben, Anfangsbuchstaben, Wort ruhen lassen bis es von selbst wieder "einfällt".
- Assoziatives Sprechen formale und inhaltliche Assoziation ein Wort gibt das andere, Alkohol!, Psychoanalyse: freie Assoziation-Widerstand. Mischformen zwischen assoziativem und intentionalem Sprechen im Alltag. Jung: Assoziationsexperimente: Reizwörter vorgegeben (Vater), schnell ein anderes Wort dazu sagen! AV: Reaktionszeit / Achtung: Verzögerung = Ausreisser, verdrängter Fremdkörper, nicht bewusst zugänglich, Komplex ist energetisch aufgeladen, vom ich abgekoppelt, funktioniert autonom, stört das Zusammenleben, Neurose als Ausdruck, wird in Psychotherapie z.T. aufgelöst!
- Lokale Kohärenz von Foppa Zur kommunikativen Kompetenz gehört das Befolgen des Prinzips der lokalen Kohärenz: Man sollte dort weitersprechen, wo der andere aufgehört hat. Gegenteil: einseitiger Themenwechsel. Je mehr Absichten beim Sprechen, desto kleiner die Kohärenz!
- Intentionales Sprechen Sprechen mit bestimmten Absichten, nicht spontan, z.B. Modell der kognitiven Sprechproduktion (Levelt), das beim geplanten, instrumentellen Sprechen greift. Oft erfolgt das Sprechen nicht rein assoziativ: Widerstände, Komplexe, Assoziationen werden absichtlich gebremst, Taktgefühl unterdrückt eine Aussage, Sprecher will seine Aussage steuern.
- Persuasion Überzeugungsversuch. Fischbein und Lange: Menschen lassen sich leichter überzeugen, wenn die Differenzen nicht so offensichtlich sind. Unmittelbare Versuche, die Positionen der Gesprächspartner zu verändern, können Widerstand (Reaktanz- oder Bumerangeffekt) hervorrufen. Zuerst auf die Absichten, Ziele und Interessen (Anerkennung, idealistisches Selbstbild ansprechen) des Gesprächspartners eingehen :)! Achtung: Manipulation! :(
- Linearisierung Zum intentionalen Sprechen gehört auch die Linearisierung (= bewusstes Produzieren/Selektionieren von Lauten, Wörtern, Sätzen in einem zeitlichen Nacheinander, Kontinuum: Kanalisierung). Diese fehlt bei Levelt's Modell der kognitiven Sprachproduktion. Intentionales Sprechen erfordert eine hohe Aufmerksamkeitsleistung, sonst Versprecher (Harley):
- Analyse des Sprechens Orientierung am andern - Sprechpausen - Aufmerksamkeit - Selektion - Kanalisierung - Linearisierung - Artikulation Wichtig: Die Analyse kann sich nicht auf serielle Prozesse beschränken (Kritik am Modell Levelt). Die Parallelität der Prozesse kommt dazu!
- Neuronale Netzwerke Hebb: Lernen und Gedächtnis können nicht von der gegenstandsbezogenen Wahrnehmung getrennt werden. Assoziationen gehen mit gleichzeitig aktivierten Neuronen einher und sind daher zugleich psychologisch und neuronal: Miteinander feuernde Neuronen verbinden sich. Kontingenzen (= Ereignisse können, aber müssen nicht miteinander auftreten!): Erinnerungshilfen, Namen merken, Vokabeln lernen: Kommt einem das eine Wort in den Sinn, folgt auch das andere! Wiederholungseffekt: stärkere Verbindung-leichtere Reaktivierung, synaptische Plastizität! siehe: Use it or lose it- Prinzip!
- Funktionelles neuronales System Lurija: Verbindung von parallen und seriellen Prozessen Gehirnaufbau: Stammhirn (mit Basalganglien): Welt der Triebe, Limbisches System (Gyrus cingula, Amygdala, Hippocampus): Welt der Emotionen, Grosshirn (Kortex, 4 Stirnlappen): Welt des Denkens. Das Gehirn ist stammesgeschichtlich aufgebaut.Die höheren psychischen Tätigkeiten des Menschen sind mit Unterstützung äusserer Hilfsmittel (z.B. Zählrahmen, Werkzeuge) entstanden. Externes kann also das Gehirn "erweitern". Die höheren psychischen Tätigkeiten konstituieren sich in der Onogenese kulturell. Dynamische Aphasie - Therapie: "Ich möchte wandern". 3 Satzelemente: drei leere Karten als Hilfsmittel, damit dieser Satz wieder ausgesprochen werden kann. Dies geschieht mit einer Reorganisation der funktionalen Systeme.
- Sinnkonstanz von Hörmann Der Sinn geht laut Hörmann aus dem nahen Kontext (Wahrnehmung) oder aus dem fernen Kontext (Erinnerung) hervor. Das Vorverständnis des Hörers hilft auch defizitäre Äusserungen zu verstehen. Beim Hören schafft man auch Infos, weil der Mensch alles sinnvoll machen möchte.
- Top-down und Bottom-up-Prozesse beim Verstehen Gegenläufige Prozesse von oben nach unten und umgekehrt laufen beim Verstehen gleichzeitig ab. Bottom-up: datengeleitet: vom Phonem und Laut ausgehend Top-down: von oben nach unten, vom Kontext der Situation ausgehend, mit Vorstellung und Erinnerung gespiesen (Beispiel: Sinnkonstanz von Hörmann)
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- Top-down und Bottom-up-Prozesse beim Verstehen Gegenläufige Prozesse von oben nach unten und umgekehrt laufen beim Verstehen gleichzeitig ab. Bottom-up: datengeleitet: vom Phonem und Laut ausgehend, primär bei Sprachrezeption: phonetische Differenzierung: Mit dem 1.Phonem werden bereits paradigmatische latent-sprachlische Arsenale co-aktiviert (ab-abrei...) Rezeption=fortschreitender, datengeleiteter Prozess. Top-down: von oben nach unten, vom Kontext der Situation ausgehend, mit Vorstellung und Erinnerung gespeist (Beispiel: Sinnkonstanz von Hörmann). Kontextuelle Wahrnehmung (siehe auch Schema-Theorie). Aus der Kombination beider Prozesse resultiert die definitive Bedeutung (Langemayr).
- Schema-Theorie von Bartlett ? (später Wygotskij) Beim Verstehen kann man auf Gedächtnisinhalte zurückgreifen und neue Infos in diesen Rahmen einpassen. Ein Schema ist eine mentale Repräsentation, die stereotype Merkmale einer Situation, eines Gegenstands, einer Person enthält. Dadurch erfolgt eine Projektion der Wahrnehmung, sowie eine Selektion (Imhof). Beispiel: Skripts (immer gleiche, übliche Abläufe) beim Besuch eines Restaurantbesuchs
- Hörpraxis Ein schlecht verstandener Signifikant wird über das aus Signifikanten des Kontextes hervorgehenden Signikfikat vermittelt, komplementiert. Experiment: Akustisches Perzept von Wörtern wie Baum möglichst schnell erkennen. Wort/kein Wort? Sprachliche Voraktivierung (akustisches Perzept): UV: formal ähnliche, bzw. gleichklingende Wörter oder inhaltlich bzw. semantisch ähnliche Wörtern. Zur Kontrolle: nicht ähnliche Wörter, sinnlose Laute. AV: Reaktionszeit. Wichtig: Voraktivierung bewirkt immer eine Beschleunigung (semantisch und klanglich)!
- Vorverständnis durch die Muttersprache Das Vorverstandene kann stillschweigend unbewusst vorausgesetzt werden oder (vor-) bewusst kontextuell, situativ, mimetisch, gebildet sein. Die Verwendung einer bestimmten Sprache, vor allem der Muttersprache, ergibt ein besonderes Vorverständnis, besonders bei der Syntax und bei Wortkombinationen. Experiment (Fausey & Boroditsky): Vase zerbricht: Vpn sprechen englisch (keine Unterscheidung) oder spanisch (unterscheiden aktiv oder passiv), Video: Wutanfall versus Ungeschicklichkeit! Interpretation: Attributionstheorie (Heider): Unterscheidung: Wer oder was ist "schuld": Person oder Situation?
- Inter- und überindividuelle Voraussetzung des Verstehens Sprechen und Verstehen sind Transformationen (encodieren und dekodieren). Clark, Schreuder & Buttrick sprechen von einer gemeinsamen Welterfahrung von Sprecher und Hörer, von geteiltem Hintergrund (Common ground), die Voraussetzung sind, damit Verständnis entsteht.
- Common ground CG (Jörg) Das gemeinsame Wissen, der gemeinsame Glauben, die gemeinsamen Annahmen, d.h. der gemeinsame Erfahrungshintergrund unter Kommunikationspartnern ergibt eine grosse "Schnittmenge" bei der Kommunikation! Je kleiner der CG, umso mehr muss expliziert werden, sonst entstehen Projektionen und Missverständnisse! Beispiel: Dorf in Mali: CG suchen, indem man nach den gemeinsamen Verwandten fragt. Achtung CG richtig einschätzen, sonst entsteht Frustration (Überforderung) oder Langeweile (redundante Äusserungen, Wiederholungen...)!
- Dichte der Äusserungen (Deutscher) Sprachliche Kompaktheit bei vertrauten Personen: Implizit kommunizieren: Man weiss, wovon man spricht. Sprachliche Ausführlichkeit: Redundanz, viele Erklärungen und Wiederholungen bis das gemeinsame Verständnis hergestellt ist.
- Sprachliche Diskriminierung Explizite Diskriminierung: bei verbaler Kränkung oder einer sprachlichen Verletzung erfolgt eine Abwertung der Person. Bei einer sprachlichen Diskriminierung erfolgt eine Abwertung des Individuums als Repräsentant einer sozialen Gruppe. Mit dieser kategorialen Behandlung (globale Bewertung) wird sie nicht als Person wahrgenommen und gleichzeitig entwertet. Pos. oder neg. Diskriminierung = Kategorisierung + Evaluation (negatv: Devaluation). Beispiel: Stereotypen wie "Schotten sind geizig." Jäger bezeichnet sprachliche Diskriminierungen als Brandsätze! Implizite Diskriminierung: Political Correctness wird zwar befolgt, aber dennoch liegen Abwertungen aus dem Kontext (CG) heraus (Taylor) vor. Beispiel: Abwertung der Outgroup. Implizite Diskriminierung = Kategorisierung + CG Hinweis
- Kontextualisierung Bei impliziten sprachlichen Diskriminierungen werden Zeichen mitgeliefert: verbal mit Partikeln (selbst, auch, doch, noch) oder mit Modalwörtern (angeblich, offensichtlich) oder nonverbal: lächeln, zunicken, blinzeln. Zum Verständnis braucht es den gemeinsamen Hintergrund (CG), der dem Hörer schon zur Verfügung steht. Dieser Vorgang wird Kontextualisierung genannt (Auer).
- Theorie der sozialen Identität von Tajful Zuordnung zu einer sozialen Gruppe oder Kategorie reicht bereits aus, um eine Diskriminierung zu erzeugen. Dies ergibt eine maximale Ingroup-Favorisierung bei maximaler Outgroup-Devaluation, bzw. Diskriminierung. Bei Gruppen, die sich nur minimal unterscheiden (Minimal-Paradigma), ist die Abwertung besonders stark, um sich abzugrenzen! Beispiel: Fussballfans
- Automatisches und intentionales Schreiben Automatisches Schreiben: keine assoziative Grundlage wie beim Sprechen, nachträgliche Überprüfung Intentionales Schreiben: beinhaltet mehr Planung und Rückschau, mehr Überlegung und Systematisierung als das Sprechen. Dazu braucht es Unterbrechungen des Schreibens, d.h. Entautomatisierung, d.h. die Grosshirnrinde kann in diesen Denkpausen mehr geeignete Netzwerke aktivieren.
- Modell zweifacher Zugangswege beim Lesen 1. Buchstaben erlesen: phonologisch rekodieren, serielle Modellannahme: Buchstabenfolge-Phonemfolge-Wortidentifikation 2. Worte erlesen: Wortbild wird mit Lexikoneintrag verglichen, auch phonologisch rekodiert: Buchstabenfolge-Wortidentifikation. Beide Prozesse laufen parallel ab. Direkter Weg ist schneller (bei einfachen Wörtern) (Klicpera & Gasteiger- Klicpera). Netzwerkorientierte Modelle basieren auf der Ähnlichkeit und Regelmässigkeit der Wörter (Hebb).
- Phonologisches Arbeitsgedächtnis Je besser das phonologische Arbeitsgedächtnis ist, desto besser die Leseleistung. Die Geschwindigkeit des subvokalen Rehearsalprozesses wird mit der Nachsprechrate nachgewiesen. Aufmerksamkeitsumfang: Zahl der Items, die innerhalb von 1.8 sec betrachtet werden können. Bei Dreijährigen kann mit der Nachsprechrate 10% der Wortschatzvarianz vorausgesagt werden, bei Sechsjährigen 30%. Damit kann auch für das Wissen und die Leseleistung (Haselhorn & Werner) eine Vorhersage gemacht werden. Das Arbeitsgedächtnis sprachgestörter Kinder hat Defizite bezüglich Präzision und Klarheit. Es gibt einen signifikanten Unterschied beim Hören von 4 Silben. Beim Einsetzen von Rauschen besteht kein Unterschied! Achtung: Relativierung des rein kognitivistischen Ansatzes: Für kognitive Leisungen sind auch die Erfahrungen mit der Sprache wichtig.
- Verstehen Verstehen ist eine Modifikation des Vorverstandenen. Unproblematisches Verstehen: Unmittelbarer Zugang zu den Signifikaten im Langzeitgedächtnis. Direkter Zugang zum LG: Interesse, Gefühle, Motivation, Bedeutung :) Sonst: aufnehmen, einordnen, anbinden, reproduzieren, modifizieren. Explizites Verstehen: aus den rezipierten Signifikanten, die Signifikate sprachlich ausdrücken, mit anderen Worten ausdrücken. Speicherfähigkeit bei ADHS ist reduziert (nur 3 statt 7 oder 5 Einheiten). LG= Rumpelkammer!!
- Stilles Leseverstehen versus Hörverständnis (Kürschner & Schnitz / Eid & Hauch) Sprechen und hören: Lautstärke, Tempo, Klangfarbe, Intonation, Frequenz, Einsatz von Pausen strukturieren und helfen verstehen (Samuels). Vorteil bei kurzen, leichten Texten (AG) und bei jungen Personen und bei wenig Schulbildung Visuell dargeboten: Kontrolle möglich, repetitiv zu lesen (Ferreira & Anes). Vorteil: bei längeren, komplexen Texten, besser bei Detailwissen. Präferenz: ältere, gebildete Personen. Grafische Gestaltung, sowie Prosodie (Rhythmik, Tonhöhe) sind Verstehenshilfen (Imhof).
- Wissen und Vorwissen Klintsch: Vorwissen und Text decken sich = Redundanz, Langeweile Vorwissen und Text decken sich gar nicht: Keinen gemeinsamen Nenner: Überforderung. Oberflächliches (einfache Reproduktionsleistung ist möglich) und gründliches Textverstehen (Aufarbeitung und explizite Intergration des Neuen in das Vorwissen = Inferenz).Verarbeitungstiefe. Experiment: Externe Hilfe / advance organizer in Form eines andern ähnlichen Textes zum gleichen Thema (besseres Verständnis, schlussfolgern) oder ähnlicher Artikel mit gleicher Struktur (mehr Reproduktion gleicher Sätze, oberflächlich). Folglich: Exzerpte anderer Strukturen erstellen / etwas mit andern Worten ausdrücken Interferenzen= Einwirkung eines sprachlichen System auf ein anders; Überlagerungen